Alle 300 Jahre – der dritte Teil der Romancing Saga erscheint nun endlich im Westen

Romancing SaGa 3 ist der dritte Teil der Romance SaGa-Trilogie und das sechste Spiel der SaGa-Reihe. Anfangs ausschließlich in Japan erschienen, schafft es das Rollenspiel nun letztendlich mit einer englischen Übersetzung (deutsche Bildschirmtexte sind nicht verfügbar) auch in den Westen. Die Handlung steht für sich und ist in keiner nennenswerten Verbindung zu den Vorgängern: Alle 300 Jahre folgt mit dem Rise of Morastrum-Ereignis ein Stern, der nicht nur die Sonne verdeckt, sondern all diejenigen, die während des besagten Spektakels geboren wurden, am Ende seines Zyklus mit in den Tod zieht und ebenfalls verschwinden lässt. Als ein Junge jedoch einst die Sonnenfinsternis überlebte und versuchte, die Welt an sich zu reißen, folgte nach weiteren 300 Jahren ein Mädchen, dass nicht von Macht besessen war und, genauso wie schon der Junge, eines Tages einfach verschwand. Nachdem nun erneut Rise of Morastrum ansteht, bleibt einzig die Frage, ob erneut ein Mensch das Ereignis überlebt und wie er damit umgehen wird.


Jede Stadt ist es wert, erkundet zu werden. © Square Enix

Inmitten der Geschehnisse steuert ihr eine Gruppe von unterschiedlichen Protagonisten, die jeweils eine eigene, kleine Geschichten erleben können. Dafür muss zu Beginn des Spiels eine von acht Personen ausgewählt werden, die fortan als Anführer eurer Gruppe fungiert und der kleine Dreh- und Angelpunkt der Story wird. Neben den Hauptcharakteren verfügt das Spiels allerdings noch über eine stattliche Anzahl von hilfsbereiten Mitstreitern, die handlungstechnisch zwar keine Rolle spielen, spielerisch aber flexible Gruppierungen zulassen und für Abwechslung im Gameplay sorgen. Die Geschichte selbst reißt keine Bäume aus und dient nur als Fundament für das eigentliche Spiel. Gerade zu Beginn können euch zahlreichen Charakteren etwas über den Kopf wachsen, ganz besonders, weil kurz zuvor noch die ungewöhnliche Prämisse vorgestellt wird und diese erst mal verinnerlicht werden muss. Was aber besonders merkwürdig anmutet, sind die unnatürlichen Dialoge. Verständlich beschreiben lässt sich dies oftmals nicht, doch wiederholen Charaktere öfter bereits Gesagtes wie ein Kind und eine Konversation zwischen hochrangigen Adligen ist von einer so lockeren Natur, dass die einzelnen Positionen und Ränge der Sprechenden manchmal in Vergessenheit geraten. Ob dieser Umstand nun an einer sperrigen Übersetzung oder einem tatsächlich schwachen Text liegt, lässt sich nur schwierig sagen – in den meisten Fällen erreichen die Dialoge dennoch nicht das Niveau, das man von einem Rollenspiel erwarten darf.


Im Gegensatz dazu stehen kleine Momente zwischen euren Spielfiguren, die der Gruppe ein wenig Authentizität und Charakter verleihen. So führen sie beispielsweise besorgte Gespräche in der Nacht, während alle im Bett liegen und nicht einmal das Gesicht zueinander wenden. Auch wenn die übergeordnete Handlung nicht den spannendsten Erzählstrang besitzt, können solche Interaktionen das emotionale Gewicht der Handlung anheben – sodass es von diesen ruhig hätte mehr geben können. Vermeintlich gewohnt verläuft hingegen das rundenbasierte Kampfsystem, mitsamt klassischen Angriffskommandos wie physischen Attacken, Magie oder der einfachen Abwehr. Hierbei versucht sich das Spiel dann aber doch ein wenig von anderen Genrevertretern abzuheben, indem die Konstellation eurer Gruppe einen wesentlichen Einfluss auf das Kampfgeschehen nehmen kann – ganz wie schon beim Vorgänger.


Schon früher stach das Kampfsystem mit seinen neuartigen Ideen heraus


Im Menü wählt ihr zwischen festgelegten Positionen, die unterschiedliche Strategien, wie eine defensive Mauer, zulassen und, je nach Spielstil, ausgeklügelte Taktiken offenbaren. Als Beispiel wäre da der Köder, wobei ein Charakter eurer Wahl die Frontlinie übernimmt und bevorzugt von Gegnern angegriffen wird. Dabei ist es natürlich clever, eine defensive Figur mit guten Verteidigungswerten und unterschiedlichen Heiloptionen einzusetzen. Dies ist nur ein Beispiel einer Formation, die in ihren Ideen meistens leider etwas zu simpel bleiben, dafür jedoch leicht verständlich und effektiv sind. Obwohl diese Idee in ihrem Grundsatz für Individualität sorgt, bleibt das fundamentale Kampfsystem schlicht und fordert euch erst während den Bosskämpfen. Auf der einen Seite stören dadurch die einfache Kämpfen, die glücklicherweise nicht auf Zufallsbegegnungen basieren, auf der Oberwelt nicht und sorgen für ein flottes Vorankommen – auf der anderen Seite trainiert euch das Spiel hierdurch einen unreflektierten Spielstil an. Was das genau bedeutet, zeigt sich effektiv zu Beginn: Anstatt das Kampfsystem und die Formationen zu erlernen, reicht es genauso, einfach irgendeinen Angriff auszuwählen, der schwächliche Kontrahenten ohne Probleme beseitigt. Infolge dessen werdet ihr nicht nur mit einem falschen Erfolgserlebnis belohnt, sondern es wird auch das teils undurchsichtige Gameplay offenbart, das nicht so recht weiß, wie es Schritt für Schritt einzelne Elemente vorstellen soll, um euch so behutsam in die Welt einzuführen.


Die Formation eurer Gruppe kann den Ausgang eines Kampfes bestimmen. © Square Enix

Selbst das Erfahrungssystem funktioniert nicht ganz nach herkömmlichen Standards. Anstatt Punkte nach dem Kampf zu erhalten, können sich die Attribute eurer Spielfiguren unabhängig voneinander nach jedem Gefecht getrennt steigern. So erhöhen sich beispielsweise nur die Kraft- oder Magiepunkte – ein Level-up im klassischen Sinne gibt es nicht. Die Beteiligung am Kampf spielt dabei keine unwesentliche Rolle. Ist ein Charakter passiv und führt keine Aktionen aus, werden im Nachhinein auch nicht seine Werte erhöht. Doch sind erst einmal genügend Schurken beseitigt, lassen sich nützliche Spezialfähigkeiten erlernen, die allesamt an eine eigene Magieleiste gekoppelt sind. Wie stark ein Teil eurer Party von dieser profitiert, lässt sich immerzu im Menü anzeigen, wo unterschiedliche Talente ersichtlich werden und die Stärken eines Kämpfers offenbart werden.


Die Spielwelt profitiert, genauso wie die allgemeine Grafik, unheimlich vom HD-Look und präsentiert eine detailreiche, dichte Pixelarbeit. Vor allem die Städte wirken fast wie kleine Illustrationen, bei denen man einfach für wenige Minuten das Gesamtbild betrachten möchte, anstatt weiterzuspielen. Insgesamt erinnert der optische Stil stark an die Rollenspiele der 90er und dürfte gerade für Nostalgiker einige wohlige Gefühle erwecken. Mindestens gleichermaßen stark ist der Soundtrack: So ziemlich jede Situation wird von eindrucksvollen Klängen unterstützt, die niemals unpassend wirken oder eine andere Richtung hätten vertragen können. Leider nimmt das Remaster nicht die kompletten Möglichkeiten einer Wiederveröffentlichung war. Eigentlich offensichtliche Verbesserungen, die zum heutigen Standard dazu gehören, werden nicht vorgenommen. So ist es zum Beispiel nicht möglich, die Textgeschwindigkeit oder das Tempo der Angriffsanimationen während eines Kampfes zu erhöhen. Sonderlich tragisch sind solche Fehltritte nicht, dennoch wäre es kein schweres Unterfangen gewesen, angenehme Spieloptionen, die das doch sehr klassische Spielprinzip gerade für Einsteiger des Genres zugänglicher gemacht hätten, hinzuzufügen. Trotzdem darf man im gleichen Atemzug nicht die Vorzüge dieses Remasters vergessen. Mit einem neuen Dungeon oder dem New Game+-Modus dürfen gerade Veteranen oder Fans neue Inhalte erwarten, die wenigstens für kleine Überraschungen sorgen. Dass man zu Beginn zwischen dem ursprünglichen Abenteuer ohne sämtliche Remaster-Inhalte oder der Neufassung wählen kann, ist dabei eine zusätzliche Kirsche auf der Torte.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Kevin Becker

Romancing SaGa 3 war schon zu seiner Zeit ein ungleiches Rollenspiel, das nicht ganz nach den gleichen Regeln wie seine Genrekollegen agiert. Charaktere leveln anders, Spezialfähigkeiten werden mitten im Kampf erlernt und die massive Charakterauswahl erlaubt unterschiedliche Gruppierungsmöglichkeiten. Passend dazu können kleine Formationen erstellt werden, die den Kampfverlauf beträchtlich beeinflussen können und eine weitere strategische Komponente ins Gameplay bringen. Leider ist die Handlung vor allem am Anfang konfus, wirft zu viele Charaktere ins Geschehen und besitzt keinen spannenden Erzählstrang mit unerwarteten Wendungen. Genauso schwächlich zeigen sich die Möglichkeiten eines Remasters: Einfache Optionen, wie eine erhöhte Textgeschwindigkeit oder vorspulbare Kämpfe, wurden nicht eingebaut und bekräftigen nur, aus welchem Jahr das Spiel eigentlich stammt. Trotzdem darf man Romancing SaGa 3 seinen Mut für neue Ideen, die gerade damals für ein erfrischend unterschiedliches Spielerlebnis sorgten, nicht absprechen und gerade Genre-Fans können endlich einen Blick auf die Geschichte der acht Helden werfen.
Mein persönliches Highlight: Die bildhübschen Städte

Die durchschnittliche Leserwertung

3 User haben bereits bewertet

Kommentare 5

  • Kugelwilli

    Turmfürst

    ich freue mich nächstes Jahr auf die Handelsversion und auch darüber, eine vergessene SNES-Perle nachholen zu dürfen.
    Wie wäre es mal mit Bahamut Lagoon, Treasure Hunter G oder Treasure of the Rudras? :)

  • Loxagon

    Turmritter

    Jetzt noch Teil 1 ...


    Und weitere RPGs die uns fehlen. Da gibts leider zu viele ...

  • wonderboy

    Turmbaron

    nix Deutsch, nix kauf!

  • Kugelwilli

    Turmfürst

    @wonderboy
    Du nix Deutsch? Du nix kaufe. Andere kaufe. :ugly:

  • Aya

    Danke für den Test! Auch wenn er nicht überragend klingt, so denke ich, dass mir als großer J-RPG Fan das Spiel gefallen wird. :)