Aufwärts, nicht seitwärts

Enter the Gungeon ist neben The Binding of Isaac eines der berühmteren Rogue-like-Spiele und wurde im Jahr 2016 von Devolver Digital veröffentlicht. Der Titel wurde nach und nach mit neuen kostenlosen Inhalten ergänzt, sodass die Spielerschaft für eine lange Zeit bei der Stange gehalten wurde. Mit dem Start von Apple Arcade im Jahr 2019 wurde Exit the Gungeon zudem auf iOS- und macOS-Geräten veröffentlicht und einige Monate später fand der Titel seinen Weg auf die Nintendo Switch. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um einen Nachfolger, sondern um ein Spin-off des Originals, das mit einem Startpreis von 9,99 € etwas günstiger als das Hauptspiel ausfällt.


Auch mit einer Gitarre lassen sich die Gegner besiegen. © Devolver Digital

Bei Exit the Gungeon handelt es sich wie beim Hauptableger um einen Rogue-like-Titel, das bedeutet, dass ihr nach jeder Spiel-Session von vorne beginnt und in zufällig generierten Level bis zum Ende oder eurem virtuellen Tod spielt. Von der Top-Down-Perspektive des Originals muss sich verabschiedet werden, denn Exit the Gungeon ist ein sogenannter Dungeon Climber, welcher in der zweidimensionalen Perspektive gespielt wird und mehr wie ein Jump ‘n Run-Spiel anmutet. Wie schon im Original könnt ihr eine Ausweichrolle vollführen, um den gegnerischen Projektilen auszuweichen. Hierbei ist allerdings auch das Springen besonders wichtig, da das Spielgeschehen nun auch vertikal in die Höhe verlagert wird und ihr während eines Sprungs für eine kurze Zeit unverwundbar seid. Die Sprung- und Ausweichsteuerung wurde dabei sowohl auf die Schultertasten als auch auf die Buchstabentasten des Controllers gelegt. Da euer rechter Daumen immer auf dem Stick liegen muss, war ich froh, dass es mir möglich war, alle schnellen Aktionen mit den Schultertasten vollziehen zu können. Allerdings kann es gerne mal passieren, dass sich eure Finger bei all der Hektik im Spiel versteifen können. Während das mit dem Nintendo Switch Pro Controller teils schon anstrengend wurde, wird es im Handheld-Modus umso herausfordernder, den rechten Stick des Joy-Con zu halten.


Das Spiel ist alles andere als ein entspannter Spaziergang


Während ihr in Enter the Gungeon die Räume einer Ebene noch in einer beliebigen Reihenfolge durchforsten konntet, läuft Exit the Gungeon wesentlich linearer ab. Das Spiel lässt euch deutlich seltener wählen, was ihr gerade machen wollt, sondern lässt euch durch vorgegebene Ebenen laufen. Bis zum ersten großen Boss-Gegner ist der Verlauf jeder Runde nahezu identisch, doch danach gestaltet sich das Spiel deutlich individueller und der Zufallsfaktor im Aufbau der Level nimmt eine größere Rolle ein.


Gegen die Schlangenlady bin ich bereits beim ersten Versuch schnell gestorben, doch beim dritten Anlauf habe ich sie endlich besiegen können. © Devolver Digital

Die Kammern fallen sehr abwechslungsreich aus, denn mit zusätzlichen Elementen wie zum Beispiel manuell durch Fußschalter steuerbaren Plattformen oder hitzigen Gefechten in Aufzügen, kommt ein zusätzlicher Herausforderungsgrad mit ins Spiel. Doch selbst ohne diese Extras gestaltet sich das Spiel ganz schön schwierig.


Denn manchmal befinden sich zehn Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm, die sich in alle Himmelsrichtungen verteilen und Projektile von unterschiedlichen Größen in eure Richtung schießen. In solchen Momenten sind eure Multitasking- und Reaktionstalente gefragt, denn durch Rollen und Springen solltet ihr jedem Projektil ausweichen, nur um gleichzeitig auch die Gegner mit eurer Waffe abzuschießen. Dies gestaltet sich alles andere als einfach, doch mit etwas Übung verbessert ihr euch stets. Während ihr anfänglich nicht einmal den ersten Bossgegner besiegen könnt, werdet ihr mit steigender Erfahrung immer besser und besser. Später habt ihr auch das Angriffsschema der einzelnen Gegner im Kopf und wisst, worauf es ankommt, um den Angriffen effektiv auszuweichen.


Dieser eine spielentscheidende Makel


Doch das Spiel weist in puncto Spielbalance ein sehr gravierendes Problem auf. Im Gegensatz zu Enter the Gungeon werden in dem Spin-off eure Waffen nicht eingesammelt und frei ausgewählt, sondern alle paar Sekunden zufällig ausgetauscht. Die Balance der Waffen fällt dabei ziemlich variabel aus, sodass es dazu kommen kann, dass ihr in einem Bosskampf über die stärkste Waffe des Spiels verfügt und diese prompt durch die schwächste Waffe ausgewechselt wird. Dies kann nicht nur den Spielfluss stören, sondern auch euren Lauf komplett zerstören, da Waffen, die geladen werden müssen, in einigen Situationen unpraktisch sind. Manchmal befinden sich beispielsweise viele kleine Gegner auf dem Bildschirm und man wünscht sich eher eine Waffe, die einen großen Schussradius aufweist. Im späteren Spielverlauf seid ihr mit einer schwachen Waffe wie der Nagelpistole einfach hoffnungslos unterlegen. Dies kann dazu führen, dass ihr euren kompletten Lauf, der mehr als 20 Minuten dauern kann, verliert. Ein Multiplikator im oberen Bildschirmrand steigt höher, je mehr Gegner ihr besiegt, ohne Schaden zu nehmen. Gelingt euch dieses Kunststück, werdet ihr mit besseren Waffen belohnt, allerdings ist der Unterschied in der Waffenvergabe letztendlich nicht sehr gravierend, sodass ihr auch bei einer guten Punktzahl des Multiplikators schlechte Waffen bekommen könnt.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Ilja Rodstein

Wäre da nicht die teils problematische Spielbalance, würde es sich bei dem Spin-off Exit the Gungeon um ein sehr kurzweiliges Spiel handeln. Die Spielaufmachung und das Gameplay sind ziemlich gut gelungen und auch die Überraschungen, die das Spiel bietet, sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Doch nach mehreren frustrierenden Toden verschwand meine Lust auf das Spiel, welches im Kern so viel Spaß machen würde, wäre da nicht die zufällige Waffenvergabe. Dadurch fühlt es sich so an, als würde man hier ein Glücksspiel spielen und möge euer Lauf noch so gut gelingen, innerhalb von Sekunden könnte sich das Blatt wenden. Kennt ihr das Original Enter the Gungeon noch gar nicht, dann solltet ihr schnellstmöglich im Nintendo eShop zuschlagen, Fans des Originals werden bei diesem Spin-off dennoch viel Spaß haben.
Mein persönliches Highlight: Die vielen Bossgegner sind sehr abwechslungsreich.

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 4

  • bubisaurus

    Turmsaurier

    Enter the Gungeon hat mir "damals" ein Stück weit die Lust auf das Genre zurückgebracht. Seitdem hatte ich meine Freude mit Juicy Realms oder Full Metal Furies (das man zumindest mehr oder weniger dazu zählen kann) und diversen anderen Titeln. Das macht vor allem im Multiplayer Laune, auch wenn manchmal die Übersicht drunter leidet. Ich denke, ich werde Exit the Gungeon durchaus mal eine Chance geben. Im Moment haben andere Sachen noch Vorrang. Danke für den Test.

  • Linnea

    △○╳□

    Bin irgendwie immernoch total unschlüssig...


    Würde das Spiel einen anderen Namen haben, dann würde ich es wohl gar nicht haben wollen. Ich bin mir fast sicher, dass ich genau wie Ilja nach wenigen Runden aufhören würde. Da ich aber Enter the Gungeon wirklich sehr mag, werde ich wohl bei Exit the Gungeon irgendwann trotzdem zuschlagen.


    Vielleicht ist es ja ab 15 Uhr im großen eShop-Sale dabei.

  • Lycanroc

    Wolwerock

    Rein optisch gefällt mir das Spiel leider gar nicht.

  • Wichert

    Turmheld

    ich finde es echt gelungen. Heut zu Tage ein neues Arcade Spiel zu finden ist echt nicht leicht. Es ist sehr kurzweilig und dass es im Gungeon Universum spielt ist das Tüpfelchen auf dem i.
    Allerdings ist es tatsächlich nicht so gut balanciert und hat weitaus weniger Content als ETG - was eine gewisse Messlatte für Dodge Roll gesetzt hat.
    Würde ihm auch 7 Punkte geben.