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Test zu The Walking Dead: Season Two - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: The Walking Dead: Season Two
  • USA USA: The Walking Dead: Season Two
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
21.01.2020
Vertrieb
Skybound Games
Entwickler
Telltale Games
Genre
Adventure
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Sie ist doch noch ein Kind!

Von Felix Kraus () Mit The Walking Dead: Season Two kommen seit Ende des letzten Monats auch Spieler der Nintendo Switch in den Genuss des Nachfolgers des hochgelobten, ursprünglich 2012 erschienenen The Walking Dead: Season One. Während die erste und die letzte Staffel des Zombieabenteuers schon seit längerem auf der Nintendo Switch zur Verfügung stehen, war es lange Zeit unklar, wann und ob Staffel zwei und drei für Nintendos Hybridkonsole erscheinen. Nun, da sich das Chaos rund um Schöpfer Telltale Games etwas gelegt hat, sind die beiden Titel überraschend veröffentlicht worden. Ob der zweite Teil die Geschichte des Vorgängers würdig fortsetzt, erfahrt ihr in den nachfolgenden Zeilen.

Ihr dürft im Spiel allerlei Entscheidungen treffen. Der weiße Balken zeigt euch an, wie viel Zeit euch noch zum Antworten bleibt. © Skybound Games

Die Geschichte von The Walking Dead: Season Two fängt dort an, wo dessen Vorgänger aufhört. Ihr schlüpft in die Rolle von Clementine, einem elfjährigen Mädchen, das während der Zombieapokalypse aufwächst und welches ihr als Lee Everett in The Walking Dead: The Complete First Season noch beschützt habt. Wie auch schon in der ersten Staffel, stoßt ihr im Nachfolger auf verschiedene Personen, die sich in ihrer Moral und in ihrem Motiv voneinander unterscheiden, allerdings aufgrund des gemeinsamen Ziels, nämlich zu überleben, dazu gezwungen werden, auf engstem Raum zusammen zu leben und zu arbeiten, was in Kombination mit der ständigen Angst und Ungewissheit nicht selten zu heftigen Konflikten führt. Gemeinsam seid ihr auf der Suche nach einer Zuflucht inmitten einer menschenfeindlichen Welt.

The Walking Dead: Season Two funktioniert haargenau wie sein Vorgänger, nur dass ihr jetzt die Kontrolle von Clementine übernehmt, wie es sich bereits am Ende des Vorgängers angedeutet hat. Ihr trefft über fünf Episoden hinweg Entscheidungen, die den Verlauf der gezeigten Geschichte stellenweise maßgeblich beeinflussen. Nicht selten nehmt ihr als Spieler eine eher passive Rolle ein und werdet erst aktiv, wenn euch das Spiel zu einer Eingabe auffordert, welche ihr dann in einem vorgegebenen Zeitfenster tätigen müsst. Zwar existieren auch Passagen, in denen ihr euch innerhalb eines begrenzten Gebiets frei bewegen dürft, allerdings dienen diese eher als Ruhefindung zwischen all dem Tumult, den ihr oft erdulden müsst. Jedoch spielt sich das Sequel insgesamt etwas flotter, abwechslungsreicher und dynamischer, da die Grundformel mit dem ursprünglich vorher erschienenen The Wolf Among Us geringfügig überarbeitet und auf die folgenden Titel angewandt wurde. So spielen sich Quicktime-Events intuitiver und weniger holprig als noch im Vorgänger. Zudem lässt sich ein ausgewogeneres Verhältnis der einzelner Passagen erkennen, was dem Gefühl von künstlichen Längen entgegenwirkt. Besitzt ihr übrigens The Walking Dead: The Complete First Season für eure Nintendo Switch könnt ihr die Entscheidungen, die ihr darin getroffen habt, in den zweiten Teil mitnehmen. Erwartet allerdings keine massiven Auswirkungen. Hier ändert sich primär die Art, wie man über euch und die alte Gruppe spricht. Aus Mangel eines alten Spielstandes musste ich hierfür allerdings auf Internetrecherche zurückgreifen, da meine beiden Durchgänge der ersten Staffel auf dem PC stattfanden. Hier wäre ein Transfer der Speicherdaten schick gewesen.

Die Zombies, hier "Walker" genannt, stellen nicht die einzige Gefahr dar, die euch auf eurem Weg begegnet. © Skybound Games

Obgleich seiner eher passiven Natur, ist The Walking Dead: Season Two wie schon sein Vorgänger kein Spiel für einen gemütlichen Abend, denn es ist einfach nervenaufreibend und emotional packend. Das stellenweise strikte Zeitlimit für manche Entscheidungen setzt dem Ganzen die Krone auf. Hier solltet ihr euch allerdings zusammenreißen, nicht den Home-Button der Nintendo Switch zu betätigen. Dieser führt zwar zur ersehnten Pause und mehr Zeit zur Entscheidungsfindung, zerstört aber geringfügig die Wirkung des Titels. Das Spiel wird gelegentlich sehr stressig, aber das muss auch so sein. Anfangs mag es euch vielleicht noch gelingen, die Ruhe in der Gruppe zu wahren, doch gestaltet sich dieses Unterfangen mit zunehmendem Fortschritt immer schwerer, da immer mehr Parteien hinzukommen und die Stimmung zumeist brodelt. Irgendwann müsst ihr dann auch Farbe bekennen. Denn auch in diesem Teil der Serie sind die Zombies – im Spiel "Walker" genannt – nur die sekundäre Bedrohung, während die eigentliche Gefahr von den anderen Überlebenden ausgeht, deren chaotisches Verhalten die gesamte Gruppe belastet und deren Überlebenschancen mindert.

Es empfiehlt sich übrigens, die Hinweise im Pausenmenü abzuschalten. Die Rätsel in The Walking Dead: Season Two entpuppen sich im Verhältnis zu anderen Abenteuerspielen selten als richtige Kopfnüsse, weshalb man gut auf die ständige Markierung von Interaktionsmöglichkeiten verzichten kann. Zudem genießt ihr dann den Vorteil der Unkenntnis. Was zunächst nach einem Nachteil klingt, wertet das Spielgeschehen ungemein auf. Normalerweise erhaltet ihr am Bildschirmrand einen zusätzlichen Hinweis, nachdem ihr gewisse Entscheidungen getroffen habt. Dieser gibt euch eine grobe Info darüber, inwiefern eure Antwort die Beziehung zu dem betroffenen Charakter beeinflusst hat. Ihr verlasst euch also weniger auf Mimik und Gestik eures Gegenübers, was der Immersion schadet - außerdem mindert es die Überraschung einiger charakterbezogenen Wendungen. Tut euch auch den Gefallen und manipuliert nicht nachträglich eure Entscheidungen. Diese sollen instinktiv und ohne Wissen um deren Auswirkungen getroffen werden. Nur so entfaltet sich die volle Magie der "The Walking Dead"-Titel aus dem Hause Telltale Games.

Die überarbeiteten Quick-Time-Events lockern das Spielgeschehen auf und sorgen für eine Gewisse Dynamik. © Skybound Games

Natürlich ist das Ganze nicht frei von Kritik. Manche Auswahlmöglichkeiten lesen sich zunächst anders, als sie schlussendlich wiedergegeben werden. So kann es schon mal vorkommen, dass Clementine einen Charakter anblafft, ohne dass das von euch so beabsichtigt war. Dies kommt allerdings ziemlich selten vor. Darüber hinaus leidet die Glaubwürdigkeit der Geschichte etwas darunter, dass ihr ein elfjähriges Mädchen spielt, die sich stellenweise allerdings wie ein Erwachsener artikuliert und dem mordsviele Aufgaben aufgebürdet werden. Ihr solltet darüber hinaus über moderate Englischkenntnisse verfügen. Das Spiel bietet zwar deutsche Texte, vertont wurde das Ganze allerdings ausschließlich in englischer Sprache. Das vermutlich größte Argument der Krtiker zielt wohl auf die Entscheidungsfreiheit der einzelnen Titel ab. Ihr könnt zwar den Verlauf der Geschichte stellenweise stark beeinflussen, das eigentliche Ende jedoch weniger. Des Weiteren wurde sich nicht selten darüber beschwert, dass vor allem die folgenschweren Entscheidungen zu binär ablaufen. Abschließend hat die vergangene Spieleflut vonseiten Telltale Games für starke Abnutzungserscheinungen an der allgemeinen Formel gesorgt.

Optisch macht The Walking Dead: Season Two eine gute Figur auf Nintendos Hybridkonsole. Es empfiehlt sich allerdings, das Spiel im TV-Modus der Nintendo Switch zu spielen, da die Auflösung besser ausfällt, wodurch das Lesen der Texte vereinfacht und insgesamt für ein schöneres Bild gesorgt wird. Standardmäßig ist die Option "Grafisches Schwarz" aktiviert, welche einen kontrastreicheren Comic-Look zur Folge hat. Je nachdem, wie es euch beliebt, könnt ihr diese an- oder abstellen - ich persönlich empfand die Einstellung als zu dunkel. An der Bildrate gibt es nichts auszusetzen: Das Spiel läuft auf der Nintendo Switch durchgehend stabil und zeigt keinerlei nennenswerte Einbrüche. Auch der Sound weiß weitgehend zu überzeugen. Manchmal erschienen mir manche Stimmen zu leise abgemischt, was aber eher die Ausnahme darstellt. Der nuancierte Einsatz von Musik darf auch in der zweiten Staffeln wieder gelobt werden.

Abschließend ist noch ein Hinweis bezüglich des Gewaltgrades angebracht. Trotz der Comic-Optik scheut The Walking Dead nicht vor dem Einsatz expliziter Gewalt. Das geschieht zwar alles im Kontext der Geschichte, allerdings macht es das nicht weniger grausam. Inwiefern ihr euch an der Gewalt beteiltigt, könnt ihr zwar selbst entscheiden, deswegen kommt ihr aber noch lange nicht drumherum. Hier sterben nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder. Wer diesbezüglich empfindlich reagiert, dem sei von The Walking Dead: Season Two abzuraten.

Redaktionswertung

8

Spiele-Hit

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Unser Fazit zu The Walking Dead: Season Two

Meinung von Felix Kraus
Ich bin einer der wenigen Glücklichen, die außer The Walking Dead: Season One und The Wolf Among Us bisher nichts aus dem Hause Telltale Games angerührt haben, weshalb sich bei mir noch keine Übersättigung des Spielprinzips einstellen konnte. Das Abenteuer ist wie gewohnt spannend und nicht weniger emotional. Im Vergleich zum Vorgänger spielt sich der Nachfolger flüssiger und weniger holprig, sodass sich die Spielzeit von etwa zehn Stunden zu keiner Zeit in die Länge gezogen anfühlt. Lasst ihr euch darauf ein, kann euch auch dieses Mal die Geschichte wieder mitreißen, insofern ihr das Spiel als das betrachtet, was es ist: Eine interaktive Serie, respektive ein interaktiver Film. Da stört es auch nicht allzu sehr, dass Clementine mit ihren elf Jahren arg erwachsen wirkt und von anderen so wahrgenommen wird.
Mein persönliches Highlight: Das Wiedersehen mit einem alten Freund.

Kommentare 4

  • Mattos313 Turmritter - 14.02.2020 - 14:30

    Clementine ist erst elf...!? Oha. Hätte sie im ersten Teil vielleicht so eingeschätzt, aber hier? Kommt einem schon irgendwie älter vor.
  • Darklink666 Turmritter - 14.02.2020 - 14:53

    Mir hat dieser Teil fast besser als der Erste gefallen. Clem ist einfach durch den Werdegang ein irrsinnig interessanter Charakter. Hier prägt sich ihre Persönlichkeit und hier findet ihre Emanzipation trotz des sehr jungen Alters statt.
    Ich freue mich, dass man endlich die komplette Geschichte auf Switch spielen kann. Ich hoffe, dass es nun auch die Definitive Series Collection mit der gesamten Serie auf Cartridge(s) erscheint.
  • Felix Kraus Salziger Spucknapf – Ehrengast - 14.02.2020 - 14:58

    @Mattos313 Ich war ebenfalls verwundert, aber ja, sie ist in dieser Staffel tatsächlich erst elf.
  • bubisaurus Turmritter - 14.02.2020 - 16:19

    @Mattos313 und @Felix Kraus
    Ein wichtiges Kernelement - wenn nicht das wichtigste - der Comics ist Carls Aufwachsen in dieser neuen Welt und unter den gegebenen Umständen. Unschuld und Erwachsenwerden sind da zentrale Themen und dasselbe gilt in dieser Videospielreihe letztlich auch für Clementine. Wir können natürlich nur spekulieren, wie ein Kind sich entwickelt, wenn es unter den in "The Walking Dead" herrschenden Umständen aufwachsen muss. Gleichzeitig braucht es nicht einmal den Überlebenskampf wegen Untoten, um die soziale Kindheit früh ausklingen zu lassen. In unserer zombiefreien Welt gibt es auch elfjährige Kinder, die wir in ihrem Verhalten älter einschätzen würden. Im ersten Teil der Reihe wird Clem ja noch weitestgehend beschützt und sogar teilweise abgeschirmt. In den Jahren danach, die zum zweiten Teil führen, hat sie mehr selbstverantwortlich durchkommen müssen. Ich denke, ich finde Clementines Entwicklung und Charakter mit elf in diesem Setting sogar glaubhaft. Die Authentizität ist ja irgendwo auch eine Stärke dieser Spiele.

    Ganz allgemein: ich mag die Telltale-Spiele sehr gerne und fühle mich nach wie vor nicht übersättigt. Es ist ab und zu auch mal ganz nett, auf diese Weise in eine Welt einzutauchen. Das von dir erwähnte "The Wolf among us" fand ich total stark, Felix. Ich freue mich tierisch auf den zweiten Teil davon und bin froh, dass Telltale neu gegründet wurde und nicht für immer verschwunden ist. Die Spiele zu "The Walking Dead" sind meiner Meinung nach stärker als die Serie und haben mich gut unterhalten. Schön, dass dem tollen zweiten Teil hier ein Test gewidmet wurde. Danke dir.