Mal Assassine, mal Templer

Wohl jeder hat schon einmal von der Assassin’s Creed-Reihe gehört. Sei es durch das Spielen einer der unzähligen Titel auf fast allen Konsolen-Generationen der letzten Jahre oder durch das Anschauen eines Videos im Internet, um zu verstehen, warum so viele von diesen Spielen schwärmem. Zuletzt schaffte Assassin’s Creed III Remastered den Sprung auf die Nintendo Switch. Diese Version beinhaltete die beiden Titel Assassin’s Creed III und Assassin’s Creed: Liberation und konnte in unserem damaligen Test gut abschneiden. Ganz aktuell hat Ubisoft gleich nochmals zuschlagen und mit Assassin’s Creed: The Rebel Collection erneut zwei beliebte Titel auf die mobile Konsole gebracht. In dem Paket nämlich Assassin’s Creed IV: Black Flag und Assassin’s Creed: Rogue enthalten, welche dank der Möglichkeit, mit Schiffen das Meer zu befahren, eine ganz neue Richtung einschlagen. Ob die beiden Titel auf der Nintendo Switch überzeugen können und wir euch die Fahrt auf den großen Schiffen empfehlen können, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.


Wir erobern die Meere in Black Flag


Im Jahre 1713 schlüpft ihr als Spieler in die Rolle von Edward Kenway, welcher die karibischen Gewässer unsicher macht. Immer auf der Suche nach dem schnellen Geld, um seine Familie zu ernähren, scheut er keine Gefahr und so kommt es, dass er eines Tages die Bekanntschaft mit einem Assassinen macht. Im Kampf ums Überleben streckt er diesen letztlich nieder und nimmt dessen Rolle in der Geschichte ein. Hierbei stößt er auf die sagenumwobenen Geheimnisse rund um ein Observatorium, welches wohl alle seine Probleme mit einem Mal zu lösen scheinen. Leider lauert die Gefahr um jede Ecke, da Kenway auf diese Weise in den fortwährenden Kampf zwischen Assassinen und Templern gerät, was das Unterfangen deutlich erschwert. Die gesamte Geschichte spielt sich überzeugend und weiß auch an vielen Stellen zu überraschen. Dies gestaltet das Weiterspielen interessant und die unterschiedlichen Charaktere, die man im Verlauf trifft, spielen ihre Rollen famos.


Nur Fliegen ist schöner! © Ubisoft

Neben der Geschichte rund um den Piraten spielt sich, wie für die Serie üblich, noch eine zweite ab, welche in der Gegenwart angesiedelt ist. In der einer Firma, die zum Templer-Unternehmen Abstergo gehört, steuern wir nämlich einen unbekannten Protagonisten, der mittels einer ausgeklügelten Maschine das Leben Kenways nacherlebt. Zwischen einzelnen Episoden von Edwards Abenteuer übernehmen wir immer wieder die Rolle des unbekannten Helden, was zwar nett ist, spielerisch aber keinen Mehrwert bietet. Innerhalb der Einrichtung gibt es für uns neben Gesprächen und einigen Rätseln nicht wirklich viel zu entdecken und dieser Story-Part spielt sich auch deutlich träger als das Leben als Pirat. Die Hintergrundinformationen, die man an dieser Stelle bekommt, sind jedoch für das Gesamtbild stimmig, wenngleich ich auch ohne sie meinen Spaß am Titel gehabt hätte.


Neulinge unter euch werden sehr sachte in die gesamten Spielmechaniken eingeführt. Anfangs erlernt ihr das Klettern in den Bäumen und an Wänden, werdet im Nahkampf ausgebildet und bekommt nach und nach weitere Fähigkeiten erklärt. So sind vor allem alle Möglichkeiten rund um das lautlose Töten sehr hilfreich und wecken den Ehrgeiz, diese umzusetzen. Hierzu zählen beispielsweise das Meucheln aus dem Hinterhalt oder von einem erhöhten Podest, was beides stimmig durch einen Zeitlupeneffekt in Szene gesetzt wird. Doch auch der Kampf gegen eine größere Menge an Gegnern macht viel Spaß, da unser Held gut mit Schwertern und Pistolen umgehen kann und so seinen Widersachern schnell ihre Grenzen aufzeigt. Das Kampfsystem weiß hierbei durch unterschiedliche Manöver wie Blocken, Kontern und Ausweichen zu überzeugen, ohne überladen zu wirken. Kennern der Vorgänger geht die Steuerung schnell ins Blut, da die grundlegenden Funktionen der Reihe treu geblieben sind.


Das Leben auf hoher See birgt allerlei Gefahren. © Ubisoft

Das Highlight des Spiels sind jedoch die Reisen und Gefechte auf hoher See. Dank eures Schiffes, der Jackdaw, steht euch nämlich eine riesige Welt offen, die von euch erkundet werden möchte. So übernehmt ihr als Kapitän das Steuer und legt auf eurer Karte das nächste Ziel eures Abenteuers fest. Hierbei trefft ihr immer wieder auf feindliche Schiffe, die es mit Hilfe von Kanonen und Feuerfässern zu entern gilt. Solltet ihr feststellen, dass ihr und euer Schiff noch nicht mit den großen Dampfern eurer Feinde mithalten könnt, bekommt ihr in allen Städten die Möglichkeit, euch oder euren Kahn aufzurüsten. Euer hart verdientes Geld kann so in neue Waffen für euren Helden oder in eine bessere Bestückung für euer Schiff investiert werden. Neben neuen Schwerten, Pistolen und Kanonen sind auch neue Kleidungen und sogar ein frischer Anstrich für euer Schiff möglich, sofern ihr in der Geschichte weit genug fortgeschritten seid.


Grafisch braucht sich der Titel nicht vor den anderen Größen verstecken. Die überarbeiteten Charaktermodelle, Lichteffekte sowie die Performance sind gut auf die Nintendo Switch abgestimmt und machen sowohl im Handheldmodus als auch am TV eine super Figur. Die deutsche Sprachausgabe kann sich ebenfalls sehen lassen, wenngleich sie erst umständlich über den Nintendo eShop heruntergeladen werden muss. Doch auch spielerisch hat sich im Vergleich zum Original einiges getan. So hat es beispielsweise die Bewegungssteuerung ins Spiel geschafft, mit der das Zielen deutlich leichter von der Hand geht, als noch per Stick. Leider haben es auch einige Bugs und Grafikfehler ins Spiel geschafft. So ploppen NPCs immer wieder aus dem Nichts auf und auch ihr als Spieler kommt immer wieder in die Lage, irgendwo festzustecken. Glücklicherweise nehmen diese Problemchen keinen großen Einfluss auf das Spielerlebnis, sodass man sie getrost ignorieren kann. Wer jeden Winkel entdecken und alle Ausrüstungen erwerben möchte, kann unzählbare Stunden einplanen, wozu auch die zuvor veröffentlichten DLCs beitragen, die ebenfalls mit an Bord sind. Diese können vom Umfang her zwar nicht überzeugen und bieten keinen wirklichen spielerischen Mehrwert, sind für eine Runde zwischendurch allerdings die perfekte Lösung.


Das Leben auf dem Wasser geht in Rogue weiter


Der zweite Titel der Collection ist Assassin's Creed: Rogue. Auch dieser Teil spielt vermehrt auf dem Wasser, sodass man schnell das Gefühl bekommt, noch immer Assassin's Creed: Black Flag zu spielen. Die Geschichte nimmt euch mit in das Leben von Shay Patrick Cormac Mitte des 18. Jahrhunderts. Wir befinden uns in Nordamerika und erleben, wie der Assassine Shay dazu verleitet wird, die Seiten zu wechseln und so nach und nach zu einem der größten Assassinen-Jäger wird. Hierbei durchstreift ihr nicht nur die Gewässer Nordamerikas, sondern durchlauft unzählige kleine Dörfer und Städte, selbst nach New York macht ihr einen Abstecher. Gerade durch die Wandlung vom Assassinen zum Assassinen-Jäger bietet Assassin's Creed: Rogue für mich persönlich eine der spannendsten Geschichten der Reihe, da man zu den vermeintlich Bösen gehört und ihre Perspektive kennenlernt. Die Geschichte in der Gegenwarte rund um Abstergo ist auch in diesem Teil vorhanden, kann jedoch erneut nicht überzeugen.


Hier wirkt es, als ob unser Schiff sinkt. Zum Glück handelt es sich hierbei nur um einen kleinen Darstellungsfehler! © Ubisoft

Wie bereits erwähnt, spielt sich Assassin's Creed: Rogue genauso wie sein direkter Vorgänger. Eure Fähigkeiten an Land sind noch immer die gleichen, wenn auch mit kleinen Unterschieden gearbeitet wird. So entpuppt sich Shays Luftgewehr schnell als eine ultimative Waffe, da sie Gegner nicht nur betäuben, sondern auch, je nach Auswahl der passenden Munition, in den Wahnsinn treiben kann. Dies hat den tollen Effekt, dass man aus der Ferne beobachtet, wie sich die feindlichen Soldaten gegenseitig abmurksen. Auch die Schiffsfahrt ist wieder fester Bestandteil des Abenteuers, wurde jedoch hinsichtlich der Steuerung und spielerischen Finesse nochmals erweitert. So fühlt sich alles noch etwas runder an und auch die Angst schwimmt immer mit auf den Gewässern, da feindliche Assassinen versuchen, euer Schiff zu kapern. Das Gesamtpaket an Gameplay-Elementen weiß daher zu überzeugen.


Grafisch und spielerisch kann ich mich eigentlich nur wiederholen. Auch Assassin's Creed: Rogue sieht auf der Hybrid-Konsole fantastisch aus und es macht so unheimlich viel Spaß, diesen Titel nun immer und überall erleben zu können. Vor allem gefällt mir dieser zweite Teil der Rebel Collection so gut, da die Szenerien so unterschiedlich sind. Mal durchstreift ihr eisige Gletscher, mal leicht eingeschneite Wiesen und ein anderes Mal genießt ihr herrlichen Sonnenschein in warmen Gewässern. Diese Unterschiede in den Landschaften, die euch vom Spiel dargeboten werden, gestalten den Titel unheimlich abwechslungsreich und spannend zugleich, sodass ich mit dem Spielen gar nicht mehr aufhören wollte. Doch auch der Nachfolger von Black Flag muss mit den gleichen spielerischen Fehlern kämpfen. So wurden die aus dem Nichts auftauchenden Charaktere gleich übernommen und sogar noch übertroffen, da ich mehrfach Probleme mit meinem Schiff hatte. So konnte ich beispielsweise einen Fehler reproduzieren, dass mein Schiff mit dem Hinterteil im Wasser versank und ich viel Geschick aufbringen musste, um Heil aus dieser Situation herauszukommen. An dieser Stelle möchte ich erneut den extrem großen Umfang betonen, den man erhält. Solltet ihr ein Freund des Sammelwahnsinns sein, stehen euch Musikstücke, Fragmente, Crewmitglieder, Waffen, Kleidung und vieles mehr zur Verfügung. Alle Erweiterungen zum Schiff und die Möglichkeit der Herstellung von neuen Ausrüstungsgegenständen sind hierbei noch nicht einmal inbegriffen. Ihr solltet also etwas Zeit einplanen.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Maik Styppa-Braun

Assassin's Creed: The Rebel Collection bietet ein tolles Open World-Abenteuer auf der Nintendo Switch. Der riesige Umfang beider Spiele, die technische Umsetzung und die Integration der Bewegungssteuerung machen unglaublich viel her. Das Highlight beider Titel sind und bleiben jedoch die Abenteuer auf hoher See. Sobald man sich in diese hineingefuchst hat, will man sie nicht mehr missen. Die Grafik- und Darstellungsfehler nerven zwar an manchen Stellen, nichtsdestotrotz erhält man hier ein tolles Paket mit zwei erstklassigen Spielen.
Mein persönliches Highlight: Das Entern feindlicher Schiffe nach einer hart umkämpften Seeschlacht

Die durchschnittliche Leserwertung

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