Könnt ihr eure fünf Profizocker zu Glanz und Ruhm führen?

In der vergangenen Zeit hat der E-Sport, also das kompetitive Spielen von Videospielen, gerade in Deutschland auch in der breiten Masse an Akzeptanz gewonnen. Allgegenwärtig ist dabei die Frage, ob man den elektronischen Sport auch als „echten“ Sport bezeichnen kann oder sogar muss. Im Gegensatz dazu erscheint es einerseits skurril, aber irgendwo auch „typisch deutsch“, dass in den sozialen Medien zusätzlich immer mal wieder eine hitzige Debatte über die Schreibweise des Fachbegriffs aufflammte: E-Sport, eSport oder doch ganz anders? Der Entwickler InImages scheint über diese Diskussion jedenfalls erhaben zu sein und veröffentlichte vor einiger Zeit den Titel ESport Manager.


Ursprünglich für den PC auf Steam erschienen, ist ESport Manager seit Ende August des vergangenen Jahres auch für die Nintendo Switch erhältlich und lässt sich in das Genre eines Simulators einordnen. Eure Aufgabe besteht dabei darin, ein junges E-Sport-Team von seinen Anfängen bis hin zum Weltruhm unterstützend zu begleiten. Nachdem ihr euch zu Beginn entschieden habt, ob ihr ein Team im Genre FPS (First-Person Shooter) oder MOBA (Multiplayer Online Battle Arena) aufbauen wollt, bekommt ihr ein Haus zur Verfügung gestellt, dass als Dreh- und Angelpunkt für das gesamte Geschehen dient. Dort behaltet ihr nicht nur die Werte eurer Spieler wie Müdigkeit, Hunger und Fitness im Auge, sondern kümmert euch auch um die übrigen Angelegenheiten einer Organisation wie das Verhandeln mit Sponsoren und dem Pflegen von Social-Media-Accounts.


In eurem Zocker-Heim werdet ihr vor allem mit vielen Buttons konfrontiert. Außerdem verhaken sich eure Profis gerne mal ineinander. © Ultimate Games

Was bereits an dieser Stelle negativ auffällt: Die Benutzeroberfläche ist vollgekleistert mit Menüpunkten, die in Form von kleinen, bebilderten Buttons dargestellt werden. Da diese nicht beschriftet sind, müsst ihr euch zu Beginn durch endlos aufploppende Textboxen klicken, die euch erklären möchten, was hinter den einzelnen Punkten steckt. Eine nette Geste, aber die Masse an Informationen, die hier auf den Spieler niederprasselt, hätte durch ein besser strukturiertes Tutorial eine höhere Chance gehabt, auf Anhieb verarbeitet und verstanden werden zu können. So tastet ihr euch aber erst einmal langsam voran, während das „Geschehen“ – eure Spieler schlurfen ziellos durch das Haus – bereits in vollem Gange ist. Bei eurer Entdeckertour stoßt ihr aber bereits auf das nächste Problem: die Steuerung.


Die Eingabemöglichkeiten sind ein klassisches Problem von Simulatoren, die ursprünglich für den PC erschienen sind und erst im Nachhinein auf eine Konsole portiert wurden. Denn auch hier erklären sich unter anderem die vielen Menüpunkte dadurch, dass der Titel auf eine Steuerung mit Maus und Tastatur ausgelegt ist. Nun bot sich aber gerade mit der Nintendo Switch die im Grunde einzigartige Möglichkeit, von dem vorhandenen Touchscreen Gebrauch zu machen. Aber Fehlanzeige: Auf der Hybridkonsole seid ihr zu meinem Unverständnis auf die Joy-Con oder den Controller angewiesen. Allerdings bleibt auch diese Umsetzung nicht frei von Kritik. So münden eure Eingaben häufig in einem aufploppenden Textfeld, in dem ihr eine Aktion bestätigen oder ablehnen könnt. Während man in der heutigen Zeit davon ausgehen kann, dass mit dem A-Knopf zugestimmt und der B-Taste abgebrochen wird, geht der ESport Manager andere Wege. Hier ist der A-Knopf universell einsetzbar, sodass ihr jede Aktion, die ihr ausführen möchtet – und sei es das Ablehnen – mit den Steuerungstasten anwählen und mit A bestätigen müsst.


Um nun aber allmählich in das eigentliche Kerngeschäft des ESport Managers einzusteigen: Da sich meine Affinität zu MOBA-Titeln eher in Grenzen hält, habe ich mich im Rahmen dieses Tests dazu entschieden, in die FPS-Welt einzutauchen. Beide Spielformen eint zu Beginn aber grundsätzlich, dass ihr stets die Wahl habt, entweder ein „Sparring“, also ein Trainingsmatch, zu initiieren oder direkt ein gewertetes Ligamatch zu bestreiten. Ihr startet in der Amateur-Liga und euer Ziel besteht natürlich darin, Sieg um Sieg in den Ligen aufzusteigen, um so die Gefilde des Profidaseins zu erreichen. Der vorliegend gespielte Fünf-gegen-fünf-Modus hat jedoch wenig mit seinem „echten“ Vorbild (Counter-Strike) gemein. Hier spielen nicht etwa Terroristen gegen eine Antiterroreinheit, sondern es geht darum, möglichst viele der insgesamt fünf Punkte auf einer Karte zu erobern und zu halten, um damit den eigenen Punktezähler rasant auf die siegbedeutenden 100 Punkte zu bringen. Wie es sich für ein Manager-Spiel gehört, seid ihr während einer Begegnung nicht selbst Akteur, sondern beobachtet aus der Vogelperspektive, wie sich euer Team gegen die gegnerische KI schlägt.


Während einer Partie geht es im FPS-Genre darum, möglichst viele Punkte zu erobern und zu halten. © Ultimate Games

Vor und auch während des laufenden Spiels habt ihr allerdings die Möglichkeit, kleinere Änderungen am Spielstil vorzunehmen. So könnt ihr für jeden eurer Profis individuell festlegen, welchen Laufweg – oben, unten, Mitte – sie einschlagen und ob sie dabei aggressiv, defensiv oder sowohl als auch vorgehen sollen. Mit dem euch während eines Matches zur Verfügung stehenden Budget, das ihr durch das Umlegen der gegnerischen Spieler verdient, kaufen sich eure Krieger zwar automatisiert Waffen und Ausrüstung, aber auch diesen Part könnt ihr bei Bedarf manuell übernehmen. Die richtige Taktik ist bei den meisten E-Sport-Titeln, wie auch bei solchen des FPS-Genres, unumstritten das A und O, weshalb die genannten Einstellungsmöglichkeiten in der Theorie durchaus Sinn ergeben, nur: Wie wirkt sich das auf das tatsächliche Spielgeschehen aus?


Die Antwort fällt ein weiteres Mal ernüchternd aus: quasi gar nicht. Sollten eure Spieler nun beispielsweise mit Schrotflinte, Sniper oder dem guten alten Maschinengewehr ausgestattet sein, an ihrer grundsätzlichen Vorgehensweise ändert das nichts. So ergibt es sich, dass Charaktere mit einem Scharfschützengewehr eindeutig im Nachteil sind, da sie schnurstracks ins Geschehen rennen und dort umgenietet werden, ehe sie einen zweiten Schuss abfeuern können. Weiterhin ist es zwar nett, den Laufweg bestimmen zu können, trotzdem bringt es im Endeffekt wenig, da euer Team einzig aus Einzelkämpfern zu bestehen scheint, die so lange nach vorne preschen, bis sie auf einen Gegner treffen und wieder ausgeschaltet werden. Das Einstellen eines koordinierten, gemeinsamen Vorgehens wäre hier essenziell – gerade um nach einem Rückstand wieder die Oberhand gewinnen zu können – ist aber nicht vorhanden.


So scheint sich der Ausgang einer Partie einzig an den vorhandenen, sogenannten „Perks“ zu orientieren, mit denen ihr eure Spieler ausstatten könnt. Diese Vorteile könnt ihr mit eurem verdienten Preisgeld nach und nach freischalten und euren Profis somit beispielsweise ein Plus für einen bestimmten Waffentypen verleihen. Vor dem Beginn einer Partie könnt ihr stets das gegnerische Team und die dort aktivierten Perks einsehen – allein anhand dessen könnt ihr also abschätzen, wie die Begegnung ablaufen wird: Habt ihr mehr Vorteile freischalten können, ist euch der Sieg fast schon gewiss, falls nicht, wird es frustrierend. Dass der ESport Manager im Grunde darauf runtergebrochen werden kann, ist sehr schade, gerade in Anbetracht dessen, dass die taktischen Einstellmöglichkeiten ja eigentlich vorhanden sind, nur eine zu geringe Auswirkung haben.


Da es sich bei den Vorgängen im Spiel fast ausschließlich um automatisiert ablaufende Prozesse handelt, ist die verwendete Polygon-Optik durchaus fragwürdig. Da man nicht selbst aktiv ins Geschehen eingreifen kann, muss sich das Spiel nicht auf allerlei Eventualitäten vorbereiten, sondern kann linear berechnen, was als Nächstes geschehen wird. Dadurch sollten in der Theorie Ressourcen in der Rechenkapazität frei werden, die gerne für die Darstellung einer aufwendigeren Optik hätten genutzt werden können. So verbleibt das Spiel aber im Baumännchen-Look, was mir persönlich nicht zusagt, aber trotz allem sicherlich den einen oder anderen Fan findet.

Unser Fazit

3

Eher nicht überzeugend

Meinung von Chris Holletschek

Ich habe den Eindruck, dass der ESport Manager nicht mit der nötigen Sorgfalt auf die Nintendo Switch portiert wurde. Gerade in Anbetracht der wachsenden Popularität des E-Sports bietet der Titel ein interessantes Konzept für ein Manager-Spiel, ist aber letztlich leider doch mehr Schein als Sein. Die Benutzeroberfläche ist überfrachtet mit Menüpunkten, kontinuierlich aufploppende Textboxen werden mehr als störend denn hilfreich empfunden und die fehlende Unterstützung der Touchscreen-Funktion erschwert die Navigation ungemein. Die in der Theorie vorhandenen taktischen Elemente sind darüber hinaus ausbaufähig und zeigen während einer Partie keine Wirkung, sodass sich alles auf das Freischalten von Vorteilen konzentriert. Solltet ihr dennoch an dem Titel interessiert sein, rate ich zur ursprünglichen Variante auf Steam – dort gelangt ihr immerhin in den Genuss der Eingabemöglichkeit mit Maus und Tastatur.

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