Werdet ihr die Hollow-Night überstehen?

Under Night In-Birth Exe:Late[cl-r], wer diesen etwas sehr sperrigen Titel das erste Mal zu Gesicht bekommt, wird sich wahrscheinlich nicht direkt vorstellen können, auf was er sich da einlässt. So erging es zumindest mir, ehe ich das Kampfspiel genauer unter die Lupe nehmen durfte. Wie sich der Prügler letztendlich gegen die Konkurrenz auf der Nintendo Switch geschlagen hat, möchte ich euch im Folgenden näher erläutern.


Die Handlung ist gerade zu Beginn ziemlich verwirrend und bietet euch wenig Einstiegshilfe. © PQube

Die Konsolenversion von Under Night In-Birth Exe:Late[cl-r] (das von nun an nur noch als „Under Night“ bezeichnet wird) stammt vom Entwicklerteam Arc System Works, das schon mit Kill la Kill: IF auf der Nintendo Switch bewiesen hat, dass es etwas von seinem Handwerk versteht. In dem Spiel geht es darum, dass es in einer an das Japan des 21. Jahrhunderts angelehnten Stadt regelmäßig zu einem Phänomen namens „Hollow-Night“ kommt. Gebiete, die von dieser Nacht heimgesucht werden, werden von Wesen namens „Void“ überfallen, die sich von einer Ressource mit Namen „Existenz“ ernähren. Davon bekommen die meisten Menschen wenig mit, denn sie können die seltsamen Kreaturen nicht sehen – nur einige wenige mehr oder weniger glückliche Individuen sind dazu in der Lage. Dieser Umstand macht sie gleichzeitig jedoch auch zu Opfern der Voids, welche Jagd auf diese Menschen machen. Die sind wiederum auch nicht wehrlos, denn sie können, genauso wie ihre Häscher, ebenfalls die Existenz (kurz EXS) anzapfen und diese nutzen, um übermenschliche Kräfte zu entwickeln. In eben diesem Szenario gibt es die unterschiedlichsten Individuen und Gruppierungen, die entweder versuchen die Voids zu bekämpfen, diese zu unterstützen, ihre Macht zu missbrauchen oder den Missbrauch von EXS zu verhindern. Und all diese Charaktere bekämpfen sich letztlich auch gegenseitig, um ihre Ziele zu erreichen. Willkommen bei der Rahmenhandlung von Under Night, die zeitgleich eine der Schwächen des Spiels darstellt. Denn wenn ihr das Spiel zu Beginn startet, bekommt ihr von dieser ganzen Prämisse rein gar nichts erklärt. Das führt mitunter dazu, dass ihr im Arcade-Modus zwar die Geschichte eines einzelnen Kämpfers während der Hollow-Night mitbekommt, doch werdet ihr mit so vielen Begrifflichkeiten torpediert, dass man, je nach gewähltem Charakter, vom ersten bis zum letzten Kampf keinen Durchblick hat und am Ende verwirrter als zu Beginn ist. Dies lässt sich zwar dadurch umgehen, dass man vorher einen anderen Modus spielt, doch wieso das auch eine eher schlechte Lösung darstellt, dazu später mehr.


Denn bei einem Kampfspiel ist die Handlung, sei sie noch so komplex, eher nebensächlich. Die beste Geschichte bringt einem nichts, wenn die einzelnen Spielmechaniken nicht zufriedenstellend arbeiten. Hier können alle Prügler-Fans unter euch erleichtert aufatmen, denn Arc System Works leistet hier gewohnt solide Arbeit. Under Night fällt unter die Kategorie „Einfach zu erlernen, schwer zu meistern“ und besticht vor allem dadurch, dass man selbst als Anfänger schnell Erfolgserlebnisse verbuchen kann, ohne erst mühselig lauter Kombos auswendig lernen zu müssen. Dabei funktioniert das grundlegende Spielprinzip ganz nach klassischer Manier: Jeder eurer Controller-Knöpfe ist einem bestimmten Angriff zugeordnet, vom leichten Schlag bis zum schweren Tritt, das variiert je nach gewähltem Kämpfer. Interessant wird es dann, wenn sich eure EXS-Leiste im unteren Bildschirmbereich füllt, denn je voller diese wird, desto stärkere Spezialangriffe könnt ihr ausführen. Außerdem habt ihr eine weitere Leiste in der Mitte des Bildschirms, die sich von beiden Seiten zu füllen beginnt. Diese stellt das Kräfteverhältnis zwischen den beiden Kämpfern dar und der Spieler, bei dem sie einen gewissen Füllstand erreicht, wird ein Buff ausgelöst, der euch kurzzeitig einige Boni gibt oder ihr könnt euren Widersacher von euch stoßen. Interessanterweise könnt ihr das Kräfteverhältnisse nicht nur durch ein aggressives Verhalten beeinflussen, auch ein defensives und gut durchdachtes Vorgehen kann euch hier zugutekommen. Sowohl die vielen unterschiedlichen Kombos als auch die EXS- und die Kräfteverhältnis-Leiste sorgen dafür, dass selbst weniger erfahrene Spieler immer noch die Möglichkeit geboten bekommen, eine vermeintlich hoffnungslose Situation zu ihren Gunsten zu wenden. Selbiges gilt übrigens für den Schwierigkeitsgrad im Arcade-Modus, der stetig ansteigt und euch so Stück für Stück eine größere Herausforderung präsentiert.


Solch mächtige Angriffe können auch Einsteigern gelingen. © PQube

Das Spiel bietet euch einen Kader von 21 Kämpfern, aus denen ihr wählen könnt. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Charakteren sind deutlich spürbar und sie bieten allesamt auch einen unterschiedlich einfachen Zugang. Während ich mit Mika, die zwei riesige metallene Fäuste schwingt, problemlos zurechtgekommen bin, hatte mir der grobschlächtige Hüne deutlich mehr Probleme bereitet. Das sorgt dafür, dass die einzelnen Kämpfer nicht beliebig und austauschbar wirken und man tatsächlich seinen eigenen Favoriten finden muss. Die unterschiedlichen Haudegen unterscheiden sich nicht nur von ihrem Spielstil her, sondern auch in ihrem Auftreten und ihrer Art, was vor allem während der Zwischensequenzen des Arcade-Modus zur Geltung kommt. Während manche Charaktere eher ernster und düster ausfallen, sind andere eher überzeichnet und albern, wie man es aus manchen Anime kennt. Wo gerade das Stichwort fiel: Bereits das Intro lässt das Gefühl aufkommen, dass man mit Under Night direkt eine spielbare Klischee-Anime-Serie vor sich hat und so ist auch der Rest des Titels aufgebaut, sowohl was die Gestaltung der Charaktere als auch die (etwas vorhersehbare und hanebüchene) Handlung angeht.


Neben dem Arcade-Modus, in welchem ihr euch mit je einem Charakter in sieben Kämpfen durch eine persönliche Geschichte kämpfen müsst, bietet euch das Spiel noch den obligatorischen Versus-Modus, eine Möglichkeit, online gegen andere Mitspieler anzutreten, diverse Zeit- und Punkte-Herausforderungen, einen Survival-Mode, bei dem ihr gegen Gegnerwellen bestehen müsst, sowie den Chronicle-Modus. Letzterer bietet euch die Möglichkeit, zur Gänze in die Handlung von Under Night einzutauchen und bis ins kleinste Detail zu erforschen. Hier werden euch die Ursprünge der Hollow-Night nähergebracht und ihr erfahrt mehr zur Vorgeschichte der einzelnen Charaktere. All diese Informationen erhaltet ihr, indem ihr mit den unterschiedlichen Charakteren unterschiedliche Szenarien durchlebt, die in verschiedene Kapitel unterteilt sind. Wer jetzt jedoch glaubt, dass man in diesen Kapiteln Kämpfe ausführt und so Stück für Stück mehr über die Handlung erfährt, der wird enttäuscht. Denn in diesem Modus verwandelt sich Under Night in eine Visual Novel, in der ihr durchgehend mit dem Nachlesen von Charakter-Dialogen beschäftigt sein werdet, die leider auch nicht sonderlich gut geschrieben wurden. Hier wurde meiner Meinung nach eine Menge Potenzial verspielt, denn viele Kapitel fallen eher erschlagend und ermüdend aus.


Von der technischen Warte aus hinterlässt Under Night auf der Nintendo Switch ein zwiespältiges Bild. Die Performance läuft butterweich und es kam zu keinerlei Rucklern oder Hängern, was bei einem Kampfspiel das A und O darstellt, zudem fallen die Ladezeiten allesamt moderat aus. Grafisch wirkt der Titel jedoch etwas altbacken, was wiederum eine bewusste Stilentscheidung gewesen sein kann. Allerdings wirken vor allem die Hintergründe eher noch so, als ob sie aus der PlayStation 1 oder 2 Ära stammen und auch die Charaktermodelle wirken eher pixelig und weniger detailliert. Hier würde die Leistung der Nintendo Switch bestimmt mehr ermöglichen, was das Gesamtbild etwas trübt. Under Night könnt ihr wahlweise in englischer oder japanischer Sprach- und Textausgabe genießen, eine deutsche Übersetzung gibt es nicht.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Florian McHugh

Mit Under Night In-Birth Exe:Late[cl-r] liefert Arc System Works einen grundsoliden Prügler ab, der mit seinen Mechaniken voll und ganz überzeugen kann. Die Story ist für all diejenigen, die nicht bereit sind, sich im Chronicle-Modus durch Unmengen an Text-Dialogen zu wühlen, anfangs ziemlich verwirrend und alles andere als einfach zu verstehen. Hier hat man die Chance verspielt, die eigentlich recht interessante Hintergrundgeschichte in deutlich leicht verdaulicheren Häppchen zu präsentieren. Die unterschiedlichen Kämpfer spielen sich allesamt angenehm unterschiedlich und ermöglichen so eine gezielte Spezialisierung. Die grafische Präsentation bleibt etwas hinter den technischen Möglichkeiten der Nintendo Switch zurück, zudem solltet ihr zumindest durchschnittliche Englischkenntnisse mitbringen, da das Spiel keinerlei deutsche Übersetzung bietet. Wer ein Kampfspiel sucht, dass sich ganz auf seine Tugenden konzentriert und sowohl Einsteiger als auch Fortgeschrittene fordert und motiviert, der kann zugreifen. Wer zudem noch Wert auf eine gute Story legt, der sollte sich bei der Konkurrenz umsehen.
Mein persönliches Highlight: Die unterschiedlichen Kämpfer, von denen jeder eine etwas andere Spielweise begünstigt.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • Pyro Ranger

    Dekiru koto ga dekiru

    Hmm das mit der Story ist wirklich schade. So wird das Spiel wohl nur mal im Sale bei mir landen :/
    Ich gehöre halt zu der Minderheit die Fighting Games nicht fürs Competetive oder Online kaufen (Ausnahme Smash)

  • EdenGazier

    Prinzipal der Spiele

    @Pyro Ranger


    Nein bist du nicht. Ich bin auch so einer...


    Für mich zählt Soul Blade immer noch neben King of Iron Fist 3 die besten Prügelspiele mit Story