Ohne Kristalle geht nichts

Sparklite ist ein zufallsgeneriertes Action-Adventure, welches aus der Vogelperspektive gespielt wird und dass seine Inspirationen ganz klar aus der The Legend of Zelda-Reihe zieht. Ihr löst Rätsel in Verliesen, kämpft gegen gefährliche Monster oder Bossgegner und findet Items, die euch Zugang zu Geheimverstecken gewähren. Der größte Unterschied ist jedoch das Gameplaygefühl und die Steuerung eurer Spielfigur. Euer Held spielt sich schnell, dynamisch und ist nicht in der Lage, sich zu schützen. Das bedeutet, dass das Kampfsystem sehr viel risikoverbundener ist und jeder eingesteckte Treffer einen Unterschied ausmachen kann. Abhilfe schafft hier der Dash – ein kurzer, aber flotter Spurt, der die primäre Ausweichmöglichkeit darstellt und auch dazu verwendet werden kann, kurze Abgründe zu überfliegen. Selbstverständlich ist es nicht möglich, dieses Manöver ununterbrochen einzusetzen – die Verzögerung nach jeder Ausführung ist zwar nicht lang, macht sich aber in Gefechten, wo Gegner schnell agieren, deutlich spürbar, wodurch ein überhastetes Spielen zum Nachteil werden kann.


Immer mehr Charaktere besuchen die Luftstation. © Merge Games

Die Kombination aus agilen Schwert-Manövern und dem Dash heben das Gameplay genug von The Legend of Zelda ab, sodass es nicht wie eine billige Kopie wirkt, dennoch finden sich einige Punkte wieder, die naturgemäß an die Abenteuer des grünbemützten Helden erinnern. Aufgesprengte Felsen offenbaren geheime Untergrundhöhlen, manche Items, wie der Bogen, funktionieren auf fast identische Weise und selbst das Gras kann gestutzt werden, um Energie und Items zu entdecken. Anlehnungen müssen nichts Schlechtes sein, wenn ein Spiel immer noch eigene Einflüsse zeigt und diese thematisch passend einbaut. Sparklite tut dies in Form von Kristallen – die Währung des Spiels und allgemeiner Dreh- und Angelpunkt des Abenteuers. Überall auf der Welt, ob nach dem Besiegen von Gegnern oder Öffnen wertvoller Truhen, erhaltet ihr Kristalle, die allerlei Zwecke erfüllen. Zum einen könnt ihr mit ihnen neue Items freischalten, zum anderen lassen sich mit den wertvollen Juwelen Upgrades kaufen, die Attribute wie eure Lebensenergie oder die Angriffskraft erhöhen. Grundsätzlich fügen sie sich gut in den Spielfluss ein, trotzdem kommt mehr als einmal das Gefühl auf, dass letztendlich das Grinding nötig wird, um wirklich alle nützlichen Funktionen freizuschalten. Der Schwierigkeitsgrad ist nicht besonders einsteigerfreundlich und geradezu Beginn kann es gerne vorkommen, dass man den einen oder anderen Bildschirmtod erleidet, was an der mangelnden Verteilung von Herzen innerhalb der Welt liegt.


Die einfachste Lösung ist dann natürlich, weitere Kristalle zu sammeln, wobei man sich dann in der nervigen Situation wiederfindet, die Währung primär zu suchen, anstatt sie beiläufig während des Vorankommens einzusammeln, wie es eigentlich der Fall sein sollte. Üblicherweise werden Items in einem Menü ausgewählt, doch Sparklite fügt neben den normalen Gegenständen noch einen kleinen fliegenden Roboter hinzu, der mit seinen Funktionen permanent ins Geschehen eingreifen kann. So lassen sich mit ihm Schätze aus dem Boden ziehen oder Fackeln anzünden. Der kleine Begleiters wurde ausgesprochen gut in den Gameplayfluss eingebaut, gerade weil er euch nicht unterbricht und mit einem einfachen Knopfdruck gesteuert werden kann. Ist euch dieser Helfer aber zu wenig, kann ein weiterer Spieler die Rolle eines Roboters übernehmen und gemeinsam mit euch die Welt erkunden. Aufgrund der stationären Abschnitte, die wie in älteren Zelda-Teilen die Kamera immer erst dann weiterziehen lassen, wenn ihr den Rand eines Bildschirms erreicht, wird der zweite Spieler in seinen Bewegungen nicht beschränkt und kann problemlos am Spielgeschehen teilnehmen.


Die zufallsgenerierte Welt sorgt für Abwechslung und eine frische Perspektive... oder?


Die Dungeons, wenn man sie so nennen mag, sind extrem simpel und dauern oftmals keine zehn Minuten. Das Spiel unterscheidet hierbei zwischen Höhlen, in denen ihr sofort auf den Boss trefft, Monsterverliese, bei denen auf jeder Etage einfach alle Gegner besiegt werden müssen und Rätselhöhlen, die sich auf reine Knobelaufgaben konzentrieren. Leider werden nie alle drei Möglichkeiten zu einem stimmigen Ergebnis kombiniert: Die Boss-Dungeons haben fernab der gelungenen Kämpfen nichts zu bieten, Rätselverstecke hätten mehr Substanz und Einfallsreichtum vertragen können und Monsterverliese laufen aufbautechnisch viel zu ähnlich ab. Gute Ansätze lassen sich überall erkennen, die Spaltung zeigt aber das unausgeglichene Verhältnis, das gemeinsam zu sehr viel mehr geführt hätte. Der vermutlich gemütlichste Ort ist die kleine Luftstation, die als eine Art Oberwelt fungiert. Hier trefft ihr nicht nur auf hilfreiche Charaktere, sondern könnt auch euren Protagonisten aufwerten. Doch wie bei so allen Dingen im Spiel, benötigt ihr dafür natürlich Kristalle. Die Investition lohnt sich dennoch – weitere Herzen oder eine erhöhte Angriffskraft können elementar sein und die auffälligen Figuren der Station geben euch allerlei Hinweise für das Vorankommen im Spiel.


Visuell sorgen die Gebiete für eine dichte Atmosphäre. © Merge Games

Wie eingangs erwähnt, ändert sich die Anordnung der Kartenabschnitte nach jedem Tod neu. Der Fortschritt und eure Kristalle bleiben aber erhalten. Obwohl dieses Konzept für Abwechslung sorgen soll und grundlegend interessant sein kann, ist die Entscheidung in diesem konkreten Fall fragwürdig. Bei jeder Designentscheidung, erst recht wenn sie so elementar wie diese hier ist, muss man sich immer überlegen, inwiefern das Gameplay von ihr profitiert. Im Spielverlauf zeigt sich aber zu keinem Zeitpunkt, wieso diese Zufallsgenerierung eingebaut wurde. Der Spieler muss nach dem Tod die Welt gelangweilt erneut durchlaufen, wobei man dabei keinen neuen Inhalt zu Gesicht bekommen wird. Nach ungefähr drei Niederlagen waren mir die Kartenabschnitte schon so vertraut, dass ich in der neuen Anordnung keinen Nutzen oder Spaß finden konnte. Ein Grund kann natürlich die kurze Spielzeit sein, die dadurch erhöht wird, hierbei muss man sich allerdings fragen: Wozu? Kurze, aber charmante Spiele können genauso für sich stehen, anstatt zu versuchen, den Inhalt künstlich zu strecken. Alternativ wäre es eine Lösung gewesen, die zufällige Anordnung als zusätzlichen Modus nach erfolgreichen Durchspielen anzubieten. Die Entwickler hätten dafür zwar die, zugegeben gut integrierte, aber nicht nennenswerte Handlung neuschreiben müssen, trotzdem wäre die optionale Unterteilung in dieser Hinsicht eine sinnvollere Idee gewesen.


Optisch setzt Sparklite auf den wohlbekannten Pixellook, der hier weder beeindruckend noch schlecht wirkt und seinen Zweck erfüllt. Ambientetechnisch ruht sich das Spiel bedauerlicherweise fast ausschließlich auf seinen waldigen Gebieten aus, die atmosphärisch zwar durchaus abwechslungsreich sein können, optisch aber einfach viel zu ähnlich wirken. Vielmehr sind es die kleinen Animationen der Figuren, die ihnen einen charmant vergnügten Schwung verleihen und sich gerade bei den Bossgegnern von ihrer Schokoladenseite zeigen. Auch wenn der Soundtrack an sich seine Qualitäten hat, fällt er etwas enttäuschend aus. Monsterverliese spielen überhaupt kein Stück ab und der Soundtrack hätte sich je nach Situation dynamisch besser anpassen können. Komischerweise zeigt sich aber genau dieses Detail auf dem Luftschiff, das, je weiter ihr kommt, musikalisch ausgeschmückter wird und immer wohlwollender klingt.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Kevin Becker

Sparklite besteht aus vielen Elementen, die an und für sich sinnvoll klingen und eine gute Idee erahnen lassen, gemeinsam jedoch kein kohärent passendes Bild abgeben. Dungeons sind einseitig und konzentrieren sich fast immer auf ein festgelebtes Konzept, statt mehrere Anforderungen an den Spieler zu setzen. Die Kristalle machen einen großen Teil des Gameplays aus, das an einer unverhältnismäßigen Balance aus Grinding und spaßigem Sammelgut leidet. Die Wahl einer zufallsgenerierten Welt bleibt in Anbetracht des elanlosen Einbaus merkwürdig und hätte als optionale Alternative nach oder vor dem Durchspielen sein eigentliches Ziel sehr viel genauer getroffen. Dennoch darf man die Qualitäten nicht außer Acht lassen, wenn das Gameplay ein angenehm dynamisches Kampfsystem bereithält, die Oberwelt mit Charme sowie Charakter punkten kann und verbesserte Upgrades die manchmal monotone Suche nach Kristallen lohnenswert machen. Müsste ich es auf den Punkt bringen, dann wirkt Sparklite stark wie der Erstversuch eines neuen Spiels: Die Ansätze sind vorhanden, bei der Ausführung bedarf es aber noch einiges an Ausarbeitung. Wer sich davon letztendlich nicht abschrecken lässt, wird gerade im Multiplayer ein absolut reizendes Abenteuer erleben dürfen.
Mein persönliches Highlight: Die Luftstation immer weiter auszubauen

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 1

  • Teladon

    Turmritter

    Schade... optisch hatte mich das Spiel so stark angesprochen, dass ich es als Pflichtkauf abgespeichert hatte. Dann vielleicht mal in nem Sale (also noch stärker reduziert als im jetzigen)