Rette die Welt, kleiner Waldgeist!

Das Interesse an Spielen von Indie-Entwicklern steigt immer mehr an. Viele Spieler freuen sich dabei vor allem über neue Spielmechaniken oder Grafikstile, an die sich große AAA-Studios nicht wagen, um kein Risiko einzugehen. Zu diesen kleinen Studios gehört auch der britische Entwickler Five12Games. Das Zwei-Mann-Projekt, bestehend aus zwei britischen Studenten, hat es sich zum Ziel gemacht, wunderschöne Spiele zu entwickeln, die darüber hinaus auch noch viel Spaß bereiten. Mit Orn: The Tiny Forest Sprite ist nun der erste Vertreter aus diesem Hause auf der Nintendo Switch gelandet. Wie sich der 2D-Platformer rund um den kleinen Waldgeist schlägt, erfahrt ihr im folgenden Test.


Das Spiel bietet viele schöne Umgebungen... © Five12Games

In Orn: The Tiny Forest Sprite schlüpft ihr in die Rolle des kleinen, namensgebenden Waldgeistes Orn. Dieser hat die heldenhafte und zugleich gefährliche Aufgabe den bösen Nalu aufzuhalten. Der dunkle Tyrann, der wie aus dem Nichts auftaucht, bedroht die Welt unseres Heldens mit der Absicht alles Licht zu verschlingen und sie somit in ewige Dunkelheit zu hüllen. Um seine Mission zu erfüllen und wieder Frieden in die Welt zu bringen, muss Orn magische Kristallsplitter finden, die Nalu für immer verbannen können. Soweit zur grundlegenden, generischen Geschichte, die euch im Spiel erwartet. Es gibt keine weiteren Hintergrundinformationen zu unserem Helden, der Welt in der wir uns befinden oder deren Bewohner. Stattdessen starten wir in ein kleines Tutorial, was uns in die grundlegende Steuerung und die wichtigsten Mechaniken einführt.


Das Gameplay von Orn: The Tiny Forest Sprite ist leider der größte Kritikpunkt. Allem voran steht da die Sprungmechanik, die für einen Platformer nun einmal sehr essenziell ist. Sobald sich Orn in der Luft befindet, verliert ihr jegliche Kontrolle über den kleinen Kerl. Dazu kommt noch eine sehr fragwürdige Entscheidung, die die Möglichkeit des Springens betrifft. Zu Beginn sammelt ihr eine Frucht ein, die euch eine Anzeige für eure verfügbare Sprungkraft gibt. Denn damit unser kleiner Held sich per Knopfdruck in die Lüfte erheben kann, müsst ihr zuerst diese Leiste per Tastendruck füllen. Das bedeutet, dass ihr immer wieder den Y-Knopf drücken müsst, um die Anzeige mit genügend Energie zu füllen. Bei jedem Sprung leert sich diese Anzeige dann immer wieder um ein kurzes Segment. Vergesst ihr also das Auffüllen, fallt ihr in den nächsten Abgrund, da ihr nicht mehr springen könnnt. Das ist auf Dauer nervig statt innovativ und bringt eher Frust als Lust. Abhilfe schaffen da in jedem Level ein paar Checkpunkte, die dafür sorgen, dass ihr nicht immer wieder komplett von vorn anfangen müsst. Dazu kommt aber noch die Tatsache, dass die Leiste nach einem Tod immer erst wieder aufgefüllt werden muss. So endet ein Neustart schnell wieder in einem Game-Over-Bildschirm, wenn ihr vergesst die Leiste aufzufüllen, da sich viele Checkpunkte direkt vor einem Abgrund befinden.


... die euch aber auch die Sicht nehmen können. © Five12Games

Neben der eigenwilligen Sprungmechanik gibt noch drei Runen, die euch mit weiteren Fähigkeiten ausstatten. Mit der ersten, der Terra-Rune, die ihr direkt im ersten Level erhaltet, bekommt ihr eure ersten Zusatzfähigkeiten. Zum einen könnt ihr wie aus dem Nichts Plattformen aus Erde über Abgründen erscheinen lassen. Zusätzlich bekommt ihr noch eine Sprint-Funktion, um schneller voranzukommen und einen telepathischen Angriff, um Feinde in der Nähe außer Gefecht zu setzen. Als Nächstes erhaltet ihr die Frost-Rune. Diese hilft euch dabei, brennende Hindernisse zu überwinden, ohne dabei selbst in Flammen aufzugehen. Außerdem gibt sie euch die Möglichkeit, euch ein Stück nach vorn zu teleportieren. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn auch hier könnt ihr schnell ins Gras beißen, da die Fähigkeit ebenso unzuverlässig ist, wie das Springen. Die letzte Rune ist die Darkroot-Rune, die es euch ermöglicht, dunkle Barrieren zu überwinden. Damit ihr die Kräfte nutzen könnt, müsst ihr sie erst über die Pfeiltasten aktivieren. Es kann allerdings immer nur eine Runenkraft aktiviert sein, so müsst ihr immer wieder zwischen den jeweiligen Kräften hin und her wechseln, die ihr gerade benötigt. Hier ist ebenfalls Vorsicht geboten, denn die Frost- und Darkroot-Runen bringen euch um, wenn ihr sie zu lange aktiviert lasst.


Die visuelle Umsetzung ist hingegen sehr niedlich und ansprechend geworden. Der handgezeichnete japanische Kunststil, der direkt an Spiele wie Okami erinnert, macht einiges her und besticht durch viele bunte Farben. Vor allem Orn selbst ist sehr süß dargestellt. Die Umgebungen, die in fünf Kapitel unterteilt sind, sind abwechslungsreich und wirken sehr räumlich, da auch Elemente im Vorder- und Hintergrund dargestellt werden. Jedoch können auch diese Vordergrundelemente, wie Gras und andere Pflanzen, schnell zu einem ungewohnten Tod führen, da sie einen großen Teil des Bildschirms verdecken. So müssen manche Sprünge blind vollführt werden oder ihr lauft in Gegner, die ihr vorher gar nicht im Blick hattet. Die musikalische Untermalung ist angenehm passend und hält sich im Hintergrund. Jedoch wird die Musik bei jedem Neustart zurückgesetzt, was euch nach jedem Tod immer wieder den gleichen Teil der Musik vorspielt.

Unser Fazit

3

Eher nicht überzeugend

Meinung von Thomas Kurth

Orn: The Tiny Forest Sprite ist leider ein Problemkind. Es ist niedlich, birgt aber hinter der schönen Fassade viele Probleme. Die schwammige Sprungphysik gepaart mit der gewöhnungsbedürftigen Sprunganzeige machen dem Platformer schwer zu schaffen und steigern so schnell den Frust auf ein hohes Level. Die Runen bringen noch ein paar zusätzliche nette Mechaniken ins Spiel, bei denen allerdings ebenfalls die Umsetzung ein Problem darstellt und ihr eher im Grab landet als am Ende des Levels. Auch die liebevollen Grafiken und wunderschönen abwechslungsreichen Umgebungen können nicht die Negativpunkte aufwiegen, die das Gameplay mit sich bringt.
Mein persönliches Highlight: Die liebevolle Grafik

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 4

  • Deny

    Turmheld

    Guter Test


    Schade, dass das Spiel nicht gut ist

  • Mr_Ananas

    Turmbaron

    Das ist dann wohl die Uwe Boll-Version von Ori and the blind Forest.

  • Wowan14

    Gamer aus Leidenschaft

    Wenn man schon ein Spiel etwas kopiert dann könnte man ruhig sich mehr Mühe mit der Umsetzung geben, wenn man schon in Sachen Ideenfindung und alles was damit zutun hat an Ressourcen spart...

  • Irves | Julian

    Moderator

    Da mich der Trailer angesprochen hatte, habe ich mir Orn im letzten Monat gekauft und angespielt. Leider ist das Spiel tatsächlich nicht gut. Das größte Manko ist meiner Meinung nach die Steuerung, insbesondere das Sprungverhalten des Charakters. Außerdem benötigt man trotz Checkpoints eine hohe Frusttoleranz. Bei mir ist es schlussendlich beim Anspielen geblieben.