Die Sucht nach den Gratisspielen...

Es gibt Spiele, die ordnet man automatisch der Kategorie AAA-Titel zu, wie zum Beispiel Super Mario Odyssey oder das Remake zu Resident Evil 3, da man anhand des Entwicklers oder der gezeigten Szenen einfach davon ausgeht, dass es sich um ein Meisterwerk handeln muss. Und dann gibt es da noch SuperEpic: The Entertainment War. Eher zufällig kam ich in den Genuss, den Test zu diesem Metroidvania-Titel zu machen und umso glücklicher bin ich, dass es mich getroffen hat. Andernfalls wäre dieser grandiose Titel, welcher leider auch mit einigen Schwächen zu kämpfen hat, an mir vorbei gegangen. Warum es jeder einmal gespielt haben sollte und warum Monotonie letztlich das größte Manko ist, lest ihr in den folgenden Zeilen.


Auf dem Rücken eines Lamas


Die Geschichte von SuperEpic: The Entertainment War ist wunderbar bekloppt: Ihr übernehmt die Rolle eines ungleichen Paares bestehend aus Waschbär und Lama, welche sich mit dem Videospielkonzern Regnancorp anlegen. Dieser produziert nämlich Gratisspiele, welche süchtig machen und denen das Wohl der Spieler ganz egal ist. Hierbei trefft ihr auf viele unterschiedliche Charaktere, welche euch teilweise bei eurem Unterfangen unterstützen, teilweise aber auch nach eurem Leben trachten. Alle Charaktere leben ihre Rolle tadellos und glaubhaft aus, wenngleich man bei vielen von ihnen Fragezeichen vor dem geistigen Auge sieht, da sie teils ad absurdum ausfallen. Insgesamt weiß die Geschichte trotz seiner Einfachheit zu überzeugen, wird im Verlauf der Geschichte jedoch nur nettes Beiwerk zum tollen Gameplay, was euch erwartet.


Eure Feinde reichen von einfachen Schweinen bis hin zu gefährlichen Robotern! © Numskull Games

Eben dieses Gameplay bedient sich zum einen an dem allseits beliebten Metroidvania-Stil. Das heißt zu Beginn des Abenteuers seid ihr noch relativ schmächtig auf den Beinen, beherrscht lediglich einen einfachen Sprung und drei verschiedene Schläge. Je weiter ihr jedoch die Firma Regnancorp erkundet, desto vielfältiger werden eure Fähigkeiten. So erhaltet ihr beispielsweise die Fähigkeiten, einen Doppelsprung auszuführen oder auch zu tauchen, was dazu führt, dass zuvor nicht passierbare Wege durch eure neuen Möglichkeiten nun für euch offen stehen. Daraus resultiert, dass ihr so zum einen in der Geschichte voranschreitet, jedoch auch dazu, dass man bereits besuchte Orte nochmals erkundet, um Schätze und weitere Geheimnisse aufzudecken. Im Gesamten wird hier das Genre nicht neu erfunden und auch die Fähigkeiten bedienen sich an bereits bekannten des Genres, Spaß macht es aber allemal. Leider sehen sich viele Gebiete sehr ähnlich, was das gute Gesamtbild bröckeln lässt. Die unterschiedlichen Gegner sorgen zwar für Abwechslung, können über diese Tatsache aber einfach nicht hinwegtäuschen. Hier blieb man definitiv hinter den gegebenen Möglichkeiten zurück.


Doch kommen wir nochmal zu unserem Heldenduo und was sie auszeichnet. Wie bereits erwähnt, verfügen sie über drei verschiedene Schläge, welche alle mit einer anderen Waffe ausgeführt werden. Hierbei handelt es sich um einen normalen Schlag nach vorn, welcher an ein stechen erinnert. Der zweite Schlag befördert eure Widersacher in luftige Höhen und der letzte lässt sie auf den Boden knallen. Reicht zu Beginn des Abenteuers noch das wilde Drücken der drei Knöpfe, muss man diese im späteren Verlauf bewusst verwenden, da viele Gegner und auch die Bosse eine spezielle Vorgehensweise verlangen. Ansonsten wird das Repertoire der Fähigkeiten im Laufe der Geschichte neben dem altbekannten Energiebalken noch um zwei weitere Ausdauerbalken erweitert, welche sich beim Verwenden von bestimmten Fähigkeiten wie beispielsweise dem Sprint leeren. Dies bringt weitere Würze ins Spiel, sodass es viel Spaß macht, all die Talente des ungleichen Duos auszuprobieren.


Der erste Bosskampf hatte es in sich! © Numskull Games

Passend zu euren Fähigkeiten trefft ihr im Spiel auf insgesamt drei verschiedene NPCs, welche diese nochmals erweitern oder sogar gänzlich neue im Angebot haben. So könnt ihr euch mit dem nötigen Kleingeld beim Händler neue Waffen für eure drei Grundschläge kaufen. Diese unterscheiden sich sowohl in ihrer Angriffskraft, als auch Geschwindigkeit. Daher sollte man immer gut abwägen, ob man bereit dazu ist, die Schnelligkeit der Schläge für etwas mehr Durchschlagskraft aufzugeben. Übrigens sind die Waffen sehr abwechslungsreich und reichen von einem normalen Ast, über ein Stoppschild, bis hin zu einem Schwertfisch, was für eine witzige Atmosphäre in den Kämpfen sorgt. Solltet ihr auf den Schmied im Spiel treffen, lassen sich eure Waffen und Ausrüstungsgegenstände auch nochmals erweitern, was manchmal die bessere Wahl im Vergleich zu einem Neukauf ist. Zuletzt trefft ihr auch noch einen Händler, welcher Diamanten liebt und euch für diese neue Angriffstechniken beibringt, welche sich zu den Grundschlägen enorm abheben, aber sich eben von einem der Ausdauerbalken nähren. Ihr seht, die Möglichkeiten sind vielfältig und machen wirklich großen Spaß.


Mein persönliches Highlight im Spiel ist jedoch ein Element, was viele abschrecken könnte: die Verwendung von QR-Codes. Immer wieder trefft ihr im Verlaufe der Geschichte auf unpassierbare Räume. In diesen befinden sich jedoch QR-Codes, welche mit dem Smartphone gescannt werden müssen. Habt ihr dies getan, müsst ihr per Handybrowser dann ein Spiel spielen. Diese reichen von kleineren Geschicklichkeitsspielen bis hin zu Match-3-Puzzlern. Abwechslung bekommt man hier also geboten. Neben den Spielen gibt es noch die Möglichkeit, bestimmte Terminals per QR-Code zu scannen. Durch diese wird in eurem Browser Geld gesammelt, welches ihr für Ingame-Währung ausgeben könnt. Dies erleichtert das Besorgen von neuer Ausrüstung ungemein. Insgesamt gefällt mir dieses Zusammenspiel von Nintendo Switch und Smartphone unheimlich gut, vor allem, da es rein optional ist. Für diejenigen, die jedoch darauf verzichten (müssen), ist das Feature ein Graus. Immerhin kann man unzählige Ingame-Währung auf diese Weise bekommen, ohne viel dafür tun zu müssen. Hier wäre eine alternative Variante wünschenswert gewesen.


Einer der wenigen Abschnitte im Spiel, der deutlich kreativer ausfällt! © Numskull Games

Technisch macht das Spiel alles sehr ordentlich. Der pixelige Grafikstil passt super und sieht vor allem im Handheld-Modus wunderbar aus und man fühlt sich in die Vergangenheit zurückversetzt. Ansonsten läuft das komplette Abenteuer ohne Ruckler oder sonstige Einschränkungen und das, obwohl der Bildschirm das ein oder andere Mal mit Gegnern überschwemmt wird. Der Soundtrack passt ebenso gut, hat aber bei weitem keinen Ohrwurmcharakter.


Freunde von Langzeitmotivation werden, wenn sie am Ball bleiben, ebenso ihren Spaß haben. Nicht nur die Story bietet viele Geheimnisse mit Schätzen und zusätzlichen Ausrüstungsgegenständen, sondern gibt es auch noch einen Roguelite-Modus, in welchem ihr das Abenteuer erleben könnt. Dies sorgt für zusätzliche Spielstunden und eine besondere Herausforderung für alle, die noch mehr aus dem Titel herausholen möchten. Spielerisch braucht man hier keine Neuerungen erwarten, die Herangehensweise an SuperEpic: The Entertainment War ist jedoch erfrischend anders und weiß auch zu überzeugen. Für die Story kann man gute zehn Stunden einplanen. Sollte man noch hinter allen Geheimnissen her sein, kommen nochmals zwei bis drei Stunden hinzu. Der neue Spielmodus ist hier noch nicht mit dabei! Somit bietet sich den Spielern ein angenehmes Paket in einem der verrücktesten Videospiele.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Maik Styppa-Braun

Was ich vor meinem Test von SuperEpic: The Entertainment War erwartet habe? Ehrlich gesagt nichts und ich glaube das war grundsätzlich erstmal gut so. Nur so wurde ich nämlich viele Male überrascht, sei es durch das Heldenduo, die unterschiedlichen Bosse oder auch die Einbindung der QR-Codes. Das ganze Konzept strotzt vor Charme. Leider steht auf der anderen Seite Monotonie im Raum, die nicht von der Hand zu weisen ist. Da die einzelnen Welten sich nur maginal unterscheiden, kommt der Entdeckerdrang das ein oder andere Mal ins Wanken. Nichtsdestotrotz erhält man hier eine spannende Umsetzung des Metroidvania-Genres, welches gute zehn Stunden an den Bildschirm fesselt.
Mein persönliches Highlight: Der erste Bosskampf, welcher pompöser nicht sein könnte!

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Ludwig von Koopa

    M.Eng. (Bowser University)

    Danke für den schönen Testbericht! Hab mich da sehr gut wiedergefunden. Superepic ist auch zu einem meiner Lieblingstitel auf der Switch geworden, gerade der Humor (“Stoppschild: Schweres, aber robustes Verkehrsschild, mit dem man Gegnern die Vorfahrt nehmen kann”) und die Musik gefallen mir(finde schon, dass die Titel teilweise Ohrwurmcharakter haben und der Titelsong erinnert stark an alte Cartoon Serien).
    Und generell: Ein Waschbär, der auf einem Lama reitet und Schweine vermöbelt, was will man mehr?