Horror im negativen Sinne

Nerved ist ein neues Horror-Spiel für die Nintendo Switch, das in der Ego-Perspektive gespielt wird und die Geschichte eines Mannes erzählt, der seine Partnerin Nora sucht. Das abenteuerlustige Duo betritt am Anfang des Spiels einen düsteren Wald und übernachtet in einer verlassenen Hütte. Plötzlich hört ihr in der Nacht einen lauten Schrei und findet Blutflecken: Eure Partnerin wurde offensichtlich attackiert und entführt. Könnt ihr in der offenen Welt Nora wiederfinden und das Geheimnis hinter diesem mysteriösen Wald herausfinden?


Konzeptloses Umherirren steht an der Tagesordnung


Normalerweise verrate ich die Geschichte eines Spiels nicht im Spieletest, doch hier mache ich eine Ausnahme und beantworte euch schon jetzt die Frage in der Einleitung: Spart euch die Mühe und euer Geld, ihr werdet Nora nie mehr im ganzen Spiel sehen und wollt es vermutlich auch gar nicht mehr, wenn ihr erst mal ein paar Minuten gespielt habt. Das 30 Sekunden lange Ende des Spiels geschieht abrupt und ist eine pure Enttäuschung, ohne in irgendeiner Weise aufzulösen, was mit Nora im Wald passiert ist.


Die schrecklich animierte Nora bekommt ihr glücklicherweise nur am Start des Spiels zu Gesicht. © Playstige Interactive

Die Geschichte beginnt an sich durchaus vielversprechend, doch schon rasch ist von Zwischensequenzen oder von Erzählungen der Geschichte keine Spur mehr zu sehen. Ihr seid nun ganz auf euch alleine gestellt und werdet aufgefordert, eine nahe gelegene Villa und einen nahe gelegenen Bahnhof zu untersuchen. Leider werdet ihr schon rasch feststellen, dass es bei diesen Orten nichts zu finden gibt und ihr völlig umsonst die weiten Wege gegangen seid.


Warum auch immer schickt euch das Spiel in völlig falsche Richtungen und lässt euch jedes Mal wieder vom Anfang starten, solltet ihr auf eurem Weg angegriffen werden. Manuelles Speichern ist nicht möglich und die Speicherpunkte sind derart katastrophal gesetzt, dass ihr euch jedes Mal aufs Neue repetitive, gesprochene Texte anhören müsst und Aktionen, die ihr bereits geschafft habt, nochmal machen müsst. Angeblich soll Nerved Rätsel-Elemente enthalten, doch davon ist im Spiel nichts zu sehen: Vielmehr bestehen die "Rätsel" daraus, ohne Hinweise irgendwelche Gegenstände zu suchen, die in jeder beliebigen Hausecke liegen könnten. Das Sammeln von Gegenständen funktioniert im Übrigen nur sehr schlecht – teilweise müssen Werkzeuge aus einer Kiste in einem ganz speziellen Winkel gesammelt werden, ansonsten erkennt das Spiel den Befehl nicht. Entweder ihr irrt schlussendlich durch die Oberwelt oder ihr irrt durch verschiedene Räume und langweilt euch zu Tode, bis ihr irgendwann zufällig auf die richtige Lösung kommt, wie beispielsweise einen Türknauf für eine verschlossene Tür in einem abgelegenen Regal im Keller oder einen Schlüssel für eine andere Hütte im Wald zu finden.


Spielabstürze und Sackgassen sorgen für Horror der anderen Art


Im Endeffekt besteht das gesamte Spiel größtenteils daraus, von Ort zu Ort zu wandern und dabei nicht von Zombie-Gegnern erwischt zu werden, die vereinzelt hinter Bäumen und Büschen lauern. Solange ihr in der Nähe von Feuerstellen seid, können die lieblos gestalteten Gegner euch nichts anhaben. Übrigens ist das Spiel zum größten Teil ein Walking-Simulator, ihr könnt nicht angreifen, nicht springen und generell abgesehen vom Sammeln und automatischen Ausführen von Aktionen keine anderen Befehle ausführen.


Bei Feuerstellen können euch keine Gegner angreifen. © Playstige Interactive

Atmosphärisch ist Nerved an sich nicht schlecht, setzt auf Umgebungsgeräusche und verzichtet hingegen komplett auf Musik. Zerstört wird die Atmosphäre jedoch einerseits durch die schreckliche Grafik, die selbst den meisten GameCube-Titeln nicht das Wasser reichen kann (an die in der Luft schwebenden 2D-Gräser und -Bäume werdet ihr euch rasch gewöhnen müssen) und durch das schwache Voice-Acting, das nicht authentisch rüberkommt und euch schon bald gehörig auf die Nerven gehen wird – insbesondere wenn ihr von Gegnern angegriffen werdet und unweigerlich die Schreie des Hauptcharakters ertragen müsst.


Die Umgebungsgeräusche sind ebenfalls alles andere als gut implementiert: Das Türquietsch-Geräusch setzt oft stark verzögert ein und Fußstapf- oder Gegner-Geräusche werden oft extrem laut abgespielt, obwohl sich weit und breit niemand in der Nähe befindet. In Sachen Umgebungsgestaltung wurde sich zumindest etwas Mühe gegeben, die Räume mit verschiedenen Möbelstücken und Dekorationen zu schmücken, doch eine wirklich große Bedeutung hat das Betrachten der Umgebungen leider nicht.


Technisch ist Nerved ein schreckliches Spiel: Spielabstürze stehen an der Tagesordnung und führen in Kombination mit der fehlenden manuellen Speicherfunktion zu einem frustrierenden Spielerlebnis. Auch vor Sackgassen bzw. Stellen, an denen ihr weder vor noch zurück könnt, ist das Spiel nicht gefeit: Beispielsweise liegen in einer Hütte verstreute Kartons am Boden, über welche ihr auf die andere Seite des Raumes gelangen könnt. Sobald ihr auf der anderen Seite seid, versperren euch die Kartons, ein Tisch und ein paar Stühle den Weg und ihr seid in einer Ecke gefangen und könnt weder vor noch zurück. Euch bleibt lediglich die Option, das Spiel zu beenden und wieder neu zu starten. In derselben Hütte befindet sich eine Tür, welche ihr vorsichtig öffnen könnt, um auf eine Außenterrasse ohne Geländer zu kommen. Ihr seht jedoch draußen nicht den Wald, sondern lediglich einen bläulichen, einfarbigen Hintergrund. Springt ihr nun von der Terrasse hinunter, so landet ihr nicht am Boden, sondern ihr bleibt im Hintergrund gefangen, könnt euch nicht bewegen und müsst erneut das Spiel starten. Ich habe versucht, mit der Video-Aufnahme-Funktion der Nintendo Switch einige dieser schlimmen Spielfehler aufzuzeichnen, doch selbst diese Funktion wird vom Spiel nicht unterstützt, lediglich Screenshots dürfen in Nerved geschossen werden.


Das Spiel besitzt übrigens eine deutsche Text-Übersetzung, doch auch diese ist schwach und wirkt, als wären die englischen Texte in den Google Übersetzer gesteckt worden. So wurden beispielsweise manche Wortphrasen unpassenderweise 1:1 ins Deutsche übersetzt und auch grammatikalisch wurden einige Fehler gemacht. Woanders kommt es vor, dass ein Ort im Spiel einmal als "Haus des Spielmachers" bezeichnet und woanders wiederum als "Toymaker Haus" gekennzeichnet wird und offensichtlich die halbe Übersetzung aus dem Englischen vergessen wurde.

Unser Fazit

1

Völlig misslungen

Meinung von Felix Eder

Nerved ist das mit Abstand schlechteste Horror-Spiel, das ich jemals gespielt habe: Seien es die hässlichen Charaktermodelle, das schwebende 2D-Gras, das schreckliche Voice-Acting, das konzeptlose Umherlaufen, die repetitiven Gegner, das katastrophale Speichersystem, der mickrige Umfang, die schlechte Geschichte oder das abrupte Ende – dieses mit 9 € stark überteuerte Spiel zeigt in nahezu allen Bereichen eklatante Schwächen. Hinzu kommen zahlreiche Bugs, Sackgassen und Spielabstürze, die das Spielerlebnis noch frustrierender machen, als es bereits zuvor war. Nerved sieht grafisch deutlich schlechter aus als im Werbetrailer aus dem Nintendo eShop, wurde offensichtlich unfertig veröffentlicht und kann in diesem Zustand niemandem empfohlen werden.
Mein persönliches Highlight: Die Ausdauer gehabt zu haben, das Spiel trotz zahlreicher Spielabstürze und Bugs bis zum Ende durchzuspielen

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 2

  • VOICEofHYPERION

    Turmknappe

    Ich kann net mehr vor Lachen

  • Ande

    Meister des Turms

    Aua... Das tut ja schon beim lesen weh.
    Ich verstehe nicht, warum Nintendo beim schon jetzt überfüllten eShop noch zusätzlich solchen Mist auf der Konsole zulässt. Solche Spiele gehören aus dem Shop entfernt und den armen Käufern das Geld direkt rückerstattet.