Auf den Spuren des Wahnsinns

The Town of Light ist ein Walking Simulator des italienischen Studios LKA, welcher etwa vier Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung für PC, PlayStation 4 und Xbox One seit Anfang Februar dieses Jahres nun auch in der Deluxe Edition auf der Nintendo Switch spielbar ist. Neben dem Hauptspiel bietet diese spezielle Version noch Dokumentationsmaterial über den Schauplatz des Spiels, der 1887 gegründeten Nervenheilklinik Ospedale Psichiatrico di Volterra in Florenz, und ein Making-of, welches einen Einblick in die Entwicklung gewährt.


Im Gebäude herrscht eine beklemmende Atmosphäre. Tretet ihr allerdings einen Schritt nach vorne, ploppt unter der Fensterbank ein Heizkörper auf, was die Stimmung zunichtemacht. © Wired Productions

Die fiktive Handlung von The Town of Light findet zur Zeit des Zweiten Weltkriegs statt und spielt in ebendieser KIinik. Ihr habt zunächst keine Ahnung, wer ihr seid. Anhand der Stimme könnt ihr jedoch ausmachen, dass es sich bei eurer Hauptfigur um eine Frau handelt. Nach einem kurzen verwirrenden Intro findet ihr euch vor einer Häuserruine wieder. Dabei handelt es sich um die Reste der Nervenheilklinik Ospedale Psichiatrico di Volterra. Offensichtlich befinden wir uns auf den Spuren einer gewissen Renée, einem Mädchen, welches vor längerer Zeit Patientin dieser Klinik war. Im Laufe der Geschichte wird immer deutlicher, in welcher Beziehung ihr zu Renée steht und was mit ihr geschehen ist.


Die Geschichte von The Town of Light ist schwere Kost und behandelt ernsthafte Themen wie Vergewaltigung, psychische Krankheiten, Verlust und Missbrauch. Wie für einen Walking Simulator üblich, wandert ihr von einer Stelle zur anderen und erfahrt Stück für Stück weitere Details der zugrunde liegenden Handlung. Da das Spiel euch stets Hinweise liefert, wo euer nächstes Ziel ist, könnt ihr euch trotz der offenen Levelstruktur nicht großartig verlaufen. Allerdings hat die Nintendo Switch-Version des Titels mit technischen Mäkeln zu kämpfen, die stellenweise dazu führen, dass Ereignisse nicht korrekt ausgelöst werden und somit nur ein Neustart des Kapitels Abhilfe schafft.


The Town of Light leidet enorm unter seiner technischen Umsetzung


Die Bedienung beschränkt sich Genre-typisch auf das Laufen und die Interaktion mit einzelnen Objekten, die für die Handlung wichtig sind. So lest ihr beispielsweise Notizen, inspiziert Objekte oder lasst euch einfach mal auf einer Bank nieder. Das Ausbleiben des spielerischen Anspruchs dient dazu, den Fokus voll und ganz auf die Story zu lenken, was dem Spiel auch ganz gut gelingt. Ihr dürft sogar an manchen Stellen des Spiels Entscheidungen treffen, die den Verlauf der Geschichte verändern, was den Wiederspielwert definitiv erhöht.


Nein, hierbei handelt es sich nicht um verzögertes Nachladen. Dieses Exemplar gehört zu den schlimmeren Missgeschicken in Sachen Texturen. © Wired Productions

Allerdings wird die Motivation für einen weiteren Durchlauf massiv durch die technische Umsetzung ausgebremst. Diese ist gelinde gesagt ein Graus. Vor allem in den Außenarealen, von denen es im Spiel einige gibt, rollt sich die Welt sichtbar vor euch aus. Aber auch in der Klinik ist die Weitsicht mangelhaft. In einem normal großen Raum kommt es stellenweise zu Pop-ups, so tauchen beispielsweise Heizkörper innerhalb eines Sichtradius' von fünf Metern vor euch auf. Die Qualität der Texturen von The Town of Light lässt sich leider ebenso wenig schönreden. Gelegentlich hat man das Gefühl, das Spiel käme mit dem Nachladen nicht hinterher, nur um zwei Minuten später festzustellen, dass es sich hierbei tatsächlich um die verwendete Textur handelt. Wer nun zumindest mit einer flüssigen Bildrate rechnet, den muss ich leider enttäuschen. Sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus der Nintendo Switch kommt es zu Unregelmäßigkeiten in der Framerate, was in einer abgehackten Präsentation resultiert.


Abseits der schrecklichen Technik darf neben der Geschichte auch die Vertonung gelobt werden – zumindest das englische Original. The Town of Light verfügt zwar auch über eine deutsche Tonspur, allerdings wirkt diese arg abgelesen und insgesamt inkonsistent. Auch die Geräuschkulisse und die musikalische Untermalung erfüllen ihren Zweck.

Unser Fazit

3

Eher nicht überzeugend

Meinung von Felix Kraus

The Town of Light ist stark ernüchternd. Die tolle Idee versinkt leider in der miserablen technischen Umsetzung. Weder im Handheld- noch im TV-Modus der Nintendo Switch ist das Spiel schön anzusehen. Dabei kann die Hybridkonsole definitiv mehr als das. Da sind auch die zusätzlichen Inhalte der Deluxe Edition nur ein schwacher Trost. Möchtet ihr The Town of Light unbedingt spielen, tut das besser auf einer anderen Konsole oder auf dem PC.
Mein persönliches Highlight: Die allgemeine Stimmung innerhalb die Klinik, insofern die technische Umsetzung diese zuließ.

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 5

  • BountyX

    Turmheld

    Habs bereit gespielt aber überlegt es mir nochmal für die Switch zu holen. Letzteres lass ich dann lieber doch sein...

  • Blutmiez

    Turmheld

    Hatte die Demo vor über 2 Jahren auf der One gespielt und habe seither auf die Switch Version gewartet.
    Was hier aber abgeliefert wurde, ist schon mehr als eine Frechheit!

  • Dark~ExxzoN

    Turmbaron

    Zitat

    Neben dem Hauptspiel bietet diese spezielle Version noch Dokumentationsmaterial über den Schauplatz des Spiels, der 1887 gegründeten Nervenheilklinik Ospedale Psichiatrico di Volterra in Florenz, und ein Making-of, welches einen Einblick in die Entwicklung gewährt.

    Aber wo zum Teufel ist es? Ich kann im Menü des Spiels nichts dazu finden?
    Dieses Extra Feature war für mich überhaupt der Hauptgrund, dieses Spiel nocheinmal auf der Switch zu zocken, nach dem ich es bereits auf dem PC gezockt habe.


    Jetzt zu Grafik der Switch Version: Die Texturen sind von extrem geringer (fast schon garkeiner) Qualität, jegl. Details wurden auf das Mindestmaß heruntergeschraubt. Das Spiel erscheine so verschwommen, dass es eher an die N64-Ära erinnere.
    WOW.... Obwohl ich das Spiel auf PC geliebt habe...;
    Die Switch-Version, sieht aus wie eine faule portierte Katastrophe!!
    Sogar auf meinem 7 Jahre alten Low-End-PC, auf dem ich das Spiel zum ersten Mal spielte, sah das Spiel UM WELTEN besser aus.
    Und ich dachte Nintendo hätte nach der ARK Katastrophal-Portierung dazu gelernt? :/

  • Felix Kraus

    Redakteur

    @Dark~ExxzoN Gleich im Hauptmenü. Der auszuwählende Punkt nennt sich "Videogalerie". :)

  • nikothemaster

    Turmbaron

    Habe mir Town of Light jetzt auch angetan und bereue es, dass man auf der Switch keine Spiele zurück geben darf...

    Ich konnte nur bis zum Generator spielen in Kapitel 6 und danach ging es einfach nicht weiter, weil der Generator nicht anstellbar war. Man konnte es nicht klicken, ging einfach nicht.

    Technisch sehr grausam und ich verstehe einfach nicht wie inkompetent manche Entwickler sein müssen. Das Spiel ist ja nicht leistungshungrig und trotzdem kriegen Entwickler es nicht hin. Einfach erbärmlich und daran merkt man einfach dass Nintendo derzeit bei der Switch über Masse anstatt Qualität geht. Was helfen könnte, wäre ein Bewertungssystem...