Noch nie waren geometrische Figuren derart gefährlich

THOTH ist neben "140" bereits das zweite Ein-Mann-Projekt von Jeppe Carlsen, das am 09.01.2020 im Nintendo eShop erscheint. Ursprünglich 2016 für den PC entwickelt, wurde der simple Twin-Stick-Shooter nun auch auf die Nintendo Switch portiert. Ähnlich wie im spirituellen Vorgänger 140, bewegt ihr euch auch in THOTH als gefüllter Kreis durch diverse Level voller Hindernissen in Form von geometrischen Figuren, denen ihr ausweichen müsst. Und erneut wird auf jegliche Erklärungen oder Texte komplett verzichtet und ihr werdet direkt in die Gameplay-Action geschmissen. Eure Aufgabe ist, entweder alleine oder zusammen mit einem Partner, euch durch 64 Level zu kämpfen und die geometrischen Gegner durch gezielte Schüsse zu eliminieren.


In THOTH wird geschossen, was das Zeug hält! © Carlsen Games

THOTH kann sowohl mit dem Nintendo Switch Pro Controller als auch mit den Joy Con gespielt werden. Mit dem linken Control-Stick steuert ihr eure Spielfigur, mit dem Rechten könnt ihr schießen und zugleich die Schussrichtung bestimmen. Alternativ können statt dem rechten Control-Stick auch die vier Knöpfe auf der rechten Seite eures Controllers genutzt werden, um die Schussrichtung festzulegen – ich präferiere diese Steuerungsoption, da durch das Steuern mit den Knöpfen automatisch die jeweiligen Gegner anvisiert werden. Für den Koop-Modus praktisch: Es wird auch das Spielen mit einem quergehaltenen Joy Con unterstützt, was ebenso gut funktioniert. Etwas schade ist jedoch die fehlende Unterstützung der Bewegungssteuerung – diese hätte sich für THOTH eigentlich prima angeboten.


Die 64 Level sind aus begrenzten Räumen konstruiert, in denen ihr euch frei bewegen könnt und sowohl den Gegnern ausweichen als auch diese besiegen müsst. Eure einzige Aufgabe besteht darin, alles zu vernichten und zugleich keine Treffer abzubekommen, denn ein einziger kassierter Schaden bedeutet bereits den sofortigen Tod. Während des Schießens bewegt ihr euch langsamer, feuert ihr keine Geschosse ab, könnt ihr hingegen den Hindernissen schneller ausweichen. Ein Dauerfeuer ist daher nicht die optimale Strategie und ihr werdet dazu angeregt, über bessere Lösungen nachzudenken. Jeder vierte Raum stellt eine Art Boss-Raum dar, welchen ihr meistern müsst, um in einen thematisch und akustisch neuen Abschnitt zu kommen, der erneut aus vier Räumen besteht. Am Anfang jedes Abschnitts wird automatisch gespeichert, sodass ihr nie mehr als drei Level erneut wiederholen müsst, solltet ihr im Laufe eures Abenteuers verlieren.


Zu zweit ist gute Koordination gefragt! © Carlsen Games

THOTH bietet abseits der stimmigen und sich verändernden Akustik auch einige weiteren netten Mechaniken, die das ganze Spielerlebnis sehr rund wirken lassen und spannend gestalten: Schießt ihr auf die geometrischen Formen, welche eure Gegner darstellen, so verlieren diese kontinuierlich an Farbe. Eure Feinde können ihre Farbe wieder regenerieren, solange sie nicht komplett besiegt wurden. Erst wenn die komplette Farbe erloschen ist und nur noch schwarz zu sehen ist, gelten eure Widersacher als besiegt.


Doch Vorsicht: Besiegte Gegner werden euch weiterhin das Leben schwer machen, denn sie bewegen sich daraufhin noch schneller und verfolgen euch, sodass jede Berührung für euch weiterhin tödlich endet. Je mehr Gegner ihr besiegt, desto schwieriger wird es oftmals, all den schwarzen Formen auszuweichen. Es gibt sogar Gegner, die sich in schwarze Löcher verwandeln, innerhalb kurzer Zeit den ganzen Bildschirm füllen und euch einfach verschlucken können, sofern ihr nicht zuvor alle übrigen Feinde besiegen könnt. Diese Mechanik ist durchaus interessant und sorgt für zusätzlichen Nervenkitzel, denn normalerweise wird es leichter, je mehr Widersacher ihr besiegt – hier ist genau das Gegenteil der Fall. Nur wenn alle Gegner besiegt sind, dürft ihr kurz verschnaufen und werdet automatisch in den nächsten Raum teleportiert.


Verliert ihr einmal in einem Raum, dann habt ihr eine allerletzte Chance, denselben Raum doch noch zu meistern, allerdings mit einem kleinen Twist: Alle Wände verwandeln sich in Lava oder eine andere tödliche Substanz, was bei Berührung zum sofortigen Tod führt. Scheitert ihr auch an dieser zweiten Chance, dann müsst ihr wieder vom letzten Checkpoint aus starten und die jeweiligen Räume von diesem Checkpoint an erneut spielen. Dies ist eine weitere interessante Mechanik, die für eine erhöhte Spannung sorgt und wirklich gut ins Spiel implementiert wurde.


Einige Räume können nur mithilfe einer guten strategischen Planung gemeistert werden. © Carlsen Games

Das Highlight des Spiels stellt der Koop-Modus dar: Zu zweit scheinen die Gegner auf den ersten Blick leichter besiegbar zu sein, doch der Schein trügt: Wird nur einer der beiden Spieler getroffen, so verwandelt sich der getroffene Spieler in einen extrem aufdringlichen Feind und verfolgt den zweiten Spieler derart schnell, dass das alleinige Besiegen der restlichen Gegner eine Herkulesaufgabe darstellt. Auf diese Weise wird der anfängliche Vorteil von zwei gleichzeitigen Spielfiguren gut ausbalanciert und die gemeinsame Kooperation sowie strategisches Denken umso stärker in den Fokus gestellt. Selten hatte ich mit einem Koop-Spiel derart viel Spaß wie mit THOTH, denn hier wird jeder Fehler beinhart bestraft und das gemeinsame Durchhaltevermögen stark auf die Probe gestellt.


Auch wenn THOTH ein relativ simples Vergnügen darstellt und auf einen minimalistischen Grafikstil setzt, so stecken sowohl im Gameplay als auch in den Level jede Menge gute Ideen und Mechaniken, die das Spiel zu einem kleinen Genre-Geheimtipp machen. So gibt es beispielsweise geometrische Figuren, die zusammengefügt eine Schlange bilden, Gegner, die sich nach dem Besiegen in Teleportpunkte verwandeln oder Formen, die mit anderen Formen verknüpft sind und in bestimmten Szenarien eine tödliche Barriere bilden. Auch der ansteigende Schwierigkeitsgrad ist sehr lobenswert, so sind die ersten Räume sehr anfängerfreundlich, während die letzten Räume durchaus eine große Herausforderung darstellen können. Wem das Spiel dennoch zu leicht war, sei empfohlen, alleine im Zweispieler-Modus einen Anlauf zu starten – ohne zweiten Spieler wird die zweite Spielfigur nämlich sofort von Gegnern besiegt und stellt daher ein zusätzliches, erschwerendes Hindernis für den Einzelspieler dar. Für etwas mehr Langzeitmotivation sorgen schließlich zahlreiche zufällig generierte Level, die nach dem Abschließen der Hauptkampagne freigeschaltet werden können.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Felix Eder

THOTH ist ein Überraschungshit im Genre der Twin-Stick-Shooter und verblüfft mit innovativen Ideen und abwechslungsreichen Level. Ohne zu wissen, um was es in diesem Indie-Titel überhaupt geht, habe ich THOTH um kurz nach Mitternacht gestartet, um vor dem Schlafengehen rasch einen ersten Blick auf das neueste, zu testende Spiel zu werfen. Niemals hätte ich gedacht, dass mich dieser 2D-Shooter schließlich bis nach drei Uhr morgens an den Bildschirm fesseln würde und solch ein simples Spiel derart viel Spaß im Zweispieler-Modus machen kann. Dem niedrigen Preis von 4,99 € entsprechend ist der Umfang des Titels zwar recht klein, doch für einige spaßige Runden zwischendurch - egal ob alleine oder zu zweit - eignet sich das Spiel sehr. THOTH bietet eine perfekte Mischung aus Innovation, Nervenkitzel und Spaß und ist auf jeden Fall einen Kauf wert.
Mein persönliches Highlight: Ganz klar, der spaßige Koop-Modus!

Awards

Spiele-Hit Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • s2jademu

    24/7, 7 days a geek

    Muss bei der englischen Aussprache des Titels irgendwie an Mike Tyson denken :troll: