Ein kleiner Zwerg, eine große Welt

In Regions of Ruin schlüpft ihr in die Rolle eines einsamen Zwergs, dem ihr behilflich sein müsst den Kontinent zu erkunden. Als selbst ernanntes RPG weist das Spiel einige klassische Merkmale typischer Rollenspiele auf, bleibt in seinem Kampfsystem jedoch äußerst simpel. Aus der zweidimensionalen Perspektive könnt ihr mit unterschiedlichen Waffen kurze Angriffe ausführen oder euch mit einem Schild schützen. Dabei lassen sich im Verlauf des Abenteuers immer wieder neue offensive Werkzeuge entdecken, welche durch einen Talentbaum unter anderem mit nützlichen Nebeneffekten ausgestattet werden können, sobald genügend Talentpunkte erlangt werden. So simpel und einfach das Kampfsystem auch funktioniert, so repetitiv wird das Gameplay in dieser Hinsicht auch mit der Zeit, wenn es an spielerischer Abwechslung bezüglich Auseinandersetzungen mit Gegnern mangelt.


Noch sieht es hier kahl aus, doch dies kann sich mit Ressourcen ändern. © JanduSoft

Verschiedene Waffen bieten zwar unterschiedliche Spielstile, täuschen aber nicht über die mit der Zeit langweiligen Kämpfe hinweg. Eine schwere Axt ist träge und machtvoll, das Schwert hingegen flink und weniger stark – am Ende führt ihr jedoch mit beiden Gegenständen einen frontalen Schwung aus, der gameplaytechnisch bis zu einem gewissen Grad gleich ist. Rüstungen erhöhen eure Verteidigung und können beliebig am Körper, Kopf oder in Form eines Schilds in der Hand ausgerüstet werden. Der Effekt bleibt selbsterklärend immer gleich, doch ist es erfreulich, dass Rüstungen in den meisten Fällen optisch unähnlich sind und es sich oftmals schon lohnt ein neues Set anzusetzen, um der Spielfigur einen neuen Anstrich zu verpassen. Befinden sich zu viele Gegenstände in eurem Inventar, lassen sich sämtliche Items in Boxen verstauen. Die Ausnahme bilden besondere Ressourcen wie Äpfel und Holz, die dauerhaft bei euch bleiben und keinen Platz im Inventar verbrauchen. Meistens lassen sie sich in der Welt beim Spielen finden und müssen nicht gezielt gesucht werden – die Ausnahme bilden hier womöglich Mineralien, die nur in Höhlen anzutreffen sind und dadurch einen höheren Wert besitzen. Sind erst mal genug Ressourcen angesammelt, könnt ihr mit ihnen euer Lager – sogesehen die Oberwelt des Spiels – ausweiten.


So mickrig auch euer Rückzugsort zu Beginn erscheinen mag, so schnell wird klar, wie stark sich das Lager ausbauen lässt. Ob ein eigenes Haus oder weitere Itemboxen – das Management der Ressourcen kann einen wesentlichen Einfluss auf das Spielvergnügen haben, solange fleißig investiert wird. Tatsächlich zeigt sich hier auch eine der größten Stärken des Spiels. Obwohl die Kämpfe oberflächlich bleiben und es sich somit auch nicht sonderlich erfüllend anfühlt neue Waffen auszurüsten, ist die Ausweitung des Lagers unheimlich motivierend und dokumentiert den Spielfortschritt auf eine schöne, visuelle Art und Weise. Der vermutlich eindrucksvollste Aspekt ist die Erkundung in Form einer großen Karte. Aufgeteilt in viele kleine „Level“ erkundet ihr verschiedene Orte und hilft dort entweder Bewohnern, findet wertvolle Items oder sammelt ganz einfach weitere Ressourcen ein. Dabei teilt euch das Spiel stets mit, wenn sämtliche Gegner erledigt sind, und macht somit auch klar, dass es nach dem Tod des letzten Monsters nicht mehr viel zu entdecken gibt. Für jedes neue Teilgebiet wird eine bestimmte Anzahl von Äpfeln als Nahrung verlangt, was noch mal den realistischen Blickwinkel einer Reise betont. Zwar kann es mit der Zeit ärgerlich sein, jedes Mal Früchte ausgeben zu müssen, doch wiegt der immersive Aspekt in meinen Augen stärker, als dass es wie ein unangenehmer Wegzoll erscheint.


Seid ihr geschwächt, ist es immer besser sich erstmal zurückzuziehen. © JanduSoft

Je weiter ihr im Abenteuer voranschreitet, desto mehr Dokumente und Berichte werden im Abenteuerverzeichnis schriftlich festgehalten. Dabei reichen die Texte von einfachen Tagebucheinträgen, die den bisherigen Fortschritt noch mal festhalten, bis zu Nebeninformationen, die sich in optionalen Levels entdecken lassen. Generell ist es die offene Spielnatur, die Regions of Ruin besonders macht. Es wird nicht der überhastete Schritt gemacht, gleich zu Beginn die komplette Karte erkundbar zu machen – das hätte nicht zum mysteriösen Ton gepasst und den Spieler nur überwältigt. Stattdessen offenbaren sich in einem kleinen Radius um euren aktuellen Standort immer eine Handvoll kleine Gebiete, die ganz nach eurem Belieben ausgekundschaftet werden können. Stellt sich ein Level als zu schwierig heraus, ist es überhaupt kein Problem den Bereich zu verlassen und woanders sein Glück zu versuchen. Die Level mögen zwar inhaltlich nicht lang sein, erreichen nie eine wirkliche Komplexität oder bieten viel Abwechslung, ergeben als Gesamtpaket jedoch wenigstens eine stattliche Anzahl an Arealen, die das Bild einer weitläufigen Welt entstehen lassen.


Grafisch sticht das Spiel in keinster Weise irgendwie nennenswert hervor. Der Pixel-Look erfüllt seinen Zweck und hat in anderen Indie-Erlebnissen bereits bessere Tage gesehen. Genauso verhält es sich mit dem Soundtrack, der jeweilige Situationen passend unterstützt, aber für keine hochgezogenen Augenbrauen sorgen wird. Glücklicherweise bietet sich der Mehrspieler-Modus wunderbar dafür an, mit einem Freund gemeinsam die Welt zu erkunden. Da das Spieltempo generell auf der langsameren Seite ist und die Level kurz sind, fügt sich ein zweiter Spieler ausgesprochen gut ins Geschehen ein und wirkt zu keinem Zeitpunkt wie ein Klotz am Bein.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Kevin Becker

Regions of Ruin schafft es, sich selbst pompöser darzustellen, als es eigentlich ist. Was jetzt negativ verstanden werden kann, zeigt letztendlich nur, wie clever die Entwickler einzelne Elemente in eine glaubwürdige Welt aufsetzen konnten. Die Level sind kurz, bieten spielerisch nur wenig Abwechslung und leiden unter einem monotonen Kampfsystem, ergeben in ihrer massiven Anzahl jedoch den Eindruck einer Landschaft voller Entdeckungen, die in einer relativ offenen Karte frei nach eurer Wahl erkundet werden können. Das Lager und gewissermaßen auch euer Zuhause lässt sich durch Items und Ressourcen immer weiter ausbauen, was nicht nur motivierend, sondern auch unheimlich nützlich ist. Die Optik sowie der Soundtrack bleiben leider zum Vergessen und hätten dem Spiel sehr viel mehr Atmosphäre einhauchen können. Auch wenn viele Ideen ausbaufähig sind, wusste das Spiel stets, wie es sich präsentieren möchte, und bleibt gerade dank seiner offenen Spielstruktur in Erinnerung.
Mein persönliches Highlight: Die Karte der Welt

Die durchschnittliche Leserwertung

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