Eine traumhafte Erfahrung

Bereits Anfang Februar kündigten Entwickler Long Hat House und Publisher Raw Fury eine Special Edition zu dem 2D-Metroidvania-Platformer Dandara an, die auf den Namen Dandara: Trials of Fear Edition hört. Diese Version bietet eine Vielzahl neuer Inhalte und ist ab sofort im Nintendo eShop der Nintendo Switch erhältlich. Alle, die das Spiel bereits besitzen, können die Trials of Fear Edition kostenlos herunterladen. Wir hatten die Gelegenheit, die neue Version ausführlich für euch zu testen und klären die Frage, ob es sich dabei um die ultimative Version von Dandara handelt.


Die passende Stelle anvisieren und springen. © Raw Fury / Long Hat House

Auch wenn Dandara oft als Metroidvania-Spiel bezeichnet wird, fehlt dem Spiel eine der wichtigsten Eigenschaften dieses Genres, denn unsere Protagonistin kann weder rennen noch springen und das ganze Spiel stützt sich genau auf dieses einzigartige und innovative Steuerungskonzept. Dabei wird euer Charakter entweder durch das Zielen mit dem linken Joy-Con-Stick und Drücken des A-Knopfes oder durch Berühren und Ziehen der rechten Seite des Nintendo Switch-Displays gesteuert, womit sowohl Touchscreen -als auch Controller-Eingabe unterstützt werden. Ist der Befehl ausgeführt, bewegt sich Dandara, der Schwerkraft trotzend, blitzartig zu der anvisierten Stelle an Böden, Wänden und Decken. Ihr werdet früher oder später die meiste Zeit damit verbringen, euch nach diesem Muster wie ein Tischtennisball über die Karte hinweg zu bewegen. Da dieses Steuerungs-Prinzip die Grundlage für alles darstellt, was ihr in diesem Spiel, sei es die Fortbewegung und Erforschung oder der Kampf, tun werdet, dürfte es einigen Spielern schwer fallen, mit dem Spiel warm zu werden, sofern ihr euch nicht von Anfang an mit der Mechanik anfreunden könnt. Problematisch wird es zum Beispiel dann, wenn ihr euch in einer Kampfsituation befindet. Solange es keine Hindernisse gibt, könnt ihr euch relativ reibungslos fortbewegen und schnell vorankommen, was auch dem halbautomatischen Zielsystem zu verdanken ist, das euch dabei hilft, nahegelegene Plattformen schnell anzuvisieren. Sobald sich euch allerdings eine Wache in den Weg stellt und Geschosse auf euch abfeuern, lässt sich das System nicht mehr so problemlos kontrollieren. Euch steht natürlich die Möglichkeit offen, euch mit einer Art Energieball zu verteidigen, dessen Reichweite ist aber sehr eingeschränkt und der Schuss muss erst voll aufgeladen werden und das kostet euch wertvolle Zeit, die ihr nicht nutzen könnt, um gegnerischen Projektilen auszuweichen. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das Zusammenspiel von Bewegung und Verteidigung nur bedingt funktioniert und gerade in Situationen, in denen man unter Druck steht und schnell reagieren muss, keine gute Figur macht. Zugegeben, auch mir war das Ganze am Anfang ein wenig suspekt, ich wollte einem so besonderen Spiel wie Dandara aber eine Chance geben und habe nach einigen Spielstunden festgestellt, dass man sich mit den Gegebenheiten arrangieren kann, sofern man ein bisschen Geduld hat und im späteren Verlauf des Spiels Upgrades einsammelt, mit denen ihr eure Lebensanzeige erhöhen oder eure Haupwaffe verbessern könnt.


Die Salzwelt wird von seltsamen Kreaturen bevölkert. © Raw Fury / Long Hat House

Dass Dandara einen gewissen Sog entfalten kann, der euch bei der Stange hält, ist auch der faszinierenden und mysteriösen Salzwelt zu verdanken, in der die Handlung spielt. Dies beginnt schon mit der Protagonistin und Hoffnungsträgerin Dandara, einer mystischen Gestalt, die aus ihrem Schlummer erwacht, um eine unterdrückte Welt vor bösen, übernatürlichen Wesen zu retten und Frieden und Ausgeglichenheit wiederherzustellen. Auch wenn die Salzwelt in Dandara mit ihren labyrinthartigen 2D-Ebenen eindeutig an Metroid erinnert, schöpft das brasilianische Entwicklerstudio Long Hat House aus kulturellen Einflüssen, die wir in Videospielen selten zu Gesicht bekommen. In Kombination mit der von Hand erschaffenen Pixel-Kunst und der esoterischen Atmosphäre, trägt das Spiel zweifelsohne zu einem einzigartigen Erlebnis bei, das zu faszinieren weiß. Wie für ein Metroidvania üblich, erkundet ihr eine weitläufige Welt, die durch labyrinthartige Gänge miteinander verbunden ist. Ihr begegnet seltsamen Wesen, die euch mit neuen Fähigkeiten ausstatten, welche euch dabei helfen, bisher unüberwindbare Hindernisse hinter euch zu lassen. Das Leveldesign kann zumindest teilweise überzeugen, mehrmals musste ich jedoch ganze Passagen wiederholen, weil ich falsch abgebogen war oder das Zeitliche segnete. Gerade dann fühlt man sich als Spieler oft bestraft, denn das Speichersystem ist so aufgebaut, dass man stets zum letzten Speicherpunkt zurückgesetzt wird, sobald man stirbt. Leider können diese Speicherpunkte teilweise weit weg von dem Ort sein, an dem man sein virtuelles Leben lassen musste. Backtracking ist in einem Metroidvania zu erwarten, es sollte sich aber nicht wie eine Bestrafung anfühlen, wie es hier manchmal der Fall ist.


Die Pixel-Kunst zeigt sich in ihrer ganzen Pracht. © Raw Fury / Long Hat House

Wie sieht es also mit dem Upgrade zur Trials of Fear Edition aus? Wie schon angemerkt, handelt es sich hierbei um ein kostenloses Update für alle, die das Spiel bereits besitzen. Zu den Neuerungen der Erweiterung gehört ein neues, verstecktes Ende und erweiterte Story-Inhalte. Da ich das Hauptspiel in der ursprünglichen Fassung nicht gespielt habe, konnte ich den Unterschied allerdings nicht wirklich ausmachen. Grundsätzlich liegt der neue Fokus darauf, die Geschichte und vor allem die Überlieferungen rund um die Salzwelt und ihrer Bewohner zu konkretisieren. Es gibt neue Beschreibungen, Dialoge und Zwischensequenzen für neue und vorhandene Charaktere und Umgebungen. Zudem dürfen auch die 16 neuen Musiktitel und vor allem Quality-of-life-Updates verschwiegen werden, die euch das Leben im Vergleich zum Hauptspiel einfacher machen. Die wichtigste Neuerung dürften aber die drei neuen Gebiete sein, die ihr erkunden könnt und die ihr an einem kleinen Symbol auf eurer Karte erkennen werdet. Zusätzlich gibt es einen neuen Boss, neue Kräfte für Dandara und eine neue Fähigkeit, mit der ihr sicher euren Spaß haben werdet. Man kann gut und gerne behaupten, dass sich die Entwickler von Long Hat House deutlich Mühe gegeben haben, die Erweiterung so gut wie möglich in das Hauptspiel zu integrieren. Und so wird aus Dandara definitiv ein umfassenderes und letztendlich auch besseres Videospiel, über das sich sowohl neue Spieler als auch Veteranen freuen werden.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Kevin Franke

Der Entwickler Long Hat House hat in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes Spiel kreiert, das es so auf der Nintendo Switch kein zweites Mal gibt. Einzigartig, weil es kaum ein Spiel gibt, dass mit seiner mystischen und traumhaften Welt eine so besondere Atmosphäre zu erzeugen vermag. Auch die Steuerung ist ein einzigartiges Konzept, dass aber leider nur stellenweise diesen Flow erzeugt, auf den die Entwickler wahrscheinlich abgezielt haben. Nicht immer fühlt sich all das so flüssig an, gerade wenn man unter Druck steht und schnell handeln muss. Den Spielehit hat Dandara letztendlich der Erweiterung zu verdanken, die an den richtigen Stellen ansetzt und Dandara tatsächlich zu einer besseren Erfahrung macht. Wer sich durchbeißt und lernt, die Steuerung zu meistern, wird am Ende mit einer besonderen Erfahrung belohnt, die Dandara zweifelsohne zu bieten hat.
Mein persönliches Highlight: Das einzigartige Spielprinzip, welches ich so noch nicht in einem Videospiel gesehen habe.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 0

  • Noch keine Kommentare verfasst :(