FK... in the Coffee!

Zum besseren Verständnis dieses Tests bitte ich euch, die Einleitung zu lesen.


Ich betreibe in einem alternativen Seattle ein Café namens „Coffee Talk“. Gute Englischkenntnisse werden deshalb vorausgesetzt, alternativ können die Kunden aber auch Japanisch, Koreanisch oder Chinesisch sprechen. Das Besondere an meinem Café ist, dass ich es nachts geöffnet habe. Du kannst dir vorstellen, dass ich dort deshalb eine schräge Kundschaft begrüßen darf. In unserer Welt leben Menschen mit Fabelwesen wie Elfen, Orks, Vampire, Werwölfe oder auch Meerjungfrauen zusammen. Ich habe eine Stammkundin namens Freya, die für eine Zeitung Artikel schreibt, aber den Wunsch hegt, einen Roman mit ihrem Namen zu veröffentlichen. Willst du wissen, woher sie ihre Inspirationen holt? Aus meinem Café, in das sie fast täglich kommt und dabei den Geschichten der anderen Gäste lauscht. Dementsprechend versucht sie auch, ihren Roman direkt in meiner Lokalität zu schreiben. Ganz so zufrieden bin ich nicht, die Probleme und somit auch das Privatleben meiner Kunden gehören definitiv nicht in ein Buch. Aber sie versichert mir, dass sie nur auf der Suche nach Inspiration ist und nicht direkt das Gehörte eins zu eins übernimmt. Deshalb lasse ich sie einfach machen.


Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein riesiger Sprung für Neil. © Toge Productions

Seit neuestem kommt auch ein sehr ungewöhnliches Liebespärchen in mein Café, das leider eine schwere Zeit durchleben muss. Baileys ist ein Elf, der mit Lua, einem Sukkubus, zusammen ist. Die Eltern von beiden sind mit dieser Liebe überhaupt nicht einverstanden, vor allem Elfen haben bekanntlich einen immensen Stolz, der leider teils schon in ein rassistisches Denken gegenüber anderen Wesen resultiert. Na ja. Habe ich dir schon von den Kumpels Hyde und Gala erzählt? Hyde, ein Vampir, arbeitet als Model. Wusstest du, dass Vampire gerne als Models hergenommen werden, da sie mit ihrer Langlebigkeit sowie blassen Haut perfekt als Make-up-Werbeträger fungieren? Ich wusste es nicht, aber da sieht man wieder, wie betrügerisch Marken ihre Produkte vertreiben. Gala, ein Werwolf, arbeitet übrigens in einem Krankenhaus. Als Werwolf verfällt er bei Vollmond in einen blutrünstigen Zustand. Um in dieser Zeit einen kühlen Kopf zu wahren, bittet er mich um ein spezielles Getränk, das ihn beruhigt. Leichter gesagt als getan, denn seine Hinweise waren anfangs nur sehr vage. Nur mit vielmaligem Ausprobieren konnte ich irgendwann seinen beruhigenden Drink finden. Der wohl skurrilste Gast ist aber der Besucher aus dem All. Sein Wunsch ist es, sich mit einem Menschen zu paaren und die Bewohner der Erde besser zu verstehen. Leider klappt es dabei nicht so gut, denn viele seiner Dates erscheinen nicht zum vereinbarten Treffen. Ansonsten habe ich noch weitere Gäste, unter anderem Jorji, ein Polizist, Rachel, eine Katzenfrau, oder auch Aqua, eine Frau aus dem Ozean. Ich bin gerne Zuhörer ihrer Erzählungen und mir gefällt es, ihnen mit meinen Getränken gute Laune zu bescheren.


Was Personen wollen, ist manchmal nicht das, was sie auch wirklich brauchen


Als Barista habe ich natürlich ein großes Sortiment an Drinks. Als Grundbasis verwende ich Kaffee, Grünen Tee, Tee und Schokopulver, die ich jeweils um zwei weitere Komponenten erweitere. Unter anderem mische ich diese mit Ingwer, Zimt, Zitronen oder Milch. Je nachdem welche Zutaten ich zusammenführe, zaubere ich die verschiedensten Getränke. Auch die Reihenfolge des Mischens ist hierbei entscheidend. Um auch meine künstlerische Ader unter Beweis zu stellen, darf ich mithilfe des Milchschaums „Latte-Art“ vollführen. Damit bekomme ich schöne, einzigartige Muster auf die Getränke gezaubert, was mal gut und mal weniger gut klappt. Einfach ist diese Kunst definitiv nicht, aber mit etwas Übung bekommt man eindrucksvolle Kunstwerke hin. Oft ist meine künstlerische Ader aber nicht gefragt.


Hier mixen wir die verschiedenen Zutaten zusammen, um im besten Fall einen Teh Tarik zu bekommen. © Toge Productions

Natürlich ist es mein Ziel, meine Kundschaft glücklich zu machen. Wenn die Gäste mir direkt sagen, was sie wollen, kann ich die Rezeptur einfach auf meinem Handy nachlesen. Vorausgesetzt ich habe das gewünschte Rezept bereits einmal zubereitet. Manchmal geben sie mir aber auch nur grobe Hinweise, wie beispielsweise ein Getränk auf Kaffee-Basis, das aber süß und bitter gleichzeitig schmeckt. Mit diesen Angaben muss ich improvisieren und versuchen, das gewünschte Produkt zu erzielen. Anhand von Anzeigen, kann ich je nach Zutat die Veränderung der Geschmacksnote im Voraus erkennen. Dennoch ist es nicht immer einfach, auch wirklich genau den Geschmack des Kunden zu treffen. Bin ich mit dem zubereiteten Produkt unzufrieden, habe ich fünfmal die Möglichkeit, das Getränk wegzuschütten und von vorne zu beginnen. Danach muss ich die derzeitige Kreation aber aushändigen, sonst wäre es eine zu große Verschwendung. Nach dem Servieren bekomme ich sofort Feedback meiner Gäste, ob es das gewünschte Heißgetränk war oder ich komplett danebenlag. Dabei verändern sich manchmal sogar die Konversationen der Kunden. Jeden Tag kann ich dabei aufs Neue beginnen. Sollte ich durch das Mischen der verschiedenen Zutaten ein besonderes Getränk gezaubert haben, beispielsweise das südostasiatische Milchgetränk Teh Tarik, fügt es sich automatisch in meine Handy-Datenbank ein. Somit kann ich zukünftig schnell und einfach das gleiche wieder kreieren. Mir macht es sehr viel Spaß, herumzuexperimentieren und dabei mein Sortiment zu erweitern.


Ich selbst habe einst in einer Bar namens Va-11 Hall-A gearbeitet. Dort habe ich statt nichtalkoholischen Getränken diverse Cocktails für die Kunden gemixt. Der Job als Barkeeper hat sehr große Parallelen zu meinem derzeitigen als Barista. Auch hier durfte ich vieles von meinen Gästen erfahren. Die Gespräche in der Bar fand ich allerdings etwas interessanter als in meinem Café, das mag aber Geschmackssache sein. Während ich in der Bar „Va-11 Hall-A“ aber hauptsächlich mit nur einem oder zwei Kunden gleichzeitig im Austausch war, gefällt es mir im Café „Coffee Talk“ besser, dass bis zu vier Gäste gleichzeitig an den Tresen sitzen und damit ein reger Austausch aller Anwesenden herrscht. Das trägt sehr zum Ambiente bei. Zur Atmosphäre lasse ich im Hintergrund Jazz und Lo-Fi-Musik abspielen, das für eine wohlige und beruhigende Stimmung sorgt. Mithilfe meines Handys kann ich jedes verfügbare Lied selbst anwählen. Dort gibt es ebenso eine Blog-App, mit der ich Artikel lesen kann. Sollte ich mal keine Lust auf die Geschichten meiner Gäste haben, kann ich auch einfach so unbegrenzt nach Lust und Laune Getränke zubereiten. Außerdem kann ich mich zusätzlich selbst herausfordern und mit einem Zeitlimit die Wünsche meiner Kunden erfüllen und dabei einen Rekord aufstellen. Hiermit bin ich nun am Ende meiner Geschichte angelangt.


Barkeeper: Vielen Dank, dass du so offen warst und mir deine Geschichte anvertraut hast. Aber ich verstehe jetzt noch nicht so ganz, warum genau du so niedergeschlagen bist? Das klingt doch alles eher positiv?


Johannes: Meine Gäste haben herausgefunden, wer ich wirklich bin.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Johannes Bausch

Der Schreibstil dieses Tests unterscheidet sich diesmal etwas vom üblichen Prozedere. Genauso unterscheidet sich auch Coffee Talk von anderen Games. Das Spiel wird von den indonesischen Entwicklern Toge Productions selbst als ein „Emotionaler Talking-Simulator“ bezeichnet. Mit einem von Anime-Werken aus den 90er-Jahren inspirierten Look seid ihr Besitzer des Cafés „Coffee Talk“ und lauscht den Geschichten der einzelnen Besucher. Durch das (un-)erfolgreiche Zubereiten von Heißgetränken könnt ihr die Gespräche anders verlaufen lassen. Das Ganze resultiert in verschiedene Enden, doch schafft ihr es, das wahre Ende zu sehen? Unweigerlich erinnert Coffee Talk an den Titel Va-11 Hall-A, das ein sehr ähnliches Spielgefühl aufweist. Die Gespräche in der Barsimulation fand ich persönlich spannender, wohingegen bei Coffee Talk alles viel mehr auf Entspannung ausgerichtet ist. Allgemein ist der Titel nach einem langen und harten Arbeits- oder Schultag ein Wohlfühlbad für die Seele, um den angesammelten Stress für den Moment zu vergessen. Schnappt euch selbst einen Kaffee, kugelt euch aufs Sofa und lauscht den Geschichten der interessanten und skurrilen Gäste.
Mein persönliches Highlight: Der Charakter Neil, der immer in der „Wir-Form“ spricht.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • Encore

    Turmbaron

    Mir hat schon VA-11 Hall-A sehr gut gefallen und die Demo, die ich vor ein paar Monaten gespielt habe, hat mich auch von Coffee Talk überzeugt. Das Spiel werde ich mir demnächst also definitiv zulegen. Freue mich drauf. Gut geschriebener Test übrigens :thumbup:


    Kann man in der Switch-Version eigentlich den Touchscreen zum Auswählen benutzen?
    @Johannes Bausch

  • Johannes Bausch

    Redakteur

    @Encore Ja, du kannst mit dem Touchscreen eigentlich so gut wie alles steuern und anwählen. Nur wenn man Latte-Art verwendet, müssen Knöpfe betätigt werden.


    Danke für dein Lob :)