Picross trifft auf Krimi

Murder by Numbers ist ein Puzzlespiel, das euch in die Rolle der erfahrenen Schauspielerin Honor Mizrahi steckt und Kriminalfälle lösen lässt. Nachdem die junge Frau unverständlicherweise gefeuert wird, entdeckt sie ihren Chef leblos in seinem Büro und muss sich den Anschuldigungen stellen, angeblich hinter dem Mord zu stecken. Als sich der Supercomputer SCOUT ins Geschehen einmischt und Honor treu zur Seite steht, findet sich das unähnliche Duo in einer Reihe geheimnisvoller Fälle wieder, die alle irgendwie verknüpft scheinen.


Das gesamte Spiel ist farbenfroh und ausdrucksstark. © The Irregular Corporation

In alter Detektivmanier befragt ihr Zeugen, sucht nach Beweisen oder erkundet verschiedene Orte nach Informationen. Das Gameplay trennt sich hierbei in zwei klare Segmente: Knobelaufgaben und selbstständige Erkundungen, die immer aufeinander aufbauen. Die Rätsel basieren größtenteils auf Picross-ähnlichen Denkspielen, wo euch Zahlenangaben vorgeben, wie viele Kreuze innerhalb einer Reihe gesetzt werden müssen. Meistens ergibt das Ergebnis ein kleines Pixelbild und kann dadurch schon während des Lösens anhand von optischen Mustern ein logisches Bild abgeben. Optionale Hilfestellungen regulieren den Schwierigkeitsgrad, indem eine falsch gesetzte Markierung beispielsweise augenblicklich gelöscht wird oder Reihen sich automatisch füllen, solltet ihr die Angaben erfolgreich erfüllt haben. Generell bleiben die Rätsel für meinen Geschmack etwas zu simpel, können aber gleichermaßen als abwechslungsreiche Passagen verstanden werden, die nicht unbedingt herausfordern müssen, sondern den Spielfluss nach langen Dialogen ausgleichen.


Leistet ihr gute Arbeit und entdeckt zahlreiche Hinweise, erhöht sich ein Highscore, der freiwillige Puzzles freischaltet, die sich im Hauptmenü auswählen lassen. Hier hätte es sich tatsächlich angeboten, knackige Kopfzerbrecher unter schwierigeren Bedingungen anzubieten. Es wird von euch niemals verlangt, diese Aufgaben zu lösen. Deshalb hätten die Entwickler hier die Möglichkeiten gehabt, den Schwierigkeitsgrad nach ihren Vorstellungen zu formen – ohne die Angst zu haben, jemand bliebe im Spielverlauf stecken. Mitverantwortlich sind die noch immer bildlichen Lösungswege, die im Abenteuer einen Sinn erfüllen, hier allerdings keinerlei Verwendung finden und deswegen sinnlos erscheinen. Knackt ihr nämlich ein Rätsel in der Kampagne, ergibt das Bild den nötigen Beweis, mit dem sich Zeugen befragen lassen – in Herausforderungen erfüllen optische Wegführungen jedoch keinen Zweck und geben zu viel preis.


Viele Gameplaykonzepte illustrieren ein glaubhaftes Bild


Um an Beweise zu gelangen, hilft euch euer treuer, fliegender Computer SCOUT und analysiert die Umgebungen nach nützlichen Entdeckungen. Aus der First-Person-Perspektive sucht ihr nach verdächtigen Gegenständen innerhalb eines Raumes, die anschließend zu besagten Rätselaufgaben führen. Trotz der spielerischen Simplizität sorgt allein die veränderte Darstellung für einen neuen Blickwinkel und gibt dem Gameplay eine gewisse Dynamik, die man nicht missen möchte. Hier hätte es sich angeboten, einfache Objekte zu untersuchen, die Honor und SCOUT kommentieren würden, um einen kleinen Einblick in ihre Gedankenwelten zu bekommen – ähnlich wie in der Professor Layton-Reihe. So lässt sich die Umgebung nach gründlicher Untersuchung nicht mehr scannen, was zu einem großen Problem der Ermittlungen führt: Das Spiel gibt zu viel vor.


Sucht nach nützlichen Informationen mit SCOUTs Scan. © The Irregular Corporation

Befragungen mögen zwar lustige sowie interessante Informationen offenbaren, laufen aber zu linear ab. Für gewöhnlich kann man davon ausgehen, dass Zeugen euch Tipps mitteilen, die zu logischen Schlussfolgerungen führen, sofern ihr das Spielgeschehen aufmerksam verfolgen solltet. Gewissermaßen verfolgt Murder by Numbers diese Linie auch, wenn nach der Befragung Beweise und Gegenstände vorgeführt werden, um Zeugen aus der Reserve locken zu können. Wer jedoch keine Lust hat nachzudenken, rät sämtliche Objekte durch, bis der offensichtlich richtige Hinweis zu einer gewünschten Reaktion führt und ihr fortschreiten könnt. Natürlich kann man hier anbringen, dass Spieler die Schuld selbst tragen, eine solche Spielweise zu wählen, nichtsdestotrotz ist es die Aufgabe des Spiels, ein motivierendes System aufzubauen. Kommt jemand auf die Idee, Möglichkeiten durchzuraten, versagt das Spiel in seinem Gameplay und schafft es nicht, einen spannenden Erzählstrang aufzubauen. Ein weiteres Beispiel bilden die Beweise: Diese müssen mithilfe von Scan-Einlagen zwar entdeckt werden, euch wird aber gleichzeitig vorgegeben, wann ein Raum keine Geheimnisse mehr verbirgt. Ein typischer Ablauf kann also wie folgt aussehen: Ihr erkundet einen Ort nach allen Informationen, wisst, wann es nichts mehr zu entdecken gibt, und geht sämtliche Beweise durch, ohne auch nur eine Sekunde mitdenken zu müssen. Dass ich hierbei die Befragung außer Acht gelassen habe, zeigt nur, wie obsolet sie eigentlich sind und wie das Spiel dadurch unheimlich einseitig werden kann.


Visuell gibt es absolut nichts auszusetzen. Sämtliche Charakterillustrationen, Hintergründe und optische Details beweisen ein meisterliches Handwerk und geben dem Spiel einen ausdrucksstarken Charakter, der sich von anderen Visual Novels abhebt. Passend dazu unterstützt ein mindestens genauso qualitativer Soundtrack, komponiert von Masakazu Sugimori (Phoenix Wright: Ace Attorney, Viewtiful Joe), die Atmosphäre und wirkt niemals nervtötend oder monoton. Es mag vielleicht etwas zu verwöhnt herüberkommen, doch wäre eine zusätzliche Synchronisation, auch wenn sie nur vereinzelte Szenen vertonen würde, mehr als geeignet gewesen. So bleiben die Szenen und Dialoge leider relativ ruhig, selbst kleine lautmalerische Geräusche fehlen. Schaut man sich die gelungene Eröffnungsanimation an, wäre es finanziell sicherlich kein Schweres gewesen, den Charakteren Stimmen zu verleihen. Weiterhin sind Englischkenntnisse erforderlich – deutsche Bildschirmtexte fehlen leider vollständig.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Kevin Becker

Murder by Numbers kombiniert zwei Gameplayarten miteinander, die spielerisch nicht unterschiedlicher sein könnten, sich aber auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen: Nachdenken. Während diese Tatsache auf die Picross-Einlagen gewissermaßen zutrifft und ihr den Schwierigkeitsgrad jederzeit nach euren Bedürfnissen regulieren könnt, laufen die Ermittlungen zu vorgegeben ab, um tatsächliche Detektivarbeiten darzustellen. Glücklicherweise sorgen hier ausdrucksstarke Charakterillustrationen, ein extrem gelungener Soundtrack und SCOUTs spaßige Scan-Funktion für den positiven Ausgleich und geben dem Spiel einen markanten, memorablen Charakter. Auch wenn die Handlung absolut nichts Besonderes bereithält und zum großen Teil lediglich solide bleibt, verlängern optionale Rätselaufgaben die Spielzeit ungefähr auf angemessene 15 Stunden. Dank der Diversität des Spiels spricht Murder by Numbers mehr als eine Zielgruppe an: Visual Novel-Fans erfreuen sich an der optischen Natur und Erzählweise, Knobelfreunde lösen mit Vergnügen Rätsel und Krimi-Begeisterte genießen die Ermittlungen. Trotzdem wird eine nahtlose Erfahrung geschaffen, die auf deutlich getrennte Einzelerlebnisse verzichtet und deswegen Spielern Konzepte schmackhaft machen kann, von denen sie niemals dachten, etwas übrig haben zu können.
Mein persönliches Highlight: Der Soundtrack.

Meinung von Felix Eder

Murder by Numbers konnte mich sehr positiv überraschen und ist ein gelungener Mix aus Visual Novel und Picross zum günstigen Preis. Die Nonogramme beginnen zunächst sehr leicht, werden aber im Verlauf des Spiels fordernder und fügen sich als Rätsel zum Aufspüren von Beweisen gut in die Geschichte. Honor, SCOUT & Co. haben mir als Charaktere sehr gut gefallen und optisch sowie musikalisch präsentiert sich das Detektiv-Abenteuer frisch und überzeugend. Die Fälle können zwar hinsichtlich der Geschichte und Raffinesse lange nicht mit jenen aus Ace Attorney mithalten, doch der Charme ist durchaus gegeben, weshalb mich Murder by Numbers stets an den Bildschirm fesseln konnte.
Mein persönliches Highlight: Der spitzenmäßige Soundtrack und das gelungene Vermischen zweier unterschiedlicher Genres.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 3

  • Marq

    Anime-Spiele ohne Chibis!

    Also ein solides Spiel für Knobelfreunde. Ich dachte mir schon, dass es nicht an Ace Attorney herankommen wird, aber mein Hunger nach einem neuen Detektivspiel wird es stillen. Und mit einem tollen Soundtrack macht's gleich noch mehr Spaß. :thumbup:

  • Pascal Hartmann

    Ta da da daaaaaaa

    Ich spiele es auch gerade (wer hätte es gedacht :ugly: ). Bin mittendrin im zweiten Fall und wurde bisher gut unterhalten. Die Mischung aus Visual Novel und Picross macht Spaß, auch wenn es ruhig mehr Picross sein könnte :D

  • Felix Eder

    #PhoenixWright4Smash

    auch wenn es ruhig mehr Picross sein könnte

    Ich finde den Mix eigentlich ganz gut, also gefühlt hätte ich sogar gesagt, dass es recht viele Rätsel sind, manchmal ja auch mehrere hintereinander beim Abscannen :D