Keine bittere Pille

WayForward veröffentlichte im vergangenen Monat den Titel Vitamin Connection exklusiv für die Nintendo Switch, der schon auf den ersten Blick einen gewissen Charme zu versprühen scheint. Vitamin Connection kombiniert gleich mehrere Genres zu einem seltsam fröhlichen Geschicklichkeitsspiel. Wenn man sich nicht auf einen Begriff festlegen möchte, kann man Vitamin Connection auch als autoscrollendes Shoot 'em up mit Bewegungssteuerung und Fokus auf Couch-Koop bezeichnen, in dem ihr begleitet von verrücktem J-Pop durch ein Labyrinth finden müsst, um Patienten zu heilen.


Vita-Boy und Mina-Girl sind bereit zur Bekämpfung von Viren. © WayForward

Ihr übernehmt die Kontrolle über die zwei winzigen undefinierbaren Wesen namens Vita-Boy und Mina-Girl, die ein pillenförmiges Gefährt mit heilenden Kräften – welches witzigerweise auch stark einem Joy-Con ähnelt – durch die Körper kranker Patienten steuern. Dort versucht ihr, anthropomorphen Viren, die sich in den Körpern ausgebreitet haben, mit eurem Laser den Garaus zu machen. Ihr müsst durch labyrinthartige Gänge finden, die mit farblich markierten Membranen und einer Vielzahl weiterer Hindernisse gespickt sind. Oft ist euer Ziel ein lebenswichtiges Organ, das ihr in einem Minispiel von den bösen Viren befreien müsst.


In der Regel spreche ich den Multiplayer-Modus erst am Ende meiner Reviews an, doch in Vitamin Connection ist der Unterschied zur im Spiel betitelten Solo-Reise so groß, dass man von zwei verschiedenen Spielen sprechen könnte. Auch wenn der grundlegende Ablauf des Spiels im Prinzip identisch ist, kann man den Einzelspieler als Twin-Stick-Shooter bezeichnen, denn mit dem linken Stick steuert ihr euer Schiff und mit dem rechten Stick kontrolliert ihr den Laser. Ihr könnt das Schiff auch um 360 Grad drehen – während dies im Einzelspieler allerdings mit dem Schulterknopf erfolgt, kommt dazu im Koop die Bewegungssteuerung des rechten Joy-Con zum Einsatz. Das heißt, dass die Rollen im kooperativen Modus klar verteilt sind: Der Spieler mit dem linken Joy-Con übernimmt die Navigation und der mit dem rechten Controller die Rotation. Meiner Meinung nach empfiehlt es sich, sich einen Mitspieler zu suchen und das Spiel gemeinsam durchzuspielen – es gibt großes Potential für ein gemeinsames Spielerlebnis, dass darauf ausgelegt ist, sich miteinander abzusprechen und die Rollen zu verteilen.


Vitamin Connection lädt mit seinen zwei ulkigen Charakteren und der Bewegungssteuerung – von der man im Einzelspieler leider so gut wie gar keinen Gebrauch macht – geradezu dazu ein, als kooperatives Ereignis erlebt zu werden. Die Tatsache, dass WayForward mit seinem Titel so auf die Bewegungssteuerung der Nintendo Switch setzt, freut mich umso mehr. Denn leider sehe ich drei Jahre nach der Veröffentlichung der Hybridkonsole von Nintendo nicht mehr viele dieser Spiele, die noch dazu von solcher Qualität sind. Das bedeutet aber leider nicht, dass es in Bezug auf die Steuerung nichts zu beanstanden gäbe. Gerade die Rotation will nicht zu 100 Prozent euren Eingaben gehorchen. Wenn ihr die Schultertasten dafür verwendet, verhält sich die Rotation des Schiffes ein kleines bisschen zu ungenau, während die Eingabe mit der Bewegungssteuerung etwas zu sensibel zu sein scheint. Das ist zwar nichts, was das Spielgefühl nachhaltig verschlechtern würde, ich hätte mich aber über den letzten Feinschliff in dieser Hinsicht gefreut.


Begebt euch alleine oder zu zweit auf die Reise oder vergnügt euch mit einer Auswahl verschiedener Minispiele. © WayForward

Zusätzlich zum Laser erhaltet ihr schon ziemlich früh im Spiel einen Greifarm, der ebenfalls dazu neigt, nervös zu reagieren und dessen Einsatz daher gute Koordination erfordert. Es dauert ein wenig, bis man die Mechanik raushat, grundsätzlich bereichert der Greifarm das Spiel aber als Abwechslung zum Laser, der nicht bei jedem Gegner effektiv eingesetzt werden kann. Noch dazu dient der Greifarm auch zum Lösen simpler Puzzle in eurer Umgebung, zum Finden diverser Sammelobjekte oder ihr bahnt euch damit schlicht euren Weg durch den Körper eures Patienten. Findet ihr alle fünf Bonussterne in einem Level, schaltet ihr damit eine Bonus-Version des jeweiligen Levels frei und werdet damit für den Aufwand angemessen belohnt. Selbst ohne Bonussterne kann das Spielprinzip aber leider manchmal etwas fade wirken, vor allem wenn man durch die verzweigten Arterien navigiert, die sich optisch nie wirklich stark voneinander unterscheiden. Noch dazu kann der Weg von einem Organ zum nächsten manchmal relativ lang sein und ihr kommt dabei nicht um das berühmt-berüchtigte Backtracking herum. WayForward hat mit einer Vorspulfunktion, mit der ihr euch per Knopfdruck schneller fortbewegen könnt, versucht, diesen eher mühsamen Aspekt des Spiels etwas angenehmer zu gestalten, nichtsdestotrotz gab es Phasen im Spiel, wo mich dieser Umstand etwas gelangweilt hat.


Das Navigieren durch die engen Kanäle ist jedoch nicht alles: In jedem Level (jeweils repräsentiert von einem anderen Patienten, in dessen Körper ihr zum Einsatz kommt) stoßt ihr auf drei lebenswichtige Organe, die eurer Hilfe bedürfen. Dort angekommen wird aus Vitamin Connection plötzlich eine Minispiel-Sammlung. Jedes Mal erwartet euch eine neue Herausforderung aus einer festen Anzahl von Minispielen in Vitamin Connection. Bei „Tanzfestival“ ist zum Beispiel ein Gefühl für Rhythmus gefragt, während „Kabel-Coaster“ viel Geschick und „Schnapp-Fieber“ gute Reflexe erfordern. Hat man ein neues Minispiel einmal bewältigt, steht euch dieses ab dann jederzeit im Menü zur Verfügung und ihr könnt unabhängig von der Kampagne auch viel Zeit mit eurem Mitspieler in der Minispiel-Sammlung verbringen. Zwar war nicht jedes Minispiel der absolute Renner, es gibt aber das ein oder andere, zu dem ich gerne wieder zurückkehre.


Mission erfüllt! Unsere Patientin ist wieder quietschfidel. © WayForward

Die wahre Stärke von Vitamin Connection ist zweifelsohne die tadellose Präsentation. Wie eingangs schon erwähnt, verrät bereits der erste Blick auf das Spiel, dass sich WayForward wirklich Mühe gegeben hat. Das Spiel ist von vorne bis hinten einfach unglaublich liebevoll gestaltet, von den beiden Protagonisten Mina-Girl und Vita-Boy über die humorvollen Zwischensequenzen, die an die Produktionsqualität von Zeichentrickserien heranreichen, bis zu dem ganz besonderen Soundtrack, der in diesem Fall wirklich eine besondere Erwähnung verdient. Klanglich hebt sich Vitamin Connection mit seiner ausgefallenen Wahl von Songs eindeutig von vielen anderen Spielen ab, nirgendwo habe ich bisher diesen Stil von stimmungsvoller Musik gehört, die sich zusammensetzt aus elektrischen Sounds, J-Pop und obskuren Stücken, die ich auf Anhieb nicht wirklich definieren kann. Fest steht, dass die Musik in Vitamin Connection einzigartig ist und stark zum Spaßfaktor beiträgt.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Kevin Franke

Vitamin Connection ist ein Spiel, das ich jederzeit empfehlen würde, und ein Titel, der in ferner Zukunft wahrscheinlich zu den Spielen in der Bibliothek der Nintendo Switch gehören wird, die man auf Neudeutsch als Hidden Gems bezeichnet. Man kann hier von einer Mischung verschiedener Genres sprechen, die in diesem Fall wundervoll zueinander passen. Vor allem mit einem Mitspieler entfaltet Vitamin Connection dank der gut umgesetzten Bewegungssteuerung sein volles Potential und auch wenn nicht jede Idee perfekt umgesetzt ist, bringt Vitamin Connection dank der verschiedenen Elemente und der hervorragenden Präsentation immer genug Abwechslung mit. Das Spiel ist hervorragend geeignet für Kinder oder für einen gemütlichen Party-Abend mit Freunden.
Mein persönliches Highlight: Die insgesamt liebevolle Gestaltung, die viel Charme versprüht.

Awards

Spiele-Hit Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 3

  • Kugelwilli

    Turmbaron

    Hört sich doch gut an :) Wieder mal ein tolles Game von WayForward. Weiter so :thumbup:
    Die Retail-Version hatte ich bereits bei Limited Run Games vorbestellt zusammen mit Mighty Switch Force. Das werden wieder zwei exzellente "Hidden Gems" in meiner stetig wachsenden Mighty-Switch-Connection-Collection :D<3

  • KarniMarc

    Turmbaron

    Hatte mir bereits gedacht, dass es genau in die Kerbe von Fans von sowas wie "Snipperclips" reinpassen könnte. Die Musik und Aufmachung sind aber wieder gewohnt stylisch von WayForward. Sieht sehr spaßig aus.

  • Nights

    into Dreams

    Wayforward geht immer!!! Ist einer meiner liebsten Entwickler, von denen kauf ich blind