Geballte Shoot 'em up-Action in einem Paket

Ein Gameplaykonzept muss nicht immer kompliziert oder tiefgründig sein, um Substanz zu bieten. Seit Jahren führen wir mit Mario einfache Sprünge aus, jagen mit Pac-Man Highscores oder schubsen in Pong einen simplen Punkt hin und her. Was all diese Ideen gemeinsam haben sind ihre simplen Mechaniken, die sich selbst erklären, ohne auch nur ein Wort zu verlieren und somit die interagierende Natur des Mediums noch immer perfekt verkörpern. Ein Genre, das sich dieser Philosophie hinzugesellen darf, sind Shoot ’em ups. Meistens aus der Seiten- oder Draufsicht schießt ihr gegen Massen an Gegnern und verliert oftmals selbst nach schon einem Treffer ein Leben. Mit der Psikyo-Shooting-Stars-Alpha-Kollektion erhalten wir die Chance in eine Handvoll klassischer Shoot 'em ups zu tauchen, die teilweise nicht unterschiedlicher sein könnten und gerade deswegen interessante Vergleiche zulassen.


Mit der angepassten Darstellung lassen sich alle Informationen am Bildschirmrand sammeln. © NIS America

Bevor der Testbericht ausartet und jedes Spiel bis zum kleinsten Detail ausgeführt wird, ist es sehr viel anregender zu schauen, in welchem Kontrast die Ableger zueinanderstehen und inwiefern Fans des Genres Freude haben. Werfen wir dafür als Grundlage einen Blick auf Strikers 1945 – dem ältesten Spiel in dieser Liste. Aus der Vogelperspektive steuert ihr eine Flugmaschine und schießt in einem automatisch ablaufenden Level gegen Horden von feindlichen Einheiten, um am Ende auf einen Bossgegner zu treffen. Neben einfachen Schüssen lassen sich dabei besondere Raketen abfeuern, die in ihrem Einsatz begrenzt sind und nicht dauerhaft eingesetzt werden können. Kleine Power-ups, die immer wieder auf dem Spielbildschirm auftauchen, verstärken den Standardschuss oder versehen euch mit nützlichen Zusatzprojektilen, die automatisch losfeuern. Sollte euch ein Feind erwischen, verliert ihr nicht nur einen Zusatzversuch, sondern auch sämtliche Verstärkungen. Nach einer gewissen Anzahl von eingesteckten Treffern heißt es Game Over und ihr fangt erneut von vorne an. Was jetzt frustrierend und unheimlich streng klingt, ist nur das Ergebnis eines eigentlich motivierenden Systems: Die Highscorejagd.


An erster Stelle steht immer das Erreichen einer Höchstpunktzahl. Dieses Gameplay zieht sich durch annähernd alle Spiele der Kollektion und macht hauptsächlich den Wiederspielwert aus. Wer daran nicht interessiert ist, verbringt mit einem Ableger womöglich höchstens eine Stunde und wird damit ein kurzes Spielvergnügen haben. Für ein wenig Abwechslung sorgen unterschiedliche Flugmaschinen und eigenständig auswählbare Schwierigkeitsgrade. Diese Mechaniken ziehen sich durch alle Spiele und werden zu Beginn immer zuerst festgelegt. Grundsätzlich lässt sich zu den Nachfolgern Strikers 1945 II und Strikers 1945 III nicht mehr sagen – das Gameplay funktioniert fundamental gleich und bis auf den grafischen Vorsprung hat sich am Erlebnis nicht viel getan. Interessant wird es erst mit den nachfolgenden Shoot ’em ups, die gewisse Eigenständigkeiten aufweisen können.


Mit insgesamt sechs Spielen unterscheiden sich hauptsächlich jeweils drei Ableger stark voneinander.


Zero Gunner 2 ist der vermutlich noch ähnlichste Teil. Wie auch vorher verläuft das Gameplay im bekannten Stil, nur dass hier aufgrund der späteren Erstveröffentlichung einige Modernisierungen vorgenommen wurden. Um ein dynamischeres Leveldesign zu gewährleisten, ist es möglich sich nun um die eigene Achse zu drehen. Nicht nur erhaltet ihr dadurch eine erhöhte Flexibilität – auch Gegner tauchen jetzt nicht mehr ausschließlich aus dem oberen Bildschirmrand auf, sondern können von allen Richtungen überraschen. Die Grafik ist durch den dreidimensionalen Grafikstil weniger ansehnlich gealtert und mit nur drei Flugobjekten fällt die Auswahl spielbarer Maschinen etwas enttäuschend aus. Allerdings beeindrucken vor allem die inszenatorisch spannend aufgesetzten Bosskämpfe mithilfe ihrer unterschiedlichen Phasen und mächtigen Angriffen.


In Zero Gunner 2 erwartet euch die meiste Action. © NIS America

Mit Dragon Blaze erlebt ihr ein völlig neues Setting. Anstatt gegen Hubschrauber oder Kampfjets zu kämpfen, steuert ihr einen Drachen, der sich dämonische Wesen vorknöpft. Zugegeben – gameplaytechnisch mag sich nicht viel ändern, jedoch könnt ihr euren Drachen stets als eigenständige Einheit attackieren lassen, während ihr mit geschwächtem Angriff unabhängig den Reiter steuert. Das völlig neue Ambiente gibt der Kollektion Flair und stellt einen schönen, optischen Kontrast dar. Nicht weniger einzigartig ist Sol Divide – das einzige Spiel mit einer Handlung, wenn man es so nennen mag. Diese ist äußerst zweckdienlich und verlangt keinerlei weitere Erläuterung. Weshalb eine Erzählung überhaupt eingebaut wurde, zeigen die unterschiedlichen Charaktere, die allesamt eine eigene kleine Geschichte erzählen und somit auf verschiedene Gegner treffen. Tatsächlich hebt sich Sol Divide womöglich am meisten von seinen Genrekollegen ab. Zum einen wird das Erlebnis aus der Seitenansicht präsentiert, zum anderen ist die Herausforderung allgemein sehr viel seichter und erlaubt mehrere Gegentreffer. Was hier das Spielgefühl aber anders macht, ist das Magiesystem.


Mit den Schultertasten ist es euch erlaubt, zwischen ungleichen magischen Spezialangriffen auszuwählen, die durch das Besiegen von Gegnern aufgeladen werden. Rückt euch ein Feind zu sehr auf die Pelle, lässt sich ein etwas schwächlicher Nahangriff ausführen. Dass Gegner immer wieder zwischen Distanz und frontalen Gefechten wechseln, haucht den Leveln eine ähnliche Lebendigkeit ein, wie es in Zero Gunner 2 der Fall ist. Obwohl sich beide Spiele in ihrem Stil und der Darstellung so unheimlich unterscheiden, ist es immer wieder überraschend zu sehen, wie viel solche grundverschiedenen Ableger gemeinsam haben können. Der vermutlich größte Kritikpunkt liegt damit am Fehlen eines Spiels, das alle Verbesserungen und Fortschritte vereint. Glücklicherweise lässt sich jedes Shoot 'em up auch im Multiplayer mit einem weiteren Spieler genießen. Zu keinem Zeitpunkt kommt man sich in die Quere und der Schwierigkeitsgrad kann dadurch ein wenig aufgelockert werden. Der Soundtrack passt grundsätzlich zu jedem Spiel, unterstützt die jeweilige Situation ausreichend gut, bleibt aber nicht stark in Erinnerung. Grafisch besitzt der Großteil einen relativ charmant gealterten Ton, der wie bereits erwähnt nur in Zero Gunner 2 merklich altbacken wirkt.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Kevin Becker

Die Psikyo-Shooting-Stars-Alpha-Kollektion ist ein wunderbarer Zufluchtsort für Fans überladener Shoot ’em up-Action. Während die ersten drei Strikers 1945-Teile relativ ähnlich sind und bis auf marginale Änderungen keine Überraschungen parat halten, hebt sich der Rest der Sammlung stark ab und bietet spielerische sowie stilistische Abwechslung. Der Mehrspieler bringt Würze ins Geschehen und die größtenteils gut gealterten Grafikstile dürften manchen Spielern nostalgische Gefühle bescheren. Leider findet sich in der Kollektion kein Spiel, dass alle Entwicklungen in sich vereint, was der Sammlung eine schöne Zeitlinie der Weiterentwicklungen innerhalb des Genres gegeben hätte. Des Weiteren mag es manche nicht ganz positiv stimmen, dass die Hälfte der Spiele unheimlich gleichartig sind, anstatt auf Variation zu setzen. Highscore-Jäger erleben letztendlich jedoch ein motivierendes Schussgefecht, dass sich stets für schnelle Runden anbietet.
Mein persönliches Highlight: Zero Gunner 2 und seine Bosskämpfe

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • 5cool3me

    Untap, Upkeep, Draw.

    Ich hoffe andere Shmup Hersteller oder Lizenz Halter ziehen nach, für ne Cave.co.ltd mit DonPachi, DoDonPachi und DoDonPachi Resurrection würde ich den mein Geld nur so um die Ohren schlagen. Mir den Psikyo Shmups kann ich leider nicht soviel anfangen bis auf Gunbird und Cannon Spike. Toaplan‘s Batsugun würde ich auch gerne auf der Switch sehen, dann können ich mir das rumgemache mit dem JP Sega Saturn sparren.