Eine Reise in die eigenen Erinnerungen

Eine der Urängste des Menschen ist die Angst vor dem Tod. Die Ungewissheit, was nach dem Ableben geschieht und dass am Ende nur Erinnerungen an unsere geliebten Menschen zurückbleiben, hinterlassen ein Gefühl des Unbehagens. Genau dieser Thematik nimmt sich Soul Axiom Rebooted an. Der ursprünglich im Jahr 2016 für die Wii U erschienene Titel erhielt eine Aufpolierung und möchte nun auch auf der Nintendo Switch überzeugen. Wie sich das Ganze spielt, entnehmt ihr den folgenden Zeilen.


Der eigenen Vergangenheit auf der Spur


Wenn man mich fragt, worum es in Soul Axiom Rebooted eigentlich geht, komme ich ehrlich gesagt etwas ins Stocken. Zu Beginn des Spiels übernehmt ihr die Rolle einer unbekannten Person und findet euch auf einem Schiff wieder. Alles wirkt durch die gesamte Umgebung, in der ihr euch befindet, sehr surreal – nur um dann einige Minuten später plötzlich in einem Lokal inmitten einer Wüste aufzutauchen. Erst später stellt sich heraus, dass ihr euch in einer digitalen Welt befindet, in welcher Erinnerungen und, wenn man so will, eure Seele selbst abgespeichert wurden, um die schönen Seiten des Lebens immer wieder erleben zu können. Hierbei stellt sich stets die Frage, wie alles miteinander in Zusammenhang steht, wer ihr eigentlich seid und was in dieser digitalen Welt schiefläuft.


Wer träumt nicht davon, einmal ein Dinoskelett zusammenzubauen? © Wales Interactive

Nach etwa einer Stunde Spielzeit findet ihr euch im Hub wieder, welches man sich als großen Bereich vorstellen kann, von dem alle Stränge abgehen. Von dort aus gelangt ihr mittels Teleporter in alte Erinnerungen und erlebt diese nochmals. Die Szenerien sind hierbei sehr abwechslungsreich. So durchstreift ihr anfangs eine Dschungellandschaft, findet euch später an einem Leuchtturm mit kleineren Inseln wieder und sogar durch ein unheimliches Krankenhaus à la Silent Hill führt eure Reise. Hierbei ist der relativ lineare Weg stets das Ziel, wobei manche Gebiete auch zum Individuellen Erkunden einladen. All dies erlebt ihr aus der Ich-Ansicht eures Charakters, was zur stimmigen Atmosphäre positiv beiträgt.


Eure Hauptaufgabe ist es zu jeder Zeit, diese Gebiete und eure Erinnerungen zu vervollständigen. Um dies zu bewerkstelligen, verfügt euer Charakter über verschiedene Arten der Manipulation. Eine der ersten Fähigkeiten, die ihr erlernt, ist die Möglichkeit, Dinge verschwinden und erscheinen zu lassen. Auf diese Weise könnt ihr Wände entfernen oder auch Plattformen hervorbringen, um den Weg passierbar zu machen. Doch auch das Bewegen und Zerstören von Dingen wird im Verlauf der Geschichte möglich, sodass die Rätsel im Spiel nach und nach etwas schwieriger werden und an der einen oder anderen Stelle sogar eure Kombinationsfähigkeit gefragt ist. Insgesamt sind die Rätsel jedoch sehr simpel gehalten und Stellen nur im seltensten Fall eine wirkliche Herausforderung dar. Das ist sehr schade, da ich mir gerade in den offenen Gebieten deutlich größere Herausforderungen gewünscht habe, da diese einfach dazu prädestiniert sind. Insgesamt spielen sich die Fähigkeiten jedoch gut und sind alle vier sehr abwechslungsreich, was zu netten Momenten führt.


Einige der Landschaften können sich wirklich sehen lassen! © Wales Interactive

Grafisch wie spielerisch geht die Leistung wirklich in Ordnung. Man bekommt hier zwar keinen Meilenstein der Nintendo Switch-Historie geliefert, alles wirkt im Paket aber sehr rund und passend auf das Spiel. Auch die Steuerung ist gut umsetzt und geht leicht von der Hand, sobald man sich an die Kräfte des Charakters gewöhnt hat. Im Vergleich zu seinem Vorgänger auf der Wii U wurden auch viele der Bugs und Glitches beseitigt, welche zum damaligen Zeitpunkt für einige Irritation gesorgt haben. Dies muss man wirklich positiv erwähnen, da gerade an diesen Stellen auffällt, dass man sich den Fehlern angenommen und nicht einfach das Spiel in seiner Komplettheit auf die neue Generation übertragen hat.


Leider hat dem Titel der Zahn der Zeit dagegen nicht wirklich gut getan. Es gibt so viele Spiele, welche durch ähnlich atmosphärische Geschichten in den Bann ziehen und den Spieler auch wirklich begeistern und motivieren, alle Geheimnisse aufzudecken. Diese Stärke hat Soul Axiom Rebooted leider überhaupt nicht. Die gesamte Geschichte ist in sich schon verwinkelt und schlecht verständlich. Dass man aber mit Bildern und Zeitungsartikeln arbeitet, welche überall in der Welt in Form von Stofftieren versteckt sind, ist für mich nicht nachvollziehbar. Grundsätzlich finde ich es zwar gut, dass man nicht alles auf dem Silbertablett serviert bekommt, jedoch passen die Stofftiere ganz und gar nicht in das Setting und die Infos, die man dadurch erhält, sorgen größtenteils für noch mehr Verwirrung.


Bleibt man am Ball, hat man je nach Spielweise nach etwa zehn Stunden das Ende gesehen. Noch einige Stunden mehr kann man damit verbringen, die restlichen Infohäppchen zu sammeln, sofern man darin einen Anreiz sieht. Sollte man jedoch wenig Spaß am Sammeln von versteckten Gegenständen haben und eine durchdachte und mitreißende Geschichte erwarten, ist man mit Soul Axiom Rebooted leider an der falschen Stelle. Für alle, die einen netten Titel für zwischendurch suchen und die Spaß daran haben, ihre Umgebung in Form von kleineren Rätseln zu verändern, können jedoch gerne zuschlagen.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Maik Styppa-Braun

Soul Axiom Rebooted macht für eine kurze Session zwischendurch wirklich Spaß. Mir persönlich gefallen die Möglichkeiten, welche die speziellen Kräfte mit sich bringen, wirklich gut. Doch auch ansonsten bekommt man ein insgesamt gutes Spiel abgeliefert, was durchaus seinen Reiz hat. Leider sind die Entwickler unter ihren Möglichkeiten geblieben. Zwar hat man das Spiel im Vergleich zur Wii U-Version etwas aufpoliert und alte Bugs behoben, einen Mehrwert bietet der Titel trotzdem nicht. Das Suchen der Stofftiere stellt sich als wenig motivierend heraus und insgesamt ist das Storytelling durch die Zeitungsschnipsel und kleineren Sequenzen nicht wirklich interessant gestaltet. Auch die Rätsel bleiben weit unter dem Potenzial, das die Fähigkeiten mit sich bringen. Warum man sich nicht an Neuerungen gewagt hat, bleibt als ungeklärte Frage zurück. Wer jedoch darüber hinwegsehen kann und zwischenzeitig mal in eine andere Welt eintauchen mag, kann gerne zuschlagen.
Mein persönliches Highlight: Die Fähigkeiten, welcher unser Held nach und nach erhält.

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