Wenn man Walter schon gefunden hat.

Arztbesuche sind und waren nie so ganz mein Ding, vor allem nicht als Kind. Egal ob es ein Besuch beim gefürchteten Zahnarzt war oder man für irgendein anderes Wehwehchen in eine Arztpraxis musste, für mein jüngeres Ich war die ganze Angelegenheit immer ein kleiner Horror. Die einzige Ausnahme spielte dabei jedoch mein Kinderarzt, denn den habe ich gerne besucht. Nicht etwa, weil der so unglaublich sympathisch gewesen wäre (war er nicht), nein, der Grund dafür lag auf einem kleinen Tischchen im Wartezimmer. Denn dort lagen immer die diversen Auflagen eines Buches mit dem Namen „Wo ist Walter?“, auf dessen Seiten es nur so von gezeichneten Charakteren und Landschaften wimmelte und zwischen all diesem kunterbunten Treiben galt es eine Figur zu finden: den namensgebenden Walter. Das waren meine recht frühen Berührungspunkte mit dem Konzept der Wimmelbild-Suche und ich habe es als Kind geliebt. Wieso ich euch davon erzähle? Weil ich beim Testen von Hidden Through Time sehr angenehm an diese Momente erinnert wurde.


Die einzelnen Level strotzen nur so vor Details. Und naaa: Wer hat die Schlange im Bild gefunden? © Crazy Monkey Studios

Wie man der Einleitung wahrscheinlich schon entnehmen kann, handelt es sich bei Hidden Through Time um eben ein solches Wimmelbild-Spiel. Das Spielprinzip ist genau dasselbe wie damals bei den von mir so geliebten Büchern: Euch wird eine Szenerie gezeigt, auf denen diverse Personen herumwimmeln und die vor Leben und Aktivität nur so strotzt. In all diesem Getümmel müsst ihr verschiedene Gegenstände, Personen oder Tiere entdecken und mit eurem Cursor markieren. Der Unterschied zu Walters damaligen Episoden ist der Umstand, dass das Geschehen auf eurem Bildschirm nicht stillsteht, sondern auch mitunter Bewegung herrscht, je nachdem, wie weit ihr im Spiel fortgeschritten seid.


Denn der Name des Puzzlers kommt nicht von ungefähr. Im Laufe des Spiels reist ihr durch die verschiedensten Zeitalter unserer Geschichte und die beginnt natürlich in der Steinzeit. Von hier an nimmt euch das Spiel behutsam an die Hand und führt euch Stück für Stück in das Prinzip der Wimmelbild-Spiele ein, wobei der Schwierigkeitsgrad in jeder Epoche behutsam zu steigen beginnt. Müsst ihr anfangs nur ein paar wenige Gegenstände finden, die auch recht offensichtlich im Bild platziert wurden, werden die späteren Szenerien deutlich herausfordernder. Da kann es auch schon einmal gut sein, dass ihr über mehrere Bildschirme scrollen und erst einmal weit hinaus zoomen müsst, um überhaupt einen Gesamtüberblick über das Geschehen zu erhalten. Denn es kann mitunter schwer sein, eine kleine Eidechse zu erspähen, die es sich zwischen zwei riesigen Sauriern gemütlich gemacht hat. Ihr merkt schon, um hier bestehen zu können, braucht ihr ein gutes Auge und auch ein Quäntchen Geduld, denn gerade in den späteren Levels kann es eine ganze Weile dauern, bis man das Objekt der Begierde erspäht hat. Dafür ist es umso befriedigender, wenn man nach minutenlangem Suchen endlich erfolgreich ist.


Selbst auf der höchsten Zoomstufe müsst ihr später durch mehrere Bildschirme scrollen, um den Überblick zu bewahren. © Crazy Monkey Studios

Um euch jedoch nicht gänzlich zu frustrieren, bietet euch das Spiel die eine oder andere Hilfestellung. So könnt ihr jeden der gesuchten Gegenstände in einer Liste anwählen und euch einen mehr oder weniger nützlichen Hinweis geben lassen, der euch bei der Suche behilflich sein kann. Und um euch nicht völlig tatenlos auf den Bildschirm starren zu lassen, gibt es in Hidden Through Time auch immer wieder einige interaktive Elemente. So müsst ihr zum Beispiel Zelte oder Hütten anklicken, um diese zu öffnen und einen Blick in ihr Inneres zu erspähen. Oder ihr müsst einigen Steinhauern dabei helfen, ihre Kunstwerke zu vollenden, indem ihr auf die unfertigen Kunstwerke drückt und diese somit vollendet, nur um dann so eines der gesuchten Objekte zu entdecken. Dies bringt etwas Abwechslung in die ziemlich anspruchsvolle Bildersuche, die sich im TV-Modus übrigens perfekt dafür eignet, mit Freunden oder Verwandten das eigene Sehvermögen zu schärfen. Allzu lange währt das Erlebnis allerdings nicht und eifrige Sucher können das Ende des Spiels vergleichsweise schnell in einigen Stunden erreichen. Wer von euch nach Beenden des „Story-Modus“, der bis auf die aufeinanderfolgenden Epochen keinerlei wirkliche Geschichte bietet, noch immer nicht genug hat, dem bietet das Spiel übrigens einen extra Level-Editor. Darin könnt ihr selbst kreativ werden und eure eigenen Suchbilder erstellen und andere damit in den Wahnsinn treiben. Und sollte es euch selbst nach Nachschub gelüsten, so könnt ihr euch problemlos unzählige Suchbilder von Spielern auf der ganzen Welt herunterladen und ausprobieren.


Zur Technik an sich gibt es wenig zu sagen. Hidden Through Time ist gut gezeichnet und animiert und man merkt den Machern deutlich an, dass sie hier nicht nur ein stumpfes Suchspiel erstellen wollten. Die einzelnen Landschaften sind mit kleinen und liebevollen Details gespickt und erzählen für sich immer eine kleine Geschichte. Der Grafikstil ist dabei simpel gehalten, was aber der allgemeinen Übersicht zugute kommt. Was mich mitunter etwas in den Wahnsinn getrieben hat, ist der Cursor, der sehr schwerfällig reagiert, vor allem immer dann, wenn ich ihn über ein winziges Objekt manövrieren wollte. Als alternative Steuerungsmöglichkeit besteht auch die Möglichkeit, Hidden Through Time im Handheld-Modus per Touch-Steuerung zu spielen. Das funktioniert dann ganz intuitiv wie auf einem Smartphone. Davon ab unterscheidet sich die Performance zwischen dem Docked- und dem Handheld-Modus in keinster Weise. Auf dem großen Schirm habt ihr natürlich eine etwas bessere Übersicht über das Gewusel vor euch, doch selbst im Handheld-Modus hatte ich nach mehreren Runden nicht mit schmerzenden Augen zu kämpfen.


Musikalisch gibt sich das Spiel absolut minimalistisch: Es läuft die ganze Zeit nur ein einziger Track in der Endlosschleife, was irgendwann dazu geführt hat, dass ich die Musik komplett abgeschaltet habe. Hier hätte etwas Abwechslung ganz sicher nicht geschadet und die unterschiedlichen Zeitalter hätten hier eigentlich einiges an Potenzial geboten. Umgebungsgeräusche gibt es ansonsten nur, wenn ihr einzelne Objekte direkt anklickt. So rascheln dann die Blätter eines Baumes oder ein erzürnter Höhlenmensch beschwert sich grummelnd, wieso ihr ihn angetatscht habt.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Florian McHugh

Hidden Through Time ist ein liebevolles Wimmelbild-Spiel, dass mit seiner Liebe zum Detail und einer gewissen Interaktivität durchaus überzeugen kann. Der Schwierigkeitsgrad der einzelnen Level steigt mit der Zeit moderat an und wer so gar nicht weiter weiß, der kann sich hilfreiche Tipps geben lassen. Wer dann immer noch nicht genug hat, der kann sich im dazugehörigen Level-Editor austoben und selbst Wimmelbilder erstellen, mit denen man die eigenen Freunde oder Verwandte entweder amüsieren oder in den Wahnsinn treiben kann. Wer diese Art von Puzzler mag und auch nichts gegen eine teilweise träge Steuerung und einen irre repetitiven Soundtrack hat, der wird hier seine wahre Freude haben. Wer mit dem Genre bisher keine Berührungspunkte hatte und für einen vergleichsweise geringen Betrag einmal einen Blick hinein wagen möchte, der wird mit Hidden Through Time einen gelungenen und motivierenden Einstieg finden.
Mein persönliches Highlight: Das unglaublich befriedigende Gefühl, wenn man nach minutenlangem Gesuche endlich das Objekt der Begierde gefunden hat!

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 3

  • Ktaadn

    Turmritter

    Wie schneidet "Hidden Through Time" im Vergleich zu "Hidden Folks" ab? Von Switch, in Farbe und bunt mal abgesehen.

  • Tarik

    Turmbaron

    Wo zum Henker ist die Schlange im ersten Screenshot? Ich finde sie partout nicht.
    Kann das mal jemand in Spoilertags antworten? :D

  • Rei

    Turmheld