Wenn die eigenen vier Wände zum Golfplatz werden

Als Kind liebte ich es, mit Dominosteinen zu spielen. Etwas faszinierte mich an den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und an den unzähligen Kombinationen mit anderen Gegenständen. Genauso spaßig wie das Bauen war jedoch auch das Anstoßen der Dominos. Wenn die eigene Kreation genauso geglückt ist, wie man es sich vorgestellt hat, war es ein zufriedenstellender Erfolgsmoment. Die kindliche Kreativität limitierte sich aber nicht auf die Dominosteine, sondern machte praktisch das ganze Zuhause zu einem einzigen Domino-Reich. Mit einer sehr ähnlichen Vorstellung habt ihr es in House of Golf zu tun, dem neuen Minigolf-Titel für die Nintendo Switch, welches Badezimmer, Küche und Co. in Minigolf-Parcours verwandelt. Wir haben für euch den Schläger ausgepackt, um herauszufinden, ob House of Golf ein echtes Hole-in-One ist.


Keine Überraschungen


House of Golf bietet konventionelles Minigolf-Gameplay. Vom Start aus versucht ihr mit möglichst wenigen Schlägen, den Golfball im Zielloch zu versenken. Dabei gilt es, eventuellen Hindernissen auszuweichen und den Ball bloß nicht ins Aus zu schleudern, denn das kann euch wertvolle Punkte kosten. Verschiedene Schlägertypen, Terrain-Effekte, Windeinfluss und Co. gibt es in House of Golf nicht. Durch Drücken und Halten des A-Knopfes füllt ihr die Schlagleiste, welche die Stärke eure Schlags veranschaulicht. Lasst ihr los, fliegt und rollt der Golfball in die geschlagene Richtung, prallt an Wänden ab und landet hoffentlich im Ziel.


House of Golf versucht, realistisch auszusehen. Ein gewisser Grad an Realismus ist zwar vorhanden, die Spielwelt wird aber nicht allzu scharf dargestellt. © Atomicom Limited

Der Clou an der Sache ist, dass ihr es in House of Golf nicht mit regulären Minigolf-Kursen zu tun habt, sondern stattdessen mit Parcours, die der Kreativität eines Kindes entsprungen sind. Als Hindernisse dienen hier also vorwiegend Gegenstände, die wir alle wohl Zuhause rumliegen haben. Gläser aus der Küche, Bücher aus dem Wohnzimmer. Wer eine Garage hat, der wird sich bestimmt gut vorstellen können, welche Werkzeuge und Kleinigkeiten als Hürde dienen können. In dieser Hinsicht hebt sich House of Golf in Sachen Kreativität von anderen Golfspielen ab und schafft interessante Settings und Gegebenheiten.


Leider hapert es ein wenig an der Umsetzung des Konzepts. Es stimmt, dass House of Golf zumindest visuell für Abwechslung unter Golfspielen sorgt. Es kommt immerhin nicht häufig vor, dass ich von der Oberseite eines Fernsehgeräts aus das Loch beginne. Gleichzeitig wird mit der Idee, Alltagsgegenstände für die Kurse zu nutzen, nicht wirklich etwas angestellt. Der Spielspaß profitiert nicht davon, dass meine bevorstehende Blockade aus Büchern besteht. Von einer Gameplay-Perspektive aus hätten diese genauso gut unidentifizierbare Boxen sein können.


Ärgerlich ist hierbei vor allem, dass Objekten keine Logik eingehaucht wurde. Wieso wird ein LEGO-Stein nicht vom Golfball weggeschleudert, wenn dieser mit Höchstgeschwindigkeit auf ihn zurast? Stattdessen prallt der Golfball daran ab, als wäre der LEGO-Stein mit Kleber am Boden befestigt. Dieser Umstand gilt für so ziemlich alle Objekte im Spiel. Die Physik des Golfballs mag zwar mehr oder weniger akkurat sein, nur leider darf sich damit wenig ausgetobt werden, da es keine anderen Hindernisse oder Objekte gibt, die ebendiese Physik zur Schau stellen könnten. Damit verschenkt man sehr viel Potenzial einer doch eigentlich schönen Idee für ein Golfspiel.


Noch ein bisschen weiter links... Die Steuerung wird manchmal zum größten Hindernis. © Atomicom Limited

Auch ärgerte ich mich immer wieder über die doch hakelige Steuerung. Feinjustierungen sind so gut wie gar nicht möglich und die Vorschau, welche die Schlagrichtung anzeigt, stellt sich zu häufig als Geduldsprobe heraus. Frustrierend wird es dann, wenn der Ball anders als erwartet auf die Umgebung reagiert und ihr keine Möglichkeit habt, den Versuch komplett von vorne zu beginnen, als in den Levelauswahlbildschirm zurückzukehren und das Loch dort neu zu starten. Während einer Meisterschaft, welche mehrere Kurse in sich vereint, ist das aber nicht so einfach. Da muss der Fehlversuch hingenommen werden.


Positiv vorzubringen ist der Wiederspielwert. House of Golf bietet euch viele verschiedene Kurse, die sich über fünf Welten und drei Schwierigkeitsgrade verteilen. Wer sich langfristige Ziele im Spiel setzen möchte, für den gibt es auch eine Handvoll verschiedener Golfball-Designs freizuschalten. Nett, aber nichts allzu Besonderes. Das Spiel kann sowohl alleine als auch mit bis zu sechs Spielern gespielt werden. Das Wetteifern um die besten Punktestände wird sicherlich für zusätzlichen Spaß sorgen können, wenn ihr nicht gerade ein besseres Mehrspieler-Erlebnis zur Auswahl habt.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Daniel Kania

House of Golf setzt auf konventionelles Minigolf-Gameplay, wie es schon viele Videospiele zuvor geboten haben. Kreativ zeigen sich aber die einzelnen Kurse, welche auf die Darstellung eines realen Settings abzielen. So schlagt ihr euch von Wohnzimmer bis Küche und versucht, den Ball mit möglichst wenigen Schlägen einzulochen. Leider kann das Gameplay kaum vom Setting profitieren, da das Konzept nicht vollständig durchdacht wurde. Die Alltagsgegenstände, aus denen die Kurse zusammengesetzt sind, erscheinen eher dekorativ und funktionell. Hier wäre viel mehr drin gewesen! Wer Spaß an Golfspielen hat und etwas Abwechslung zu gängigen Kursthemen möchte, darf einen Blick riskieren – und vielleicht sogar ein paar Freunde mitbringen. Dann darf sich gemeinsam über hakelige Steuerung und Ballphysik geärgert werden.
Mein persönliches Highlight: Die für ein Golfspiel kreativen Settings

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