You Never Walk Alone

Mit dem Football Manager 2020 Touch erhalten wir den bislang dritten Teil der Reihe nun auch auf der Nintendo Switch. Im Vergleich zur Version ohne den „Touch“-Zusatz handelt es sich allerdings um eine etwas abgespeckte Variante, in der unter anderem die Pressekonferenzen fehlen. Dieser Ableger bietet dafür einen schnelleren Start in die Management-Welt und eignet sich für Personen, die nicht allzu viel Zeit haben, sich in die komplexe Systematik einzuarbeiten. Dennoch bietet die Touch-Version genügend Komplexität, um Hobby-Taktikern ein umfassendes Management-Feeling zu bieten. Das Spiel ist komplett in deutscher Sprache spielbar und hat im Vergleich zum Vorgänger unter anderem erweiterte Vereinsziele und ein Leistungszentrum. Bei den Zielen gibt der Vorstand des Vereins an, was die Vereinskultur aussagt bzw. was der 5-Jahresplan vorsieht. Als Kultur gibt es hierbei unter anderem als Vorgabe, offensiven oder auch unterhaltsamen Fußball zu spielen. Der 5-Jahresplan gibt den Kurs für die Zukunft vor, dass das Gehaltsbudget immer eingehalten werden oder ob in jeder Saison eine Qualifikation für den Euro Champions Cup (Champions League) erreicht werden muss. Dabei gibt es auch Abstufungen in der Wichtigkeit: Manche Ziele werden als Pflicht vorgegeben, während andere eher geringere Bedeutung haben.


Vor jedem Spiel gilt es, die perfekte Formation aufzustellen. © SEGA

Das neue Leistungszentrum zeigt an, welche Talente in der Jugendmannschaft aufblühen und Potenzial bieten, den Sprung in die A-Mannschaft zu erreichen. Hierbei werden bestimmte Spieler empfohlen bzw. grafisch dargestellt, wie sich die einzelnen Spieler entwickeln. Das bietet neue taktische Möglichkeiten, starken Nachwuchs zu fördern und gegebenenfalls bei ausgezeichneten Leistungen mit Profis spielen zu lassen. Darüber hinaus bietet es eine Übersicht über alle Leihspieler, die derzeit an andere Vereine verliehen wurden bzw. gerade bei euch spielen. Allein im Leistungszentrum kann bereits viel Zeit aufgebracht werden, um langfristig Nachwuchstalente zu finden und zu integrieren. Apropos Zeit: Zu Beginn werdet ihr viel davon investieren müssen, um alle Mechaniken zu verinnerlichen; jeder Menüpunkt wird aber sehr gut vom Spiel erklärt. Zusätzlich habt ihr die Wahl, bestimmte Aufgaben an eure Mitarbeiter weiterzugeben. Wollt ihr eher eigenständig trainieren, oder überlasst ihr das lieber dem Co-Trainer? Übernehmt ihr das Ruder, könnt ihr Schwerpunkte festlegen, ob z. B. die Technik, der Ballbesitz oder eher die offensive Spielweise trainiert werden soll. Außerdem könnt ihr jeden Spieler individuell trainieren, um potenzielle Stärken zu verfeinern. Unter Mentoring könnt ihr zudem Trainingsgruppen bilden. Der wohl interessanteste Aspekt ist das Scouting, hier könnt ihr euch einen Überblick über potenzielle Verstärkungen verschaffen. Dabei wird angezeigt, wie hoch die Empfehlung eines Spielers ausfällt. Je höher der Wert ist, desto größer ist das Potenzial, eine immens gute Verpflichtung zu bekommen. Selbstverständlich könnt ihr auch individuell nach einzelnen Spielern suchen. Ihr habt einen Lieblingsspieler? Dann sucht nach ihm und setzt eure Scoutingmitarbeiter darauf an, diesen zu beobachten und ihm evtl. einen Vertrag anzubieten. Hat der gewünschte Spieler Interesse, geht es weiter in die Verhandlungen. Eine wichtige Rolle dabei spielen Versprechen an den Spieler. Um den potenziellen Neuling an die Angel zu locken, könnt ihr ihm versichern, zu einem Stammspieler zu werden. Neben den weiteren monetären Aspekten unterbreitet ihr dann den Vertrag. Wenn alles gut läuft, unterschreibt ihr diesen. Behaltet dabei immer euer Transferbudget im Auge; einfach mal so einen Messi, Neymar oder Van Dijk anzuheuern, wird euer Budget wahrscheinlich sprengen. Wie gesagt, ist es aber auch möglich, einzelne Aufgaben weiterzugeben. Ihr werdet dann regelmäßig per Mail informiert, wie der aktuelle Stand ist.


Habt ihr euch in die Mechaniken eingewöhnt, geht es natürlich in die Spiele selbst. Eure Scouts geben vor jeder Partie eine Einschätzung der Stärken sowie Schwächen des gegnerischen Teams ab. Sich diese durchzulesen, kann durchaus Sinn machen, um taktische Anreize zu finden. Komplett verlassen sollte man sich aber nie darauf; eigene Ideenfindungen sowie taktisches Fingerspitzengefühl sollten immer mit einfließen. Vor dem Spiel könnt ihr eure Formation bestimmen. Dort könnt ihr entweder per Schnellauswahl vorgegebene Formationen wie das 4-2-2 auswählen oder jeden Spieler einzeln über das Spielfeld verteilen. Eine Auto-Formation hilft euch hierbei, die Spieler nach den Stärken an die für sie beste Position zu setzen. Anschließend könnt ihr euren Spielstil einstellen: Geht ihr eher auf Ballbesitzspiel, Gegenpressing oder doch eher Tiki-Taka? Es liegt an euch, doch müsst ihr stets beachten, dass eure Spieler diese Stile auch beherrschen müssen.


Neben der Grafik ist auch das derzeitige Ergebnis ein Graus. © SEGA

Nun geht es in die taktische Feinarbeit, denn ihr könnt weiterhin festlegen, wie sich die Spieler im Ballbesitz, Umschaltspiel und bei gegnerischem Ballbesitz verhalten sollen. Hier geht es vor allem darum, taktische Stellschrauben zu ziehen. Wollt ihr eher ein geringes Tempo oder doch ein hohes? Kurzes Passspiel oder eher vertikal? Eure Entscheidungen können den nötigen Unterschied für Sieg oder Niederlage ausmachen. Seid ihr mit eurer Formation, den Spielern und den Anweisungen zufrieden, kann das Match beginnen. Auf einer Übersicht seht ihr stets die Konditionen der Spieler. Highlights werden euch ebenfalls gezeigt und ihr könnt mit eurem Team mitfiebern. Seid ihr mit eurer Taktik unzufrieden, könnt ihr diese anpassen. Manchmal werden kleine Änderungen vom Co-Trainer vorgeschlagen, beispielsweise weil ein Spieler müde aussieht bzw. dieser unter seiner spielerischen Stärke auftritt. Die Spiele haben mir viel Spaß gemacht und es freut ungemein, wenn die Spieler mit den eigenen Vorgaben gewinnen. Übrigens steuert ihr das Spiel niemals selbst, wie es beispielsweise bei dem Karrieremodus von FIFA 2020 der Fall ist. Der Schlüssel zum Sieg ist daher nie euer spielerisches Können auf, sondern eure Strategie neben dem Platz. Ihr müsst euer Spiel nicht jedes Mal anschauen, sondern könnt euch das Ergebnis auch sofort anzeigen lassen. Der große Nachteil daran ist, dass ihr dann keine Feinjustierungen mehr vornehmen könnt. Vorgaben sowie Auswechslungen wird dann der Trainerstab übernehmen. Empfehlenswert ist diese Funktion daher nicht, da diese Entscheidungen euer Team nicht immer zum Sieg führen werden.


Der Kampf mit der Steuerung


Eine der größten Schwächen des Football Managers ist die Steuerung. Ihr habt zwar die Wahl, mithilfe eines Maus-Cursors oder des Steuerkreuzes die entsprechenden Punkte der Menüs auszuwählen. Beides funktioniert aber nicht wirklich gut. Die Maus stockt teilweise, und wenn ihr einen bestimmten Punkt treffen wollt, kann das durchaus in einem kleinen Kampf enden. Mit dem Steuerkreuz könnt ihr an sich gut zwischen den Menüs springen, in den taktischen Spielvorgaben erweist es sich aber als nicht ganz zuverlässig. Der Schlüssel zur perfekten Kontrolle ist daher ein Mix aus beiden Steuerarten. Nach einiger Eingewöhnung wird man zwar besser und schneller, die Steuerung geht aber leider nie wirklich perfekt von der Hand. Im Handheldmodus könnt ihr auch die Touchsteuerung verwenden, was jedoch nicht hilfreich ist. Die Menüs sind im Handheldmodus viel zu klein dargestellt, was es sehr schwierig macht, diese gut mit den Fingern zu treffen. Einzig das Hin- und Herschieben der Spieler in der Formation geht gut von der Hand. Alles in allem solltet ihr eher die Joy-Cons bzw. den Pro Controller verwenden.


Mein Rückblick am Ende der Saison. Über meine Revierderby-Niederlage verlieren wir am Besten kein Wort. © SEGA

Die Grafik in den Spielen sieht leider aus wie von vor zwei Konsolengenerationen. Die Animationen wirken schlecht und auch Torjubel sieht mechanisch aus, ganz zu schweigen von den Fans auf den Tribünen. Dort hat das Spiel noch einiges an Luft nach oben. Zugegebenermaßen ist die Grafik bei einem Fußballmanager eher fünftrangig, weshalb ich diese auch verschmerzen konnte. Ein bisschen bessere Grafik kann man sich aber dennoch wünschen. Einen weiteren Kritikpunkt gibt es auf der Soundebene. Ton gibt es nur während der Spiele, überall sonst herrscht gähnende (Sound-)Leere. Da hätte ich mir zumindest etwas Hintergrundgedudel gewünscht; so wirkt das Spiel teilweise tot. Wenn ihr in einem Spiel gegen eine andere Mannschaft seid, ertönen zumindest Publikumsgeräusche, die bei Torchancen bzw. Toren auch authentisch lauter werden. Die Tretgeräusche am Ball wirken aber sehr hölzern und häufig passiert es auch, dass sich dieses Geräusch aufhängt und plötzlich zigmal hintereinander ertönt, obwohl gerade niemand den Ball tritt. Kommentatoren gibt es keine. Was gerade auf dem Spielfeld passiert, wird schriftlich am unteren Rand angezeigt. Schlussendlich bietet das Spiel als einzige Soundkulisse demnach nur das Publikum sowie die Ballgeräusche. Sehr schade.


Besonders positiv hervorzuheben ist hingegen der Umfang des Titels. Mit 116 auswählbaren Ligen aus 51 Ländern steht eine immense Datenbank bereit. Aus deutscher Sicht haben wir hierbei alle Vereine der ersten bis zur dritten Bundesliga zur Auswahl. Suchtpotenzial ist definitiv vorhanden; ihr könnt ohne Begrenzung nach oben zig Stunden in dieser Simulation versinken, um ein Team zu formen, das ganz nach euren Wünschen ist. Zusätzlich gibt es einen Herausforderungsmodus. In diesem habt ihr unter anderem die Aufgabe, in einem Abstiegskampf den Klassenerhalt zu wahren oder mit einer Mannschaft, die viele verletzungsbedingte Ausfälle zu beklagen hat, dennoch siegreich zu sein. Ein Multiplayer-Modus, bei dem beispielsweise zwei Spieler mit ihren Taktiken gegeneinander antreten hätten können, wäre ebenfalls toll gewesen. Fans von Fußball-Simulationen werden mit dem neuesten Teil der Football Manager-Reihe aber auch so voll auf ihre Kosten kommen. Für alle, die es interessiert, hier meine bewegte Saison: Nach einem turbulenten Start mit dem direkten Sieg des Super Cups gegen Bayern München und anfänglich guten Leistungen in der Bundesliga bin ich zur Winterpause hin zwischenzeitlich auf Platz 8 der Tabelle gerutscht. Im Euro Champions Cup bin ich sang- und klanglos in der Vorrunde ausgeschieden. Die bitterste Niederlage erfuhr ich in einer 4–1 Auswärtsniederlage im Revierderby gegen Schalke 04. Nach der Winterpause konnte ich mich aber fulminant bis zum zweiten Platz vorankämpfen, verlor aber das entscheidende Spiel gegen den Tabellendritten, RB Leipzig, und rutschte letztendlich auf den dritten Platz ab. Meine großspurigen Versprechungen in der Testeinleitung konnte ich demnach nicht einhalten, aber wenigstens wurde ich nicht vom Vorstand gekickt.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Johannes Bausch

Mit Football Manager 2020 Touch bekommen wir den bereits dritten Teil der Reihe für die Nintendo Switch. Bei der Touch-Version handelt es sich um eine abgespeckte Version der Fußball-Simulation. Leider ist die Steuerung auf der Nintendo Switch nicht optimal. Wenn ihr die Touch-Steuerung im Handheldmodus verwendet, ist alles viel zu klein dargestellt, was zu Problemen führt, kleinere Menüpunkte zu treffen. Die Controllersteuerung funktioniert in diesem Fall besser, wobei auch diese sehr hakelig ist. Die Grafik ist veraltet und auch die Sounds hören sich sehr stumpf an. Das alles klingt zwar sehr negativ, wenn ihr über diese Probleme hinwegsehen könnt, erwartet euch aber dennoch ein sehr gutes Fußball-Manager-Spiel. Es hat mir trotz allem großen Spaß bereitet, mein Team zu leiten und zu formen. Die Neuerungen mit den erweiterten Vereinszielen sowie dem 5-Jahresplan als auch die Einführung des Leistungszentrums erweisen sich als sehr positiv. Taktik-Füchse werden voll aufgehen bei der immensen Fülle an Möglichkeiten, die dieser Titel bietet. Auf der Nintendo Switch ist es derzeit das beste Spiel in diesem Genre und perfekt für Fußball-Strategen unterwegs geeignet. Der Titel hat definitiv Suchtpotenzial. Wollt ihr jedoch die komplette Fülle an Möglichkeiten zu haben, rate ich euch, Football Manager 2020 ohne den Touch- bzw. Mobile-Zusatz zu kaufen.
Mein persönliches Highlight: Wenn ich mit meiner Gurken-Taktik doch mal einen Kantersieg herausgeholt habe.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 7

  • MrWeasel

    Turmfürst

    Hab die Vorjahresversion ausgiebig gespielt, hat Spaß gemacht.


    Ist die Switch Version eigentlich identisch mit der Android und iOS Version?


    Die werden in den Shops für 10,00 Euro verkauft...

  • megasega2

    Turmbaron

    Beim 2019er aufm PC gabs im Spiel keine Musik. Das war...gewöhnungsbedürftig.

  • Johannes Bausch

    Redakteur

    @MrWeasel Auf Android sowie iOS ist es die Mobile-Version, diese ist im Vergleich zur Touch-Version etwas abgespeckt. Z.B. gibt es in der Touch-Version insgesamt 116 Ligen zur Auswahl, während in der Mobile-Version mehr als 60 Ligen enthalten sind. Auch gibt es in der Mobile-Version keine direkten Spielszenen der Fußballspiele.


    Die Mobile-Version ist daher eher für kurze Sessions zwischendurch konzipiert.


    @megasega2 Musik fehlt in der 2020er-Version auch noch :D

  • MrWeasel

    Turmfürst

    @Johannes Bausch
    Danke für die Erläuterung

  • Taneriiim

    Meister des Turms

    Ich empfehle jedem New Star Manager auf der Switch oder PC, ist deutlich spaßiger und besser geeignet für Anfänger. Steuerung ist auf beiden Systemen super.


    Gibt auch ne Demo um es vorher erstmal zu testen.

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Die Dritte Liga ist dabei?! Da werde ich als Braunschweiger bedauerlicherweise hellhörig ;)

  • megasega2

    Turmbaron

    @Phantomilars bei uns ist es (noch) Liga 2, war irgendwie schön :ugly: