Eine Versammlung der Endgegner

Sacred Stones mag zwar optisch an Cave Story erinnern und vom Namen her mit Fire Emblem: Sacred Stones assoziiert werden, doch der neueste Nintendo Switch-Platformer von CyberFront hat mit beiden Spielen relativ wenig zu tun. Im Spiel Sacred Stones wurden die namensgebenden, heiligen Steine gestohlen und müssen von bösen Bossgegnern zurückerlangt werden. Eure Aufgabe ist nun, diese Obermotze der Reihe nach aufzusuchen, mit euren Schnellfeuer-Schusswaffen zu besiegen und somit die sogenannte Himmelsinsel, die durch die heiligen Steine geschützt wird, zu retten.


Ihr werdet einige tierische Bosse besiegen müssen, um an die heiligen Steine zu kommen. © CyberFront

In Sacred Stones gibt es kleine Oberwelten, in denen ihr euch frei bewegen und Gegenstände wie beispielsweise Waffenupgrades oder geheime Schilde sammeln könnt, die eure Defensive stärken. Insgesamt gibt es nur drei bis vier verschiedene Waffen zu finden, welche (wie beispielsweise die Mine) leider nur ganz selten wirklich nützlich sind. Um das Spiel zu beherrschen, benötigt ihr lediglich den Controlstick zum Steuern/Laufen sowie drei Knöpfe, mit denen ihr jeweils die Waffe wechseln, springen und schießen bzw. Türen öffnen könnt. Anfangs ist euer dunkelhäutiger Charakter mit einem Doppelsprung ausgestattet, im Laufe der Zeit werdet ihr jedoch die Fähigkeit erlangen, insgesamt drei Sprünge hintereinander auszuführen, um in der Luft noch besser mobil zu sein.
Auf den Oberwelten sind jeweils einige Türen platziert, hinter welchen sich die verschiedenen Bosse befinden – zum Teil sind dies überdimensionierte Tiere wie Affen, Vögel oder Schlangen, zum Teil sind es aber auch einzigartige Monster mit ganz speziellen Angriffsabläufen, die es zu lernen gilt und denen ihr ausweichen müsst. Die Welten fallen allerdings derart klein aus und die Boss-Türen sind derart dicht aneinander gereiht, dass Sacred Stones eigentlich nur noch als reiner Boss-Rush bezeichnet werden kann: Ihr geht von einer Tür zur nächsten Tür, bis ihr die ungefähr 20 Bosse besiegt habt und danach gibt es im Spiel nichts mehr zu erledigen.


Sacred Stones hat neben dem normalen Spielmodus auch zwei weitere Schwierigkeitsstufen zu bieten: Im leichten Modus ist ein Durchspielen in unter einer Stunde locker möglich, da die Bosse stark vereinfacht wurden und sowohl mehr Schaden nehmen als auch meist viel langsamer sind und weniger stark attackieren. Dennoch ist das Spiel nicht unbedingt für Anfänger, sondern generell eher für fortgeschrittenere Spieler geeignet: Denn selbst im einfachen Modus werden die Gegner für Anfänger kein Zuckerschlecken darstellen. Der Hard-Mode bietet wiederum eine weitaus größere Herausforderung und erfordert besonders bei den späteren Endgegnern schnelle Reaktionen sowie extrem genaue Ausweichmanöver. Mit einer höheren Anzahl an Toden kann sich somit auch die Spielzeit im Kontrast zum einfachen Modus vervielfachen. Lobenswert ist ein stetig ansteigender Schwierigkeitsgrad, der beim Endboss seinen Höhepunkt erreicht und die abwechslungsreiche Gestaltung der Obermotze sowie deren Attacken mit ihren jeweiligen Mustern.


Beim Rush von Boss zu Boss kommt das Drumherum leider zu kurz


Die Tatsache, dass das Spiel abseits der Bosse und den extrem kleinen und kurzen Oberweltabschnitten nichts zu bieten hat, ist doch sehr ernüchternd. Das Gameplay an sich macht nämlich sehr viel Spaß, die Pixeloptik ist nett anzusehen, die Musik ist abwechslungsreich und ich verspürte recht schnell die Lust auf mehr. Zudem gibt es sogar eine sehr lose Geschichte, die im Ansatz ganz nett ist und sogar ein paar (englische) Textpassagen zu bieten hat, aber letztlich doch flach ausfällt. Ich wünschte, die Entwickler hätten sich ein wenig mehr Zeit für die Feinarbeit am Spiel gelassen, damit das Spielerlebnis noch umfangreicher gestaltet werden kann und nicht derart abrupt endet.


Die meisten Bosse haben ganz bestimmte Muster, die ihr verinnerlichen solltet, um erfolgreich zu sein. © CyberFront

Zu kritisieren ist die Tatsache, dass verpasste Gegenstände nicht im Nachhinein eingesammelt werden können. Habt ihr die vier Bosse eines Weltenabschnitts geschafft, kommt ihr in den nächsten Abschnitt und könnt nicht mehr in den vorherigen zurückkehren. Habt ihr beispielsweise eines der optionalen Schilde für eure Defensive verpasst, so gilt diese Chance als verpasst und ihr steht möglicherweise (besonders im harten Modus) bei späteren Bossen vor noch größeren Schwierigkeiten. Hat man einmal eine Bosstür betreten, so kann man diese nicht mehr verlassen, solange der Boss nicht besiegt wurde. Dies ist etwas merkwürdig, da man am Anfang des Spiels unbewaffnet ist und trotzdem Bosstüren betreten kann, ohne dem Gegner letztendlich Schaden zufügen zu können. Die einzige Möglichkeit, sich aus dieser misslichen Lage zu befreien, ist, sich von dem jeweiligen Schurken absichtlich treffen zu lassen und dadurch zu sterben.


Zudem bin ich während meiner intensiven Testläufe auf ein paar kleinere Bugs gestoßen: Im Hard-Mode wurde bei mir, trotz aktivierten Sounds, in den Bossräumen keine Musik abgespielt. Gelöst werden konnte dieses Problem einzig und allein durch ein Neustart des Spiels über das Home-Menü der Nintendo Switch. Ab und zu ist mein Charakter in den Bossräumen an Ort und Stelle stecken geblieben, was ebenfalls nur durch einen Neustart oder Treffern durch Gegnerprojektile gelöst werden konnte. Etwas schade ist zudem die Tatsache, dass der anfangs auszuwählende Schwierigkeitsgrad nicht im Laufe des Abenteuers geändert werden kann: Hat man im Hard-Mode begonnen, so muss dieser bis zum Schluss durchgezogen werden und ein Zurückkehren in den normalen Modus ist nicht mehr möglich. Auch kann das Spiel nicht erneut von Beginn an gestartet werden, ohne den alten Spielstand zu löschen. Bereits geschaffte Bosse könnt ihr also nur über einen Zweitaccount erneut angehen, falls ihr euren alten Spielstand nicht verlieren wollt.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Felix Eder

Sacred Stones ist ein sehr kurzweiliges Spiel, das zu 90 % aus Bosskämpfen besteht und dementsprechend inhaltlich nur wenig zu bieten hat. Das Grundgerüst des Spiels ist sehr gut gelungen, das Gameplay macht durchaus Spaß, die Grafik sowie der Soundtrack können sich sehen lassen und die einfache Steuerung funktioniert recht gut. Umso bedauerlicher ist es daher, dass nur ein Bruchteil des Potentials genutzt wurde, denn Sacred Stones hätte ein wirklich tolles Spiel werden können. Bedeutendere Abschnitte zwischen den Bossen und mehr Verwendungsmöglichkeiten für die erhältlichen Waffen wären ein erster Schritt gewesen, um für ein besseres Spielerlebnis zu sorgen. Leider fühlt sich Sacred Stones jedoch nur wie ein sehr dünner Prototyp eines größeren Abenteuers an. Wer vor dem vergleichsweise teuren Preis von 8,99 € sowie vor dem recht hohen Schwierigkeitsgrad nicht zurückschreckt, wird mit Sacred Stones nichtsdestotrotz eine kurzweilige Unterhaltung finden.
Mein persönliches Highlight: Die Erleichterung, nach vielen zig Versuchen einen schweren Boss endlich geschafft zu haben.

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