Die Schule, ein paradiesisches Örtchen

Das drei Mann starke Studio Nanafushi beabsichtigte ursprünglich Dead or School bei Indiegogo zu finanzieren, erreichten aber nur 20 % ihres angestrebten Betrages. Nichtsdestotrotz reichte es aber aus, um den Titel schlussendlich drei Jahre später zu realisieren. Angesiedelt in einer postapokalyptischen Welt brach ein Virus aus, der die Menschen in Mutanten verwandelte. Die Überlebenden mussten sich in den Untergrund Tokios zurückziehen. Die Handlung setzt knapp 80 Jahre nach dem Rückzug der Menschheit ein. Die junge und naive Hisako erfährt von ihrer Oma, dass es auf der Oberfläche einen Ort Namens Schule gab, eine Behausung, in der sich Freunde treffen konnten, gemeinsam essen und Spaß hatten. Zudem überlässt die Großmutter ihre alte Schuluniform an Hisako. Beeindruckt von dieser Erzählung, entschließt Hisako kurzerhand, sich an die Oberfläche zu kämpfen, um selbst eine Schule aufzubauen. Vorher muss sie sich aber durch die verschiedenen U-Bahn-Stationen Tokios, unter anderem Shinjuku oder auch das Gamer-Paradies Akihabara boxen. Zugegeben, die Story ist bis zum letzten Drittel nicht die Kaufempfehlung Nummer eins für diesen Titel, dennoch entfaltet sich die Geschichte gegen Ende durch Wendungen hin etwas und hinterlässt schlussendlich dann doch noch ein eher gutes Bild. Das Spiel ist komplett auf Englisch (wahlweise auch Chinesisch oder Japanisch), wobei gute Englischkenntnisse wahrlich nicht erforderlich sind, um der Geschichte zu folgen.


Mit zig Waffen durch Unmengen an Mutanten


Dead or School ist ein 2D Hack ’n’ Slash-Actionspiel, das diesem Genre alle Ehre macht. Hisako kann eine Nahkampfwaffe, Schusswaffe sowie ein größeres Kaliber gleichzeitig mit sich führen. Für jeden Geschmack ist hier etwas dabei, egal ob Schwerter, Äxte, Maschinengewehre, Sniper, Raketenwerfer oder Granatwerfer, Auswahl gibt es en Masse. Das Kampfgefühl ist rasant und flüssig, Hisako kämpft sich durch die Horden agil wie ein Kätzchen. Gegner gibt es in Hülle und Fülle sowie in jeder Größenart. Jeder Angriff nagt an der Ausdauer, die sich aber rasch durch Ausruhen wieder füllt. Durch einen Tastendruck könnt ihr Angriffen ausweichen, ist dieses Ausweichen perfekt getimt, verlangsamt sich die Zeit und ihr könnt im Anschluss selbst massig Prügel austeilen. Dieser Effekt ist ähnlich wie die Hexenzeit bei Bayonetta. Hisako steigt nach und nach Level auf und erweitert dadurch ihre Werte wie die Lebens-, oder Ausdauerleiste. Noch dazu erhaltet ihr einen Skillpunkt, der auf einer nett designten Schultafel eingesetzt werden darf. Unter anderem könnt ihr hierbei die Chancen auf einen kritischen Treffer der Waffen erhöhen oder den Explosionsradius der großkalibrigen Wummen vergrößern. Die Fähigkeiten-Tafel ist recht simpel gestrickt und überfordert dabei nicht.


Mitunter ist einiges auf dem Bildschirm los. © Marvelous Europe

Anders sieht es dann aus bei der Hülle und Fülle an Waffen sowie Ausrüstungen, die ihr im Laufe des Spiels durch besiegte Gegner sammelt. An den fair verteilten Speicherpunkten wird die Haltbarkeit bzw. Munition der Waffen gefüllt, ihr dürft neue Ausrüstung kaufen, eine Schnellreisefunktion nutzen oder Waffen verbessern. Jede Waffe könnt ihr durch Geld und Zahnräder verstärken sowie verschiedene Effekte ausrüsten, womit unter anderem die Haltbarkeit der Waffen erhöht wird oder die Lebensenergie steigt. Seid ihr ein Hamsterer wie ich, verliert ihr hierbei aber dann doch gerne mal den Überblick. Es ist daher ratsam, immer mal wieder nicht benötigte Waffen bzw. Ausrüstungen zu verkaufen, um dadurch mehr Cash zum Aufleveln zu bekommen. Generell solltet ihr auch stets die besten Waffen mit in den Kampf nehmen und die alten regelmäßig austauschen. Die Gegner werden im Verlauf des Spiels recht knackig und leider kommt dadurch oft Grinden ins Spiel. Sobald Gegner zwei oder drei Level höher sind, kommt ihr ums Hochleveln nicht herum. Bossgegner sind besonders harte Kollegen, die am Ende eines jeden Abschnittes auf Hisako warten.


Habt ihr den Großteil eurer Lebensanzeige verloren, wird in einer kurzen, dramatischen Szene gezeigt, wie die Schuluniform von Hisako in Mitleidenschaft gezogen wird. In diesem Status habt ihr erhöhte Angriffs-, sowie Verteidigungswerte. Da auf dem Bildschirm unter anderem gewaltig viel los sein kann, vollgepumpt von Schüssen, Monstern und Explosionen, verabschiedet sich der Überblick häufig in den Urlaub. Oftmals musste ich erst mal den Bildschirm absuchen, wo sich Hisako im Moment gerade befindet bzw. ob ich nicht schon längst das Zeitliche gesegnet habe. Die vielen Anzeigen auf dem Bildschirm tragen zu dem Chaos ein großes Stück bei, zum Glück kann zumindest ein Teil der Anzeigen (die Karte unter anderem) ausgestellt werden.


Die optionalen Wege haben meist kleinere Minispiele auf Lager, hier zum Beispiel eine Lorenfahrt. © Marvelous Europe

Da sich die Spielwelt im Untergrund abspielt, seid ihr dementsprechend auch den Großteil des Spiels unterhalb der Erde. Dadurch ist die gesamte Umgebung auch recht dunkel und düster gehalten und ihr bewegt euch hauptsächlich in U-Bahn-Stationen und Schächten der Unterwelt von Tokio. Manchmal dürft ihr auch Abstecher an die Oberfläche wagen, die von Zerstörung geprägt ist. Insgesamt sieben große Areale gibt es zu erkunden, die alle ineinander abgeschlossen sind. Anders als bei Metroidvania-Spielen typisch, sind die Maps aber recht linear aufgebaut. Neue Fähigkeiten fallen ebenfalls bei Dead or School weg. Dadurch entfällt auch größtenteils das Backtracking, um eventuell anfangs nicht erreichbare Areale im Nachhinein noch zu erforschen. Dennoch gibt es viele kleinere Nebenabschnitte, an dessen Ende sich entweder ein Flüchtling oder ein Souvenir befindet. Die Orte werden auf der Karte stets angezeigt, weswegen eine große Sucherei entfällt und nur die Frage des Erreichens im Raum steht. Lohnen tut es sich auf jeden Fall, den Umweg in Kauf zu nehmen. Ihr bekommt nicht nur wichtige Erfahrungspunkte sowie Statuserhöhungen, sondern im Falle der Flüchtlinge erfahrt ihr hierzu noch zusätzliche nette, kleine Dialogszenen, beziehungsweise bei den Souvenirs eine Textbox mit Beschreibung.


Die Zusatzabschnitte sind mitunter auch kreativ gestaltet und dienen häufig als Minispiele oder Rätsel, was eine sehr schöne Abwechslung zu den häufigen Schnetzeleien darstellt. Auch enthält das Spiel viele Hüpfpassagen, die teils knifflig, aber zumeist spaßig sind. Der Soundtrack ist sehr rockig gestaltet und passt ins Gesamtbild des Spieles. Die Charaktere sind im Anime-Stil gehalten und strahlen eine gewisse Sympathie aus. Ich habe die Hauptprotagonistin relativ schnell ins Herz geschlossen, die mit ihrer puren Naivität sowie stets hoffnungsvoller Natur in Anbetracht der Lage, viele positive Vibes sendet.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Johannes Bausch

Dead or School war ein recht amüsanter Titel, der mit seinem flotten Kampfsystem positiv überzeugen konnte. Leider schmälert das häufige Grinden den Gesamteindruck etwas. Für Fans von 2D Hack ’n’ Slash-Games mit leichten RPG-Elementen könnt ihr allerdings einige Stunden Spaß haben. Mit einer großen Auswahl an verschiedenen Waffen sowie Ausrüstungen, kommen auch Loot-Freunde auf ihre Kosten. Die Geschichte ist anfangs zwar nichts Besonderes, wird gegen Ende hin aber durch Twists noch recht unterhaltsam. Eine Blockbuster-Handlung darf dennoch nicht erwartet werden. Da ihr abseits des sehr hohen Actionanteils auch die ein oder andere Hüpf-, bzw. Rätselpassage habt, bietet es eine gute Abwechslung zum Mutanten-Metzeln. Schlussendlich bleibt zu sagen, dass das sehr kleine Studio Nanafushi mit Dead or School ein doch sehr solides und spaßiges Spiel gezaubert hat.
Mein persönliches Highlight: Die optionalen Nebenfiguren mit ihren eigenen Geschichten

Die durchschnittliche Leserwertung

5 User haben bereits bewertet

Kommentare 5

  • Marq

    Anime-Spiele ohne Chibis!

    Danke für den Test! Was das Titelbild betrifft: Ist das noch aus der Entwicklungszeit? Manche Charaktere kommen so nämlich gar nicht im fertigen Spiel vor.


    Zur technischen Seite: Bei mir ist das Game ein paar wenige Male abgestürzt und ich durfte neu starten. Außerdem kann ich aus eigener leidvoller Erfahrung berichten, dass die Ladezeiten beim Anpassen der Waffenfähigkeiten extrem lang werden, wenn man dort nicht ständig ausmistet. Verkaufen kann man diese zudem nur einzeln, was ebenfalls dauert.


    Trotzdem hat dieses kleine Studio insgesamt einen guten Job gemacht. Dead or School ist definitiv anspruchsvoller, als man das zuerst vermutet, und fesselt mit einer letzlich ziemlich überraschenden, aber in sich logischen Story.

  • Johannes Bausch

    Redakteur

    @Marq Danke für dein Kommentar :)


    Deine erste Frage kann ich so gar nicht zu 100% beantworten, ein paar Charakter von dem Bild habe ich im Spiel selbst getroffen als Flüchtlinge. Da ich aber nicht jeden einzelnen gerettet habe, weiß ich jetzt ehrlich gesagt gar nicht, ob die restlichen mir unbekannten Charaktere auf dem Bild tatsächlich im Spiel waren oder nicht.


    Spielabstürze hatte ich (zum Glück) keine erlebt gehabt. Wenn es bei dir ein paar wenige Male abgestürzt ist, ist es natürlich doof :( Das mit den Ladezeiten stimmt, aber man kann die Waffen / Ausrüstungen alle gesammelt verkaufen. Auf Druck der Y oder X-Taste kannst Du den Gegenständen einen Mülleimer verpassen, alle Sachen die du verkaufen willst, versetzt du deswegen mit diesem Mülleimer-Zeichen. Danach gehst du in das Waffenmenü zurück und links unten im Menü hast du die Option "Sell all" (weiß grad spontan nicht, wie es genau benannt ist). Dadurch kannst Du dann bequem alle vormarkierten Waffen / Ausrüstungen verkaufen :)


    Das stimmt, die Story wird im Verlauf des Spiels auf jeden Fall noch recht ansehnlich, was man anfangs noch gar nicht so kommen sieht.


    Hoffe, ich konnte dir helfen :)

  • Marq

    Anime-Spiele ohne Chibis!

    @Johannes Bausch


    Danke für den Tipp mit dem Verkaufen! War mir noch nicht bekannt.


    Ich habe alle Flüchtlinge gerettet. Der große Typ links oben kommt nicht vor. Das Design ganz rechts (ohne Spoiler) stimmt auch nicht, ist aber interessant aufgrund gewisser Referenzen im Spiel... ;)

  • Johannes Bausch

    Redakteur

    @Marq Gerne :)


    Verstehe, danke für deine Information, das wusste ich dann nicht, dass ein paar Charaktere gar nicht so im Endspiel vorkamen ^^
    Haha ja stimmt ;)

  • Shikan Raider

    World Pro

    Also mit Grinden hatte ich nie Probleme, war höchstens mal ein Level unter den Gegnern. Wobei ich einige Räume mehrmals durchsucht habe um auch wirklich alles zu finden.


    Bei den Minispielen kann ich nur zustimmen, gerade die späteren sind teilweise recht knifflig und können für Frust sorgen. Zwar wird das Spiel selbst später auch deutlich schwerer, ich habe mich aber bei den Minispielen, vor allem wegen der nicht immer genauen Steuerung (die sonst sehr gut ist), mehr aufgeregt.


    Einzig bei unebenen Flächen hakt die Steuerung manchmal, man bleibt dort ab und zu mal an einer Kante hängen.


    Erwähnenswert wäre noch das es im Hub-Wagon (wo man startet wenn man einen Spielstand lädt) eine Art Trainingsmodus gibt, wo man gegen bereits besiegte Bosse nochmals kämpfen kann, um ein paar Extra-Belohnungen zu bekommen. Was die einzige Art von Bonusinhalten im Spiel ist, da es leider weder ein Post-Game noch ein NG+ gibt.


    Alles in allem hatte ich letztes Jahr, ich habe mir die JP-Version importiert, da diese auch englische Texte hat, sehr viel Spaß mit dem Titel, abgesehen von den paar kleinen erwähnten Macken. Deshalb gab ich dem Titel auch eine 9/10.


    Edit:


    Zum Thema Abstürze: Mir ist das Spiel einmal abgeschmiert, während der Zwischensequenz nachdem man den sechsten Boss besiegt hat.