Ein unterschätzter Klassiker

Die Party hört nicht auf. Nachdem letztes Jahr bereits DOOM (1993), DOOM II und DOOM 3 für die Nintendo Switch veröffentlicht wurden, feiert Bethesda den 25. Geburtstag von DOOM jetzt mit der Neuveröffentlichung von DOOM 64, das 1997 für Nintendo 64 erschien. Auch wenn DOOM 64 offiziell nicht zur Hauptreihe gehört, handelt es sich um einen eigenständigen Teil der DOOM-Serie. Während DOOM 3, welches 10 Jahre nach DOOM 2 herauskam, eine Nacherzählung des ersten Teils darstellt, spielt DOOM 64 nach den Ereignissen von DOOM II und ist damit ein direkter Nachfolger des zweiten Teils. Wir haben das Spiel ausgiebig für euch getestet – nicht nur um herauszufinden, ob es spielerisch an seine Vorgänger anknüpfen kann, sondern auch, wie es sich im Jahr 2020 auf der Nintendo Switch schlägt.


Mit der Plasmakanone geht es den Dämonen an den Kragen. © Bethesda Softworks

Das Doom auf der Nintendo 64 von irgendeinem Erfolg gekrönt sein könnte, hätten sich wahrscheinlich schon damals die wenigsten gedacht. Zugegeben, das Spiel stand unter keinem guten Vorzeichen, ein First-Person-Shooter dieses Kalibers will nicht wirklich in die sonst eher kinderfreundliche Bibliothek der Nintendo 64 passen. Für die Entwicklung war nicht id Software, sondern Midway Games zuständig und zu allem Übel fehlt dem Spiel der für DOOM typische Mehrspielermodus. Nach der Veröffentlichung im Jahr 1997 sorgte DOOM 64 daher bei den Kritikern nicht gerade für Freudensprünge und das Spiel konnte erst im Lauf der Zeit eine größere Fangemeinde aufbauen. Denn wie sich herausstellt, war nicht alles an DOOM 64 schlecht, ganz im Gegenteil: Rückblickend zeigen sich Qualitäten, die das Spiel zu einem unterschätzten Klassiker machen, den wir jetzt auch auf der Nintendo Switch als verbesserte Neuauflage genießen dürfen.


DOOM 64 füllt im Prinzip genau die Lücke, die DOOM II hinterlassen hat. Storytechnisch ist das Spiel nicht wie zum Beispiel DOOM 3 eine weitere Nacherzählung des ersten Teils, sondern knüpft direkt an die Ereignisse aus DOOM II an. Ihr kämpft dieses Mal gegen die Mutter aller Dämonen und ihre Gefolgschaft, die sich mit dem Ziel auf der Marsbasis ausgebreitet hat, jedem Dämon den Garaus zu machen. Auch spielerisch steht DOOM 64 seinen Vorgängern in nichts nach, bevor ihr euch verseht, steht ihr mit einer Schrotflinte in den Händen bereit, um euch durch die Gegner zu metzeln. Natürlich kann man dem Spiel vorwerfen, dass sich an der Formel nicht grundsätzlich etwas geändert hat, doch auch hier beweist sich das klassische Gameplay ein weiteres Mal: Dämonen mit absurd großen Waffen jagen, Secrets finden, Schlüsselkarten sammeln und in labyrinthartigen Levels zum Ausgang durchdringen, DOOM 64 bietet rasante Ego-Shooter-Action und hat alles, was schon die beiden Vorgänger groß gemacht haben. Was will man mehr?


Die Pixel-Kunst zeigt sich in ihrer ganzen Pracht. © Bethesda Softworks

Schon wie die Neuauflagen von DOOM, DOOM II und DOOM 3 bietet auch DOOM 64 ergänzend zu dem Hauptspiel zusätzliche Inhalte, die auch diese Version meiner Meinung nach zu der ultimativen Fassung des Originals machen. Zu den ursprünglich 32 Level wurde eine neue Kampagne hinzugefügt, auf die ihr nach dem ersten Durchspielen Zugriff habt. Nicht nur bieten euch "The Lost Levels" eine Reihe neuer Level, die Kampagne dient auch dazu die Ereignisse aus den klassischen DOOM-Spielen mit DOOM (2016) und DOOM Eternal zu verknüpfen. Ebenfalls neu ist die Einbindung der Bewegungssteuerung, die durchaus gut funktioniert, auch wenn ich mich auf Dauer nicht wirklich damit anfreunden konnte und bevorzugt mit den Analog-Sticks des Nintendo Swich Pro Controllers gespielt habe. Zu den willkommenen Neuerungen kommt die einwandfreie technische Umsetzung, die ebenfalls kaum zu Wünschen übrig lässt.


Schon damals konnte DOOM 64 von der Nintendo 64-Hardware profitieren, etwa durch bessere Beleuchtung, Texturen mit höherer Auflösung und überarbeiteten Sprites. Überraschenderweise überzeugt DOOM 64 im Gegensatz zu den Vorgängern mit einem ganz eigenen Stil, was auch der Nintendo 64 zu verdanken ist und DOOM 64 zu einem einzigartigen Ableger in der Reihe macht. Das Spiel bewahrt sich die Originalität, die DOOM ausmacht und doch versteckt sich hier mehr, als man anfänglich vermuten würde. Die Hardware erlaubte die Gestaltung deutlich komplexerer Levels, die alle mit einer Art 3D-Effekt ausgestattet waren. Zusätzlich trugen Sound und Design zu einer düsteren und unheimlichen Atmosphäre bei, die in den Vorgängern so nicht zu finden war. Bei der Portierung für die Nintendo Switch geht nichts von all dem verloren, DOOM 64 fühlt sich schnell, flüssig und scharf an und bietet zusätzliche Einstellungsmöglichkeiten im Menü, mit denen ihr einige wichtige Dinge wie Grafik und Steuerungsoptionen an eure Bedürfnisse anpassen könnt. Ihr habt jederzeit die Möglichkeit, euer Spiel zu speichern und die Tastenbelegung zu ändern. Hier wurde ganze Arbeit geleistet, die sich wirklich ausgezahlt hat. Bethesda geht in Sachen Remaster mit gutem Beispiel voran und zeigt, dass es sich lohnt, bei solchen Projekten die Extrameile zu gehen und so selbst eingefleischte DOOM-Enthusiasten zu begeistern.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Kevin Franke

Bethesdas Entscheidung, auch DOOM 64 auf der Nintendo Switch zu veröffentlichen, war goldrichtig. Auch wenn es sich nur um einen Ableger handelt, der nicht zur offiziellen klassischen Trilogie gehört, muss sich das Spiel in keinster Weise vor seinen großen Brüdern verstecken. Sowohl spielerisch als auch optisch macht DOOM 64 vieles richtig, zusätzlich aufgewertet von den kleinen Anpassungen von Bethesda, die DOOM 64 zum perfekten Spielerlebnis für zu Hause und unterwegs machen. Kann man über den fehlenden Multiplayer-Modus hinwegsehen, bekommt man für den Preis von nur 4,99 Euro ein klassisches DOOM-Erlebnis nach bester Manier.
Mein persönliches Highlight: Dass sich die Entwickler auch mit DOOM 64 sehr viel Mühe gemacht haben und ein weiteres essenzielles Remaster abgeliefert haben.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

3 User haben bereits bewertet

Kommentare 1

  • RAPtor

    i'm really feeling it

    ist ein sauberer Port.
    Bin gerade in lvl 23 glaube ich. Wird langsam sau schwer :S