In der Barentssee auf Fischfang

Das norwegische Entwicklerstudio Misc Games hat in Zusammenarbeit mit dem deutschen Publisher astragon Entertainment den Fischereisimulator Fishing: Barents Sea entwickelt und schließlich im Dezember 2019 den Titel für Konsolen veröffentlicht. In dem Spiel seid ihr der Erbe eines kleinen Fischereibootes und müsst in einer recht losen Kampagne ohne große Erzählung immer größere Boote, bessere Ausrüstung und fähigere Crew-Mitglieder anheuern, um den ganz großen Fang machen zu können.


Mit dem geerbten Boot unterwegs durch die Barentssee. Oben rechts ist auch ein Sonar aktiv, das vorbeischwimmende Fische ebenfalls anzeigt wie die Distanz bis zum Meeresgrund. © Astragon

Euer Anfangsboot, welches ihr im Übrigen umbenennen könnt, ist im Vergleich zu den anderen auf der See befindlichen Schiffe eine Nussschale. Alleine müsst ihr euch mit diesem Boot dem Wetter zum Trotz auf die See begeben, Langleinen auswerfen und diese nach einigen Stunden im Spiel (empfohlen werden zwischen 18 und 24 Stunden Wartezeit) einholen. Dabei wird ein Minispiel mit Quick-Time-Events aktiviert, in welchem ihr die Knöpfe zum richtigen Zeitpunkt drücken müsst, um mehr Fisch einzuholen. Je nachdem, wie lang eure Langleine schon im Wasser liegt, können mehr oder weniger Fische in diesem Minispiel gefangen werden. Allerdings hatte ich selten in den Minispielen mehr als 15 Fische, obwohl es in der Realität viel mehr Fische sind. Lasst ihr die Langleine jedoch über zwei Tage im Wasser, ist diese und der Fang verloren. Nach erfolgreichem Einholen des Fisches kann dieser auch ausgenommen werden. An einer auf den Fisch projizierten Linie müsst ihr vorsichtig bei Gedrückthalten des A-Knopfes mit dem Analog-Stick entlang schneiden. Wenn ihr zu schlecht geschnitten habt, also in der jeweiligen Bewertung unter zwei von fünf Sternen erhaltet, ist der ausgenommene Fisch nichts wert. Doch Ausweiden ist nicht von Nöten, der Fisch kann auch so zum nächsten Hafen gebracht und dort verkauft werden, um Geld für Upgrades, Besatzungsmitglieder oder Fangmaterialien ausgeben.


Denn euer Boot ist zu Beginn recht langsam, euer Frachtraum sehr klein und die eine Langleine reicht nicht aus. So könnt ihr zu längeren Langleinen greifen und mit diesen auch mehr Fische fangen. Im Hafen können ebenfalls (bei Vorhandensein einer Bar) neue Aufträge an Land gezogen werden. Diese ähneln und wiederholen sich jedoch recht schnell. Bringe eine bestimmte Menge Fisch ohne Schnellreise zum Ziel, fange eine bestimmte Menge eines bestimmten Fisches und liefere sie ab. Das sind grob umrandet zunächst die beiden Missionsarten, die euren Ruf in den jeweiligen Häfen verbessern. Doch bevor ihr zu einem Hafen reisen könnt, müsst ihr ihn erst entdecken. Das heißt, wenn die Langleine ausgeworfen wurde, könnt ihr auf der Karte nachsehen, wo es zum nächsten Hafen geht und manuell dort hinfahren, um so einige neue Routen für die Schnellreise aufzudecken oder neue Fanggebiete zu entdecken. Die Größe des aufgedeckten Gebietes wird auch durch euer Radar bestimmt, denn das Standard-Radar hat keinen hohen Radius. Ist euer Radar höher aufgestuft, wird auch mehr entdeckt.


Eine Übersicht über bereits ausgeworfene Netze und Leinen sowie über Events, Preise und Aufträge sind in dem schön gemachten Tagebuch aufgeführt. © Astragon

Fangbar sind zunächst nur vier Arten von Fischen, aber abhängig von eurem Schiff und eurer Ausrüstung können auch Makrelen oder Krabben im späteren Verlauf gefangen werden. Und ihr müsst nicht nur Langleinen einholen, denn durch den Kauf von einem Upgrade könnt ihr beispielsweise bei einem größeren Schiff auch Fangnetze auswerfen. Dabei müsst ihr recht gerade fahren, um das Netz nicht zu beschädigen. Doch für das Benutzen eines Netzes ist auch eine Netzwinde zum Einholen und ein helfender Mitarbeiter erforderlich. Dann beginnt ein Quick-Time-Minispiel, wo ihr recht schnell vier Richtungstasten pro Fisch drücken müsst. Ein falscher Druck und das Netz nimmt Schaden. Den Mitarbeiter könnt ihr auch zum Ausnehmen der Fische einteilen oder zum Kochen von Proviant, allerdings brauchen Mitarbeiter auch Pausen und Nahrung, um zu Arbeiten. Ihr Sold besteht anteilig aus den Gewinnen, die ihr beim Verkauf des Fisches erhaltet. Dabei können die Schiffe nur eine bestimmte Anzahl an Besatzungsmitgliedern aufnehmen, die euch vor dem Kauf jeweils angezeigt werden.


Der Wirtschaftsfaktor in dieser Simulation ist allerdings nicht sehr hoch. Zwar ist der Kauf von Benzin beziehungsweise die Reparatur des Schiffes unerlässlich, aber die Geldbeiträge sind dafür recht niedrig. Teurer sind hingegen verschiedene Upgrades, aber nach ein paar guten Fängen ist das erforderliche Geld zusammen. Auch muss darauf geachtet werden, dass nicht zu viel Fisch in den selben Gegenden gefangen wird. Denn das reduziert die Fischpopulation erheblich und es bedarf einiger Erholungszeit, bis ihr dort wieder Fischfang betreiben und hohe Erträge erhalten könnt. Auch unterstützt euch die Karte und zeigt die Population der einzelnen Fischarten an. Weiterhin spielen die Jahreszeiten und das Wetter eine Rolle. Denn bei Sturm oder hohem Wellengang lässt sich zum Beispiel ein Netz schwerer auswerfen und der Fisch schwerer ausnehmen. Und die Fische sind nicht zu jeder Jahreszeit präsent, denn es gibt verschiedene Saisons für die Fischarten. Daraus ergeben sich auch verschiedene Events, die zum Beispiel den Preis bei einem Überangebot einer Fischart senken oder auch erhöhen. Ebenso sind bei den Langleinen verschiedene Köder zu erwerben, die entsprechend mehr Fische einer Art anlocken als ein anderer Köder. Es gibt viele Faktoren, die gut erdacht wurden, aber manchmal auch kaum starke Auswirkungen haben.


Der Fisch muss auch ausgenommen werden, was sich leichter anhört als es manchmal ist. Vor allem ein hoher Wellengang erschwert das Ausnehmen stark. © Astragon

Leider überzeugte mich die technische Umsetzung auf der Nintendo Switch nicht wirklich. Das Spiel wurde zwar mittels der Unreal Engine umgesetzt und sieht für das kleine Entwicklerteam auch gut aus, allerdings ist ein Ghosting-Effekt bemerkbar, wenn ihr euer Schiff oder die Kamera in der Schiffsansicht bewegt. Dies ist im TV-Modus eher weniger auffallend, aber im Handheld-Modus gravierender. Auch ist die Auflösung im Handheld-Modus sehr niedrig, sodass die Bojen zum Einholen des Fangs kaum sichtbar sind, bis ihr sehr nah dran seid. Manchmal konnte ich auch die genaue Linienführung beim Ausnehmen nicht klar erkennen und musste sie erahnen. Im TV-Modus ist die Situation besser, aber auch hier ist der Ghosting-Effekt auffallend, wenn ihr darauf achtet. Allerdings kann die Menüoberfläche im Handheld-Modus auch größtenteils per Touchscreen genutzt werden, jedoch mit einigen Einschränkungen. So können manche Interaktionen wie das Bestätigen nur auf Knopfdruck ausgeführt werden. Dennoch ergänzt die Möglichkeit der Touchscreen-Nutzung etwas das Spielen im Handheld-Modus, wenn auch nur minimal. Musikalisch gibt es einige einfache Songs, die das Gefühl auf See unterstreichen. Aber die automatische Wiedergabe der Lieder hat einige Probleme, sodass bei einigen Titeln manuell gewechselt werden muss, damit die Musik weiter abspielt. Auch kann es vorkommen, dass der Sound nach Aufruf und sofortigem Schließen der Karte komplett verstummt. Öffnet ihr aber das Hauptmenü und geht danach wieder zurück zum Spiel, werden die Töne wieder hörbar.


Die Physikberechnung ist im Spiel sehr beeindruckend und die Simulation, mit einem kleinen oder großen Schiff bei hohem Wellengang durchaus gelungen. Es ist bemerkbar, dass größere Schiffe schwerer sind und Schiffe bei höherem Wellengang auch gut schwanken können. Auch die Steuerung harmoniert gut und ist leicht verständlich. Ebenfalls kann das eigene Schiff erkundet werden und ihr könnt dieses sogar aus Sicht eures vorher erstellten Charakters steuern. Eure Mitarbeiter sind ebenfalls auf dem Schiff anzutreffen, wenn ihr sie zu einer bestimmten Tätigkeit einteilt. Und wer nicht weiterkommt oder nicht die richtigen Fische den richtigen Ködern zuordnen kann, der hat die Möglichkeit, auf das große im Spiel enthaltene Lexikon samt vieler Einträge zum Spiel und einiger Hintergrund- und Detailinformationen zuzugreifen. Dies konnte mir ab und zu helfen, wenn ich nicht mehr die richtigen Fischsymbole zuordnen konnte.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Marco Kropp

Fishing: Barents Sea ist eine gelungene Simulation der Seefischerei und verknüpft die Elemente, die in diesem Beruf vorkommen, gut. Allerdings sind dann doch einige technische Auffälligkeiten vorhanden, die ich nicht unter den Teppich kehren kann. Und auch einige langatmige Phasen im Spiel, wie das Fahren ohne Schnellreise oder das Warten bis zum Einholen des Fanges sind vorhanden. Dennoch sollten sich alle Freunde von Simulatoren, die ein Interesse an der Fischerei haben, diesen Simulator anschauen. Denn trotz der Mängel genoss ich meine Zeit auf dem Meer und hatte in der Regel eine gute Portion Motivation, um weiter zu machen und ein größeres Schiff zu kaufen.
Mein persönliches Highlight: Als ich über die See fuhr und einen Wal im Wasser erblickte.

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 3

  • puLse2D

    Glaube für mal, interessant. Aber mein denken, bezieht sich ja auf die DMAX Sendung. Glaube so realistisch wird's dann doch nicht.

  • wonderboy

    Turmbaron

    vielen dank für den Test!

  • Falkner_CH

    Turmknappe

    Habs gekauft. Macht Spass. Denn die "nur noch diesen Fang, dann gibt bald das Upgrade" Spirale funzt sehr gut. Leider bin ich von der Technik enttäuscht. Es ruckelt, der Sound stockt und es sieht sehr matschig aus. Von den Grafikfehler ganz zu Schweigen. Hoffe es folgen noch Updates die diese Probleme beheben.