Test zu Moorhuhn: Das verbotene Schloss - Wii
Unser Test zum Spiel: Moorhuhn: Das verbotene Schloss
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17. Januar 2011 um 20:41 - Eric Sohr
Man stelle sich das mal vor: Millionen von Kindern und Erwachsenen ballern virtuell auf harmlose Hühner und schlachten diese in Massen auf ihrem PC ab, nur um möglichst viele Punkte zu bekommen. Heutzutage wäre so etwas nicht einmal denkbar! Doch vor gut zehn Jahren, als Moorhuhn erschien, hat sich keiner Gedanken darüber gemacht und ein Boom war ausgelöst. Dutzende Abwandlungen und Fortsetzungen erschienen für so ziemlich jede denkbare Videospielplattform. Doch obwohl man so viele von den braunen Viechern abgeknallt hat, scheint das Tierchen einfach nicht sterben zu wollen. So mussten wir mehr oder minder gute Point'n'Click-Titel und miese Mario Kart-Kopien über uns ergehen lassen. Aber nun kommt die "Gaming Sensation 2009" auf uns zu (zumindest laut Trailer). Das Moorhuhn ist zurück! Diesmal in Jump'n'Run-Manier auf der Wii...
Das Moorhuhn und seine Freunde (der Moorfrosch und Kröti, die Schildkröte) finden eine Schatzkarte, auf der die Position des legendären, verbotenen Schlosses verzeichnet ist. Da man sonst nichts Besseres zu tun hat, macht man sich auf die Suche nach eben jenem Schloss. Denn dort sollen riesige Schätze zu finden sein. Doch bis zum Schloss ist es ein weiter Weg... mehr oder weniger.
Mit dem Analog-Stick des Nunchuks bewegt ihr euer Hühnchen. Hier auch schon der erste Kritikpunkt: Die Steuerung ist so schwammig geraten, dass man oftmals zu weit und somit in einen der Gräben hinein läuft. Auch das Springen mit A funktioniert irgendwie nicht immer so wie es soll. Um den Doppelsprung immer richtig nutzen zu können, bedarf es aufgrund der ungenauen Erkennung etwas Übung. Damit ihr euch nicht nur über die fiesen Jump'n'Run-Einlagen ärgert, hat man dem Spiel natürlich noch Feinde eingebaut. Ob Eule, Wolf, Spinne oder Geist, alles und jeder will das Moorhuhn töten. Sogar Schneemänner haben es auf euch abgesehen. Genauso wie in den alten Moorhuhn-Spielen ist euer gefiederter Freund nach einem Treffer Geschichte. Jedoch sind die Checkpoints in den Levels (meistens) fair verteilt, so dass ihr nicht immer wieder die selben Strecken laufen müsst. Allerdings seid ihr nicht wehrlos den Feinden gegenüber, denn das Moorhuhn hat seine Kürbiskanone und den Holzhammer im Gepäck. Erstere könnt ihr einfach herausholen und zielt dann mit dem Pointer auf den gegnerischen Mob. Das funktioniert sogar überraschend gut, zudem ihr dank unerschöpflichem Munitionsvorrat auch einfach sinnlos umher ballern könnt. Allein schon deshalb solltet ihr auf den Hammer komplett verzichten. Zwar klappt das Zuschlagen mit diesem auch ganz gut, jedoch müsst ihr perfektes Timing haben, um den Gegner dann auch zu erwischen. Habt ihr das nicht, dürft ihr meistens direkt am letzten Checkpoint erneut loslegen.
Auch Flüsse und große Seen müssen überquert werden! Komischerweise hat das Moorhuhn das Fliegen verlernt und muss sich deshalb auf seine zwei (bzw. drei) Freunde verlassen. Auf Kröti surft ihr einen Fluss hinab, weicht Hindernissen aus und sammelt wie auch in den "normalen" Stages Münzen. Nach diesen solltet ihr sowieso immer Ausschau halten, denn für 25 Münzen bekommt ihr ein Leben. Die Level, in denen ihr auf Kröti herum surft, machen erstaunlicherweise richtig Spaß. Durch die hohe Geschwindigkeit und die fetzige Musik konnten mich diese Passagen am meisten überzeugen. Unterhaltsam war auch das Widderreiten, welches den Surf-Stages nicht ganz unähnlich ist. Auch hier rast ihr mit recht hoher Geschwindigkeit eine Strecke entlang und räumt Gegner mit einem knackigen Kopfstoß aus dem Weg. Lediglich die Steuerung beider Spielvarianten ist am Anfang gewöhnungsbedürftig. So dient der Analog-Stick hier nur noch zur Regulierung des Tempos. Bewegt wird der Charakter dann durch das Neigen der Wiimote. Wie bereits erwähnt, funktioniert dies am Anfang schwer, doch sobald man sich daran gewöhnt hat, klappt es recht gut. Absolut gar nicht gut hingegen sind die Frosch-Level. Hier wurde die Steuerung komplett verhunzt. Man springt andauernd daneben und landet öfter im Wasser als man Moorhühner abgeschossen hat. Schwammig, schlecht, frustrierend. Vor allem jüngere Zocker - an die sich der Titel eindeutig richten soll, anders kann ich mir die Bilderbuchgeschichten-Erzählweise nicht erklären - haben hier schon im dritten Level keine Lust mehr auf den Titel. Selbst ich als "Hardcoregamer" hatte hier so meine Probleme, was allerdings weniger am Schwierigkeitsgrad, sondern mehr an der miesen Umsetzung liegt.
Wer es doch durchhält, hat nach guten vier Stunden bereits das Schloss gefunden und geht mit dem supertollen Schatz nach Hause. Danach legt man das Spiel wahrscheinlich in eine Kiste, vergräbt sie und holt sie nie wieder ans Tageslicht. Und das aus zwei Gründen: Erstens bietet es euch absolut keinen Wiederspielwert und zweitens aus Scham, es überhaupt durchgespielt zu haben. Okay, es gibt doch einen Grund, den Titel wieder hervorzuholen... und zwar dann, wenn ihr einen Freund im Hause habt. Mit bzw. gegen diesen könnt ihr im Multiplayer ein Wettrennen veranstalten. Entweder rast ihr auf dem Fluss um die Wette, quakt über Seerosenblätter oder rammt mit dem Widder alles weg. Klingt nach viel Spaß, doch leider klingt es auch nur danach. Da sollte man lieber zu anderen Multiplayer-Titeln greifen.
Grafik in PS2-Niveau, die manchmal sogar in starkes Ruckeln gerät. Auch die Level sind langweilig gestaltet und die Animationen wirken größtenteils sehr hölzern. Weitsicht ist quasi nicht vorhanden und generell sieht der Titel zwar irgendwie bunt aus, aber nicht unbedingt gut. Allerdings sind die Bilder, die zu sehen sind, wenn die Story erzählt wird, irgendwie niedlich. Mehr aber auch nicht.
Größtenteils nerviges Gedudel, welches euch nach kurzer Zeit so extrem auf den Geist geht, so dass ihr entweder den Ton ausmacht oder gleich die ganze Konsole. Die Geräusche, welche das Moorhuhn und vor allem der Moorfrosch von sich geben, strapazieren so stark eure Nerven, dass man sich zu fragen beginnt, ob dies die Rache für all die abgeschossenen Moorhühner ist. Doch überraschenderweise gibt es zwei Musikstücke in dem Titel, die richtig gut sind! Vielleicht bin ich aber auch verrückt geworden, nachdem ich zulange unterwegs war...
Unser Fazit
3
Eher nicht überzeugend