Simpler kann ein Spiel nicht gestaltet sein

Die Nintendo Switch erhält am 09.01.2020 einen musikalischen Neuzugang des Limbo-Entwicklers Jeppe Carlsen, der nicht nur den simplen Namen "140" trägt, sondern auch in jeder Hinsicht ein extrem simples Spiel darstellt: Startet ihr das Spiel, so werdet ihr direkt in eine simple Welt geschickt, die nur aus einfarbigen Blöcken, Formen und Linien besteht. Es gibt keine Erklärungen, im gesamten Spiel kommt kein einziges ausgeschriebenes Wort vor, ja sogar auf ein Hauptmenü oder Optionsmenü wurde vollständig verzichtet. In 140 geht es sofort zur Sache und eure Aufgabe ist nun, Level zu meistern und schlussendlich knifflige Endgegner zu besiegen. 140 erschien ursprünglich im Oktober 2013 für den PC und erschien in den letzten Jahren auch auf anderen Plattformen wie beispielsweise auf der Wii U.


Ein Kontakt mit grauen Hindernissen führt zum sofortigen Tod. © Carlsen Games

Das Gameplay ist natürlich ebenfalls simpel und selbsterklärend: Ihr steuert ein einfarbiges Quadrat, das sich in Bewegung zu einem geschlossenen Kreis umwandelt und in der Luft wiederum in ein Dreieck verwandelt. Im Hintergrund seht ihr Akustikwellen und ihr hört entsprechende Beats, welche den Rhythmus vorgeben, in welchem ihr euch bewegen solltet, um in der Welt voranzukommen. Hin und wieder sind Kugeln auf der Welt verteilt, die gesammelt werden müssen, um in einen neuen Levelabschnitt mit leicht veränderter Form, Farbe und Musik zu kommen. Einige der geometrischen Hindernisse ändern abhängig von den Schlägen der Musik ihre Farbe und können dadurch zu hilfreichen Plattformen avancieren. Sind eure Umgebungen in einem Grauton, bestehend aus schwarzen und weißen Punkten, angehaucht, so verliert ihr bei Kontakt sofort euer Leben. Ändert sich die Farbe dieser Umgebungen hingegen durch die Beats, so könnt ihr die Umgebungen ohne Bedenken betreten, um voranzuschreiten. Andere Hindernisse vergrößern oder verkleinern sich, wieder andere Hindernisse öffnen und schließen sich im Rhythmus der Musik. Solange ihr immer auf die Hintergrundmusik achtet, könnt ihr die sich ständig und regelmäßig verändernden Umgebungen zu eurem Vorteil nutzen, um immer weiter und weiter im Level voranzuschreiten. Hier ist die Reaktionsgeschwindigkeit gar nicht so wichtig, solange ihr den Rhythmus im Blut habt.


Im Laufe des Spiels stoßt ihr auf einige Levelelemente, welche die Platformer-Action ein bisschen abwechlungsreicher gestalten. So gibt es Levelabschnitte, in denen sich die Gravitation im Rhythmus der Musik ändert und ihr dementsprechend eure Zeit einteilen müsst, um zwischen dem Boden und der Decke zu wechseln, ohne ein Leben zu verlieren. Wieder woanders werdet ihr auf Trampoline stoßen, die euch im Takt der Musik nach oben katapultieren – ist nun beispielsweise auf der Decke eine graue Fläche, so müsst ihr diese Trampoline unbedingt vermeiden und nur in den Zeiten zwischen den Taktschlägen berühren. Alle paar Meter gibt es Speicherpunkte, welche sehr großzügig verteilt sind, sodass die Frustration recht niedrig sein dürfte. Auch der allgemeine Schwierigkeitsgrad ist nicht sehr hoch und nach ein paar Versuchen sind alle Aufgaben recht gut meisterbar.


Die Endgegner sind sowohl fordernd als auch unterhaltsam. © Carlsen Games

Das große Highlight des Spiels stellen die Bosse dar: Insgesamt gibt es drei Level, die jeweils am Ende des letzten Levelabschnitts einen Endgegner enthalten, welche sich natürlich ebenfalls aus simplen geometrischen Formen zusammensetzen. Mal feuert eure Spielfigur im Rhythmus Geschosse ab, mit denen ihr den Gegner treffen müsst, mal müsst ihr im Rhythmus Angriffen des Gegners ausweichen und anschließend zum Gegenangriff starten. Die innovativen Bosse sind eine schöne Abwechslung zu den ruhigeren Levelabschnitten und im Speziellen der Endboss, bei welchem ein schnelles Köpfchen gefragt ist, konnte mich besonders begeistern.


Während die Hintergrundbeschallung in den normalen Levelabschnitten sehr passend ist und für richtig schöne Spiellaune sorgt, nehmen die Musik und die Soundeffekte bei den Endgegnern nochmals richtig schön Fahrt auf. Auch bei mehrmaligem Scheitern werdet ihr durch die Musik und die Beats ordentlich gepusht, sodass ein mehrmaliges Spielen stets aufs Neue für Unterhaltung sorgt. Es sind weniger die Melodien, welche das musikalische Erlebnis in 140 ausmachen, sondern vielmehr die Soundeffekte und das rhythmische Zusammenspiel mit den sich verändernden Hindernissen.


Habt ihr die drei recht kurzen Level geschafft, so spielt ihr ein Bonuslevel frei, welches in der originalen PC-Version des Spiels noch nicht enthalten war. Dieses Bonuslevel bietet eine etwas größere Herausforderung als die doch recht einfachen drei Hauptlevel und einen ebenso etwas schwereren und nicht minder unterhaltsamen Boss. Ebenso könnt ihr euch am Hard-Mode versuchen, welcher die zahlreichen Speicherpunkte komplett streicht und zudem die Levelabschnitte gespiegelt darstellt. Da ihr im Hard-Mode nach jedem Treffer ganz an den Start geschickt werdet, ist das Frustpotential dementsprechend um einiges höher und nur fortgeschrittene Spieler werden an diesem Modus einen Gefallen finden.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Felix Eder

140 setzt auf absoluten Minimalismus: Ihr spielt eine geometrische Form und steuert diese dem Rhythmus entsprechend durch drei verschiedene Level, die lediglich aus weiteren geometrischen Formen und Hindernissen bestehen. Nach ungefähr einer Stunde ist das kurze Abenteuer auch wieder vorbei und abgesehen von einem Bonuslevel und einem Hard-Mode gibt es im Spiel nichts mehr zu machen. Umso beeindruckender ist daher, dass mich 140 trotz der kurzen Spielzeit und der gewöhnungsbedürftigen Optik mit einem positiven Gefühl zurückgelassen hat und jede Minute ein rhythmischer Genuss war. Das Musik-Abenteuer bietet einige nette Ideen, hat aber dennoch in Sachen Leveldesign noch einiges an Luft nach oben und Potenzial für noch ambitioniertere Welten mit etwas mehr Substanz. Wer aber Lust auf einen kurzen, einfachen und günstigen Rhythmus-Platformer mit einem ganz eigenen Charme hat, kann mit 140 wenig falsch machen und sollte dem Spiel unbedingt eine Chance geben.
Mein persönliches Highlight: Die innovativen Bosse und die dazu passende Musik

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