Dann doch lieber einen Disney-Prinzen heiraten ...

Fragt man kleine Kinder nach ihren Berufswünschen, so fallen diese recht unterschiedlich aus. Mal möchte man Feuerwehrmann werden, dann wiederum möchte die Nächste als Profi-Fußballerin erfolgreich werden und dann darf natürlich nicht der Flug zum Mond oder Mars fehlen, den unser Nachwuchs regelmäßig anstrebt. Insgeheim hat sich aber auch seit jeher bei einigen Mädchen das eine oder andere Mal der Wunsch verankert, eine Prinzessin zu sein und den berühmt berüchtigten Traumprinzen zu heiraten. So geht es auch unseren vier Protagonistinnen in Princess Maker Go!Go! Princess, die allesamt aus einfachen Verhältnissen stammen und nun durch einen Wettbewerb die Möglichkeit erhalten, den zukünftigen Thronfolger zu heiraten. Das Ganze erwartet euch jedoch nicht in Form eines Brawlers, Adventures oder Jump and Run, sondern als Brettspiel – was eigentlich für die Princess-Maker-Reihe eher unüblich ist. Dabei stellt der Titel keine Neuentwicklung dar, sondern eine Portierung des Spiels aus dem Jahre 1999. Ob die Umsetzung auch zwanzig Jahre später noch überzeugen kann, wollen wir euch im Folgenden näher erläutern.


Eure Prinzessin kann sich in den unterschiedlichsten Gebieten spezialisieren. Die Frage ist nur: Wozu sollte sie das? © CyberFront Korea

Die Handlung habe ich quasi in der Einleitung vollkommen abgehandelt, denn fernab der Tatsache, dass vier junge Frauen aus verschiedener Herkunft darin konkurrieren, die zukünftige Gattin des Prinzen zu werden, bietet das Spiel keinerlei Story. Zwar könnt ihr zu Beginn des Spiels noch euer Sternzeichen und den Beruf eures Vaters festlegen, doch diese Entscheidungen wirken sich letztendlich nur auf eure Startposition und den Text im Endscreen aus. Das Spielprinzip ist ebenfalls schnell erklärt, denn Princess Maker Go!Go! Princess ist letztendlich nichts anderes als ein einfaches Brettspiel mit einigen wenigen RPG-Mechaniken, die letztendlich auch eher aufgesetzt wirken. Jede Partie, die ihr entweder alleine gegen bis zu drei computergesteuerte Gegner oder mit drei Freunden bestreiten könnt, spielt über den Verlauf von acht Jahren, was spieltechnisch bedeutet, dass ihr 96 Runden ziehen könnt. Zu Beginn jeder Partie erhaltet ihr eine Quest, die es zu erfüllen gibt und letztendlich darin besteht, dass ihr zuerst einen bestimmten Punkt erreicht. Um dies zu bewerkstelligen, dürft ihr einen Würfel rollen lassen, um euch dann die entsprechende Zahl an Feldern fortzubewegen. Wenn ihr oder eine eurer Konkurrentinnen das entsprechende Ziel (punktgenau) erreicht habt, folgt ein kurzer Dialog mit dem Prinzen und ihr erhaltet das nächste Ziel, dass zufällig auf der Karte erscheint. Dabei wird zwar immer ein Grund genannt, wieso ihr genau dorthin reisen sollt, doch fällt dieser meistens so fadenscheinig aus, dass es keinerlei Erwähnung wert wäre. Dazu kommt die Tatsache, dass es durch die Zufallsmechanik durchaus sein kann, dass das neue Ziel nur wenige Felder von dem Vorherigen auftaucht oder am ganz anderen Ende des ziemlich großen Spielbretts erscheint. Das führte in meinen Testpartien oft dazu, dass meist früher als später ein Spieler sehr schnell ins Hintertreffen geraten ist und den Sieg somit schon so gut wie abschreiben konnte.


Ich erwähnte bereits, dass Princess Maker Go!Go! Princess einige RPG-Mechaniken nutzt, die dem Spiel eine gewisse Tiefe verleihen sollen. Nun, auf den ersten Blick ist das durchaus der Fall, denn jeder Charakter verfügt über eine enorme Vielzahl an Werten, die ihr auf bestimmten Feldern steigern könnt. Landet ihr zum Beispiel am Ende eurer Runde auf einer Schule, könnt ihr eure zukünftige Prinzessin entweder in Naturwissenschaften, Geschichtsunterricht oder Sprachwissenschaften ausbilden, besucht ihr eine Fechtschule, könnt ihr eure Kampf-Fertigkeiten steigern oder in der Akademie der hohen Künste Etiketten- sowie Tanzunterricht nehmen. Augenscheinlich bieten sich euch hier unzählige Möglichkeiten, euren Charakter zu verbessern und zu spezialisieren, doch die Frage, die mir immer wieder kam war: Wozu? Keine der Fertigkeiten wurde auch nur einmal während meiner Test-Partien gebraucht und ob sie letztendlich dazu beitragen, dass man im Ansehen des Prinzen steigen kann, ist auch nicht wirklich ersichtlich, denn in allen Partien gewann letztendlich der Spieler, der die meisten Quests absolviert hatte. Die einzige Ausnahme stellen die Kampf- und Magiefertigkeiten dar, die einer weiteren Spielmechanik dienen: dem Kampf.


Nicht sehr damenhaft, aber effektiv: Ein Duell unter Prinzessinnen. © CyberFront Korea

Während des gesamten Spiels kann es euch jederzeit passieren, dass ihr zufällig von Banditen oder Monstren angegriffen werdet und euch verteidigen müsst. Hier spielen dann eure Magie- und eure Kampffertigkeit sowie eure Lebensenergie eine Rolle, denn je besser ihr darin seid, umso mehr Treffer könnt ihr einstecken oder desto mehr Schaden teilt ihr aus. Zusätzlich können im Laufe des Spiels bei diversen Händlern, oder als Zufallsfund auf einem Spielfeld, Rüstungsteile erworben werden. Diese sind jedoch so mächtig, dass selbst ein einfacher Helm und ein Kettenhemd schon ausreichen, dass euch die meisten Gegner nicht mehr als einen Schadenspunkt zufügen, was den Kämpfen damit jegliche Spannung raubt. Auf der anderen Seite kann es schnell passieren, dass ihr ohne Rüstung bereits nach einem Treffer zu Boden geht – vor allem wenn euer Widersacher Magie anwendet, die unverhältnismäßig stark ist und alle Waffen übertrifft. Doch ihr könnt euch nicht nur mit widerlichen Bestien prügeln, sondern auch eure Mitspieler zu einem Duell herausfordern – sofern ihr beide auf dem gleichen Feld landet. Die Verliererin muss danach eine Runde aussetzen, was bei einem Kopf an Kopf-Rennen durchaus entscheidend sein kann.


Neben den diversen Rüstungsgegenständen und Waffen stolpert ihr noch über diverse Items, die ihr entweder in Form einer Quest-Belohnung erhaltet oder diversen Händlern abkaufen könnt. Das Problem bei Letzteren ist dabei die Tatsache, dass euch keinerlei Info-Texte angeboten werden, was das jeweilige Item eigentlich bewirkt. Ihr müsst also quasi die Katze im Sack kaufen, um zu erfahren, ob ihr das erworbene Kleinod überhaupt brauchen könnt. Diese Problematik zieht sich übrigens durch das gesamte Spiel: Euch wird quasi nichts erklärt und oftmals kann man nur raten, was nun eigentlich elementar für euren Sieg ist und was einfach nur vernachlässigbar ist. Die meisten der Gegenstände sorgen letztendlich dafür, dass entweder eure Lebensenergie aufgefüllt wird, bestimmte Werte gesteigert werden oder ihr euch von dem Stress eures Abenteuers erholt. Letzteres ist auch wichtig, denn steigt euer Stress-Level zu sehr, müsst ihr entweder einem Doktor eine hohe Summe zahlen oder mit dem Risiko weiterziehen, dass ihr zusammenbrecht und eine Weile aussetzen müsst. Um ehrlich zu sein, habe ich den drohenden Zusammenbruch gerne in Kauf genommen, da selbst Runden später nichts geschehen ist – wobei es bei meinen Mitspielern auch gut und gerne passierte, dass sie selbst mit einem vergleichsweise niedrigen Stress-Level kollabiert sind.


Euch erwarten eine Vielzahl an Quests. © CyberFront Korea

Nach jeder erfolgreich absolvierten Quest darf sich die glückliche Prinzessin mit ihrem Traumprinzen unterhalten, der ihr in den kitschigsten Dialogen versichert, wie sehr er sie doch bewundert und hofft, dass gerade sie doch den Wettbewerb gewinnen möge. Selbiges gilt für die Feier, die am Ende eines jeden Jahres steht und währenddessen der König den Spielern mitteilt, wer derzeit die besten Karten auf den Sieg hat. Die Dialoge wiederholen sich dabei so oft, dass es schon fast peinlich wirkt, wenn eine der Prinzessinnen jedes Mal mit „Oh, ihr seid doch ...“ beginnt, sobald der Prinz auftaucht und dabei ignoriert wird, dass ihr ihn mittlerweile schon zigmal getroffen habt. Leider gilt dies auch für alle übrigen Dialoge, die stellenweise entweder einfach nur zum Fremdschämen sind oder im Idealfall einfach nur einfallslos daherkommen. Dem Ganzen wird (no pun intended) die Krone aufgesetzt, wenn am Ende die Gewinnerin ihren Eltern schreibt, dass sie die glücklichste Frau der Welt ist, während ihre Konkurrentinnen ihren Eltern mitteilen müssen, dass sie eine Schande sind und dass sie hoffen, dass ihre Erzeuger mit ihrem Versagen leben können.


Grafisch merkt man dem Spiel an, dass es über zwanzig Jahre alt ist, wobei man die Grafik selbst damals eher altbacken genannt hätte. Die Brettspielwelt wirkt wie aus einem RPG-Editor, die Animationen sind eher hakelig und die Illustrationen, welche die Übergänge zwischen den einzelnen Jahreszeiten aufhübschen sollen, sind auch nicht von hoher Qualität. Selbiges gilt für die musikalische Untermalung, die wir während unserer Test-Partien schnell auf stumm geschaltet haben. Die Texte wurden allesamt ins Englische übersetzt und sofern man einmal über die inhaltliche Qualität hinwegsieht, scheint die Übersetzung gut gelungen. Von der Performance her kann man hingegen nicht meckern: Das Spiel läuft flüssig und die einzelnen Züge gehen ohne Geruckel oder Ähnliches vonstatten. Sofern ihr Princess Maker Go!Go! Princess spielen wollt, benötigt ihr zudem einen US-Account für den Nintendo eShop, da das Spiel hierzulande nicht angeboten wird.

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Florian McHugh

Princess Maker Go!Go! Princess ist leider keine wirklich gelungene Alternative zu den anderen Brettspielen, die man so auf der Nintendo Switch genießen kann. Eine altbackene Optik, undurchsichtige Spielmechaniken und Dialoge, die eher zum Fremdschämen sind, sorgen dafür, dass man schnell die Lust an dem Titel verliert. Das ist insofern schade, als dass das Spiel mit einigen frischen Ideen daherkommt, wie zum Beispiel einem RPG-ähnlichen Kampfsystem, welches aber ebenfalls unter diversen Ungereimtheiten leidet sowie die vielen Werte, die man im Laufe des Spiels steigern kann. Fans der Princess-Maker-Reihe, knallharte Prinzessinnen-Fans und all diejenigen, die bereits alle anderen Brettspiel-Konkurrenten nicht mehr sehen möchten, könnten noch Spaß an dem Titel finden.

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