Eine Lightshow zum Durchquälen

Könnt ihr euch ein Szenario in der Zukunft vorstellen, in dem ihr eine Kugel durch einen riesigen Komplex steuern müsst, um so die Menschheit in weniger als zehn Stunden zu retten? Adaptive Game und Ultimate Games bringen mit Technosphere: Reload einen Platformer der etwas anderen Art auf die Nintendo Switch. Wie der Name schon vermuten lässt, ist dieser Titel tatsächlich eine Wiederveröffentlichung, diesmal aber auf der Nintendo Switch. Doch wer dieses Spiel spielt, würde wahrscheinlich seine Zweifel an dieser Tatsache haben.

Rund auf Rund: Diese Plattformen sind Checkpoints, die gegebenenfalls auch den aktuellen Level abschließen. © Ultimate Games


Falls jemand mit dem Gedanken einer Gyro-Steuerung gespielt hat: Nein, Technosphere folgt nicht dem Steuerungsprinzip von Monkey Ball oder Neverball. Ihr neigt das Spielfeld nicht, sondern steuert eure Kugel direkt, ganz auf die klassische Weise. Eure Aufgabe liegt einzig und allein darin, alle bevorstehenden Hindernisse zu bewältigen und durch die Kurse zu rollen, wobei auch die Zeit gegen euch spielt. Ziel ist es, eure Mission innerhalb von zehn Echtzeit-Stunden abzuschließen. Eine Story ist im Spiel nicht wirklich vorhanden. Was wir jedoch wissen, ist die Tatsache, dass wir die Menschheit retten müssen. Der vermutlich eigentliche Fokus liegt auf dem Dasein als ein kleiner Augenschmaus: Wir haben Lichter, Lichter soweit das Auge reicht. Das kann theoretisch ein optisches Plus sein, aber funktioniert das auch auf der Nintendo Switch?

They see me rollin'...


Die Maschinen werden euch aber nicht einfach so vorbeikullern lassen wie auf einer Eier-Rollbahn an Ostern. Also sind die Kurse gespickt mit Fallen und Gefahren. In vielen Fällen wird euch der Weg von Pollern versperrt, bis ihr auf der anderen Seite einer Abzweigung einen Schalter gedrückt habt. Das ist noch die einfache Variante. Spätere Level sind flächendeckend vertracktet. An dieser Stelle fiel mir während des Tests auf, dass das Leveldesign etwas repetitiv zu sein scheint. Teilweise werdet ihr nämlich gezwungen, Auffang-Wege zu nutzen, Bereiche zu wiederholen oder ihr findet bekannte Bereiche in kopierter und modifizierter Form erneut vor. Gerne werdet ihr euch dabei auch ein wenig verirren. Immerhin könnt ihr die Kamera zur Orientierung drehen – aber nur im 90°-Winkel. Das könnt ihr wahlweise mit den Schultertasten oder mit dem rechten Analogstick. Die Steuerung lässt sich auch invertieren.


Diese Kanonen feuern stets Granaten auf die Bahn. © Ultimate Games

Wo wir schon bei den Optionen angekommen wären, lasst mich diesen Punkt fix abhaken. Aufgrund des eigentlich einfachen Spielprinzips gibt es über die Steuerung nicht viel zu sagen. Neben herumrollen, springen und bremsen gibt es noch zwei Spezialtechniken, nämlich einen Blocker (eng. Repeller), mit dem ihr herumliegende oder euch nähernde Bodenobjekte von euch abstoßt sowie einen Boost, mit dem ihr euch über die halbe "Landschaft" schleudern könnt. Die Tastenbelegung lässt sich übrigens nicht ändern. HD Rumble ist auch mit an Bord, allerdings scheint dieser eher einfach ein starkes Vibrieren zu verursachen, daher habe ich die Funktion nach kurzer Zeit ausgeschaltet. In den Soundoptionen findet ihr nicht mehr als einen Regler für die Master-Lautstärke. Das liegt vielleicht daran, dass das Spiel, abgesehen von einem ruhigen Klang im Hauptmenü, über gar keinen Soundtrack verfügt. Deswegen spare ich mir auch den Absatz zur Musik.


Einige der zuvor angesprochenen Funktionen der Sphäre sind nicht immer verfügbar. So verbrauchen der Blocker und der Boost Batterien, die zunächst eingesammelt werden müssen. Außerdem nimmt der Limited Mode euch die Möglichkeit, zu springen und zu bremsen. Der Advanced Mode hingegen verbessert eure Geschwindigkeit und verleiht euch einen unbegrenzten Vorrat an Batterien. Welchen Modus die Spähre annimmt, obliegt dem Parcour. Denn nur die jeweiligen Tore vor oder hinter entsprechenden Bereichen wechseln den Modus.


Ohne den Suchscheinwerfer würde man wahrscheinlich gar nicht erkennen, dass ich gerade von einer Drohne beschossen werde. © Ultimate Games

Natürlich nehmen auch die potentiellen Gefahren mit dem Spielverlauf zu. Schon bald drohen (herumschwebende) Kolben euch von der Bahn zu schubsen, fliegende Drohnen eröffnen während ihrer Patrouille das Feuer, ebenso wie stationäre Kanonen. Auch Geräte anderer Typen können euch gefährlich werden. Was euch treffen kann, wird unter Umständen eure Panzerung beschädigen (dargestellt durch einen orangen/gelben Balken). Sammelbare Schild-Items können diese reparieren und sowieso gilt trotz der feindseligen Umgebung weiterhin eine Faustregel: Nicht abstürzen!


Nehmt es mit den zehn Stunden, in denen ihr das Spiel theoretisch schaffen müsst, nicht so genau. Denn nach einem Game Over könnt ihr mit zurückgesetzter Zeit im aktuellen Kapitel fortfahren. Gleiches gilt auch, wenn ihr vom Hauptmenü aus ein freigeschaltetes Level auswählt. Was euch stattdessen eher unter Zeitdruck setzen dürfte, ist die Energie eurer Spähre. Ein blauer Balken zeigt euch euren Energon-Zustand an, der die Zeit über immer mehr sinkt. Energon-Kapseln füllen diesen zwar wieder auf, doch es kann schnell passieren, dass ihr die Reserven aus den Augen verliert.


... they hatin'


Es tut mir leid, aber der größte Feind des Spiels ist jedoch die Technik. Technosphere wurde sehr wahrscheinlich entwickelt, um den Spielern eine Lichtershow zu bieten - und das ist auf der Nintendo Switch nur begrenzt möglich. Die Auflösung ist merklich reduziert, vermutlich auf 480p. Die eigentlich angepeilten 60 Bilder pro Sekunde werden in den ersten Level gut gehalten, doch je größer die einzelnen Areale werden, desto schlechter fällt die Leistung aus. Die Texturen sind auf ein Minimum reduziert und fast alle Aspekte der dynamischen Belichtung, die gerade die hauptsächliche Optik ausmachen dürften, sind abgeschaltet. Glühende Blendffekte (engl. Bloom) von starken Lichtern oder lichtspiegelnde Oberflächen gibt es dafür fast so viel wie Sand am Meer. Was sonst geblieben ist, ist die Weitsicht - ebenfalls zum Nachteil der Leistung.


Viel Licht und gleichzeitig kein Licht? So könnt ihr euch das in etwa vorstellen. © Ultimate Games

Jetzt, wo im Grunde schon alles zu dem Spiel gesagt wurde, lasst mich ein paar Sätze zu den Problemen der Nintendo Switch-Version verlieren. Vielleicht treffen einige Punkte sogar versionsübergreifend zu. Wie erwähnt, legt Technosphere einen großen Wert darauf, eine Lightshow darzustellen. Da jedoch fast die gesamte Umgebungsbelichtung in der Nintendo Switch-Version fehlt, sind die Wege zum Großteil stockduster. Je nach Helligkeitseinstellungen muss man sich also an den unzähligen kleinen Lichtquellen orientieren, so als müsse man einer Spur aus Punkten folgen.


Hier und da fallen auch mal ein paar Spielfehler auf. Während die meisten eher der Belustigung dienen, wie sich überlagernde Menüs (zum Beispiel wenn man das Pausenmenü öffnet, während der Game Over-Bildschirm erscheint, und Ersteres einfriert), gibt es aber auch einen durchaus problematischen Bug: Jedes Mal, wenn man in einem Level mit Wachdrohnen erneut startet (z.B. weil man alle Sphären verloren hat), verbleiben die Drohnen an ihrer letzten Position, werden nicht aus dem Spiel entfernt und verbleiben im nächsten Durchlauf als Duplikate bewegungsunfähig an Ort und Stelle – während die Originalen ebenfalls da sind. Wollt ihr also nicht zehn Drohnen, die sich an einer Stelle sammeln, in die Quere kommen, dann startet das Spiel über das Home-Menü neu. In das Hauptmenü zu gehen behebt den Fehler nämlich nicht.

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Maik Dallherm

Technosphere Reload bleibt im spielbaren Rahmen, allerdings fällt der wohl wichtigste Aspekt dieses Titels, nämlich die Grafik, auf der Nintendo Switch völlig flach. Das Spielprinzip ist an sich echt cool und erinnert entfernt auch an Neverball und ähnliche Spiele, doch das Leveldesign fordert manchmal einiges an guten Nerven. Eine musikalische Begleitung ist fast nicht vorhanden und auch die Performance macht vielerorts Schwierigkeiten, vor allem in größeren Levels. Bezieht man noch die oben genannten Fehler mit ein, steht eine mangelhafte Optimierung der Nintendo Switch-Version außer Frage.
Mein persönliches Highlight: Der Advanced Mode

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