Die spinnen, die Römer...

Gehört ihr auch noch zu der Generation, die jedes Jahr aufs Neue die Zeit herbeisehnte, in welcher im wöchentlichen Turnus einer der Asterix-Filme im Fernsehen kamen? Diese konnten mich durch den guten Humor und durch die Leichtigkeit der Gallier von klein auf begeistern. Ganze Hundertschaften von Römern wurden mit wenigen Hieben aus dem Bildschirm befördert und am Ende eines Abenteuers winkte das gebratene Wildschwein, herrlich! Ob Asterix & Obelix XXL 3: Der Kristall-Hinkelstein! den Charme der alten Filme aufgreifen kann und warum am Ende ein Stück Enttäuschung zurückblieb, entnehmt ihr am besten den kommenden Zeilen.


In einem von unbeugsamen Galliern bevölkerten Dorf...


Die Geschichte rund um das neueste Abenteuer der Gallier beginnt recht sachte: Dem Postboten wurden seine Zustellungen entwendet und diese befinden sich in einem der Lager der Römer. Asterix und Obelix zögern nicht lange und machen sich auf den Weg, diese zurückzuholen und nebenbei einige der Widersacher Galliens zu vermöbeln. Eine dieser Zustellungen ist eine ganz besondere, denn es handelt sich um einen Brief von der Hohepriesterin von Thule, Edda Heimdallir. Diese bittet Dorfmagier Miraculix darum, ihr Hilfe zukommen zu lassen. Unsere beiden Helden zögern nicht lange und machen sich auf die Suche nach ihr. Von Miraculix bekommen sie noch den normalerweise von Edda behüteten Kristall-Hinkelstein überreicht, welchen Miraculix in seinem Häusschen aufbewahrte. Mit diesem ausgestattet beginnt die Reise der Gallier. Erzählt wird das Abenteuer durch sehr viele Dialoge zwischen den Bewohnern, welche an den Charme der Zeichentrickverfilmungen erinnern. Gerade Obelix tollpatschige und zugleich träge Art sprüht nur so vor Charme und macht eine große Menge Spaß!


Nette Unterhaltungen zwischen Asterix und Obelix gibt es im gesamten Spiel. © Microids

Die gesamte Geschichte rund um den Kristall-Hinkelstein lässt sich als linear mit offenen Anteilen beschreiben. Während eurer Reise durch die unterschiedlichsten Lande gibt es immer wieder große offene Bereiche, wie zum Beispiel das Dorf der Gallier mit anliegendem Strand und Wald. In diesen größeren Arealen gibt es einige Geheimnisse zu entdecken, welche jedoch erst im Laufe der Geschichte nach und nach erschlossen werden können, was im weitesten Sinne an einen Metroidvania-Titel erinnert. Von diesen großen Arealen gehen dann immer wieder kleinere Gebiete ab, welche jedoch eine kurze Ladezeit beanspruchen, da es sich um geschlossene Bereiche handelt. So durchstreift ihr beispielsweise den offenen Wald, welcher an das gallische Dorf anschließt, um von dort aus ein Lager der Römer zu infiltrieren. Diese Mischung ist sehr nett, da die offenen Bereiche durch unterschiedliche Gegner, sammelbare Gegenstände oder auch grasende Wildschweine überzeugen können und man auch im späteren Verlauf des Spiels immer wieder Neues entdecken kann. Doch auch die geschlossenen Areale wissen durch ihre Authentizität zu überzeugen, wirken an machen Stellen jedoch etwas repetitiv und überladen, was vor allem an dem hohen Gegneraufkommen in diesen liegt.


Während eurer Erkundung steuert ihr wahlweise Asterix oder Obelix. Ein Wechsel zwischen beiden Charakteren ist durch einen einfachen Tastendruck schnell möglich, sodass ihr euch situativ für den passenderen Charakter entscheiden könnt. Beide verfügen über einige Grundfähigkeiten wie die einfachen Schläge mit den Fäusten und einem Sprung nach vorn, welcher an einen kurzen Sprint erinnert. Darüber hinaus stehen beiden Charakteren unterschiedliche Fähigkeiten zur Verfügung. Diese sind zwar besonders stark, nähren sich jedoch von eurem Ausdauerbalken. Die Fähigkeiten passen sehr gut zu dem jeweiligen Charakter und greifen die Geschichte rund um Asterix und Obelix sehr gut auf. Verhaut Obelix beispielsweise die Römer mit einigen ordentlichen Backpfeifen, kann Asterix auf den Zaubertrank zurückgreifen, um zwischenzeitig übermächtig zu werden und sich durch die Gegnermassen zu arbeiten. Besonders toll: Obelix ist in der Lage seinen Hund Idefix als Unterstützung zu verwenden. Dieser verfolgt eure Widersacher und verschafft euch in brenzligen Situationen eine Verschnaufpause, bevor die nächste Flut an Gegnern auf euch wartet.


Der Bildschirm ist in den Kämpfen oftmals sehr überladen! © Microids

Insgesamt passen die Gegner ebenfalls sehr gut in das Gesamtkonzept des Spiels. Anfangs trefft ihr auf einfache Römer, welche mit Schild und Speer stark bewaffnet sind. Diese lassen sich durch eine gezielte Kombination aus Schlägen und kurzen Sprints gut bewältigen. Im Verlauf der Geschichte nimmt jedoch nicht nur die Anzahl der Römer zu, sondern auch ihre Fähigkeiten. Beispielsweise trefft ihr auch auf widerstandsfähigere Kollegen, die erst mit einem gezielten Kinnhaken entwaffnet werden müssen, bevor sie dann in den Boden gestampft werden können. Kritik äußern muss ich jedoch ganz klar gegen die Speerwerfer, welche es in das Spiel geschafft haben. Diese sind meiner Meinung nach so dermaßen übermächtig, dass man schon eine sehr hohe Frusttoleranz braucht. Aus der Entfernung befeuern sie euch nämlich mit Speeren, welche eure Herzen allmählich in die Knie zwingen. Sind sie allein kein Problem, da man sich ihnen durch gezieltes Ausweichen gut nähern kann, stören sie spätestens in den römischen Lagern so dermaßen, dass man gut und gern den Controller aus der Hand pfeffert. Ist man nämlich gerade mit ca. 20 anderen Römern beschäftigt, stören die Speere aus dem Hintergrund oder von einem erhöhten Podest aus, ungemein. Hier hätte ich mir ein etwas besseres Balancing gewünscht, indem man die Wurfrate dieser etwas gemindert hätte.


Zusammen vermöbeln macht doppelten Spaß!


Doch kommen wir nochmals zu den Fähigkeiten unserer Helden. Eine ganz besondere ist der Kristall-Hinkelstein. Dieser ist anfangs nur eine beachtliche Waffe, welche von Obelix stets herumgetragen wird und mittels Knopfdruck eine Druckwelle auslösen kann, um so Feinde zu betäuben und niederzustrecken. Im Verlauf der Geschichte erhaltet ihr jedoch weitere Fähigkeiten, welche ihr ihm verleihen könnt. So werdet ihr später in der Lage sein, mit Hilfe des Hinkelsteins Feuer zu legen, um Pflanzen zu zerstören, was euch neue Wege im Spiel eröffnet. Weiterhin könnt ihr mittels eines Magnet-Upgrades die Schilder der Römer entfernen, was euch die Überhand in den Kämpfen verleihen kann. Diese Möglichkeiten sind nett umgesetzt, ob sie aber so in richtig in ein Asterix-Abenteuer passen, da bin ich mir noch nicht sicher. Die weiteren Fähigkeiten von Asterix und Obelix lassen sich übrigens ebenfalls bei Händlern erweitern. Habt ihr nämlich genug Helme der Römer eingesammelt, könnt ihr diese für Upgrades eintauschen, was euch zusätzliche Energie oder Stärke verleiht.


Die Weltkarte offenbart sich euch häppchenweise im Spiel. © Microids

Je weiter ihr im Spiel voranschreitet, desto mehr kleinere Rätsel werdet ihr entdecken. Diese sind meist an Klassikern wie Schalter-Rätseln orientiert oder ihr müsst mit dem Blick auf eure Umgebung Winden ausweichen, welche euren Bildschirmtod verursachen können. Dies sorgt insgesamt für Abwechslung beim Durchkämmen der Landschaften, passt jedoch nicht an jeder Stelle wirklich gut ins Spiel, da die Rätsel häufig unpräzise oder sogar unfair implementiert wurden. Dies hat wieder einmal Frust zur Folge, da der Bildschirmtod gleichzeitig bedeutet, dass man an den letzten Checkpoint zurückversetzt wird. Da sich jedoch dazu entschieden wurde, diese an sehr unangebrachte Orte zu setzen, müssen ganze Areale nochmals bewältigt werden, bis man erneut von der wackeligen Brücke stürzen darf. Dies wird nur dank des Mehrspieler-Modus etwas erleichtert.


Mehrspieler-Modus? Ja, ihr habt richtig gelesen! Es ist nämlich jederzeit möglich, einen Controller an einen Freund weiterzureichen, um das Abenteuer gemeinsam zu erleben. Vorausgesetzt, ihr einigt euch, wer denn Obelix spielen darf. Geteilte Freude ist doppelte Freude trifft bei Asterix & Obelix XXL 3: Der Kristall-Hinkelstein! wirklich passgenau zu. Das gesamte Abenteuer spielt sich im kooperativen Modus viel angenehmer und auch die oftmals nervigen Kämpfe gegen die Römer machen gleich viel mehr Spaß. Ist euer zweiter Begleiter im Einzelspieler nämlich nur nettes Beiwerk, welches die Kämpfe eher aus der Beobachterrolle genießt, könnt ihr zu zweit eine ordentliche Menge der nervigen Rüstungsträger ausschalten. An dieser Spielweise hatte ich persönlich meine größte Freude am Titel, da ich zusammen mit meinem Sohn über die vielen tollen Dialoge und witzigen Slapstick-Einlagen lachen konnte.


Für Abwechslung sorgen allerlei Rätsel und Fallen. © Microids

Technisch macht der Titel eine durchwachsene Figur. Grundsätzlich ist die Inszenierung der verschiedenen Landschaften wirklich gut umgesetzt und man spürt den Charme der Reihe an jeder Ecke. Wünschenswert wäre es jedoch gewesen, die gesamte Aufmachung noch etwas aufzupolieren, da es doch ab und an unsauber wirkt. Es trübt einfach den Spielspaß ungemein, wenn direkt in den ersten Minuten des Spielens Musikaussetzer das Geschehen bestimmen. Ein Nachjustieren hätte durchaus geholfen. Ansonsten ist das Gesamtwerk aus Grafik, Sound und auch spielerischer Umsetzung ganz ordentlich. Hervorheben muss man jedoch die deutsche Sprachausgabe, welche sehr gut zu den Charakteren passt und den Gesamteindruck nochmals bessert.


Die Langzeitmotivation muss man sich etwas selber suchen. Nach etwa 8–10 Stunden ist man im Normalfall mit dem Titel durch. Solltet ihr durch die Horden von Römern durchrennen und nicht jedes Lager bis aufs Detail erkunden, geht es nochmals schneller. Zwar gibt es in der gesamten Spielwelt kleinere Geheimnisse und sammelbare Gegenstände zu entdecken, einen Mehrwert bieten diese jedoch nicht. Auch die Highscore-Jagd in den Levelabschnitten motivieren nicht wirklich, sodass man nach dem einmaligen Durchspielen durchaus kein zweites Mal mehr möchte. Lediglich der Spaß im Mehrspieler-Modus kann zu weiteren Entdeckungstouren motivieren.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Maik Styppa-Braun

Asterix & Obelix XXL3: Der Kristall-Hinkelstein! ist eine charmante Umsetzung der Zeichentrickfilme. Die glaubhafte Umsetzung der beiden Charaktere mit ihren witzigen Dialogen und die authentischen Umgebungen machen im Grunde eine ganze Menge Spaß. Der Spielspaß wird jedoch leider durch das riesige Aufgebot an Römern und die teilweise schlecht ausbalancierten Gegner getrübt. Ebenfalls könnte die technische Umsetzung einen Feinschliff vertragen, die gute Dinge etwas abwertet. Nichtsdestotrotz können Fans den Titel im Auge behalten und gerade für gemütliche Abende mit einem Spielpartner ist das Spiel vollends zu empfehlen, da hier das gesamte Potenzial zu Tage kommt.
Mein persönliches Highlight: Die Möglichkeit, Idefix auf die Jagd nach den Römern loszulassen

Awards

Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 5

  • Haby

    Habe bisher nur Teil 1 von Asterix und Obelix gespielt. Diesen fand ich sehr gut besonders die Idee mit Las Vegum als Freizeitpark!
    Würde mir aber bei diesen Spielen mehr Comic nähe wünschen. Besonders das es auch so Comic Aufgaben gibt.
    Aber sonst insgesamt ein Tolles Spiel.

  • Irves | Julian

    Moderator

    Ich habe das Spiel vor ungefähr einer Woche ausprobiert und muss leider sagen, dass es für mich im Vergleich zu den beiden Vorgängern eine maßlose Enttäuschung ist. Auch muss ich erwähnen, dass ich hier eine 6/10 als viel zu hoch angesetzt sehe. Als Spieler der beiden Vorgänger wird man mit XXL 3 jedenfalls nicht glücklich sein und ich kann im Endeffekt nur von einem Kauf abraten.

  • Free Your Mind

    Turmheld

    @Irves | Julian
    Das ist schade. Ich hab’s schon befürchtet. Ich finde rein vom Flair und dem Feeling her sieht das Game super aus und ich hätte mich echt gefreut, mit dem Look ein Asterix Game zu zocken. Aber wenn es nix is, isses nix.

  • Irves | Julian

    Moderator

    @Free Your Mind Ich war schon bei den Trailern skeptisch, da man dem Game eine Top-Down-Ansicht spendiert hat. Schon nach kurzer Spielzeit musste ich mir eingestehen, dass das nicht mehr das Asterix & Obelix ist, wie ich es in den beiden Vorgängern kennengelernt habe. Schade, dabei hatte ich mich schon auf den Koop-Modus gefreut, denn das war der einzige Punkte, den ich in der Spielreihe schon immer vermisst habe.

  • Free Your Mind

    Turmheld

    @Irves | Julian
    Mich persönlich hat eigentlich erst die Top-Down-Ansicht richtig heiss gemacht. Ich als alter Beat em Up Fan habe gehofft, dass man sich hier auf hohem Niveau durch die Level prügeln kann, wie damals bei Final Fight usw. Das wäre quasi ein wahr gewordener Kindertraum gewesen.