Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

Test zu Code: Realize - Guardian of Rebirth - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Code: Realize - Guardian of Rebirth
  • USA USA: Code: Realize - Guardian of Rebirth
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
06.02.2020
Vertrieb
Aksys Games
Entwickler
Idea Factory
Genre
Adventure
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
Besitzt du dieses Spiel?
Anmelden
Magst du dieses Spiel?
Jetzt kaufen und ntower unterstützen
eBay

Der Tod ist nur eine Berührung entfernt

Von Kevin Becker () Nach etwa sechs Jahren seit der Erstveröffentlichung erscheint mit Code: Realize - Guardian of Rebirth die Visual Novel nun auch auf der Nintendo Switch. Obwohl das einzigartige Genre für viele Spieler mittlerweile kein Fremdwort mehr sein sollte und die von kunstvollen Illustrationen begleiteten Geschichten nun eine Bandbreite an unterschiedlichen Erzählungen für die Hybridkonsole bereithalten, schadet es nicht für Neulinge von Anfang an klarzustellen, dass man hier kein klassisches Gameplay erwarten sollte. Anstatt eine Spielfigur manuell zu steuern, verfolgt ihr stattdessen einen ununterbrochenen Handlungsstrang, der hauptsächlich von seinen Charakteren und ihren Dialogen getragen wird. Malerische Bilder und Hintergründe unterstützen dabei das Geschehen und tragen ihren Teil für ein immersives Erlebnis bei. Am wichtigsten ist aber letztendlich die Geschichte, welche entscheidet, ob das Spiel seinem Genre gerecht wird.

Künstlerisch weiß das Spiel zu überzeugen. © Aksys Games

Es ist das Jahr 1853 und England, besser gesagt Steel London, befindet sich inmitten einer fortgeschrittenen Industrialisierung, die wesentliche gesellschaftliche Einflüsse hat. Fahrende Maschinen, dampfbetriebene Techniken und völlig neue Erfindungen sorgen für Staunen, während am Rande der Stadt eine abgelegene Villa in den Wäldern ein Geheimnis beherbergt: Die junge Frau Cardia lebt dort seit Jahren in Einsamkeit und kann aufgrund einer gefährlichen Krankheit keinen Körperkontakt mit anderen Lebewesen herstellen. Schnell zeigen sich die Folgen, als Soldaten versuchen, das Mädchen zu entführen: Augenblicklich bemerken sie, dass eine simple Berührung ihrer Haut reicht, um den Betroffenen unter großen Qualen schmelzen zu lassen. Ungeachtet der Gefahr lassen sich die Einbrecher von ihrem Vorhaben aber nicht abbringen und nehmen Cardia mit größter Vorsicht in Gefangenschaft. Gerade als sie mit ihrem sinnlosen Leben abschließen will, erscheint ein mysteriöser Dieb namens Arsène Lupin, stellt den Verbrechern eine Falle und rettet die junge Dame, um sie in Sicherheit zu bringen. Mit dem Versprechen, einen ihrer sehnlichsten Wünsche zu erfüllen, um im Gegenzug ihr Herz zu erhalten, begibt sich das Duo nach Steel London, um den Grund ihrer Krankheit in Hoffnung auf eine mögliche Heilung aufzudecken.

Selbstverständlich lernt ihr im Verlauf des Spiels weitere, männliche Charaktere kennen, die sich der Hauptgruppe anschließen. Da wäre zum einen Impey Barbicane – ein tollpatschiger, aber unheimlich talentierter Ingenieur, der in seiner Freizeit gerne kocht und mithilfe seiner Erfindungen eines Tages auf dem Mond landen möchte. Zum anderen haben wir Victor Frankenstein, der dank seiner hohen Intelligenz nicht nur ein anerkannter Alchemist ist, sondern auch rätselhafterweise auf der Abschussliste der Regierung steht. Interessanterweise ist ein Großteil der Charaktere namentlich an reale historische Figuren angelehnt, wurden aber neu interpretiert. Was sie teilweise zu anregenden Figuren macht, sind kleine Mysterien, die entweder absurd klingen oder Überlegungen zulassen. Die Reise zum Mond ist aus heutiger Sicht keine Unvorstellbarkeit mehr – aus der Perspektive eines Ingenieurs im 19. Jahrhundert jedoch wirkt dieses Vorhaben allzu abenteuerlich, weswegen die Charaktere passenderweise weniger über das hochgestochene Vorhaben staunen und stattdessen auf die bloße Idee verblüfft reagieren. Zu sagen, dass solche Details selbstverständlich immer im Kontext der Zeit beachtet werden sollten, ist zwar an sich richtig, können aber schnell vergessen oder nicht beachtet werden – selbst vom Autor oder Spieler.

Die Spieldauer hängt stark von erneuten Durchläufen ab.

Perfekt ist die Immersion des Settings allerdings nicht, wenn Maschinen oder Techniken vorkommen, die dem angegebenen Zeitalter eigentlich noch Dekaden voraus sind und dadurch unglaubwürdig wirken. Nicht besser wird diese Tatsache durch das Design mancher Charaktere. So erinnern extrem stilisierte Kopfhörer stets an diesen Fehltritt und können Spieler aus der Welt herausreißen. Ebenso unverständlich verhält sich die Protagonistin vor allem zu Beginn der Geschichte. Wer jahrelang in Isolation lebt und keine sozialen Kontakte pflegt, sollte womöglich weniger offen gegenüber Fremden sein, selbst wenn sie freundlich und zuvorkommend wirken. Auch scheint Cardia kein Problem damit zu haben, in Problemsituation an der Hand oder gleich am ganzen Körper gepackt zu werden, obwohl die junge Frau aufgrund ihrer Krankheit eine natürliche Abneigung gegenüber physischen Berührungen besitzen sollte. Auffallend negativ sind diese kleinen Lücken nicht, allerdings wären sie ein wunderbares Stilmittel gewesen, eine visuelle Charakterentwicklung darzustellen, indem Cardia vermehrt beginnt, auf andere Menschen körperlich zuzugehen.

Im Verzeichnis lassen sich sämtliche Begriffe oder wichtige Persönlichkeiten nachschlagen. © Aksys Games

Der Erzählstrang kann sich genretypisch je nach euren Entscheidungen in unterschiedliche Szenarien aufteilen. Ohne viel zu spoilern, betrifft dies hauptsächlich die männlichen Charaktere der Gruppe, die allesamt verschieden starke Beziehungen zu Cardia aufbauen können. Ist das Ende der Geschichte erst einmal erreicht, kann problemlos ein erneuter Durchlauf ab dem Punkt gestartet werden, in dem die Handlung einen anderen Verlauf annehmen kann. Hin und wieder werdet ihr außerdem vor Entscheidungen gestellt, die das Spiel frühzeitig beenden lassen und als Scherz verstanden werden sollten. Hierfür eignet sich die Schnellspeicherfunktion, die euch zu jedem vorher festgelegten Speicherpunkt springen lässt, um euch beispielsweise so viele Entscheidungsmöglichkeiten wie möglich erleben zulassen, ohne jedes Mal ein neues Abenteuer starten zu müssen. Selbstverständlich lässt sich der Fortschritt aber auch regulär zu jedem Zeitpunkt im Spiel festhalten. Fallen in Dialogen besondere, erklärungsbedürftige Begriffe oder Namen wichtiger Figuren, taucht auf dem Bildschirm ein kleiner Hinweis auf, der optional den Hintergrund oder die Bedeutung erläutert. Nicht nur werden dadurch unnötige Expositionen gerade am Anfang des Spiels verhindert – das Glossar ist gleichermaßen ein kleines Tagebuch, in dem ihr immer wieder eure Erinnerungen auffrischen könnt, sollte ein Charakter beispielsweise nach einer längeren Zeit wieder erwähnt werden, den ihr vielleicht bereits vergessen habt.

Eine weitere kleine Schatzbox lässt sich im Hauptmenü finden, wo ihr unter Extras erneut Musikstücken lauschen oder besondere Sequenzen – beispielsweise das Opening – anschauen könnt. Hier hätte es sich tatsächlich angeboten, sämtliche Hintergründe und Illustrationen gesammelt in einem Album anzubieten. Besondere Werke können in einer Galerie begutachtet werden, jedoch fehlen viele weitere Bilder, die allesamt einen Platz in der Sammlung verdient hätten. An diesem Punkt möchte ich also betonen, dass das malerische Talent fortdauernd zu erkennen ist und sich in jedem Charakterdesign oder Hintergrund zeigt. Wie es für das Genre allerdings leider üblich ist, werden euch keine deutschen Bildschirmtexte zur Verfügung gestellt – genauso entfällt eine englische Synchronisation. Merkwürdigerweise fällt die Lautstärke der japanischen Stimmen aber extrem leise aus; auch unter angepassten Soundoptionen. Bei einem Spiel, wo Emotionen und eine Sprachausgabe das Geschehen untermalen können, ist es leider mehr als nervig, wenn essenzielle Einstellungen nicht den erwünschten Effekt herbeiführen.

Redaktionswertung

6

Überzeugend

Zum Wertungssystem

Unser Fazit zu Code: Realize - Guardian of Rebirth

Meinung von Kevin Becker
Als Einsteiger des Genres bewies mir Code: Realize - Guardian of Rebirth die Vorzüge einer Visual Novel. Die Charaktere wirken durch malerische Illustrationen und Ausdrücke lebendig, der Soundtrack unterstreicht Emotionen sowie Gefühle und das Setting steht, wenn auch teilweise unglaubwürdig, in einem interessanten Kontrast zur unerklärlichen Krankheit der Protagonistin. Der viel zu leisen Synchronisation fehlt es jedoch selbst bei angepassten Einstellungen an Kraft, wodurch der Spieler teilweise gezwungen ist, stets den Text zu lesen, anstatt die Auto-Skip-Funktion nutzen zu können. Des Weiteren entfaltet die Geschichte nicht ihr volles Potenzial und stellt gezwungene Romanzen immer in den Vordergrund, selbst wenn diese in direktem Gegensatz zu bestimmten Charaktereigenschaften stehen. Handlungen ergeben allerdings nur in den seltensten Fällen zu jedem Zeitpunkt Sinn und müssen vor allem in den entscheidenden Momenten eine plausible Immersion aufbauen, was Code: Realize - Guardian of Rebirth glücklicherweise in den meisten Fällen tut.

Kommentare 0

  • Noch keine Kommentare verfasst :(