Die Vergangenheit ist nicht festgeschrieben

Wir haben bereits über viele Visual Novels geschrieben. Dabei handelte es sich fast immer um moderne Titel, doch heute wollen wir euch YU-NO: A Girl Who Chants Love at the Bound of this World vorstellen. Das Original erschien im Jahre 1996 und hat das Genre, wie wir es heute kennen, maßgeblich beeinflusst. Spike Chunsoft hat dem Titel nun ein Remake spendiert, dessen Nintendo Switch-Version wir uns heute anschauen wollen.


Zusammen mit der mysteriösen Reporterin untersucht ihr die Geheimnisse des Unternehmens Geotech. Natürlich schlaft ihr auch mit ihr. © Spike Chunsoft

Takuya Arima, Student einer Highschool in Japan, erfährt, dass sein Vater, ein grandioser Wissenschaftler und schlechter Erziehungsberechtigter, bei einem Unfall verstorben ist. Nun lebt er mit seiner sehr jungen und hübschen Stiefmutter zusammen. An der Schule selbst ist er dafür bekannt, dass er seine sexuellen Fantasien auch gerne öffentlich anspricht, was ihm einen gewissen Ruf eingebracht hat. Dennoch scheint seine Art bei den Frauen beliebt zu sein und das nicht nur bei seinen Mitschülerinnen - so hat er beispielsweise aus Langeweile eine Affäre mit einer seiner Lehrerinnen. Ihr seht also: Trotz des Schicksalsschlags genießt Takuya sein Leben in vollen Zügen. Das ändert sich jedoch, als er einen Brief von seinem Vater findet, in dem dieser ihm mitteilt, dass er in einer anderen Dimension lebt. In einem umfangreichen Artikel beschreibt der Verstorbene ausführlich, dass die Vergangenheit nicht festgeschrieben ist und verändert werden kann. Um dies zu ermöglichen, liegt dem Brief ein sogenannter Reflector bei, ein Gerät, das maximal zehn Juwelen beinhalten kann - beigelegt sind jedoch deutlich weniger. Sein Vater beauftragt Takuya, einen Schrein aufzusuchen wo er, kaum angekommen, ein nacktes, blondes Mädchen sieht, das vor seinen Augen verschwindet. Als wäre das nicht merkwürdig genug, wird er auf einmal von einer „gewissen Person“ mit einer Waffe bedroht, die den Reflector für sich beanspruchen will. Doch bevor er Takuya erschießen kann, wird er von einem grellen Licht umhüllt und als der Student wieder aufwacht, ist niemand mehr zu sehen. Schlimmer noch: Keiner der anderen Anwesenden auf der Insel kann sich an die Ereignisse erinnern. Ab hier beginnt nun wirklich das Abenteuer von YU-NO: A Girl Who Chants Love at the Bound of this World (im Folgenden als YU-NO abgekürzt).


Viele verschiedene Zeitlinien erwarten euch!


Viele verschiedene Routen laden dazu ein, das Spiel mehrfach durchzuspielen. © Spike Chunsoft

Das typische Gameplay einer Visual Novel ist heute in vielen anderen Spielen des Genres vertreten, doch seinerzeit war dieses noch revolutionär, denn euch stehen viele verschiedene Routen zur Verfügung, die ihr erkunden könnt. Euer Ziel ist es, mit einer der Frauen eine Beziehung einzugehen, wobei Takuya da nicht allzu wählerisch ist. So interessiert er sich neben einer Mitschülerin auch für seine Stiefmutter oder eine TV-Reporterin. Bei dem Titel handelt es sich jedoch nicht um eine klassische Romanze: Zwar schläft Takuya mit jeder Frau, die nicht schnell genug entkommen kann, ein großer Fokus liegt jedoch auf der Geschichte rund um den Reflector und dem Unternehmen Geotech, für das die Stiefmutter von Takuya arbeitet. Dieses führt nämlich Grabungsarbeiten an einer Insel durch, wobei kurioserweise Mitarbeiter, die in der Nähe sind, oftmals völlig spontan von Blitzen getötet werden, beinahe, als würde sich die Insel gegen die Arbeiter wehren. Nach und nach offenbaren sich euch alle möglichen Geheimnisse, deren Wissen Takuya leider wieder verliert, denn nach zwei Tagen wird er zurück zu dem Moment versetzt, an dem er vom Licht umhüllt wurde. Seine Erinnerungen werden dabei fast komplett gelöscht und hier kommt nun der Reflector ins Spiel: Dieser kann euch die verschiedenen Zeitlinien anzeigen, die ihr bereits erlebt habt. Er hat zudem den Vorteil, dass ihr Gegenstände, die ihr gefunden habt, behalten könnt, egal, in welcher Zeitlinie ihr gerade seid. Dies hat jedoch auch einen Nachteil, denn wenn ihr einen Gegenstand nutzt, verschwindet er aus eurem Inventar und das in jeder Zeitlinie. Ihr selbst könnt jedoch nicht von Ereignis zu Ereignis springen. Entweder startet ihr das Abenteuer von vorne oder ihr nutzt die Juwelen, die ich eben erwähnt habe. Diese stellen eine Art Checkpoint dar, die ihr überall im Spiel platzieren könnt, womit ihr beispielsweise in einer Route einen Gegenstand sammeln und mit den Juwelen zu einem anderen Ereignis springen könnt, um dort das Item einzusetzen. Innerhalb des Spiels findet ihr immer wieder weitere Edelsteine. Habt ihr die meisten Enden erreicht, solltet ihr alle zehn Steine beisammen haben und könnt so das wahre Ende erreichen - dieses ist jedoch komplett anders als alles, was ihr zuvor in YU-NO gesehen habt. Näher möchte ich darauf jedoch an dieser Stelle nicht eingehen, nur dass dieses „Post-Game“ extrem umfangreich, dafür aber sehr linear ist.


Wer ist die mysteriöse Yu-No?


Das Ganze klingt recht kompliziert und das war es besonders im Original auch. Glücklicherweise stellt euch das Remake von YU-NO optionale Hilfestellungen zur Verfügung, wie zum Beispiel die Tatsache, dass jede Route einer bestimmten Farbe zugeordnet ist. Habt ihr mit einer Person gesprochen oder ein Ereignis ausgelöst, zeigt euch das Spiel an, in welchem Gebiet sich etwas verändert hat. Dabei wird das Vorschaubild mit einem Rahmen in der jeweiligen Farbe der Route angezeigt und so könnt ihr präzise die jeweilige Zeitlinie einschlagen, die ihr erreichen wollt. Ihr könnt jedoch nicht von Beginn an mit allen Frauen „daten“. Manche von ihnen benötigen spezielle Gegenstände, um deren wahres Ende zu erreichen. Ansonsten wartet auf euch lediglich eines der schlechten Enden, die oftmals in eurem Tod münden.


Mio, die Tochter des Bürgermeisters, erkundet zusammen mit euch die Geheimnisse der Triangle Mountain-Insel. © Spike Chunsoft

Wir haben nun viel über die verschiedenen Zeitlinien gesprochen und die Möglichkeiten, wie man diese erreichen kann. Doch wie genau sieht eigentlich das Gameplay aus? YU-NO nutzt eine Art von Point & Click-Spielstil, wobei ihr selbst in den zweidimensionalen Umgebungsbildern nach Hinweisen suchen könnt. Manchmal gibt es auch CGs, gerade mit den weiblichen Charakteren, in denen ihr verschiedene Körperstellen analysieren könnt. Darunter sind auch oftmals die Brüste oder der Hintern der jeweiligen Frau. Takuya ist ein durch und durch von Sex getriebener Teenager und das macht sich auch in seinen Dialogen bemerkbar, ein Umstand, den ich selten so intensiv in einem Videospiel erlebt habe, wie hier. Wen von euch so etwas stören sollte, der wird mit YU-NO keinen Spaß haben. Ihr könnt die Intensität des Ganzen jedoch beeinflussen, denn es wird zwar auch im regulären Verlauf der Dialoge die eine oder andere anzügliche Bemerkung abgegeben, doch richtig schmutzig wird es erst, wenn ihr beispielsweise die Brüste der Frauen näher begutachtet. Das stellt aber fast nie eine verpflichtete Handlung innerhalb des Spiels dar. Ich selbst habe mit Inhalten dieser Art kein Problem und konnte die eigentliche Story auch so genießen. Diese hat andere Visual Novels mit seinem Konzept übrigens stark beeinflusst, wobei das bekannteste Beispiel ohne Frage Steins;Gate ist.


Die visuellen Aspekte des Nintendo Switch-Remakes von YU-NO sind für viele Fans wohl der größte Kritikpunkt: Das Original von 1996 hatte einen recht einzigartigen Grafikstil, das Remake hingegen nutzt, für heutige Visual-Novels typische, Animezeichnungen. Mich, der das Original nicht gespielt hat, konnte der Grafikstil jedoch überzeugen, denn gerade die vielen CGs sehen klasse aus. Auch der Soundtrack ist gelungen, zudem glänzt das Spiel mit einer gelungenen japanischen Sprachausgabe.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Niels Uphaus

YU-NO: A Girl Who Chants Love at the Bound of this World ist ohne Frage eine Visual Novel, die nicht für jeden etwas ist. Die vielen sexuellen Inhalte und das recht komplexe Zeitlinien-System dürfte viele abschrecken. Man darf allerdings nichts vergessen, dass YU-NO diese Art Visual Novel erst geschaffen hat. Viele modernere Spiele mit diesem System, insbesondere Steins;Gate haben das Ganze perfektioniert und sind ohne Frage bessere Titel. Dennoch ist die Geschichte von YU-NO auch heute noch unterhaltsam, wenn auch deutlich komplexer. Die Visual Novel fällt zudem recht umfangreich aus und kann mehr als 50 Stunden in Anspruch nehmen, wenn ihr alle Routen erreichen und das wahre Ende rund um Yu-No erleben wollt.
Mein persönliches Highlight: Die Story, die Titel wie Steins;Gate maßgeblich beeinflusst haben.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 1

  • derDomi

    Der mit der Katze im Avatar

    Den Test als solches habe ich jetzt mal übersprungen, um mich nicht unnötig zu Spoilern. Die Wertung und das Fazit welches Vergleiche zu Steins;Gate zieht steigern meine Vorfreude ungemein, da ich durch Steins;Gate Elite richtig angefixt wurde und das Genre für mich entdeckt habe.


    Allerdings muss ich, bevor ich mit Yu-No anfangen, das originale Steins;Gate und dessen Nachfolge Steins;Gate 0 spielen. Wie gut, dass sowohl Switch als auch PS Vita mobil sind. :D


    Das richtige Maß an Anspielung darf sehr gerne sein, man ist ja schließlich erwachsen. ;)


    Danke für den Test! :luigi: