Wenn die Kolben zu sehr schallern

Kampfsportarten gibt es sehr viele: Kung-Fu, Karate, Taekwondo, Judo, Jiu-Jitsu, Krav Maga etc. Doch kennt ihr schon die mittlerweile höchste Kampfsportart, die vielleicht sogar unbewusst der ein oder andere bereits angewendet hat? Die hohe Kunst des Drunk-Fu stellt alle in den Schatten. Mit zwei Promille immer noch in der Lage zu sein, wie Bud Spencer und Terrence Hill die (stark alkoholisierten) Kontrahenten zu verprügeln, ist eine Kunst für sich. Sowohl eine sehr gute Körperbeherrschung als auch die letzte geistige Anwesenheit der nicht in Standby gegangenen oder abgestorbenen Gehirnzellen, fordern einem alles ab. Bei Drunk-Fu: Wasted Masters dürfen wir diese Fähigkeiten noch weiter verfeinern, um in der nächsten Kneipenschlägerei als strahlender Held gefeiert zu werden oder wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus zu landen.


Nicht mal auf einer idyllischen Insel können sich die beduselten Rabauken am Riemen reißen. © Rust0 Games

Das Ziel des Spiels ist es, eure Kontrahenten aus einer der acht abwechslungsreichen Arenen zu klatschen. Dabei habt ihr einen normalen und starken Angriff, könnt hüpfen, rennen, ausweichen und rollen. Klingt alles überschaubar und auch simpel, doch die Realität sieht etwas anders aus: Um Drunk-Fu anwenden zu können, müsst ihr sternhagelvoll sein. Eure Figuren torkeln munter fröhlich über die Stages, eine komplette Kontrolle eurer Schnapsdrosseln ist daher unmöglich. Die ersten paar Matches werdet ihr daher aufwenden müssen, die Beherrschung eurer Figur halbwegs zu meistern, bevor ihr wie Bruce Lee die Gegner verkloppt. Oftmals seid ihr selbst euer ärgster Feind, denn manchmal kommt es beim Hüpfen vor, dass ihr dabei unkontrolliert in den Himmel schießt und danach in den Abgrund stürzt. Das macht allerdings das Spiel so witzig, da ihr niemals die ultimative Kontrolle haben werdet und es oftmals in Slapstick-Momenten endet. Nach ein paar Runden habt ihr aber einigermaßen die Steuerung im Blut und prügelt auf eure Feinde ein. Jeder Charakter hat zu Beginn 100%. Diese Anzeige sinkt je nachdem wie viel ihr bereits einstecken musstet. Je niedriger der Wert, desto einfacher wird es, die Gegner aus der Stage zu zwirbeln. Als effektiv erweist sich der starke Angriff, jedoch kann dieser, falsch eingesetzt, euch schneller aus der Arena befördern, als ihr den nächsten Kolben öffnen könnt. Immer wieder tauchen Waffen auf, die automatisch aufgenommen werden. Mit beispielsweise einem Feuerwehrlöscher oder Vorschlaghammer werden die Widersacher um einiges effektiver weichgeklopft. Droht die Gefahr in den Abgrund zu fallen, könnt ihr euch noch mit einem gut gesetzten Sprung retten. Das klappt allerdings nicht immer so wie geplant.


Im Multiplayer eine feucht-fröhliche Angelegenheit?


Insgesamt vier verschiedene Modi hat das Spiel zu bieten. Darunter ein auf Zeitlimit beschränktes Deathmatch, ein „Last-Man-Standing“ mit drei Leben, eine Art „King-of-the-Hill“ sowie einen Überlebensmodus. Leider gibt es keinen Teamkampf-Modus, dieser hätte definitiv noch gutgetan. Bei King of the Hill (im Spiel King of the Keg genannt), müssen sich die Spieler in einem Kreis so lange wie möglich aufhalten, um Punkte zu ergattern. Beim Überlebensmodus soll laut Beschreibung Teamwork an oberster Stelle stehen. Damit sollen gemeinsam Wellen an KI-gesteuerten Gegnern bezwungen werden. In der Praxis ist das aber gar nicht so einfach, denn ihr schadet nicht nur den Feinden, sondern könnt auch euren Mitstreitern ordentlich auf die Omme geben. Somit ist es teilweise schwieriger als erwartet, sich nur auf die feindlich Gesinnten zu fokussieren. Sobald ein Kumpan stirbt, kehrt dieser auch nicht mehr für diese Runde zurück. Sobald jeder das Zeitliche gesegnet hat, wird derjenige zum Sieger gekürt, der die meisten Feinde niederringen konnte. Dadurch entsteht dann eher doch ein Konkurrenzkampf, als ein besinnliches prügeln miteinander.


Der arme Irish Pub! Mit acht Spielern ist das Chaos vorprogrammiert. © Rust0 Games

Solospieler werden mit dem Spiel nur kurz Spaß haben, mit mehreren Freunden zeigt Drunk-Fu aber seine Stärken. Sage und schreibe acht Spieler können gleichzeitig, egal ob lokal oder online, gegeneinander schlägern. Gemeinsam mit Kumpels kommt durchaus Spielspaß auf. Solltet ihr die maximale Spielerzahl ausreizen, herrscht auf dem Bildschirm absolutes Chaos. Online sah es in meiner Testzeit etwas mager aus. Mit einem meiner Redaktionskollegen habe ich ein paar Matches ausgetragen, jedoch gibt es keine Möglichkeit, Switch-Freunde in ein Match einzuladen. Mit Glück, oder eher dank der geringen Anzahl an derzeitigen Online-Spielern, wurden wir aber dennoch immer in das gleiche Spiel geworfen. Meistens waren es auch nur wir beide, selten gesellte sich noch ein weiterer Spieler hinzu. Um ein Onlinespiel zu starten, habt ihr drei Möglichkeiten: Entweder ihr wählt euren bevorzugten Modus aus und das Spiel sucht entsprechend nach Matches, ihr durchstöbert allgemein alle offenen Spiele, oder ihr erstellt ein eigenes und dient als Host. Das Browsen durch die offenen Games hat bei mir leider nie geklappt, außer einem Ladebildschirm ist dort wenig passiert. Aufgrund der geringen Spielerzahl online, ist der Titel eher für lokale Gamer zu empfehlen.


Für die Individualität könnt ihr vor den Matches euren beschwipsten Helden etwas anpassen. Neben verschiedenen Farben können auch Klamotten sowie gewisse Accessoires geändert bzw. hinzugefügt werden. Bei den acht Stages habt ihr unter anderem einen stilvollen Irish Pub, einen Helikopterlandeplatz oder eine tropische Insel zur Auswahl. Hierbei wird genug Abwechslung geboten, wobei etwas mehr Schauplätze durchaus drin gewesen wären. Die Musik passt sich an die Themen der Level an, ohne hierbei jedoch besonders herauszustechen. Soundtechnisch wird nur ein Sound für Schläge geboten, dieser kann daher ziemlich schnell nerven. Sowohl von der Comic-Optik als auch von den unkontrollierbaren Bewegungen, erinnert das Spiel stark an Gang Beasts. Gang Beasts ist für mich ein absoluter Multiplayerkracher, leider erreicht Drunk-Fu nicht wirklich diese Klasse.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Johannes Bausch

Als ich den Titel Drunk-Fu: Wasted Masters zum ersten Mal hörte, wurde dieser schon direkt in meiner persönlichen Rangliste zu einem Anwärter für den Videospieltitel des Jahres gesetzt. Das Spiel ist ein komplett durchgeknalltes Prügelspiel, das sich selbst nicht so ganz ernst nimmt. Eure stark alkoholisierten Rabauken sind irrwitzig steuerbar und dadurch entstehen die ein oder anderen komischen Momente. Mit nur acht Stages und vier verschiedenen Modi wird allerdings nicht viel für den Langzeitspaß geboten. Im Einzelspieler ist das Game nicht zu empfehlen, ebenso nicht im Online-Modus, aufgrund der zu wenigen Spieler. Lokal mit bis zu acht Freunden könnt ihr aber definitiv einige Runden Spaß haben, dort entfaltet Drunk-Fu doch etwas Potential. An das ähnlich angehauchte Spiel Gang Beasts, kommt es aber leider nicht heran, das ist für mich immer noch der König des abstrusen Prügelns. Dennoch können sich Freunde des lokalen Multiplayerspaßes und komplett verrückten Games den Titel einmal näher anschauen. An einem gemütlichen Freitagabend mit ein paar Kumpels und Bier, ist es definitiv für einige Lacher zu haben. Doch trinkt nicht zu viel, sonst endet ihr noch wie eure angeschwipsten Charaktere in einer absurden Keilerei.
Mein persönliches Highlight: Die durchgeknallten, voll benebelten Figuren

Meinung von Felix Eder

Nüchtern macht Drunk-Fu: Wasted Masters nur halb so viel Spaß: Mit ein paar Bier intus fallen dann auch die zahlreichen Bugs und die schwammige Steuerung gar nicht mehr derart ins Gewicht. Mit mehreren Spielern sind einige Lacher garantiert und für Stimmung sorgen die urkomischen Animationen sowie die recht eingängigen Hintergrundmelodien. Enttäuschend ist vor allem der sehr geringe Umfang des Spiels, der für sehr wenig Abwechslung sorgt. Drunk-Fu: Wasted Masters bietet schlussendlich nur recht seichte Unterhaltung und ist lediglich Leuten zu empfehlen ist, die auf der Suche nach witzigen, kurzweiligen Mehrspieler-Couchspielen sind.
Mein persönliches Highlight: Die gelungenen Charakter-Animationen und die Anpassungsmöglichkeiten im Charakter-Inventar

Die durchschnittliche Leserwertung

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