Kleiner Horror im Pixel-Look

Kennt ihr das? Man schaut durch den Nintendo eShop und entdeckt immer wieder Titel, die für kleines Geld angeboten werden und auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aussehen. Genau um ein solches Spiel handelt es sich bei Red Bow. Dieses konnte mich auf den ersten Bildern und im Trailer überzeugen, jedoch war mir nicht klar, was genau da eigentlich auf mich zukommt. Wenn es euch ähnlich erging, dann lest gerne weiter, denn ich möchte meine Eindrücke zu diesem interessanten, jedoch kurzweiligen Abenteuer mit euch teilen.


Begleitet Roh in eine düstere Welt...


In der Geschichte von Red Bow schlüpft ihr in die Rolle des Mädchens Roh. Diese erwacht eines Tages in ihrem Bett und stellt beim Verlassen des Hauses fest, dass sie sich nicht in ihrer Welt befindet. Tatsächlich findet sie sich an einem Ort wieder, in welchem sie auf allerlei skurrile Wesen trifft und immer wieder mit dem Thema Tod konfrontiert wird. Mehr soll zum Inhalt nicht verraten werden, da eine Stärke des Titels darin besteht, zu begreifen, warum es Roh in diese Welt verschlagen hat. In einer wirklich schicken 2D-Pixelgrafik erkundet ihr insgesamt drei Szenarien mit Roh. In diesen erfahrt ihr die Geschichten mehrerer Personen und warum es sie ebenfalls in diese düstere Welt verschlagen hat. Red Bow einem Genre zuzuordnen ist gar nicht so leicht. Es ist ein kleines Adventure mit Rätseleinlagen, welches textbasiert alle Zusammenhänge der Geschichte zu einem Bild werden lässt.


Der Tod ist allgegenwärtig! © Ratalaika Games

In den drei erwähnten Szenarien ist eure Aufgabe stets die Gleiche: Ihr erkundet jede Ecke der Umgebungen, führt Gespräche mit anderen Charakteren, sammelt unterschiedliche Gegenstände auf und fügt diese an den richtigen Orten wieder ein. So trefft ihr beispielsweise auf einen betrunkenen Kapitän, welcher euch bittet, ihm noch mehr Alkohol zu besorgen. Nun liegt es an euch, diesen zu finden und an den Kapitän zu übergeben. Dies klingt auf den ersten Blick sehr linear und einfach gestrickt, die durchgehend bedrückende Atmosphäre und die spannenden Gespräche führen jedoch angenehm durch das Spiel. Außerdem stehen euch unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung. So könnt ihr euch im genannten Beispiel auch dafür entscheiden, den Alkohol nicht zu übergeben und stattdessen eine alternative Lösung suchen. Diese sind auf den ersten Blick nicht immer ganz ersichtlich, da Personen mehrfach angesprochen werden müssen und mancher Gegenstand auch im Verborgenen liegt. Dies sorgt zusammen mit der stimmigen Atmosphäre für einen angenehmes und zugleich spannendes Spielgefühl. Jedes Szenario kann somit zu mehreren Ende führen, je nachdem, welche Entscheidungen ihr getroffen habt.


Diese unterschiedlichen Enden sind auch eine der größten Stärken des Spiels. Man muss genau über sein Handeln nachdenken, um die bestmögliche Entscheidung abzuwägen. Dies strengt an manch einer Stelle die grauen Zellen an und verleiht dem Titel eine besondere Note. Leider war mir in meinem ersten Durchgang nicht klar, dass es überhaupt unterschiedliche Enden gibt. So erblickte ich relativ schnell wieder den Startbildschirm, als ich Roh in den sicheren Tod führte. Dies irritierte mich doch sehr, da mir an dieser Stelle nicht klar war, dass es noch andere Optionen zum Weiterkommen gab. Auf anderen Plattformen erhält man mittels Achievements zumindest einen Hinweis darauf, dass man das „gute“ beziehungsweise „schlechte“ Ende gesehen hat. Auf der Nintendo Switch sind diese nicht zugegen, sodass sich schnell Fragezeichen vor dem Gesicht auftun können.


Hier gleicht kein Charakter dem anderen. © Ratalaika Games

Ebenfalls zu den Stärken des Titels zählt die gesamte Atmosphäre. Trotz der Pixelgrafik im 2D-Look läuft einem immer wieder aufgrund der teils unheimlichen Charaktere und des Themas Tod ein Schauer über den Rücken. Hinzu kommen die passende Musik und die spannenden Dialoge, die ein stimmiges Gesamtbild abliefern. Ebenso sind die gesamte Performance und die Steuerung hervorzuheben. Alles spielt sich wunderbar flüssig, was bei einem Horrortitel auch der Fall sein muss. Nervig ist jedoch, dass der Titel nicht über den gesamten Bildschirm dargestellt wird, sondern an den Seiten Ränder erzeugt werden. Dies trübt dann doch noch die düstere Stimmung, da es einfach etwas unliebevoll wirkt.


Das größte Manko von Red Bow ist jedoch der Umfang. Wie eingangs erwähnt erlebt ihr insgesamt drei Szenarien, welche sehr kurz sind. Zwar verbringt ihr mit dem zweiten und dritten Szenario etwa zwei- bis dreimal so lange wie mit dem Ersten, nach ca. 60 Minuten seid ihr aber mit allem durch. Hinzu kommt, dass man durch die fehlenden Achievements gar nicht gewillt ist, alle Enden des Titels zu erleben, da sie einfach keinen Mehrwert bieten und häufig sowieso nur im Bildschirmtod enden. Warum man nicht kurzerhand im Spiel selbst Erfolge integriert hat, um weitere Anreize zu liefern, bleibt mir schleierhaft. Somit bleibt am Ende ein negatives Gefühl zurück, was nicht auf die interessanten und zugleich gruseligen Ideen zurückgeht, sondern auf das Gefühl, sein Geld fehlinvestiert zu haben. Schade!

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Maik Styppa-Braun

Ach, was gehe ich unzufrieden aus diesem Test heraus. Mir hat Red Bow bereits im Vorfeld unheimlich gut gefallen und auch beim Testen war ich innerhalb weniger Minuten Feuer und Flamme. Die Atmosphäre wird so schauderhaft und glaubwürdig rübergebracht und das trotz des einfachen Looks in Pixel-Optik. Warum man den Titel dann, wenn er eigentlich gerade an Fahrt aufnimmt, auch schon wieder enden lässt, ist für mich nicht verständlich. Auch ist es nicht nachvollziehbar, dass im Spiel selbst nicht einmal erwähnt wird, dass es unterschiedliche Enden zu sehen gibt. Warum ein solches tolles Feature unerwähnt lassen? Liebe Entwickler, bitte erschafft einen Nachfolger von Rohs Abenteuer, welches uns Stunden in das Dunkle zerrt und am besten nicht wieder heraus lässt.
Mein persönliches Highlight: Die erste Konfrontation mit dem Tod

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 1

  • bubisaurus

    Turmsaurier

    Ich wundere mich nach dem Lesen des Tests fast ein bisschen über die Wertung 4; dass ein Spiel nur "erträglich" sein soll, wie die Wertung suggeriert, löst bei mir aus, auf keinen Fall Geld dafür auszugeben. (Das ist in diesem speziellen Fall schon zu spät. Habe es gekauft und werde es die Tage endlich auch spielen.) Der Text an sich liest sich aber eigentlich recht positiv. Der größte Kritikpunkt ist ja gefühlt, dass das Spiel zu kurz ist. Ich verstehe zwar schon auch, dass die Spielzeit mit in eine Kritik einfließt, aber das hat jetzt insgesamt bei mir den Eindruck erweckt, als wäre das Preis-Leistungs-Verhältnis mit der 4 bewertet worden. Eine 4 wirkt auf mich irgendwie so wenig, wenn ich sonst das Gefühl habe, dass das Spiel an sich dem Tester eigentlich gefallen hat. Abgesehen davon: danke für den Test! Ich finde, er gibt einen guten Eindruck vom Spiel und er hat mir ehrlich gesagt Lust drauf gemacht, selbst einzutauchen. Mir ging es ähnlich wie dir, Maik: die Bilder im eShop haben mich direkt begeistert und ich wusste daher früh, dass ich das Spiel kaufen und spielen möchte. Ich denke, ich kann daher auch die Enttäuschung über die Kürze zumindest etwas verstehen.