Eine spielbare Räuberpistole

Call of Juarez: Gunslinger erschien 2013 ursprünglich für Xbox 360, PlayStation 3 und PC. Nach dem weniger beliebten Call of Juarez: The Cartel, welches in der damaligen Gegenwart spielt, entschied man sich mit dem bisher letzten Ableger der "Call of Juarez"-Serie, zurück zu den Wurzeln zu gehen. Darin stehen wieder qualmende Revolver, staubige Westernstädte und sonstige Wild-West-Klischees auf der Tagesordnung. Allerdings ist Call of Juarez: Gunslinger keine einfach nur angepasste Kopie seiner Vorgänger. Sowohl grafisch als auch in Sachen Gameplay hat man sich einige neue Kniffe einfallen lassen, welche dem Spiel einen eigenen Charakter verleihen. Ob der Ego-Shooter heute noch, nach über sechs Jahren, funktioniert, soll euch der nachfolgende Test verraten.


Namhafte Widersacher werden mit einer schicken Einblendung vorgestellt. © Techland

Hierbei handelt es sich um ein reines Einzelspielererlebnis. Das Spiel bietet drei verschiedene Modi – die Kampagne, den Arcade-Modus und Duelle. Die Geschichte des Titels handelt vom Revolverhelden und Kopfgeldjäger Silas Greaves. Dieser besucht 1910 – die Zeit der klassischen Cowboys neigt sich bereits dem Ende – einen Saloon und erzählt den dortigen Gästen, die den mysteriösen Besucher nur aus Groschenromanen kennen, von seinen Abenteuern. Ihr spielt also die legendäre Reise nach, wie Silas zu dem geworden ist, der er nun ist. Dabei stoßt ihr auf allerhand bekannte Charaktere aus der früheren Zeit. Ihr kämpft unter anderem Seite an Seite mit dem berüchtigten Billy the Kid, trefft auf dessen Mörder Pat Garrett und entgeht nur knapp selbst dem Tod.


Die Geschichte von Call of Juarez: Gunslinger weiß zu unterhalten. Silas’ Rache erstreckt sich über 14 Episoden, gefüllt mit rasanter Action und schnellen Schusswechseln. Zwar gibt es neben den wilden Schießereien wenig Abwechslung, das fällt aufgrund der gelungenen Inszenierung aber nicht allzu sehr ins Gewicht. Außerdem könnt ihr abseits der direkten Pfade immer wieder mal kleine Geheimnisse entdecken – die sogenannten "Nuggets der Wahrheit" –, die euch mehr über die Hintergrundgeschichte einzelner Charaktere verraten. Da das Spiel allerdings nur über eine englische Sprachausgabe verfügt und Silas seine Geschichte parallel zum Spiel erzählt, geht der ein oder andere Gesprächsfetzen unter. Das kann dazu führen, dass man mal aufgrund der Ballereien den roten Faden verliert. Insgesamt weiß die Geschichte jedoch mit ihren kurzen, knackigen Abschnitten und den drei wählbaren Schwierigkeitsgraden zu gefallen. Außerdem bietet das Spiel einen "New Game Plus"-Modus, in dem ihr mit bereits erspielten Fähigkeiten von vorne beginnen dürft.


Die Schauplätze des Spiels machen optisch schon etwas her und können sich sehen lassen. © Techland

Spielerisch unterscheidet sich Call of Juarez: Gunslinger kaum von den Ego-Shootern, die wir über die Jahre kennen- und lieben gelernt haben. Eure Ausrüstung besteht aus einem oder zwei Revolvern, einer Langwaffe und meist noch etwas Dynamit, den ihr als Revolverheld natürlich mitten in der Luft für eine vorzeitige Explosion abschießen könnt. Mit dem linken Analog-Stick bewegt ihr euren Charakter, mit dem rechten die Kamera und auf der Schultertaste liegt der Abzug eurer ausgerüsteten Knarre. Darüber hinaus könnt ihr in die Hocke gehen, springen und via Kimme und Korn eure Gegner genau ins Visier nehmen. Erfrischend ist dabei das Punktesystem, welches man am ehesten mit Bulletstorm vergleichen könnte. Zerstörung und Kills werden je nach Raffinesse mit mehr oder weniger Punkten honoriert, welche nach gewisser Zeit zum Level-up führen. Steigt ihr eine Stufe auf, dürft ihr aus drei kleinen Fertigkeitenbäumen ein Upgrade wählen, welches euch beispielsweise schneller nachladen, zielen oder mehr Munition tragen lässt. Darüber hinaus könnt ihr temporär die Zeit verlangsamen und somit sogar größeren Gegnerhorden Herr werden. Diese Fähigkeit ist abhängig von einer Leiste in der oberen linken Ecke des Bildschirms, welche sich Kill für Kill mit Energie füllt. Zudem habt ihr vereinzelt die Chance, tödlichen Schüssen auszuweichen, um somit eure Lebensenergie wieder vollständig aufzufüllen. Ob euch das Feature zur Verfügung steht, zeigt euch das Symbol in der oberen rechten Ecke des Bildschirms. Wie es um euch bestellt ist, könnt ihr nur erahnen – je nachdem wie stark die Bildstörungen ausfallen. Wer möchte, kann übrigens auch die plattformexklusive Bewegungssteuerung aktivieren und deren Intensität den Wünschen entsprechend anpassen.


Das kleine Upgrade-System ermöglicht es euch, Silas eurem Spielstil anzupassen. © Techland

Call of Juarez: Gunslinger fühlt sich gut an. Treffer werden von einem saftigen Feedback begleitet, welches an die übertriebenen Blutfontänen aus Tarantinos Django Unchained erinnert. Die Zielhilfe ist zwar vorhanden, wirkt jedoch zu keiner Zeit bevormundend. Die Waffenauswahl könnte für manch einen etwas zu gering ausfallen, denn auch hier gilt wie in der etwa sechsstündigen Kampagne: In der Kürze liegt die Würze. Euch steht etwa eine knappe Handvoll Waffen jeder Kategorie – Revolver, Schrotflinten und Gewehre – zur Verfügung und das muss ausreichen. Dafür wirkt das spartanische Call of Juarez: Gunslinger insgesamt wie ein kleines, jedoch sorgfältig geschnürtes Westernpaket ohne viel Schnickschnack und Experimente.


Wie bereits erwähnt, gibt es neben der Kampagne noch zwei weitere Modi: den Arcade-Modus und die Duelle. Diese haben mit der Kampagne nur die Schauplätze gemein und bieten jeweils kurzfristigen Ballerspaß. Im Arcade-Modus gilt es, möglichst viele Punkte zu sammeln. Ihr startet mit einer von drei unterschiedlichen Klassen und ballert euch durch ein Level. Je nach Geschick sahnt ihr eine entsprechend hohe Punktzahl und Bewertung ab. Zudem schaltet ihr mit der jeweils verwendeten Klasse nach und nach Fertigkeiten frei, was an eine abgespeckte Version des Upgrade-Systems aus der Kampagne erinnert. Die Duelle sind eigentlich selbsterklärend. Hier müsst ihr euer Gegenüber einfach im klassischen Zweikampf bezwingen, wie ihr es auch im Hauptspiel des Öfteren tut. Für beide Modi hätte sich eine Mehrspielerkomponente angeboten, die das Spiel allerdings gänzlich vermissen lässt.


Gelegentlich müsst ihr ein klassisches Westernduell bestreiten. © Techland

Optisch fällt Call of Juarez: Gunslinger dank der Cel Shading-Optik etwas aus dem Raster der Reihe, was aber keineswegs schlecht ist. Im Gegenteil, die satten Farben und die allgemeine Stilisierung kommen der abwechslungsreichen Westernwelt des Spiels zugute. Ob man nun durch Minenschächte kriecht, sich durch Canyons kämpft oder durch den Wald jagt, die Umgebungen sind immer schön anzuschauen und wirken dank eingesetzter Fauna auch lebendig. Muss sich Silas kurzfristig korrigieren, verändert sich auch die Spielwelt dementsprechend, was in schicken Effekten resultiert. Im Handheld-Modus der Nintendo Switch fiel allerdings auf, dass die Weitsicht nicht ganz so hoch ausfällt und die Bildrate in wilderen Gefechten etwas in die Knie geht. Im Dock läuft das Spiel jedoch weitgehend flüssig und auch die in der Ferne aufploppenden Gegenstände scheinen nicht mehr so penetrant. Insgesamt bietet es sich sowieso eher an, das Spiel auf dem Fernseher zu spielen, da die Analog-Sticks der Joy-Cons sich nur bedingt zum präzisen Zielen eignen. Abschließend muss vielleicht noch erwähnt werden, dass es manchmal schwerfällt, in der Fülle von gleichfarbigen Details die Gegner auszumachen – dies betrifft jedoch nur manche Level. Auch der Sound weiß zu gefallen. Es knallt, es poltert und zischt, wie man sich eben die Geräuschkulisse einer Schießerei im Wilden Westen vorstellt. Darüber liegt die von harten Alkoholika und vom Alter gezeichnete Stimme von Silas und die der anderen Bargäste, die ab und an ihre Einwände äußern. Dazu gesellen sich Glockenspiel, Mundharmonikagedudel und andere Instrumente, die man mit dieser Zeit in Verbindung bringt.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Felix Kraus

Call of Juarez: Gunslinger ist immer noch ein schöner Titel, der sich auch sechs Jahre später gut spielen lässt. Die Umsetzung für die Nintendo Switch ist abgesehen von ein paar kleineren Macken gut gelungen und lässt sich durchaus empfehlen. Dass das Spiel keinerlei Mehrspieleroptionen bietet, obwohl es sich an manchen Stellen angeboten hätte, ist schade, aber kein Beinbruch. Übrig bleibt ein spannendes Westernabenteuer, welches über ein Wochenende unterhalten kann.
Mein persönliches Highlight: Die Momente, wenn Silas seine Geschichte korrigiert und damit gleichzeitig die Spielwelt verändert.

Die durchschnittliche Leserwertung

5 User haben bereits bewertet

Kommentare 5

  • RhesusNegativ

    Meister des Turms

    So ein tolles kleines Spiel. Hat mich zig Spieldurchläufe immer wieder unterhalten.

  • Koroshiya

    Hach ja, das Spiel kenne ich noch gut vom PC. EIn ganz lustiger Zeitvertreib, das Fazit zum Test fasst das ganz gut zusammen ;)

  • BountyX

    Turmheld

    War schon ganz gut, hoffe es kommt noch Retail. Hätte es gern in meiner Sammlung.

  • Laub-Sau

    Turmknappe

    Was mir persönlich echt ein Volksfest wäre? Ist wenn Ihr zum Test auch gerne den Trailer mit implementiert. Dann hätte man glei alles aus einer Hand.
    Dankö

  • Captain N

    Turmknappe

    Und wieder ein Spiel ohne Syncro. Es stand bei mir ganz oben auf der Liste aber das nervt mich echt langsam. Wie schon bei Deamon x Machina ist es für nicht so gute englisch Könner sehr lästig wenn zwischen hektischen Gefechte gesprochen oder ein Textzeilen eingeblendet werden.....