Sasha allein zu Haus

Passend zur kalten sogar etwas düsteren Jahreszeit, ist Never Again auf meiner Nintendo Switch eingezogen. Der Titel verspricht einen hohen Gruselfaktor für zwischendurch, eine spannende Geschichte und viele Interaktionsmöglichkeiten innerhalb des Spiels. Grund genug für mich, die Kopfhörer anzustöpseln, um in den teilweise recht melancholischen Titel einzutauchen. Wie sich dieser im Test geschlagen hat, lest ihr in den folgenden Zeilen.


Der Alptraum in den eigenen vier Wänden


Never Again startet direkt von null auf hundert. Ihr übernehmt zu Spielbeginn nämlich die Kontrolle über Sasha Anders, ein dreizehnjähriges Mädchen, welches in ihrem Bett erwacht und einen Asthma-Anfall erleidet. Die Steuerung muss dadurch blitzschnell verinnerlicht werden, da ihr euch im Kinderzimmer nach ihrem Inhalator umsehen müsst. Leider war ich nicht flink genug, sodass ich gleich zu Beginn direkt Bekanntschaft mit dem virtuellen Tod machen durfte. Zumindest dachte ich das. Statt einen Game Over-Bildschirm präsentiert zu bekommen, fand ich mich in einem Leuchtturm wieder. Ein paar steile Treppen später ging ich durch den Ausgang desselbigen und war wieder in Sashas Zimmer, um erneut nach dem Inhalator zu suchen.


Sasha ahnt nicht, was ihr bevor steht... © Redblack Spade

Diese kurze Einführung beschreibt sehr gut die grundlegenden Spielelemente von Never Again. Im gesamten Spiel des Horror-Abenteuers müsst ihr nämlich darauf achten, dass Sasha aufgrund ihres Asthmas nicht das Zeitliche segnet. Ihr erkundet in ihrer Rolle nämlich zum einen das Haus, in welchem sie wohnt, gelangt jedoch auch immer wieder in surreale Welten, in denen ihr beispielsweise auf unheimliche Wesen trefft oder Puppenköpfe aus den Wänden ragen. All dies sorgt für eine gehörige Portion Stress bei Sasha, sodass ihr um den Einsatz einer der Inhalatoren nicht herum kommt. Im späteren Verlauf erhaltet ihr auch die Möglichkeit, eine Taschenlampe zu verwenden, welche für Sasha ebenfalls beruhigend wirkt.


Die Geschichte selbst ist unheimlich verworren und man fragt sich den gesamten Zeit über, was man da gerade eigentlich spielt. Ist es eine fiktive Geschichte mit Monstern aus dem Schrank? Leidet Sasha an Wahnvorstellungen? Oder spielt ihre Familie ihr gar einen Streich, da diese alle verschwunden sind? All diese und weitere Fragen kommen einem immer wieder in den Kopf, wenn man im Spiel fortschreitet. Eine wirkliche Aufklärung gibt es am Ende zwar nicht, sofern man allerdings im Spiel fleißig war und alle Geheimnisse gelüftet hat, setzt sich alles sehr stimmig zu einem Gesamtbild zusammen. Verraten möchte ich hierzu nichts, denn es ist eine Erfahrung, die den knapp drei- bis vierstündigen Titel ausmacht und ich finde, es lohnt sich.


Doch kommen wir zu den Spielmechaniken, an denen sich Never Again bedient. Sashas Streifzug durch ihr Eigenheim ist nämlich geprägt von der Interaktion mit ihrer Umgebung. Ihr könnt alle Schubladen und Schränke öffnen, Stühle verstellen, ihr Spielzimmer aufräumen und und und. Die versprochenen Interaktionen sind also gegeben und machen viel Spaß. Hierbei findet ihr auch immer wieder kleinere Hinweise und weckt Erinnerungen in Sasha, welche das beschriebene Gesamtbild der Geschichte Stück für Stück vollenden. Auch müsst ihr unterschiedliche Gegenstände einsammeln und an den richtigen Stellen positionieren, um so beispielsweise ein Feuer im Wohnzimmer zu entzünden. Das macht im Ganzen wirklich Laune und fügt sich gut in das Setting der Handlung ein.


Mein persönlicher Alptraum: Die Hexe im Spiegel! © Redblack Spade

Ein Dorn im Auge war mir jedoch die Steuerung. Für die Interaktion mit den einzelnen Gegenständen müsst ihr nämlich eine der Schultertasten gedrückt halten und diese anschließend mittels des rechten Sticks bewegen. Das fühlt sich leider extrem hakelig und unnatürlich an, sodass ich mich selbst immer wieder dabei erwischt habe, wie ich mit der Nintendo Switch in der Hand durch die Luft fuchtelte, da ich instinktiv die Gegenstände per Bewegungssteuerung verschieben wollte. Diese hat es jedoch nicht ins Spiel geschafft, sodass gerade die Phasen unter Druck, wenn man von einem mysteriösen Wesen verfolgt wird, zu sehr hohem Frust führen können, da Sasha so extrem unbeweglich ist. Zwar habe ich die PC-Version nicht gespielt, in meiner Vorstellung fühlt sich das ganze Unterfangen in Kombination mit Tastatur und Maus jedoch deutlich besser an, als per Gamepad. Hier wurde letztendlich zu simpel auf die Nintendo Switch portiert.


Technisch geht Never Again in Ordnung. Grafisch erwartet euch hier kein Kunstwerk, jedoch schafft es der Titel dennoch atmosphärisch zu überzeugen, wozu vor allem die Soundkulisse beiträgt. Es gibt zwar keinerlei Jumpscares oder ähnliches, das bedrückende Szenario sorgt aber beim Spieler für ein Unwohlsein, welches sich bis zum Schluss durch die Handlung zieht. Das Spiel lief während meines Testlaufs vollkommen flüssig, was für mich bei einem Horror-Titel ein Muss ist. Schleich- und Verfolgungspassagen machen nämlich nur Sinn, wenn diese bestmöglich und präzise absolviert werden können. Daher an dieser Stelle einen Daumen hoch von mir.


Was all diese Kinderhänder wohl zu bedeuten haben? © Redblack Spade

Was ich jedoch nicht unerwähnt lassen möchte, ist die Tatsache, dass es eine Stelle ins Spiel geschafft hat, welche so unheimlich nervig war, sodass ich schon dachte, die Nintendo Switch-Version leide an einem Bug. Ihr müsst als Spieler nämlich mehrere Schalter aktivieren, die von einem hexenartigen Wesen bewacht werden. Dieses Wesen tauchte aber so häufig wie aus dem Nichts auf, dass man als Spieler keinerlei Chance hat, ihr zu entkommen. Anschließend findet man sich in einem Güterzug wieder, welcher durchstreift werden muss, um dann wieder im Raum der Hexe zu landen. Dieses Szenario wiederholte sich bei mir unzählige Male, bis ich eine längere Pause einlegen musste. Dies nennt man dann wohl künstliches Strecken der Spielzeit.


Achja die Spielzeit. Wie bereits beschrieben, erwarten euch bei einem einfachen Durchspielen knapp drei bis vier Stunden Spaß. Anschließend könnt ihr das Abenteuer nochmals erleben, um nach allen übrigen Geheimnissen, welche ihr anfangs noch übersehen habt, zu suchen. Solltet ihr die Geschichte nicht verstanden haben, können diese zusätzlichen Informationen ein wirklicher Anreiz sein, sich nochmals durch das Horror-Haus zu schlagen. Sofern ihr die gefundenen Details jedoch mit etwas Hirnschmalz kombiniert, benötigt man meiner Meinung nach keinen zweiten Durchgang, vor allem, wenn man die frustrierende Stelle mit der ollen Hexe vor sich weiß.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Maik Styppa-Braun

Never Again ist ein Spiel, den Horror-Fans zumindest einmal gespielt haben sollten. Auf der Haben-Seite bekommt ihr nämlich einen spannenden und grusligen Titel spendiert, welcher vor allem mit seiner Geschichte überzeugt. Zwar ist diese bis zum Ende hin undurchsichtig und verworren, macht im Nachgang aber so viel Sinn, dass ich diese Art der Inszenierung unheimlich toll finde. Hinzu kommen die Gameplay-Elemente, die überzeugen konnten wie beispielsweise die Interaktionsmöglichkeiten mit der eigenen Umgebung und die Atmosphäre, die der Titel schafft. Zwar sind Steuerung, Spieldauer und vor allem die Langzeitmotivation Kritikpunkte, die man nicht außer Acht lassen darf, dennoch hat man Freude am Titel, wenn man sich auf diesen einlässt. Als Wunsch hinterlasse ich zum Abschluss noch, dass die Entwickler eine Bewegungssteuerung nachreichen, da diese das Spielgefühl noch deutlich verbessern würde.
Mein persönliches Highlight: Wie sich die undurchsichtige Geschichte zu einem stimmigen Gesamtbild zusammensetzt.

Die durchschnittliche Leserwertung

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