Der König unter den Rittern

Was vor fast sieben Jahren auf Kickstarter seinen Anfang nahm, sollte sich mit der Zeit zu einem der bekanntesten Indie-Spiele der Branche entwickeln. Shovel Knight wird als moderner Klassiker in die Geschichte der Videospiele eingehen, was vor allem der Arbeit von Entwickler Yacht Club Games zu verdanken ist, der stets großen Wert auf Qualität und Transparenz gelegt hat. Aus den Stretchgoals sind so maßgeschneiderte Abenteuer für den jeweiligen Hauptcharakter geworden, mit komplett überarbeiteten Levels, neuen Handlungssträngen und neuen Spielmechaniken, die jede Veröffentlichung wie eine Fortsetzung der ursprünglichen Veröffentlichung von Shovel Knight aus dem Jahr 2014 erscheinen lassen. Nach den beiden Erweiterungen Plague of Shadows und Specter of Torment in den Jahren 2015 und 2017 hat Yacht Club Games jetzt mit der neuesten Erweiterung King of Cards endlich das Ende der Entwicklungsphase der letzten Kampagne erreicht, die sich wie die bisher ehrgeizigste und umfangreichste Kampagne anfühlt. Altbekanntes trifft auf frische Inhalte wie das neue Kartenspiel Joustus (im Deutschen: Tjost) und eine neue Geschichte, die sich um den Ritter King Knight dreht. Auch wenn wir uns lange gedulden mussten, können wir endlich einen Blick auf den grandiosen Abschluss dieser Saga werfen.


Der König unter den Rittern zieht in die Schlacht. © Yacht Club Games

Als bisher umfangreichstes Abenteuer erwarten uns in Shovel Knight: King of Cards über 30 neue Level in vier verschiedenen Welten. Wie schon zuvor spielt sich auch King Knight im Vergleich zu den anderen Rittern komplett anders und erlaubt einzigartige Kombinationen von Sprüngen und Attacken, die gemeistert werden wollen. King Knight ist dabei allerdings weniger auf Agilität ausgelegt – wie beispielsweise Specter Knight – und ist eher schwer und kräftig gebaut. Eure wichtigste Attacke führt ihr mit der Schulter von King Knight durch, auf die nach erfolgreicher Ausführung eine Pirouette folgt, die sich vielseitig einsetzen lässt. Diese einfache Kombination ergibt einen interessanten Rhythmus und viele Hindernisse in den Levels erfordern eine geschickte Verkettung von Remplern und Hüpfeinlagen, was bestimmten Segmenten die Qualität eines guten Puzzles verleiht. Wieder einmal implementiert Yacht Club Games damit ein komplett überarbeitetes Moveset, dass sich anfangs ungewohnt anfühlen wird, mit der Zeit aber in Fleisch und Blut übergeht. Was sich natürlich nicht geändert hat, sind die präzise Steuerung, einzigartige Fähigkeiten, raffiniertes Leveldesign und exzellente Pixeloptik; Yacht Club Games steht in diesen Punkten einfach für höchste Qualität.


Die Geschichte von King of Cards spielt kurz vor der Kampagne von Shovel Knight. King Knight lebt noch bei seiner Mutter und nennt die Ratten in den Gemächern seine Untertanen. Als ein neues Kartenspiel namens Joustus zur Sensation im Königreich wird, setzt sich King Knight jedoch zum Ziel, zum König der Karten zu werden. Schon von Anfang an fällt auf, dass es sich im Gegensatz zu den vorherigen Kampagnen um ein viel unbeschwerteres Abenteuer handelt, bei dem der Fokus auf Humor gelegt wird. King Knight sticht dabei besonders hervor als ungestümes und verzogenes Muttersöhnchen, der das Königreich für sich beansprucht. Die verschiedenen Interakionen, die in den Sequenzen gezeigt werden, sind voller Witz und die Welt von King of Cards wirkt stets lebendig und interessant.


Die verschiedenen Fähigkeiten sorgen für reichlich Abwechslung. © Yacht Club Games

Die Oberwelt wurde in King of Cards ebenfalls komplett überarbeitet und ist dieses Mal weniger linear gestaltet worden, als zuvor. Damit weist die Karte Parallelen zu Super Mario World auf, was vor allem auf die geheimen Ausgänge und Bonus-Level zurückzuführen ist, die über die ganze Welt verstreut sind. Abgesehen davon orientiert sich das Design der Oberwelt noch immer stark an Super Mario Bros. 3, King Knight steht ein Luftschiff zur Verfügung und es durchstreifen Bosse die Karte, die sich euch zufällig in den Weg stellen können. In vielerlei Hinsicht fühlt sich das Design der Karte wie eine perfektionierte Version der ursprünglichen Kampagne von Shovel Knight an. Vier Welten gilt es insgesamt zu bewältigen, in denen jeweils ein Endgegner auf euch wartet. Es gibt also jede Menge zu entdecken in der Welt von King of Cards.


Die Charakterentwicklung von King Knight erinnert ebenfalls an vergangene Kampagnen, euer gesammeltes Gold fließt in neue Outfits und Upgrades, die euch an den schwierigen Stellen des späteren Spiels einen Vorteil verschaffen. Außerdem gibt es in jedem Level drei Medaillen zu sammeln, die ebenfalls als eine Art Währung dienen und mit denen weitere Gegenstände freigeschaltet werden können. Am Ende werdet ihr eine Vielzahl an Optionen haben, King Knight nach euren Vorlieben auszurüsten und mit den Fähigkeiten zu spielen, mit denen ihr am besten umgehen könnt.


Das neue Kartenspiel Joustus weiß zu überzeugen. © Yacht Club Games

Es wäre unmöglich, eine Review von King of Cards abzuschließen, ohne einer der wichtigsten Neuerungen besondere Aufmerksamkeit zu schenken: Dem Kartenspiel Joustus. Zuerst scheint dieses lustige kleine Kartenspiel nur eine coole Ablenkung vom Hauptspiel zu sein, aber es zeigt sich schnell, dass es viel mehr Tiefe hat, als man denkt. Die Grundidee hinter Joustus besteht darin, Karten auf einem Raster zu platzieren und zu versuchen, mehr mit Edelsteinen versehene Felder zu kontrollieren als der Gegner. Sind alle verfügbaren Felder mit Karten belegt, gewinnt derjenige, der mehr Edelsteinfelder hat. Jede Karte hat Pfeile, die anzeigen, in welche Richtung sie andere Karten schieben können wird. Mit einer eurer Karten besteht also die Möglichkeit, andere Karten über eine bestimmte Anzahl von Feldern zu bewegen.


Einen gewünschten Platz auf dem Brett zu kontrollieren, erfordert oft eine Menge Planung und Überlegung, da man ein paar Züge vorausdenken und die Möglichkeiten durchspielen muss, wo der Gegner die von euch platzierte Karten hinschieben könnte. Die Dinge sind dann noch komplizierter, wenn man berücksichtigt, dass einige Karten besondere Eigenschaften haben, die die Situation auf dem Brett drastisch verändern können, wie beispielsweise eine Karte, die alle Karten zerstört, in die sie geschoben wird. All das bedeutet, dass Joustus nicht einfach nur der Ablenkung dient, sondern ein gut gestaltetes Minispiel ist. Auch wenn mich Joustus anfangs noch nicht wirklich begeistert hat, habe ich letztlich einen guten Teil meiner Spielzeit damit verbracht, Herausforderer zu besiegen und die weit über 100 verschiedenen Karten meiner Sammlung hinzuzufügen. Sollte diese Art von Zeitvertreib nichts für euch sein, wird euch das Kartenspiel keinesfalls aufgezwungen. Ihr erhaltet zwar Medaillen für gewonnene Spiele, wer möchte, kann sich aber auch ganz dem Rest der Kampagne widmen und sich auf den hervorragenden Platformer konzentrieren. Eine Empfehlung für Joustus würde ich trotzdem ohne Bedenken aussprechen.

Unser Fazit

9

Geniales Spiel

Meinung von Kevin Franke

King of Cards ist der fast perfekte Abschluss eines modernen Klassikers. Als mittlerweile bereits vierte Kampagne von Shovel Knight trifft man natürlich auf Altbekanntes, es fällt jedoch schwer, Yacht Club Games für die exzellente Arbeit, die sie mit King of Cards geleistet haben, zu kritisieren. Das Studio hat auch dieser Kampagne seine volle Aufmerksamkeit geschenkt und belohnt Spieler für die lange Wartezeit mit einem exzellenten Erlebnis, das wieder mal voller interessanter Charaktere und fordernder Level ist. King of Cards beweist, dass Yacht Club Games nichts von dem Eifer oder Talent verloren hat, das die ursprüngliche Veröffentlichung zu einem solchen Erfolg gemacht hat. Es ist schwer zu sagen, ob King of Cards die bisher beste Erweiterung ist, aber sie braucht sich in keinster Weise vor den Vorgängern zu verstecken und übertrifft die meisten anderen Retro-2D-Platformer, die im Nintendo eShop zu finden sind. King of Cards ist ein weiteres Beispiel dafür, wie man es richtig macht. Glückwunsch für diesen tollen Abschluss.
Mein persönliches Highlight: Vor allem der Humor hat mich positiv überrascht.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

6 User haben bereits bewertet

Kommentare 11

  • Orikuro

    inaktiv

    Der Test kommt ja passend. Hab gerade gestern extra für den DLC nochmal die Wii U aus dem Ruhestand geholt und angefangen zu spielen. :D

  • AnimalM

    Turmbaron

    Hab am Wochenende erst Shovel Knight auf dem 3DS durchgespielt und nun in Plague of Shadows und Specter of Torment reingeschaut. Einfach großartig die Jungs :thumbup:

  • dr.retro

    Retrogamer aus Leidenschaft

    Heute meine Retail Fassung geholt. Dann fange ich damit wohl an.

  • Rotbart93

    - Rivers in the desert -

    Verdiente Wertung! Hätte auf 8 von eurer Seite aus getippt, freut mich, dass es eine 9 geworden ist.

  • Champ

    Turmheld

    hab asteal chain, witcher 3 , dragon quest 10 und fire Emblem hier warten... weil king of cards ihnen die show gestohlen hat...


    Erst king of cards, dann weiter x-mas Geschenke abarbeiten:-D

  • Wichert

    Turmheld

    Das warten hat sich wirklich gelohnt. Das war einfach von der ersten bis zur letzten Sekunde ein riesen Spaß. Unglaublich guter Humor, flüssiges Gameplay vom feinsten und wundervolle Animationen.
    Und eines der besten Videospiel Enden aller Zeiten^^

  • Hale_boPP

    Turmheld

    hoffentlich bald für 3DS!

  • kbye

    Turmheld

    Jetzt darfs aber mal was neues sein nochmal 8-bit shovel knight würde die Luft rausnehmen.

  • Grimmon

    Turmheld

    Ich hab die 3DS Version noch gar nicht durch... die Switch ist Schuld ;)


    Den sollte ich eh mal wieder ausgraben :)

  • kneudel

    Turmheld

    Blöder Frage einen Shovel Knight Neulings. Sind das, Plague of Torment und die anderen Teile DLCs oder sind das eigenständige Spiele?

  • wonderboy

    Turmbaron

    so langsam geht mit der Pixellook auf die Testikel!