Das Dreieck ist der Schlüssel!

Schon als kleiner Junge haben mich Autofahrten schwer begeistert. Allen voran die Möglichkeit, die schier unendlich erscheinende Vielfalt dieser Welt mit eigenen Augen per Gefährt erkunden zu können, hat es mir angetan. Ob die Großstadt mit ihren riesigen Gebäuden, das weite Land mit seinen saftigen Wiesen, das Spiegeln der Sonne im am Horizont funkelnden Meer oder das schlangenförmige Erklimmen der Berge – von den verschiedenen Wetterlagen ganz zu schweigen! Ein besonderes Highlight stellen dabei die riesigen Autobahnbrücken dar, die trotz ihrer gewaltigen Ausmaße über Täler und Seen geradewegs zu schweben scheinen. Da trifft es sich doch gut, dass mit der Bridge Constructor Ultimate Edition nun auch auf der Nintendo Switch eine Möglichkeit gegeben ist, diesen Wundern der Architektur einmal selbst auf den Grund zu gehen. Ob an der bis hierhin erzählten Geschichte etwas Wahres dran ist? Dazu müssten wir wohl Jonathan Frakes konsultieren. Trotzdem macht es sich als Einleitung gut, oder?


Zu Beginn ist es noch recht einfach, eine Brücke zu bauen, die selbst von Transportern mühelos überquert werden kann. © Headup Games

So einfach wie der Name des Spiels ist, fällt auch eure Aufgabe darin simpel aus: Durch eine verheerende Naturkatastrophe wurden sämtliche Brücken im Land zerstört und es liegt nun an euch und eurer Ingenieurskunst, diese wieder aufzubauen. Im Hauptspiel stehen euch dabei nach und nach freizuschaltende, separierte Teile des Landes zur Verfügung, die wiederum um meist etwas mehr als einer Handvoll Level verfügen. Jedes Level hält wenig überraschend dieselbe Aufgabe bereit: Baut eine Brücke. Diese unterscheiden sich dabei aber nicht nur durch Form und Länge, sondern auch in den Materialien, die euch zum Bau zur Verfügung stehen. Während ihr zu Beginn noch ausschließlich mit Holz herumhantieren müsst, wird euch nach und nach zudem der Umgang mit Betonpfeilern, Seilen und schließlich Stahl nähergebracht. Die Materialien stehen euch in der Theorie zwar unbegrenzt zur Verfügung, tatsächlich macht euch aber ein über allem thronendes, festgesetztes Budget das Ingenieursleben schwer. So könnt ihr euch beim Brückenbau zwar kreativ absolut austoben, bleibt ihr dabei aber nicht unter den von Level zu Level variierenden Maximalkosten, könnt ihr es nicht abschließen.


Dadurch ergibt sich ein interessanter Schwierigkeitsgrad. Denn letztlich gilt es nicht nur einen bestimmten Betrag zu unterschreiten, eure Brücke muss auch halten – und das wird wann immer ihr wollt durch einen echten Belastungstest erprobt. Per Knopfdruck habt ihr dabei die Wahl, zwei normale Kraftfahrzeuge oder zwei schwerere Transporter euer Bauwerk von der einen zur anderen Seite überqueren zu lassen. Während dieser „Live-Ansicht“ wird euch auch das erste Mal vor Augen geführt, ob eure Brücke in dieser Form überhaupt hält und an welchen Stellen die Belastung gegebenenfalls besonders hoch ist. Sofern ihr euch eurer Statiker-Fähigkeiten aber sicher seid, werden die gewählten Fahrzeuge die Brücke mühelos hinter sich lassen können, was den erfolgreichen Abschluss des Levels bedeutet. Daran anschließend erhaltet ihr eine Punktzahl, die sich aus dem genutzten Budget und den verwendeten Fahrzeugen zusammensetzt. Während es zu Beginn noch relativ simpel ist, sich durch den Einsatz der Transporter die üppig ausfallenden Bonuspunkte zu sichern, wird das im späteren Spielverlauf immer kniffliger, sodass ich mich einmal mehr dabei erwischte, doch erst einmal zu den einfachen Autos zu greifen, um voranzukommen. Eure Bauwerke werden für jedes Level dankenswerterweise gespeichert, sodass ihr bei einer eventuellen Rückkehr zu „übersprungenen“ Level direkt mit dem Feintuning beginnen könnt und nicht erst alles von Grund auf neu bauen müsst.


Beim Zusatzinhalt „Trains“ sorgen Güterzüge für waschechte Explosionen! Diese sind allerdings gar nicht gewollt ... © Headup Games

Darüber hinaus bietet die Ultimate Edition noch einige Kniffe mehr. Habt ihr beispielsweise ein Level mit den Transportern abschließen können, bedeutet das nicht mehr das Ende der Fahnenstange. Kehrt ihr nämlich zur nun fertigen Brücke zurück, wird euch vorgeschlagen, diese mit einem sehr schweren Tanklaster auf die ultimative Probe zu stellen. Um das Ganze ein wenig fairer zu gestalten, wird für diese dritte Stufe der Erprobung das euch maximal zur Verfügung stehende Budget ein gutes Stück angehoben. So wird euch etwas mehr Spielraum eingeräumt und ihr könnt euer Bauwerk weiter verstärken bzw. bis hin zur Perfektion ausbauen.


Habt ihr euch einmal an den immer gleichen waagerechten Brücken oder den schleichenden Fahrzeugen auf Rädern sattgesehen, sorgen die ebenfalls in der Ultimate Edition inkludierten Zusatzinhalte „SlopeMania“ und „Trains“ für Abhilfe. Beide Modi bieten euch viele neue Level mit einigen neuen Herausforderungen. Während die euch zur Verfügung stehenden Materialien in beiden Fällen gleich bleiben, werdet ihr in SlopeMania mit der Aufgabe konfrontiert, nun auch in die Höhe oder die Tiefe zu bauen. Was auf den ersten Blick nach keinem allzu spektakulären Kniff klingt, wird in der Praxis durchaus spannender. Durch das Bauen von Schrägen verteilt sich die Belastung etwas anders als bei den sonst üblichen Brücken, sodass ihr hier vor neue Probleme gestellt werdet, die es durch geschicktes Platzieren der Elemente auszumerzen gilt. Wie der Name „Trains“ wiederum vermuten lässt, verbaut ihr in diesem Modus neuerdings Schienen, damit entweder ein kürzerer Personenzug oder aber ein schwerer Güterzug euer Bauwerk überqueren kann. Hier ist der Schwierigkeitsgrad von Beginn an recht hoch, sodass auch an dieser Stelle die Herausforderung nicht zu kurz kommt.


Mit einer etwas anderen Intention kann auch die Optik des Spiels als herausfordernd bezeichnet werden. Der Titel hat zwar schon einige Jahre auf dem Buckel, trotzdem hätte ich mir eine ansprechendere Darstellung gewünscht. Bridge Constructor wartet immerhin nicht mit wilden Kamerafahrten oder einer großen, weitläufigen oder gar prozedural generierten Welt auf. Stattdessen wird dem interessierten Spieler hauptsächlich ein starres Bild präsentiert, was vermuten lässt, dass eine hübschere Optik durchaus im Rahmen der technischen Ressourcen hätte liegen dürfen.


Der Tankwagen ist für all diejenigen Profi-Statiker gedacht, die noch einmal eine Extraportion Herausforderung suchen. © Headup Games

Während darüber hinaus die musikalische Untermalung in den meisten Nintendo Switch-Titeln entweder positiv oder gar nicht auffällt, kann ich an den Tönen für die Bridge Constructor Ultimate Edition kein gutes Haar lassen. Hier werden euch sehr generisch klingende und sehr kurze Melodien präsentiert, die auffallend schlecht aneinandergeschnitten wurden, sodass der „Lärm“ schon nach kürzester Zeit zu nerven beginnt. Warum an dieser Stelle nicht fünf Minuten mehr investiert wurden, um immerhin einen ordentlich klingenden „Endlos-Loop“ hinzubekommen, ist mir nicht begreiflich. Letztlich spielt die Musik bei dem Titel aber nur eine untergeordnete Rolle.


Als sehr angenehm habe ich dagegen die technische Umsetzung für die Nintendo Switch empfunden. Aufgrund der zuvor erwähnten ausbaufähigen Optik dürfte nun wenig überraschend sein, dass das Spiel zu jeder Zeit flüssig läuft und die Ladezeiten recht kurz ausfallen. Darüber hinaus ist allerdings die Unterstützung des Touchscreens im Handheld-Modus gesondert hervorzuheben. Insbesondere bei Titeln dieser Art, in denen Materialien miteinander kombiniert, Punkte miteinander verbunden oder schlichtweg etwas gebaut werden muss, trägt eine solche Unterstützung maßgeblich zu einem positiven Spielerlebnis bei. Besitzern von Super Mario Maker 2 oder Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging für Nintendo Switch rate ich zudem zur Verwendung des Nintendo Switch-Touchpen, der das Erlebnis noch einmal verbessert. Solltet ihr im TV-Modus spielen wollen, müsst ihr zwar auf den Touchscreen verzichten, erlebt aber auch bei der Nutzung des Controllers keine negative Überraschung. Die Tastenbelegung ist nicht nur durchdacht und unkompliziert, auch die Bewegungsgeschwindigkeit des Cursors lässt ein schnelles und gleichzeitig präzises Werkeln zu.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Chris Holletschek

Ich muss durchaus zugeben, Bridge Constructor Ultimate Edition ist eine kleine, aber feine Umsetzung für die Nintendo Switch. Zwar erwartet euch in jedem Level dieselbe Grundaufgabe – baut eine Brücke – die Herausforderung kommt dabei aber über weite Strecken nicht zu kurz. Den ohnehin schon geringen Gameplayumfang innerhalb eines Levels durch zusätzliche Limitierungen wie die Begrenzung der zu verwendenden Materialien oder des zur Verfügung stehenden Budgets weiter zu beschneiden, klingt erst einmal waghalsig, trägt aber nur umso mehr zum Knobelfaktor bei. Für die altbackene Optik und vor allem für die musikalische Untermalung habe ich allerdings nur wenig Positives übrig. Die Melodien lassen sich immerhin mit einem Handgriff ausschalten und im Handheld-Modus kommen die dürftigen Texturen auch nicht allzu sehr zur Geltung. Diese Spielform bietet sich für den Titel jedoch ohnehin optimal an. Dadurch, dass ihr ohne große Umschweife ins Spiel einsteigen könnt, ist es für die tägliche Zugfahrt ideal geeignet. Vergesst dabei aber nicht euren Nintendo Switch-Touchpen!

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Ziz_

    Champignon der Dunkelheit

    Klingt gut, wobei der Text und das Fazit für mich eher nach einer 7 als einer 6 klingen, aber da mich einfache / veraltete Grafik nicht abschreckt, solange die Performance stimmt (yes, I am looking at you, Zenith || ), werde ich wohl zugreifen. :D Gerade ist es 25% (11,25€ statt 15€) reduziert, aber ich denke, ich hab genug auf der Halde, um auf 50% zu warten. Oder wenigstens, dass es unter die magische 10€-Grenze fällt. :whistling: