Hector Plasm zu Diensten

Nintendo Switch-Geisterjäger kommen 2019 voll auf ihre Kosten. Nachdem ihr euch bereits in Ghostbusters: The Video Game Remastered und Luigi's Mansion 3 austoben durftet, steht schon der nächste Titel derselben Kategorie in den Startlöchern. Die Rede ist von Dead End Job aus dem Hause Ant Workshop. Dieses macht weniger durch eine aufwendige 3D-Optik auf sich aufmerksam als durch dessen charmanten Neunzigerjahre-Cartoon-Look. Aber ob Charme in Kombination mit einem simplen Spielprinzip für einen Hit ausreicht, sollen euch die nachfolgenden Zeilen verraten.


Gespräche dieser Art sind aufgrund des gelungenen Designs schön anzusehen, bleiben aber meist ziemlich gehaltlos. © Headup Games

Dead End Job beginnt farbenfroh, schrill und zügig. In einem kurzen Intro-Video, welches vorab bereits veröffentlicht wurde, wird euch der Anfang der Geschichte erzählt. Das kurze audiovisuelle Machwerk orientiert sich offenbar wie die gesamte Optik an den Cartoons der Neunzigerjahre. Darin stellt man euch die Mitglieder der Geisterbekämpfung Ghoul-B-Gone vor. Da wäre unser Hauptcharakter Hector Plasm – dessen Namen ihr zu Beginn ändern könnt – seinerseits ein dickbäuchiger, treudoofer Kerl und seine Partnerin Beryl Ware, die sich an einem Zahnstocher verschluckt und fortan ein Geisterdasein führt und uns heimsucht. Darüber hinaus seht ihr zum ersten Mal euren cholerischen Boss T. Mann und die technikaffine Louise. Für die Geisterplage ist wohl ein Portal verantwortlich, welches unsere mit deren Welt verbindet und euer Job ist es nun, die Invasoren zu beseitigen. Es gelingt den Entwicklern wirklich gut, bereits mit dem Intro eine Neunzigerjahre-Ästhetik heraufzubeschwören. Allerdings müsst ihr wirklich gut aufpassen, um der darin enthaltenen Erzählung folgen zu können. Leider entwickelt sich die Geschichte von Dead End Job daraufhin kaum und wird eher zur Nebensache. Zwischendurch kommt es zwar zu Dialogen zwischen den einzelnen Charakteren, diese treiben aber die Story nur selten voran. Darüber hinaus kann deren Inhalt kaum mit der sonstigen Präsentation mithalten. Während man optisch den ein oder anderen guten Gag geliefert bekommt, sucht man diesen in Gesprächen zwischen den eigentlich dafür prädestinierten Figuren vergeblich.


Im Anschluss findet ihr euch in der Hauptzentrale wieder. Dort könnt ihr zu Beginn nur zwischen der Auftragstafel und eurem Glossar, das Funfax, wählen. In Letzterem werden vielerlei Informationen zu Gegenständen, Geistern, Upgrades und mehr liebevoll festgehalten – kurzum: Es beinhaltet Infos zu allen Dingen, mit denen ihr während eurer Spielzeit konfrontiert werdet. Darin ist anfangs natürlich noch nichts enthalten, daher entscheidet ihr euch früh, eine Mission von der Auftragstafel anzunehmen. Die Auswahl fällt nicht schwer, könnt ihr euch anfänglich nur für eine Lokalität entscheiden – einen Bürokomplex. Die Reise dorthin wird mit einem kreativen Ladebildschirm überbrückt und nach ein paar Sekunden findet ihr euch auch schon in der gewünschten Gegend wieder.


Kleinere Gags wie dieses realistische Buch innerhalb der Cartoon-Welt sind in Dead End Job keine Seltenheit und fügen sich gut ein. © Headup Games

Das Spielprinzip gestaltet sich denkbar einfach, handelt es sich bei Dead End Job schließlich um einen Twin-Stick-Shooter. Ihr bewegt euren Charakter mit dem linken Analog-Stick. Mit dem rechten Analog-Stick verwendet ihr euer Plasmagewehr und bestimmt dessen Schussrichtung. Allerdings scheint eine Art automatische Zielerfassung zu existieren, die man nicht abschalten kann. Man hat häufig das Gefühl, dass die Schussrichtung nicht mit der eigenen Eingabe übereinstimmt, sondern von selbst den nächstgelegenen Gegner anvisiert, vor allem wenn mehrere eurer Widersacher auf dem Bildschirm zu sehen sind, was sich dann nicht selten unnötig chaotisch anfühlt. Mit den Schultertasten verwendet ihr wiederum Items, die ihr in der Spielwelt finden könnt – stellenweise auf eigene Gefahr, denn deren Effekt ist euch nicht immer wohlgesinnt. Abseits des Spielgeschehens wird euch eure verbleibende Energie, eine rudimentäre Mini-Map, euer Missionsfortschritt und die Summe des von euch eingesammelten Geldes angezeigt.


Während der erste Raum noch spukfrei ausfällt, geht es in den nächsten schon voll zur Sache. Dort tauchen allerlei unterschiedliche Gespenster auf, die ihr neu gewonnenes Revier verteidigen möchten. Jedes davon verfügt über seine eigenen Methoden, euch Schaden zuzufügen. Es gibt Geister, die Feuerbäller verschießen, euch mit Schnodderklumpen bespucken oder Messer durch den Raum sausen lassen. Euer Motto lautet: Run & Gun! Ihr weicht gegnerischen Projektilen aus und haltet gleichzeitig mit eurem Gewehr drauf. Ist die „Lebensenergie“ eurer Widersacher erschöpft, geraten diese in eine Art Schockzustand, die es erlaubt, sie mit eurem Geistersauger einzusaugen. Ihr dürft euch dafür aber nicht zu viel Zeit lassen, denn trödelt ihr zu lange, erholt sich euer Feind und die Keilerei beginnt von vorne. Zudem dürft ihr nicht endlos ballern und saugen, da eure Ausrüstung irgendwann überhitzt. Diesbezüglich können euch einige der Gegenstände, die ihr unterwegs findet, temporär Abhilfe verschaffen.


Obwohl der Ablauf gut funktioniert und schnell in Fleisch und Blut übergeht, stellt sich irgendwann Ernüchterung ein, denn jeder Gegner bekämpft sich gleich. Die eigentliche Enttäuschung rührt aber daher, dass man sich offensichtlich so viel Mühe in die Gestaltung der unterschiedlichen Geister gegeben und ihnen sogar je nach Umgebung ein anderes Aussehen verpasst hat, diese vorbildliche Varianz aber letztendlich im Gameplay fehlt. Auch Endbosse lässt das Spiel vermissen. Zwar werden einige Geister wie Endgegner per Einblendung vorgestellt, allerdings passiert das eher unregelmäßig, gar inkonsequent. Sie wirken letztendlich wie normale Feinde, sowohl was die Größe betrifft als auch die Methode, um diese auszuschalten – niederschießen und einsaugen. Da hilft auch der Mehrspielermodus nicht viel. Zwar senkt die simple Spielmechanik die Hürde für potenzielle Mitspieler. Die Monotonie stellt sich hier allerdings ebenso ein – wenn auch etwas später. Apropos Mehrspielermodus, bei diesem handelt es sich leider nicht um ein vollwertiges Koop-Erlebnis. Euer Mitspieler übernimmt die Rolle der verstorbenen Partnerin Beryl Ware, die zwar nicht erneut sterben kann, sondern nur in einen Schockzustand gerät, jedoch kann sie auch kaum bis gar keinen Schaden austeilen und somit maximal die Gegner festnageln.


Spielt ihr zu zweit, darf euer Mitspieler in die Rolle eurer verstorbenen Partnerin schlüpfen. Leider handelt es sich hierbei um eine rein unterstützende Komponente und kein vollwertiges Spielerlebnis für Spieler 2. © Headup Games

Ihr ballert euch also durch die einzelnen, per Zufallsprinzip angeordneten Räume und versucht die Büroangestellten ausfindig zu machen, zu deren Rettung ihr gerufen wurdet. Habt ihr einen von diesen gefunden, müsst ihr für dessen Befreiung den Raum säubern, also alle darin herumspukenden Geister umschießen und aufsaugen. Um euch bei der Stange zu halten, erhaltet ihr für jeden erledigten Gegner Erfahrungspunkte, die irgendwann in einer „Beförderung“ – Dead End Jobs Level-ups – resultieren. Dann habt ihr die Wahl zwischen drei Upgrades. Diese sind dem Charme des allgemeinen Spiels entsprechend beschrieben und belohnen euch beispielsweise mit besserer Wegfindung, höhere Aufwandsentschädigung oder einer mächtigeren Knarre. Aber Obacht, solltet ihr während einer Mission das Zeitliche segnen oder aufgeben, seid ihr euren Fortschritt los. Diesbezüglich bedient sich Dead End Job ganz klar am Rogue-like-Genre.


Da mit der Zeit die Aufträge länger und die Geister stärker werden, ist es schon mordsärgerlich, wenn der Tod mit dem damit verbundenen Verlust eintrifft. Das bedeutet nämlich, dass Missionen höherer Stufe erst einmal tabu für euch sind, da euch die dortigen Feinde auseinandernehmen würden. Es ist zwar möglich, dort mit niedriger Stufe zu bestehen, allerdings halten die Geister schon auf einem geringen Level so viel aus, dass man fast von sogenannten „Bullet Sponges“ sprechen möchte. Habt ihr euren Auftrag jedoch abgeschlossen, wird dieser entsprechend entlohnt. Mit dem Geld, welches ihr innerhalb der Level sammeln könnt und per Missionsabschluss verdient, werden neue Orte freigeschaltet, an denen ihr die Geisterhatz fortsetzen könnt. Letztendlich fallen aber auch die Missionen immer gleich aus. Da bringt auch die Einführung des Internets nichts, welches euch mit unabhängigen Aufgaben wie das Erledigen einer bestimmten Anzahl an Geistern an einem bestimmten Ort versorgt. Dieses führt jedoch eine weitere Währung in Form von Tickets ein. Diese könnt ihr in eurem Hauptquartier für Konzeptzeichnungen ausgeben, die euch die Entwicklung der einzelnen Spielelemente offenbaren – ein netter Bonus.


Die Präsentation von Dead End Job fällt durchweg harmonisch aus. Das Neunzigerjahre-Cartoon-Design, an dem man sich offenkundig orientiert hat, findet sich überall wieder. Auch die sporadische Einbindung realer Gegenstände wirkt keineswegs deplatziert, sondern trägt zur humorvollen und schrillen Stimmung bei. Wo man allerdings beim Erscheinungsbild der Geister mit umfangreicher Varianz geglänzt hat, bleibt diese im Leveldesign auf der Strecke. Das Rauminventar gleicht sich von Bereich zu Bereich und unterscheidet sich nur in dessen Anordnung. Zudem kann die Bildrate nicht immer aufrechterhalten werden. Vor allem in späteren, weitläufigeren Arealen mit vielen Gegnern bricht diese immer wieder ein, was bei der Menge an gegnerischen Geschossen und der Tatsache, mit dem Ableben alles zu verlieren, schon negativ auffällt. Ein Wechsel vom Handheld- in den TV-Modus der Nintendo Switch verschafft Abhilfe, jedoch treten auch dort vereinzelte Ruckler auf.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Felix Kraus

Dead End Job macht zu Beginn gewaltig Spaß, was nicht zuletzt daran liegt, dass die audiovisuelle Präsentation extrem stimmig ausfällt und man aufgrund des einfachen Spielprinzips sofort durchstarten kann. Ein paar Stunden später stellt sich allerdings Ernüchterung ein. Abseits des Bürokomplexes hat der Titel allen voran im Handheldmodus der Nintendo Switch mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zudem fühlen sich die fleißig erspielten Lokalitäten aufgrund des immer gleichen, monotonen Spielverlaufs nicht wirklich neu an. Übrig bleibt ein kurzweiliger Spaß und eine Menge verschenktes Potenzial, vor allem bezüglich des Mehrspielermodus. Für ein paar Minuten zwischendurch weiß das Spiel jedoch zu unterhalten.
Mein persönliches Highlight: Der charmante Neunzigerjahre-Look, den das Spiel konsequent durchzieht.

Die durchschnittliche Leserwertung

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