Verteidigt eure Strandliegen – der Touryst kommt!

Mittlerweile ist es 20 Jahre her, seitdem das Entwicklerstudio Shin'en Multimedia gegründet wurde. Während erste Arbeiten noch aus kleinen Lizenzspielen für den Game Boy Color und den Game Boy Advance bestanden, ging das Team bald schon seinen eigenen Weg und kreierte neue Marken wie „Fun! Fun! Minigolf“, „Art of Balance“, „Jett Rocket“ oder „FAST Racing League“. Letzteres ist fast schon synonymisch zu Shin'en Multimedia geworden, so erhielt die rasante Rennspielserie aufgrund ihrer Parallelen zu Nintendos „F-Zero“ auch international große Aufmerksamkeit. FAST RMX, der neueste Ableger der Reihe, galt zum Nintendo Switch-Start als eine der größten Veröffentlichungen im Nintendo eShop. Die Vorfreude war entsprechend groß, als in diesem Jahr mit The Touryst ein neuer Titel der Münchener Spieleschmiede enthüllt wurde. In diesem Test wollen wir euch verraten, ob ihr den Flug nach Ybiza buchen könnt, oder vielleicht doch noch einmal das Vergleichsportal aufsuchen solltet.


Ein aufregender Urlaub


Was bedeutet für euch Urlaub? Fahrt ihr an den Strand oder doch in die Berge? Wollt ihr Sightseeing oder Entspannung? Tauchgang oder Ruinentour? Ganz egal, denn The Touryst bietet gleich alles davon. Ohne Umschweife landet ihr auf Touryst Island und beginnt euren unvergesslichen Urlaub. Das überschaubare Eiland bietet eine Handvoll Häuser und Liegen, daneben aber auch antike Monumente, welche heutzutage als Touristenattraktionen dienen, sonst aber keinen Nutzen haben – zumindest bis ihr euch Hals über Kopf hineinstürzt und in eine Forschungsmission verwickelt werdet. Ab hier ist es eure Aufgabe, die verschiedenen Urlaubsziele anzusteuern, indem ihr die passenden Reiseführer findet, und dort die vergessenen Ruinen zu erforschen, um einem größeren Geheimnis auf die Spur zu kommen.


Der Tauchgang nahe Santoryn ist ein besonderer Moment eures Urlaubs. © Shin'en Multimedia

Die erkundbaren Inseln stellen dabei Parodien beliebter Urlaubsorte dar. Partystimmung auf Ybiza, ein Surf-Wettbewerb auf Hawayy oder tauchen gehen in der Nähe von Santoryn – trotz des festgelegten Settings wird versucht, euch möglichst abwechslungsreiche Aktivitäten zu bieten, was jedem Ort seinen eigenen Charme verleiht. Ein kleines Highlight für mich war Soggy Island, eine schaurige Insel, auf der es das ganze Jahr über regnet. Neben der besonderen Atmosphäre konnten dort auch die verschiedenen Personen und die Umgebung für ein eindrückliches Erlebnis sorgen. Das Skript von The Touryst kommt in der deutschen Originalversion mit viel Witz daher, wodurch mich Dialoge und Questbeschreibungen immer wieder zum Schmunzeln bringen konnten.


Neben dem fröhlichen „Insel-Hopping“ und dem Erkunden der Umgebung besteht ein signifikanter Teil des Gameplays aus dem Absolvieren der verschiedenen Dungeons. Auf eurer Suche nach den notwendigen antiken Gegenständen müsst ihr nicht nur einen Weg in das Monument finden, sondern anschließend auch darin eine Reihe an Rätseln lösen, bis ihr zur steinernen Hand gelangt, die euch das gesuchte Item aushändigt.


Die Dungeons fallen überraschend kurz aus. Zuerst wird ein Rätselkonzept eingeführt, dann mit jedem Raum ein wenig erweitert, bis es dann zum Bosskampf kommt, der euer Gelerntes auf die Probe stellt. Ein bewährtes System, aber mit bloß drei, vier Kammern pro Dungeon etwas inhaltsarm. Immerhin erwiesen sich manche Puzzle als echte Kopfnuss, bei der ich ein wenig länger überlegen musste, bis ich auf die Lösung kam. Vielleicht haben mich meine Tage mit der Professor Layton-Reihe aber einfach nicht gut genug vorbereitet. Sorry, Hershel!


In einer Arcade-Halle lassen sich so einige Minispiele spielen. Dieses hier ist offensichtlich an „FAST“ angelehnt, weist aber auch starke Ähnlichkeit zum originalen „F-Zero“ auf. © Shin'en Multimedia

Noch bevor ihr über Gameplay und Co. urteilen könnt, wird euch der äußerst gelungene Voxel-Stil von The Touryst ins Auge stechen. Welt und Charaktere sehen aus, wie aus Blöcken zusammengesetzt. Partikeleffekte und Animationen nutzen ebenso die Blöckchenästhetik. Dazu kommen realistische Licht- und Schatteneffekte sowie ein Verschwimmen des Hintergrunds, was der Optik ein wenig den Charakter eines Dioramas gibt, wie es auch bei The Legend of Zelda: Link's Awakening auf der Nintendo Switch zu sehen ist. Das Spiel ist gut konstruiert und die Technik läuft sauber.


Ein Manko ließ sich für mich dann aber doch an der Präsentation finden. Unerklärlicherweise hatte ich große Schwierigkeiten damit, Distanzen in der dreidimensionalen Spielwelt von The Touryst abzuschätzen. Dies erwies sich auf der Oberwelt weniger als Problem, immerhin sind präzise Sprünge dort kaum gefragt und wenn, dann konnte die frei justierbare Kamera für Abhilfe sorgen. In Dungeons jedoch, wo die Kamera relativ restriktiv ist, sieht dies anders aus. Für jemanden, der normalerweise keine Probleme mit räumlichem Denken und Bewegungen in 3D-Umgebungen hat, war diese Hürde ziemlich frustrierend. Ersichtlich wurde diese Problematik auch bei einem Torschießen-Minispiel: Nicht nur konnte ich schwer abschätzen, wohin überhaupt gezielt wird, sondern auch die etwas schwammige Bewegungssteuerung sorgte in diesem Fall für zusätzliches Kopfzerbrechen. Ein Update, welches die Flugbahn des Balls deutlicher sichtbar macht, könnte diese Problemstelle bereits ausbessern.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Daniel Kania

In The Touryst bereist ihr als abenteuerlustiger Tourist verschiedene Urlaubsziele und lernt ihre besonderen Eigenheiten kennen, indem ihr mit Personen interagiert, Quests erledigt und abschließend Dungeons erkundet, die mit Rätseln und Bosskämpfen aufwarten. Das Spiel versprüht dank witziger Texte und einer liebevoll gestalteten Welt viel Charme. Der Voxel-Stil ist ein echter Hingucker auf der Nintendo Switch und braucht sich nicht vor größeren Produktionen verstecken. The Touryst stellt die Sinne eines Videospielers zufrieden, auch wenn die hier vorgestellten Konzepte noch reichlich Platz zum Wachsen haben. Der neueste Titel von Shin'en Multimedia darf sich also einen Spaßgarant nennen. Wollen wir hoffen, dass eventuelle Nachfolger zu noch größeren Höhen aufsteigen werden.
Mein persönliches Highlight: Die clever konstruierten Rätsel

Die durchschnittliche Leserwertung

7 User haben bereits bewertet

Kommentare 5

  • Aya

    Ich hatte das Spiel gar nicht auf dem Schirm aber jetzt bin ich doch ein bisschen interessiert, klingt ja nach einem Zelda Like und das hat natürlich mein Interesse geweckt. :D

  • megasega2

    Turmbaron

    Ich finde es klasse, schön Adventurig und interessanter Grafikstil. Kleiner Geheimtipp für die Switch.

  • Zarathustra

    Turmfürst

    Krasses timing,das hab ich mir heute mittag runtergeladen und spiele es seitdem, brauchte Mal was positives und da wirkte das genau richtig- ein Spiel das einen Urlaub simuliert.


    Hab Spaß dran,wenn's so weiter geht ist es bei mir eher ne 8,aber das kann man natürlich erst sagen wenn man durch ist.


    @Aya:keine drei Stunden nachdem ich davon geschrieben hab weißt du bescheid, auch witzig. :)

  • arminius73

    Turmbaron

    @Aya Wenn du ein Zelda Like suchst, guck dir lieber Sparklite an. ;) Ein paar Passagen in The Touryst fand ich echt nervig, aber ansonsten ein sehr gelungenes Spiel. Der zweite Teil wird im Spiel quasi angeteasert. Denke auch, dass der kommen wird - dann bitte im Doppelpack als Retailversion. ;)

  • Dr.Stachelrochen420

    Indica < Sativa

    Klingt gut aber wie sieht es denn mit der Spielzeit aus?