Der Ursprung des Sternenmeers

Die Star-Ocean-Reihe ist JRPG-Fans sicherlich ein Begriff, so kamen bereits mehrere Teile über einen Zeitraum von 1996 bis heute auf den verschiedensten Konsolen heraus. Den Anfang hat „Star Ocean“ gemacht, das allerdings im Jahr 1996 nur in Japan auf dem Super Nintendo erschien. Zu einem Zeitpunkt, in der die Konkurrenzkonsole von Nintendo, die PlayStation, bereits seit zwei Jahren auf dem Markt war. Sogar die Nintendo 64-Konsole war zumindest in Japan bereits seit einem Monat auf dem Markt. Somit zählt Star Ocean zu einem der letzten Spiele, das auf Nintendos 16-Bit-Konsole erschien.


Das Besondere hierbei war, dass es neben Tales of Phantasia das einzige Spiel für das SNES war, dessen Modul eine Größe von 48 Mbit besaß. Darüber hinaus wurde die Grafik aber nochmals mit Hilfe des S-DD1-Chips komprimiert. Wir Europäer kamen allerdings erst 2008 zum ersten Mal in Kontakt mit dem Serienanfang, als für die PlayStation Portable das Remake mit dem Titel „Star Ocean: First Departure“ veröffentlicht wurde. Dieses enthält neben überarbeiteten Charakter-Designs auch neue Cutscenes, Charaktere, sowie eine komplette Synchronisation. Jetzt erhalten erstmals auch Besitzer einer Nintendo-Konsole die Gelegenheit, diesen Titel spielen zu dürfen. Denn mit „Star Ocean: First Departure R“ erhalten wir ein Remaster des Remakes auf der Nintendo Switch. Was dieses Remaster Neues mit sich bringt, werde ich euch in den nächsten Zeilen erläutern.


Das Eintauchen ins Sternenmeer


Die Geschichte beginnt auf dem Planeten Roak und handelt von einer menschenähnlichen Rasse mit tierischen Zügen. In einem Dorf übernehmt ihr die Kontrolle über Roddick, der zusammen mit seinen Freunden Millie sowie Dorne für die Sicherheit sorgt. Eines Tages bricht in einem Nachbardorf eine Krankheit aus, die alle infizierten Menschen in Stein verwandelt. Die drei Freunde machen sich umgehend auf die Reise, um ein Heilmittel zu finden. Dieses soll auf Mt. Metorx sein, doch als sie den Gipfel erreichen, werden sie von etwas nie Vorstellbarem überrascht. Sie werden von Captain Ronyx und Ilia, Mitglieder einer galaktischen Föderation erwartet, deren Ziel es ist, die Ordnung im Universum zu wahren. Diese nehmen unsere Freunde mit auf ihr Raumschiff, um die weiteren Vorgehensweisen zu diskutieren.


Ein guter Drink ist nie verkehrt. © SQUARE ENIX

Dabei erfahren sie, dass die Krankheit von einer befeindeten Rasse auf dem Planeten Roak verbreitet wurde. Um ein Heilmittel zu finden, wird der erste Wirt benötigt, der damit infiziert wurde. Bei einem Meeting mit den Unheilsbringern kommt allerdings heraus, dass der erste Wirt überhaupt nicht mehr existiert, denn die erste Übertragung liegt bereits 300 Jahre zurück in der Zeit. Als letzte Möglichkeit entscheidet sich die Gemeinschaft, mit Hilfe eines Tors zurück in die Vergangenheit zu reisen, bevor der erste Wirt infiziert wurde. Die Geschichte hat mich sehr gut unterhalten und bietet die ein oder andere Überraschung. Vor allem Spieler des zweiten Teils, Star Ocean: The Second Story, werden einige Referenzen wiedererkennen. Während die Star-Ocean-Reihe eigentlich ein Science-Fiction-Setting besitzt, fallen diese im ersten Teil der Reihe noch sehr gering aus. Im Großteil des Spiels befindet ihr euch in einer Fantasie-angehauchten Welt und nur manchmal kommt ihr mit SciFi-Aspekten in Kontakt. Erst in den folgenden Teilen wurde mehr und mehr auf ein Weltraumsetting gesetzt. Ein sehr wichtiger Aspekt des Titels ist der Zusammenhalt der Figuren. Hiervon können im Laufe des Spiels mehrere rekrutiert werden. Doch Vorsicht: Ihr könnt nie alle möglichen Charaktere gleichzeitig besitzen. Manchmal schließen sich Personen nur an, wenn ihr einen anderen bestimmten Charakter zuvor nicht ins Team aufgenommen habt. Um alle Figuren kennenzulernen, werden mehrere Durchläufe benötigt, was zu einem erneuten Spielen motiviert.


Bei allen Städten bzw. Dörfern habt ihr die Möglichkeit „Private Actions“ durchzuführen, dadurch teilt sich die Gruppe bei Betreten der Lokalitäten auf. Nun habt ihr die Chance, interessante und zusätzliche Zwischenszenen sowie Interaktionen der einzelnen Figuren zu entdecken. Hierbei stärkt ihr jeweils den Bund der einzelnen Figuren. Dies hat nicht nur den Effekt, dass es je nach Charakterbindungen aller Charaktere mehr als 80 leicht verschiedene Enden zu Sehen gibt, sondern bietet auch im Kampf gewisse Effekte, doch dazu später mehr. Ich empfehle euch die „Private Actions“ so oft es geht zu nutzen, denn durch die optionalen Szenen und Interaktionen baut ihr auch selbst eine viel größere Bindung zu allen Figuren auf, was eine große Stärke von Star Ocean ausmacht. Für die Hauptstory werdet ihr gute 20 Stunden benötigen, für alle Nebenquests können nochmals einige Stunden mehr geplant werden. Nach Beenden der Handlung wird zudem ein zusätzlicher Dungeon freigeschalten.


Mit einer Vielzahl an Individualisierungen in den Kampf


Feinde werden auf der Karte nicht angezeigt, sondern ihr werdet stets zufällig überrascht. Das Kampfsystem findet in Echtzeit statt, ähnlich wie bei der Tales-of-Reihe. Das ist auch nicht verwunderlich, denn der Entwickler von Star Ocean, tri-Ace, beherbergt einige der Personen, die auch für Tales of Phantasia verantwortlich waren. 1:1 ist dieses System aber natürlich nicht kopiert worden. Ihr kämpft aus einer isometrischen Sicht über ein komplett frei begehbares Areal. Sobald ihr den Angriffsknopf betätigt, rennt die Figur automatisch zum Gegner, um diesen zu bearbeiten. Neben einfachen Attacken habt ihr zudem Spezialtechniken, die nach einer netten Animation stärkere Angriffe ausführen, aber Manapunkte verbrauchen. Leider könnt ihr jeweils nur zwei dieser Techniken gleichzeitig ausrüsten. Die zuvor erwähnte Bindung der einzelnen Charaktere macht sich dadurch bemerkbar, dass Charaktere in Rage geraten, sobald ein Mitstreiter mit hoher Bindung das Zeitliche segnet.


Die Kämpfe machen Spaß und haben schicke Effekte. © SQUARE ENIX

Im Kampf werdet ihr maximal von drei Mitstreitern begleitet, die alle eigenständig handeln. Ihr könnt ihnen aber vorgeben, nach welcher Taktik agiert werden soll. Es ist außerdem möglich, während des Kampfes die Kontrolle der anderen zu übernehmen. Magieanwendungen werden in einer sehr schicken Animation dargestellt, allerdings zieht sich diese sehr und nimmt dem schnellen Fluss der Kämpfe sein Tempo. Ebenfalls als etwas nervig empfand ich, dass die Figuren ihre ausführenden Spezialtechniken lauthals zelebrieren. In den meisten Fällen ist das zwar gar nicht schlimm, allerdings gibt es eine Mitstreiterin, deren Stimme alle anderen überragt und die Techniken im Sekundentakt einstimmt. Mir schallert jetzt noch der Ruf „Meteor Palm!“ im Ohr. Im Großen und Ganzen machen die Kämpfe aber Laune. Am Ende winken Erfahrungspunkte, bei einem Stufenaufstieg werden zusätzlich Skillpunkte verteilt. Diese Punkte bieten einen besonderen Kniff bei Star Ocean: Im Laufe des Spiels könnt ihr Skills freischalten, die jeweils eigene Verbesserungen bieten. Um diese aber erst zu aktivieren, müssen die verdienten Punkte hierfür ausgegeben werden. Aufgeteilt sind diese in Wissens-, Sinnes-, Technik-, und Kampffertigkeiten. Während die Kampfskills direkt in Kämpfen zu Trage kommen, beispielsweise durch erhöhtes Ausweichen oder höhere Trefferchance, bewirken die anderen unter anderem, dass der Charakter bis zum nächsten Levelaufstieg weniger Erfahrungspunkte benötigt. Skills können bis zur Stufe zehn verstärkt werden, wobei es nach jedem Aufstieg mehr Punkte zum Erwerb benötigt.


Durch das Verbessern der Talente kommt eine weitere wichtige Komponente ins Spiel: Je mehr Talente ihr habt, desto mehr Fähigkeiten schaltet ihr frei. Besonders nützlich erweist sich dabei „Customization“, mit dessen Hilfe, sofern ihr Glück habt, bestehende Waffen in stärkere umgewandelt werden können. Besitzen die anderen Gruppenmitglieder ebenfalls gewisse Fähigkeiten, werden Gruppenfähigkeiten freigeschalten, die weitere Boni enthalten. Das System wird mit all den Komponenten sehr komplex, was für damalige Super-Nintendo-Zeiten etwas ganz Besonderes war. Leider geizt das Spiel mit Erklärungen, so wird bei manchen Skills/Fähigkeiten nicht vorher klar, was diese wirklich bewirken, beziehungsweise wie diese genau einsetzbar sind. Oftmals findet ihr das erst nach dem Trial-and-Error-Prinzip heraus. Kenner des zweiten Teils der Reihe werden sich aber in der Kampfthematik sofort zurechtfinden, da diese dort größtenteils übernommen wurde. Während die Kämpfe zu Beginn recht einfach sind, werden diese gegen Ende hin herausfordernd bis teilweise frustig, wenn bestimmte Feinde durch Angriffe eure gesamte Gruppe versteinern und direkt der Game-Over-Bildschirm aufflimmert.


Eine Reise in die 16-Bit-Ära


Grafisch bietet Star Ocean feinste 16-Bit-Pracht, ich habe mich direkt wieder an die gute alte Super-Nintendo-Zeit zurückerinnert. Die First-Departure-R-Version hat hierbei ein HD-Grafik-Update im Vergleich zur PlayStation-Portable-Fassung erhalten. Die Charakterdesigns sind schön gehalten, auch die Städte bieten optisch einen tollen Retro-Flair. Die Weltkarte könnte allerdings etwas mehr Details vertragen, so sieht diese schon recht karg aus. Sobald ein Kampf eingeleitet wird, bricht die Framerate etwas ein und es kommt kurz zum Ruckeln. Ein großes Lob kann ich aber der Sprachausgabe zollen, so habt ihr die Wahl zwischen der komplett neu aufgenommenen Version des originalen Super-Nintendo-Casts (nur Japanisch), als auch die ebenfalls neu aufgenommene Synchronisation der PSP-Fassung in Englisch oder Japanisch. Somit könnt ihr insgesamt drei verschiedenen Sprachausgaben lauschen. Alle Zwischensequenzen wurden vertont und die Sprecher machen in allen Versionen einen guten Job. Allerdings besitzt das Spiel keine deutschen Übersetzungen, Englischkenntnisse werden vorausgesetzt.


Die Städte sind besonders schön gestaltet. © SQUARE ENIX

Zusätzlich könnt ihr zwischen den originalen Charakter-Portraits oder den neu gezeichneten wählen, wobei sich diese an der ursprünglichen Version orientieren. Neu hinzugefügt wurde eine erhöhte Bewegungsgeschwindigkeit, somit rast ihr um einiges schneller durch die Spielwelt. Außerdem wurde an der Spielbalance gewerkelt, um Spielern größere Kampfherausforderungen zu bieten. Das Speichersystem hätten sie eventuell noch an die heutigen Standards anpassen können. Auf der Weltkarte könnt ihr jederzeit euer Spiel sichern, in Städten oder Dungeons allerdings nur an speziellen Punkten. Musikalisch werden schöne Melodien für das Ohr geboten, auch die Soundeffekte klingen durchgehend gut. Bislang wird Star Ocean: First Departure R nur digital angeboten. Da jedoch in letzter Zeit im asiatischen Raum vermehrt auch Retailfassungen diverser Nintendo Switch-Rollenspiele angekündigt wurden, zuletzt Romancing SaGa 3, könnte ich mir vorstellen, dass auch Star Ocean eine Handelsversion spendiert bekommt. Im selben Zuge hoffe ich, dass auch der direkte Nachfolger Star Ocean: The Second Story den Weg auf die Nintendo Switch finden und womöglich in einem Doppelpack auf eine Spielkarte gepresst wird. Bislang wurde aber noch nichts Derartiges angekündigt.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Johannes Bausch

Mit Star Ocean: First Departure R erlebt ihr eine fantastische Reise in die vergangenen Zeiten des Super Nintendos, die nun auf der Nintendo Switch und PlayStation 4 ihren Platz findet. Die Story vermischt Fantasie mit Science-Fiction-Elementen, wobei Letzteres noch nicht so stark ausgeprägt ist, wie es bei den nachfolgenden Teilen der Star-Ocean-Reihe der Fall ist. Gefallen hat mir die Geschichte dennoch sehr gut, auch das dynamische Kampfsystem mit dem sehr komplexen Skillsystem konnte mich überzeugen. Gewisse Angriffsanimationen hätten allerdings kürzer sein können, da dadurch dem flotten Kampfflow der Wind aus den Segeln genommen wird. Fans japanischer Rollenspiele, als auch 16-Bit-Liebhaber werden den Titel sicherlich ins Herz schließen. Wenn ihr schon immer in die Star-Ocean-Reihe eintauchen wolltet, habt ihr hierbei eine perfekte Gelegenheit, mit dem ersten Teil durchzustarten. Jetzt müssen wir nur noch auf eine Ankündigung für den zweiten Titel auf der Nintendo Switch hoffen.
Mein persönliches Highlight: Die liebevollen Charaktersprites

Die durchschnittliche Leserwertung

7 User haben bereits bewertet

Kommentare 4

  • Kugelwilli

    Turmbaron

    "Jetzt müssen wir nur noch auf eine Ankündigung für eine Retail-Version hoffen, damit der Kugelwilli das Spiel kaufen kann" ;)
    Im Ernst: Das Spiel sieht sehr schick aus. Es dürfen gerne noch mehr 16-Bit-RPG-Perlen kommen. <3

  • wonderboy

    Turmbaron

    habe es für die PSP und würde dem Spiel auch ne 7 geben.. wäre es lokalisiert würde ich sogar eine 8 verleihen!

  • UnDnU

    Turmheld

    Mir wird im Testbericht leider etwas oft auf 16-Bit-Grafik etc. verwiesen. Das Spiel hat leider nicht mehr soooo viel mit dem Super-Famicom-Original zu tun, immerhin ist First Departure R ein Port des Remakes das damals für die PSP erschienen ist. Somit gleicht das Spiel eher einem jRPG für die erste PlayStation und weniger einem SNES-jRPG (was man ja auch an den Screenshots eindeutig erkennen kann). Wollte es nur nochmal erwähnen, damit keine falschen Erwartungshaltungen geschürt werden.

  • Aya

    Vielen Dank für den Test! Für die Kaufentscheidung bei dem Spiel brauchte ich zwar keinen Test aber trotzdem danke!


    Und das Spiel ruckelt übrigens nicht, wie irgendein komischer Troll hier mal im Forum behauptet hat.


    Also klare Kaufempfehlung wenn man was mit PSX/SNES RPGs anfangen kann. :D