Ein familienfreundliches Festival

Die TSUM TSUM-Marke von Disney ist noch relativ jung und bisher vor allem in Japan aufgrund der kleinen Plüschtiere und einem Mobile Game, das von Konami entwickelt wurde, bekannt und beliebt. Mit Disney TSUM TSUM Festival erschien nun das erste Konsolenspiel, das exklusiv für die Nintendo Switch entwickelt wurde. Ob der Hype um die kleinen Stapeltierchen damit auch in den Westen schwappt, bleibt abzuwarten.


Welcher TSUM TSUM darf es sein?


TSUM TSUM-Festival ist in erster Linie eine Minispielsammlung mit 10 Spielen plus TSUM TSUM-Puzzle, dem erwähnten Spiel für Smart Devices. Die Spielcharaktere in den Minispielen sind Figuren in der Form kleiner Mettwürstchen (seid ehrlich, ihr seht es auch), die den bekanntesten Charakteren aus vielen Disney- und Pixar-Franchises nachempfunden sind. So gibt es zum Beispiel Buzz Lightyear, die Eiskönigin Elsa, Winnie Puuh und natürlich Klassiker wie Micky Maus, Donald Duck und viele andere mehr. Zu Beginn stehen euch bereits 29 zur Auswahl, weitere können freigespielt werden. Dazu sammelt ihr mithilfe der Minispiele Goldmünzen, mit denen ihr entweder ein Geschenk kauft, das einen zufälligen TSUM TSUM enthält, oder dem Glücksspiel beim Münzenschieber „Der verlorene Schatz“ frönt.


Bei diesem Minispiel zeigt sich, ob ihr Rhythmus im Blut habt. © BANDAI NAMCO Entertainment Inc.

Habt ihr euren Lieblings-TSUM TSUM ausgewählt, kann es losgehen. Ihr habt die Möglichkeit, allein, mit Freunden im lokalen Modus oder online gegen Fremde zu spielen. Die Spiele sind alle recht einfach und dauern höchstens wenige Minuten. Bei der Eierbahn fahrt ihr zum Beispiel Achterbahn in einem Eierkarton und müsst den Joy-Con nach links und rechts neigen, um gut durch die Kurven zu kommen. Beim Bläschen-Hockey gilt es, wenn ihr mit anderen zusammenspielt, am meisten Tore zu machen oder im Einzelspielermodus möglichst viele Blasen auf dem Air-Hockey-Spielfeld abzuschießen. Während des Eiskugel-Stapler-Spiels neigt ihr mit dem Joy-Con eine Waffeltüte, um möglichst viele herabfallende Eiskugeln zu stapeln. Die Spiele sind insgesamt relativ abwechslungsreich. Mal kommt es auf die Geschwindigkeit, das Rhythmusgefühl oder das Geschick der Spieler an. Die Joy-Con werden dabei gut genutzt, vor allem bei den Gestensteuerungen. Stellt euch darauf ein, vor dem Fernseher herumzufuchteln wie zu guten alten Wii-Zeiten. Mithilfe der Festivaltour könnt ihr euch mehreren Minispielen in zufälliger Reihenfolge stellen, wobei ihr zwischen 3, 5, 7 oder eine zufällige Anzahl wählen könnt. Dieser Modus ist allerdings nur für mindestens zwei lokale Spieler möglich, da ihr dort, ähnlich wie bei Super Mario Party, Punkte sammelt und am Ende ein Gesamtsieger gekürt wird.


Süß zu sein, reicht nicht immer


Das ist jedoch der einzige Vergleich, den ich mit dem beliebten Klempner-Spiel ziehen möchte, denn hinter einem Partyspiel dieser Qualität fällt Disney TSUM TSUM Festival weit zurück. Das größte Problem ist wohl, dass das Herzstück des Spiels, die Minispiele, wirklich sehr simpel sind und viele davon kaum Anreiz bieten, sie regelmäßig zu spielen. Mein Rekord für das Beenden eines Minispiels im Einzelspielermodus liegt bei 3 Sekunden. So extrem kurzweilig muss auch ein Partyspiel nicht sein. Etwas mehr Komplexität, Einfallsreichtum und längere Spieldauer hätten hier sehr gut getan. Hinzu kommt, dass meine Mitspieler und ich vor allem bei den Spielen, in denen die präzise Bewegungssteuerung der Joy-Con nötig war, Probleme damit hatten, dass das Spiel diese rechtzeitig und gut erkennt. Oftmals gab es eine nervige Verzögerung, die mehr über Sieg und Niederlage entschieden hat, als das Können der Spieler. Insgesamt kam bei meinen Mitspielern und mir häufig Frust aufgrund der unpräzisen Steuerung auf, was für die Stimmung alles andere als förderlich war. Die Ladezeiten sind für so simple Minispiele mitunter auch erstaunlich lang und fallen zudem durch eine konstant stockende Animation negativ auf. Ein weiterer Minuspunkt ist, dass ich online tatsächlich nie (!) Mitspieler für eine schnelle Partie gefunden habe. Entweder hatte ich immer Pech mit dem Zeitpunkt, dem ausgewählten Minispiel oder das Spiel ist nicht weit genug verbreitet, dass sich eine ausreichend große Online-Community bilden kann. Damit ging, zumindest in meinem Fall, ein großer Aspekt des Partyspiels verloren.


Das Air-Hockey macht vor allem im Multiplayer-Modus Spaß. © BANDAI NAMCO Entertainment Inc.

Die Steuerung ist im gesamten Spiel nur mit einem einzelnen Joy-Con möglich, beide zusammen in der Halterung und der Nintendo Switch Pro Controller werden nicht akzeptiert. Das hat mich zu Beginn etwas irritiert, weil ich an das Spielen mit den kleinen Joy-Con nicht gewohnt bin und es auf Dauer nicht das Angenehmste ist. Im Handheld-Modus mit angedockten Joy-Con sind nur TSUM TSUM-Puzzle und die Geschenkballons, mit denen man neue TSUM TSUM erhalten kann, abrufbar.


Der Fokus bei der Gestaltung und den Animationen ist ganz klar: süß, süßer, am süßesten. Das Spiel ist bunt, kindlich und in der Aufmachung einfach gehalten. Die TSUM TSUM rollen über den Boden, hüpfen aufgeregt umher und stapeln sich zu Türmen, die gerne mal umkippen. Das ist zugegeben sehr knuffig, nutzt sich mit der Zeit aber auch ab.


Die Musik ist das, was man von einem Partyspiel wohl erwarten würde: elektronische Up-Beat-Titel, die an die Loveparade gepaart mit Kindersendungen erinnern und sich in kurzen Loops gnadenlos wiederholen, bis die Augenlider zucken. Kann man mögen, wird man aber wahrscheinlich nicht. Wirklich nervig fand ich aber die (nur in Englisch verfügbare) Sprachausgabe. Die künstliche Stimme ist so hoch, dass man kaum versteht, was sie sagt, und etwas Sorge um sein Trommelfell bekommt. (Meine Lösung für beides: Spielton aus, Rammstein an – einmalige Kombination.)


Geschuldet sind Grafik und Sound sicherlich der Zielgruppe, bei der es sich meiner Meinung nach nur um Kinder bzw. Familien handeln kann. Dafür sprechen vor allem die einfachen, sehr kurzweiligen Spiele mit simpler Steuerung und auch der insgesamt sehr geringe Textanteil im Spiel. Damit ist Disney TSUM TSUM-Festival in meinen Augen keine Alternative zum bereits genannten Super Mario Party oder ähnlichen Multiplayer-Spielen für einen „erwachsenen“ Spieleabend. Wer allerdings zusammen mit seinen Kindern zwischendurch ein paar schnelle Runden spielen möchte, könnte sich den Titel näher anschauen. Aber Achtung! Sollte das TSUM TSUM-Fieber beim Nachwuchs ausbrechen, sind nicht zu unterschätzende Folgekosten durch Dutzende verfügbare Plüschtiere möglich. Wir übernehmen keine Verantwortung.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Julia Kischkel-Fietz

Disney TSUM TSUM Festival ist wie ein Schokoriegel: sehr süß, schnell vorbei und auf Dauer nicht befriedigend. Wenn man bedenkt, welch enormer Konzern dahintersteckt, kann man schwer verstehen, warum nicht etwas mehr investiert und das Potenzial voll ausgeschöpft wurde. Mehr und komplexere Minispiele und ein größerer Fokus auf das Multiplayer-Erlebnis hätten für viele lustige Spieleabende sorgen können. So ist es nur ein kurzweiliger Lückenfüller, den man eher selten zur Hand nehmen wird. Für Familien könnte der Titel dennoch interessant sein, weil die einfachen Spiele selbst die Jüngsten meistern können, die sicher auch viel Spaß mit den süßen Figuren haben werden.
Mein persönliches Highlight: Die Animationen der TSUM TSUM.

Die durchschnittliche Leserwertung

3 User haben bereits bewertet

Kommentare 2

  • Tarik

    Turmbaron

    Schade, hatte auf weiteres gutes Party-Futter auf der Switch gehofft. :(

  • zocker-hias

    Turmfürst

    Est einfach ein Kinder-/Familienspiel mit ner eher jüngeren Zielgruppe... hatte da jetzt auch keinen Evergreen-Partykracher erwartet.