Mensch oder Maschine?

Dass Spiele aus der Ego-Perspektive nicht immer voller Blut und sinnloser Gewalt stecken, haben in der Vergangenheit schon andere Vertreter des Puzzle-Genres gezeigt. Besonders die Portal- oder Q.U.B.E-Reihe hat diese Art von Spielen stark geprägt. Denn hier müsst ihr nicht die Muskeln, sondern die Hirnmasse spielen lassen, um im Spiel voranzukommen. Auch The Turing Test reiht sich in diese Spiele ein und stellt dem Spieler Logikrätsel anstatt Horden von Gegnern entgegen. Nachdem das Spiel 2016 für PC und Konsolen erschien und sehr gute Wertungen einheimste, bekommt auch die Nintendo Switch einen Port spendiert.


Willkommen auf dem Mond. © Square Enix

Was ist eigentlich ein Turing Test? Alan Turing, ein berühmter Mathematiker und Informatiker, formulierte in den 50er Jahren einen theoretischen Test, um festzustellen, ob eine künstliche Intelligenz dem Menschen ebenbürtig ist. Um dies festzustellen, stellt ein Mensch zwei unbekannten Gegenparteien eine Reihe an unterschiedlichen Fragen. Die eine Partei ist ebenfalls ein Mensch, die andere Partei eine Maschine. Kann der Fragende im Nachhinein nicht eindeutig feststellen, wer die Maschine ist, gilt der Test für die Maschine als bestanden und die künstliche Intelligenz wird als menschlich erklärt. So viel zur Theorie, nun geht es an die Praxis.


Die Praxis übernimmt ebenfalls eine Turing, genauer gesagt Ava Turing, ihres Zeichens Astronautin, die gerade auf dem Weg zum Saturnmond Europa ist. Denn der Kontakt zur dort befindlichen Crew ist abgebrochen und Ava soll die Ursachen dafür herausfinden. Kaum ist die Protagonistin in der Basis angekommen, wird sie auch schon vom Technical Operations Manager, kurz T.O.M., begrüßt. Eine freundliche, künstliche Intelligenz, die aber auch das einzige Individuum ist, was ihr antrefft und euch erzählt, dass die Crew in großer Gefahr ist. Und zu allem Überfluss gleicht die Basis einem riesigen Labyrinth aus Rätseln mit Schaltern, Hebeln und Druckflächen. Was genau hier passiert ist, gilt es für euch herauszufinden.


Direkt zu Beginn erhaltet ihr mit dem Energy Manipulation Tool, kurz EMT, ein Wunderwerk der Technik. Denn um in den Kammern voranzukommen, seid ihr auf dieses Tool angewiesen. Mit ihm seid ihr in der Lage Energie in Form von Kugeln aufzusammeln und verschiedene elektrische Bauteile, wie Türen oder Schalter mit Strom zu versorgen. Um den Strom aufzusammeln ist es nicht notwendig in unmittelbarer Entfernung vor der Quelle zu stehen. Es reicht, wenn ihr direkten Blickkontakt zu ihnen habt. So braucht es nur eine kleine Öffnung in der Wand oder einen Spalt in einer Tür, um die Energie in das EMT zu saugen. Ihr könnt bis zu drei Kugeln gleichzeitig mit euch herumtragen, um euch den Weg zum nächsten Raum freizurätseln. Im Laufe der Geschichte gibt es noch verschiedenfarbige Energiekugeln, die andere Eigenschaften besitzen. Zu den Energiekugeln gibt es noch würfelförmige Batterien, die ebenfalls als Energiequelle an bestimmten Steckplätzen benutzt werden können. Doch auch als Gewicht für Schalter oder Unterbrecher von Energiestrahlen können diese Würfel benutzt werden. Ebenso ist Ava das Hacken nicht fremd und so könnt ihr im weiteren Verlauf des Spiels auch Kameras und mobile EMTs übernehmen, um so Bereiche zu erreichen, an die Ava niemals herangekommen wäre.


Der Schwierigkeitsgrad ist meist überschaubar. © Square Enix

So tüftelt ihr euch von Raum zu Raum und erfahrt durch sieben Kapitel hinweg die Wahrheit hinter dem Verschwinden der Crew. Jedes Kapitel besteht dabei aus zehn Kammern, jedoch gibt es auch ein paar Kammern abseits des Weges, die euch ein bisschen mehr über die Hintergründe der Mondbasis und den Geschehnissen darin erzählen. Der Schwierigkeitsgrad steigert sich dabei anfangs recht schnell und bleibt dann konstant auf einem angenehmen Level. Nur selten erstrecken sich Rätsel über mehrere Räume, was die damit verbundenen Lösungen etwas komplexer macht. So habt ihr meist eine überschaubare Anzahl an möglichen Lösungen, die schnell abgearbeitet sind und erfahrenen Puzzlern eher ein Gähnen entlocken werden. Auch gibt es keine fiesen Fallen, die euch das Leben kosten, wenn ihr einen falschen Schritt wagen oder das Rätsel falsch lösen solltet.


Optisch ist das Spiel sehr gut gelungen, jedoch gibt es nicht sehr viel Abwechslung. Die Kammern der Basis sind in monotonen Farben gehalten und wirken somit immer sehr ähnlich. Vom unbekannten Mond des Saturn gibt es leider nur anfangs ein paar Blicke zu erhaschen, bis ihr in die Basis gelangt. Dafür läuft das Spiel konstant ohne Ruckler oder Einbrüche der Bildwiederholrate. Schade ist, dass keine der vielen Funktionen der Nintendo Switch genutzt wird. So könnt ihr nicht per Bewegungssteuerung zielen und die Vibrationsfunktion wird ebenfalls nicht unterstützt. Hervorzuheben sind die sehr guten, wenn auch englischen, Sprecher. Vor allem der Sprecher von T.O.M., der mit seinen nachdenklichen Fragen und Einwürfen immer wieder Themen rund um menschliche und künstliche Intelligenz anspricht, macht einen ausgezeichneten Job. Dagegen wirkt Ava oft wie die Maschine im Spiel.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Thomas Kurth

The Turing Test reiht sich ganz klar in die Riege der anderen Vertreter des Genres ein. Die Rätsel sind zwar größtenteils nicht so anspruchsvoll, wie man vermutet, jedoch sind hier und da auch ein paar härtere Nüsse dabei, die es zu knacken gilt. Dazu kommt noch eine ziemlich spannende Geschichte, die erst zum Schluss richtig aufgeklärt wird. Auch wenn optisch sicherlich mehr möglich gewesen wäre, zeigt sich das Spiel von einer sehr guten Seite. Einzig Ava, die Protagonistin, wirkt sehr passiv und mechanisch im Gegensatz zu ihrem künstlichen Begleiter. Die verschiedenen Mechaniken werden gut eingesetzt und auch um neue erweitert, um die Abwechslung zu bewahren.
Mein persönliches Highlight: T.O.M.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

4 User haben bereits bewertet

Kommentare 1

  • alfalfa

    Turmfürst

    Habe es im Game Pass mal ne Stunde angespielt und fand es leider recht schnell monoton.
    Anfangs wirkte es noch cool, als man auf Europa gelandet ist und draußen war.
    Aber danach ist man nur noch in der Basis und öffnet hauptsächlich Türen, um weiterzukommen.
    Nicht mein Ding...