Hitlers geheimer Plan Z

Deutschland, 1945: Im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges sind die Alliierten in Deutschland und rücken immer weiter auf Berlin vor. Doch Hitler weigert sich, die Niederlage einzugestehen, und befiehlt die Ausführung von Plan Z – alle gefallenen Soldaten oder verstorbenen Personen wieder zum Leben zu erwecken, um die Nazis dennoch zum Sieg zu führen. Das ist die Grundgeschichte der Zombie Army-Spiele von Rebellion, dem Entwickler der Sniper Elite-Serie, aus der Zombie Army Trilogy als Spin-off hervorgegangen ist.


Gegner in der Ferne könnt ihr wie bei Sniper Elite versuchen, zu erledigen. © Rebellion

Dabei sind einige Gemeinsamkeiten zur Sniper Elite-Serie vorhanden: Der Titel spielt in Deutschland zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, ihr müsst den Feinden mit euren Waffen in den Kopf schießen und Kill-Kameras, welche bei bestimmten Schüssen den Verlauf der Kugel durch den Körper anzeigen, sind ebenfalls vorhanden. Aber diesmal müsst ihr nicht verdeckt durch Häuser oder über Hügel schleichen, sondern müsst nach Berlin, durch die Stadt hindurch und auch wieder heraus. Dabei wimmelt es überall von Zombies, na ja, nicht überall, denn die Level sind recht linear gestaltet und die Untoten werden nur an bestimmten Stellen aktiviert. Gutes Zielen ist wichtig, denn schießt ihr nicht ihren Kopf ab, könnten sie wiederauferstehen. Die Zombies variieren dabei in Form und Größe. So gibt es nicht nur den typischen Standard-Soldaten-Zombie, sondern auch Skelette, gepanzerte Zombies, explodierende Zombies, Scharfschützen, die durch die Luft springen können, und sogenannte Supersoldaten, die nur mit mehreren Kopftreffern getötet werden können. Zudem sind recht viele Zombies unterwegs, die entweder den Weg versperren oder in Belagerungen vernichtet werden müssen. Die Anzahl der Zombies richtet sich nach der Spieleranzahl, kann aber auch vom Spieler eingestellt werden. Dennoch sind auch bei nur einem Spieler sehr viele davon unterwegs.


Leider ist das Spiel nicht wirklich für den Einzelspieler geeignet. Zwar tauchen vergleichsweise weniger Zombies auf, aber das Level-Design ist ganz klar auf mehrere Spieler ausgelegt, die im Koop zusammenarbeiten. So sind im Solo-Modus zum Beispiel keine NPC-Kameraden unterwegs, sodass ihr schnell sterben könnt, wenn Zombies unbemerkt von hinten angreifen oder ihr euch etwas ungünstig platziert. Auch gibt es manchmal Stellen, die eigentlich passierbar scheinen, an denen man bei hastigem Schusswechsel allerdings hängen bleibt und entsprechend keine Chance mehr hat. Im Mehrspieler-Modus kann hingegen zum Beispiel jemand von der oberen Etage auf die ankommenden Zombie-Horden schießen, während ein anderer den Eingang bewacht. Bis zu vier Spieler können online und lokal mit mehreren Nintendo Switch-Konsolen losziehen und das von Nazi-Zombies befallene Deutschland beziehungsweise die Ruinen Berlins erforschen. Die Entwickler haben es leider nicht geschafft, einen guten Ausgleich zu finden, damit beim Einzelspieler über die lange Zeit hinweg Freude aufkommt, denn manchmal ist die Kampagne etwas frustrierend. Der einstellbare Schwierigkeitsgrad bestimmt das Waffenverhalten und die Heilungsrate, aber nicht die allgemeine Schwierigkeit von Gegnern. Im Level verteilt gibt es Kontrollpunkte, an denen ihr beim Ableben wieder beginnt. Auch sind etwa drei bis fünf Tresorräume pro Level verteilt, wo ihr euch kurz von den Zombies erholen und eure Munition auffrischen könnt. Das Spiel bietet euch in der Kampagne 15 Missionen über drei Kapitel verteilt. Für ein Durchspielen einer Mission sind rund 60 Minuten zu veranschlagen. Am Ende jeder Mission stehen ein größeres Scharmützel gegen mehrere Zombies oder ein Bossgegner an. Allerdings könnt ihr nicht speichern und das Spiel zwischendurch beenden. Ihr müsst eine Mission entweder zu Ende spielen oder abbrechen und noch mal von vorne starten.


Im Horde-Modus strömt eine ganze Horde an Zombies auf euch zu. Doch dank der Flinte sind sie schnell erledigt. © Rebellion

Insgesamt gibt es drei Waffenarten. Als Hauptwaffe ein Gewehr mit Zielobjektiv, ein Maschinengewehr oder eine Schrotflinte sowie eine kleine Pistole. Beim Gewehr kann zwischen Zielobjektiv und Schulterperspektive gewechselt werden, ansonsten ist die Kamera des Spiels stets hinter euch und blickt über die Schulter der Spielfigur. Das Schuss- und Nachlade-Verhalten ist auf die Zeit des Zweiten Weltkrieges zugeschnitten: Magazine sind begrenzt und die Größe dieser abhängig von der Waffe. Zusätzlich gibt es vier Granaten- und Minentypen, die ihr mit auf die Missionen nehmen könnt. Neben normalen Stielhandgranaten könnt ihr auch Minen platzieren, Sprengfallen mit Stolperdraht oder auch Dynamit auf den Boden legen. Letzteres muss von euch angeschossen werden, damit es explodiert. Ihr könnt vor dem Missionsstart euren Charakter (insgesamt stehen acht zur Verfügung) auswählen und anschließend eure Waffen wählen. Bei Granaten, Minen oder Dynamit dürfen je Kategorie maximal vier Stück, zusammengerechnet aber nicht mehr als sechs Objekte mitgenommen werden. In bestimmten Level-Segmenten sind einige explodierende Gasflaschen und Treibstoffkanister verteilt, die durch einen gezielten Schuss explodieren und Zombies mitreißen können. Leider sind neben diesen explodierenden Objekten keine weiteren Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung vorhanden.


Neben den Missionen der Kampagne steht auch ein Horde-Modus zur Verfügung, in dem ihr euch alleine oder mit anderen im Koop zusammen einer Armee an Zombies stellen könnt. Euer Ziel ist es, so lange wie möglich durchzuhalten, denn hier werden Gegner-Wellen auf euch losgeschickt, die immer stärker werden. Im Horde-Modus werden überarbeitete Level-Abschnitte aus der Kampagne genutzt, allerdings sind nur fünf Karten mit unterschiedlicher Größe vorhanden. Dabei könnt ihr maximal zu viert spielen, Munition an diversen Kisten oder von toten Zombies aufsammeln und Fallen legen, um den Vormarsch der Zombies zu stoppen. Online werdet ihr bei einem Niedergehen nicht sofort sterben, denn solange ein Mitspieler auf den Beinen ist, kann er euch wiederbeleben. Sollte aber eine Minute ablaufen, in der ihr ohnmächtig seid oder am Boden liegend Blut verliert, seid ihr für die Welle tot. Am Boden liegend könnt ihr aber noch mit der Pistole auf die euch umgebenden und einprügelnden Zombies schießen, bis sie euch ohnmächtig hauen. Solltet ihr tot sein und die anderen Spieler die Welle überstanden haben, werdet ihr automatisch vom Spiel zu Beginn der nächsten Welle wiederbelebt.


Die Kill-Kamera zeigt euch eindrucksvoll den Flug des Projektils durch den Gegner. © Rebellion

Technisch und grafisch haben die Entwickler eine recht gute Portierung erzielt, denn das Spiel bietet eine hohe Auflösung und eine stabile Bildrate. Auch kann die Bewegungssteuerung aktiviert werden, welche beim Zielen für die Feinjustierung hilfreich ist. Allerdings ist die Sensitivität dieser auf Standardeinstellungen recht träge, weswegen ich sie erhöht habe. Im Handheld-Modus funktioniert die Bewegungssteuerung in der Regel super, mit Pro Controller hatte ich hingegen kleinere Probleme. Ansonsten können Arme, Köpfe und Beine abgeschossen werden, welche dann durch die Luft fliegen oder am Boden liegen, bis die Leichen sich nach ein paar Sekunden auflösen. Die Kill-Kamera ist ebenfalls gelungen, kann aber auch deaktiviert werden, wenn sie beim Spielfluss stört. Ansonsten wurde das zerstörte Deutschland mit guter Lichtinszenierung und einigen tollen Perspektiven auf verschiedene Gebäude gut umgesetzt. Auch das allgemeine Gegner-Design ist gelungen und die KI funktioniert auch recht gut, wobei es immer typische Zombies sind, die stur in eure Richtung gehen, aber auch mal zur Seite schwanken können. Ein paar Schreckmomente sind ebenfalls vorhanden. Die Musik und Sounds sind atmosphärisch gestaltet und unterstreichen das Gefühl, alleine einer Übermacht entgegenzutreten. So gibt es gegnertypische Sounds, die euch Hinweise auf kommende Gefahren geben. Beispielsweise hört ihr das Stampfen des großen, langsamen Supersoldaten oder den langanhaltenden Schrei eines explodierenden Kamikaze-Zombies. In der von uns getesteten deutschen Fassung wurde nichts geschnitten und Hakenkreuze sind an Flaggen, Gebäuden und den Zombies vorhanden. Nur die Lokalisierung der Texte hätte etwas besser sein können. Obwohl auch das Online-Spiel stabil funktionierte, erlebte ich manchmal einige Verzögerungen, sodass Schüsse erst nach einer Sekunde als Treffer verrechnet wurden, obwohl ich davon ausging, nicht getroffen zu haben. Wenn ich der Ersteller des Online-Raumes war, hatte ich dieses Problem nicht.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Marco Kropp

Zombie Army Trilogy ist nichts für schwache Nerven und auch nicht für sture Einzelspieler zu empfehlen. Es sollte bevorzugt mit einer weiteren Person im Koop gespielt werden, da das allgemeine Design genau darauf ausgelegt ist. Es ist zwar auch im Einzelspieler solide und kann kurz unterhalten. Aber durch die langen Missionen und dem dann auf Dauer doch etwas langweiligen Gameplay kann es auch mal monoton und anstrengend werden. Technisch und audiovisuell ist das Spiel sehr gut umgesetzt. Die Shooter-Mechaniken sind ebenfalls hervorragend. Interessant wird es im Online-Spiel, wenn mehrere Spieler miteinander in dem langen Level unterwegs sind oder sich im Horde-Modus mehreren Zombie-Wellen stellen. Gerade der Horde-Modus ist kürzer und macht mit mehreren Spielern am meisten Spaß. Solltet ihr also hart im Nehmen sein und Niederlagen gut verkraften können, könnt ihr dieses Spiel auch alleine wagen. Ansonsten solltet ihr es entweder im Koop spielen oder die Finger davon lassen.
Mein persönliches Highlight: Als ich drei Zombies mit einer Kugel erledigte und die Kill-Kamera dies einfing.

Die durchschnittliche Leserwertung

6 User haben bereits bewertet

Kommentare 6

  • Houdini13

    Turmheld

    Suche schon lange nach nem guten Shooter auf der Switch. Und nach Leuten für Koop :rolleyes:

  • Tomaru

    M&M - Minish Mage

    "Doch etwas langweiliges Gameplay" klingt für mich höchstens nach 'ner 6 o,o

  • Vorposten

    Atelier Ryza 2: 29.01.21

    @Hakurymon die Betonung liegt auf das davor "auf Dauer...". ;)


    Das heißt wenn du es versuchst, mehrere Stunden am Stück zu spielen, kann es langweilig werden, vor allem im Einzelspieler.

  • Wricksen

    Turmknappe

    Ich hab das damals auf der XBOX360 gezockt. War im Coop und Einzelplayer ein top Shooter. Ich muss sagen auf der Switch macht ist es nach wie vor ein Mordsspaß, gegen die Horde zu bestehen. Sogar der Einzelplayer ist fordernd und machbar. Klar macht es im Coop mehr Bock, aber es ist und bleibt ein überragender Ego-Shooter! Haut rein, ihr werdet es nicht bereuen :)

  • Rakok1985

    Turmritter

    @Wricksen Will nicht, aber muss leider Klugschei**en. Es ist kein Egoshooter sondern ein Third Person Shooter ^.^

  • Wricksen

    Turmknappe

    @Rakok1985 Recht haste! Nichts desto trotz ein sehr guter Third Person Shooter, der auch heute noch Spaß macht. Das haben bis jetzt erst wenige Titel auf der Switch geschafft...