Berufswunsch: Jedi-Ritter

Nach über 17 Jahren hat Star Wars: Jedi Knight – Jedi Academy den Sprung auf eine Nintendo-Konsole geschafft. Der ursprünglich für den PC, Mac und Xbox entwickelte Titel erschien 2003 als Nachfolger des sehr beliebten Star Wars: Jedi Knight II – Jedi Outcast, das schon im letzten Jahr für die Nintendo Switch erschienen ist. Anders als im Vorgänger, schlüpfen wir diesmal nicht in die Rolle des Söldners und späteren Jedis Kyle Katarn, sondern dürfen uns unseren eigenen Jedi erstellen, der auf den Namen Jaden Korr hört. Eigenschaften wie Rasse, Geschlecht und die Farbe des Lichtschwerts könnt ihr zu Beginn des Spiels nach euren Vorstellungen anpassen. Nach der Charaktererstellung stürzt ihr euch im wahrsten Sinne des Wortes mitten ins Geschehen: Ihr befindet euch auf dem Weg zu der Jedi-Akademie, die Luke Skywalker nach den Ereignissen in Die Rückkehr der Jedi-Ritter auf Yavin 4 errichtet hat. Da ihr es ohne Hilfe geschafft habt, ein Lichtschwert herzustellen, entscheidet ihr euch dazu, als Padawan in den Wegen der Macht ausgebildet zu werden. Doch gerade, als ihr euch Yavin 4 nähert, stürzt euer Raumschiff ab, und ihr müsst auf eigene Faust den Weg zur Akademie finden.


Luke Skywalker und Kyle Katarn sind an der Jedi-Akademie eure Ausbilder. © Aspyr

Dort angekommen, stellt ihr fest, dass die Kräfte der dunklen Seite die Macht, die dem alten Tempel innewohnt, mit einem Artefakt entziehen. Noch bevor ihr etwas tun könnt, verliert ihr das Bewusstsein und kommt erst wieder zu euch, als Luke, Kyle und die anderen Mitglieder der Akademie sich um euch sammeln. Schnell wird klar, dass es sich bei den feindlichen Kräften um einen Sith-Kult, die Jünger Ragnos‘, handelt, der mithilfe eines alten Artefakts mächtig genug werden will, um die Neue Republik zu vernichten und das alte Imperium wieder auferstehen zu lassen. Um die Bedrohung durch die dunkle Seite aufzuhalten und zu einem vollwertigen Jedi ausgebildet zu werden, werdet ihr Kyle Kartan als Padawan zugeordnet. Nach einer kurzen Trainingseinheit in den Hallen der Akademie, werdet ihr quer durch die Galaxis auf verschiedene Missionen entsandt. Auf den verschiedenen Welten müsst ihr dem Ruf der Jedi, Hüter des Friedens zu sein, gerecht werden. Das heißt, ihr schaltet Söldner aus, sucht nach verschollenen Handelsschiffen oder befreit Gefangene aus den Klauen der Hutten. Ihr dürft euch dabei aussuchen, in welcher Reihenfolge ihr die Missionen erledigt. Im späteren Spielverlauf gibt es auch Abschnitte, in denen ihr eine bestimmte Anzahl von Missionen absolvieren müsst, bei der Wahl zwischen den Einsätzen aber völlig frei seid. Das ändert den Verlauf der Geschichte zwar nicht, trägt aber etwas zur Abwechslung bei.


Die Handlung von Star Wars: Jedi Knight – Jedi Academy nimmt ohnehin erst im letzten Spieldrittel etwas an Fahrt auf. Bis dahin bleibt die Bedrohung durch die Jünger Ragnos‘ lediglich ein grober roter Faden, der zwischen den Missionen in kurzen Besprechungen angedeutet wird und den einzelnen Missionen dadurch einen Rahmen bietet. Doch auch im letzten Drittel solltet ihr nicht allzu viel Neues oder Überraschendes erwarten. Der Titel nimmt die aus allen anderen Star Wars-Geschichten bekannten Motive wie die Zerrissenheit zwischen der dunklen und hellen Seite und packt sie in ein neues Korsett. Ohne in zu großes Spoiler-Territorium zu kommen, kann hier auch gesagt werden, dass ihr euch selbstverständlich dafür entscheiden müsst, ob ihr der hellen Seite die Treue haltet, oder euch den Sith anschließt. Die Handlung wäre weitgehend uninteressant, wenn Jedi Academy nicht eine der bekanntesten und beliebtesten Marken der Popkultur im Schlepptau hätte. Auch wenn die Erzählung euch nicht in den Bann ziehen wird, gibt es – insbesondere für eingefleischte Star Wars-Fans – viele kleine Momente, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Mal trefft ihr auf einen der Charaktere aus den Filmen (Chewie!), mal müsst ihr einen Droiden mit wichtigen Informationen von den Tusken-Räubern zurückholen. Das alles wird begleitet vom fantastischen Star Wars-Soundtrack und einer größtenteils soliden deutschen Sprachausgabe, die zwar nicht an das englische Original herankommt, aber immerhin bekannte Stimmen wie den deutschen Synchronsprecher von Mark Hamill zu bieten hat.


Die Lichtschwertduelle sind das Highlight des Spiels. © Aspyr

Ein wesentlicher Unterschied zum Vorgänger Jedi Outcast ist, wie bereits erwähnt, dass ihr von Anfang an mit einem Lichtschwert bewaffnet seid. Ihr habt zwar nach wie vor die Wahl, ob ihr lieber mit dem Lichtschwert oder Blasterwaffen gegen eure Gegner vorgehen wollt, der Kampf mit dem Lichtschwert macht aber deutlich mehr Spaß und steuert sich insgesamt auch besser als der Fernkampf. Das Spiel ändert, je nach Art der Bewaffnung, die Perspektive. Das Lichtschwert führt ihr aus einer 3rd-Person-Perspektive, wobei die Kamera fixiert ist und sich immer in Richtung des Charakter-Sichtfelds bewegt. Wenn ihr zur Blasterpistole greift, wechselt das Spiel in die Ego-Perspektive und steuert sich wie ein klassischer Shooter.


Generell kann man sagen, dass der Kampf mit dem Lichtschwert das absolute Highlight von Jedi Academy ist. Gerade, wenn ihr euch einem oder mehreren Sith im Duell stellt, kann das Spiel anspruchsvoll werden. Wie lange ein Duell dauert, richtet sich danach, wie effektiv ihr die Schläge eures Gegners parieren könnt. Die Idee eines Lichtschwertduells wird gut auf die Ebene der Spielmechanik übertragen: Da die Waffe absolut tödlich ist, haltet ihr nur sehr wenige Schläge aus. Gleiches gilt für eure Gegner. Deshalb ist es entscheidend, Gegner im richtigen Winkel zu treffen und eure Machtfähigkeiten wie den Schub, den Blitz oder die Absorption gegnerischer Macht-Angriffe sinnvoll einzusetzen. Dadurch gestaltet sich jedes Aufeinandertreffen mit einem Gegner spannend.


Die Fahrt mit dem Düsenschlitten macht Spaß. Die Steuerung ist aber gewöhnungsbedürftig. © Aspyr

Neben den eigentlichen Kämpfen besteht eure Hauptaufgabe darin, die einzelnen Level zu erkunden, die ihr im Rahmen der Missionen ansteuert. Die Welten bieten relativ viel Abwechslung und erstrecken sich über Wüstenlandschaften auf Tatooine bis zu den Eisflächen von Hoth. Der Titel versucht, durch den Einbau von kleineren Fahr- und Geschützpassagen, stellenweise auch für spielerische Abwechslung zu sorgen. Das klappt mal mehr und mal weniger gut. Das Düsenschlitten-Fahren auf dem Planeten Zonju-V macht beispielsweise zwar Spaß, das Gefährt steuert sich aber auch sehr unpräzise und sperrig.


Wirklich nervig sind aber tatsächlich die Sprung-Passagen, die immer wieder im Verlauf der verschiedenen Level gemeistert werden müssen. Durch die Kombination aus der fixierten Kamera und der Sprungmechanik, die euch – der Macht sei dank – unterschiedlich weit und hoch springen lässt, ist es schwierig, Sprünge auf Anhieb zu schaffen. In der Praxis führt das zu vielen unnötigen Bildschirmtoden. Das unnachgiebige Kontrollpunkte-System und die Notwendigkeit, Passagen öfter durchspielen zu müssen, tragen dann auch entsprechend zu Frustmomenten bei, die man hätte vermeiden können.


In technischer Hinsicht ist Jedi Academy deutlich besser gealtert, als man es von einem 3D-Spiel aus den frühen 2000ern erwarten würde. Natürlich wirken die Gesichts- und Bewegungsanimationen stellenweise altbacken, und bei genauerem Hinsehen bemerkt man schnell die matschigen Texturen. Mir persönlich ist das beim Spielen aber gar nicht so stark aufgefallen. Die Umgebungen wirken auch heute noch stimmig. Der generell karge Star Wars-Stil mit den klinisch anmutenden Raumschiffen und weiten Landschaften mag seinen Beitrag dazu leisten, dass die teils verwaschenen Texturen nicht so sehr hervorstechen. Für den Port hat Aspyr das Spiel auf das moderne 16:9-Format gestreckt. Vereinzelt finden sich Bugs, die so wirken, als seien sie schon im Original von 2003 enthalten gewesen. Einmal ist das Spiel während des Ladens einer Zwischensequenz tatsächlich abgestürzt, was aber nicht zum Verlust von Spielfortschritt geführt hat. Trotzdem ist zu hoffen, dass Aspyr solche Fehler noch ausbügelt.


Im Mehrspieler-Modus stellt ihr euer Können in insgesamt sechs Spielmodi unter Beweis. © Aspyr

Wenn ihr die Einzelspieler-Kampagne durchgespielt habt, habt ihr die Möglichkeit, euer Können mit dem Lichtschwert im Mehrspieler-Modus unter Beweis zu stellen. Dafür stehen verschiedene klassische Modi wie "Capture the Flag" oder "Belagerung" zur Auswahl. Die Mehrspieler-Partien liefen in meinem Probespiel weitgehend stabil, einzelne Ruckler waren aber festzustellen. Das einzige größere Manko, das ich feststellen konnte, war die vergleichsweise geringe Spieleranzahl auf den Servern. Von den maximal möglichen 16 Teilnehmern sind in meinem Probedurchlauf an einem Freitagabend nur maximal fünf Spieler zusammen gekommen. Von den großen Lichtschwert-Gefechten, die angepriesen werden, ist das noch ein gutes Stück entfernt. Es ist aber natürlich nicht ausgeschlossen, dass die Spielerzahl in den nächsten Wochen noch ansteigt.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Adis Selimi

Star Was: Jedi Knight – Jedi Academy ist auch nach heutigen Maßstäben noch ein spaßiges Spiel. Der große Vorteil gegenüber dem direkten Vorgänger Star Wars: Jedi Knight II – Jedi Outcast ist, dass ihr von Anfang an mit dem Lichtschwert in den Kampf ziehen könnt. Der Kampf mit der futuristischen Waffe macht immer noch großen Spaß und trägt den Titel über weite Teile des Spiels. In Kombination mit den bekannten Charakteren aus dem Star Wars-Universum ist dieser Titel für Krieg-der-Sterne-Fans immer noch Pflicht. Die technische Umsetzung für die Nintendo Switch ist solide, es wäre aber schön gewesen, wenn Aspyr weitere Anpassungsmöglichkeiten eingebaut und bestehende Probleme des Originals behoben hätte. Die weit auseinanderliegenden Kontrollpunkte sorgen zusammen mit der Kameraführung oft für unnötige Frustmomente. Generell ist Jedi Academy ein Spiel, das etwas Einarbeitungszeit benötigt, aber wer sich darauf einlässt, bekommt auf der Nintendo Switch ein ordentliches Sci-Fi-Action-Adventure geboten.
Mein persönliches Highlight: Die Lichtschwertduelle.

Die durchschnittliche Leserwertung

3 User haben bereits bewertet

Kommentare 1

  • 64bit

    Turmritter

    Ein schön geschriebener Test, dennoch finde ich die Wertung etwas zu niedrig. Ich habe das Spiel letzten Monat am PC durchgespielt und auch wenn es nicht an die Klasse von Jedi Knight 2, vorallem auch hinsichtlich der Story rankommt, ist es für mich definitiv eine 7 oder 8.
    Man sollte zwar Teil 2 vorher gespielt haben, damit die Story mehr hergibt, aber vom Gameplay ist das Spiel super. Vorallem die Lichtschwertkämpfe fühlen sich gut an.
    Was das Spiel auch richtig macht, ist es, dass Star Wars Feeling zu transportieren. Man fühlt sich tatsächlich wie ein Jedi, aber auch die Welten sind für Kenner gut getroffen.


    Ärgerlich sind sicherlich die Probleme im Mehrspielermodus, aber als reines Singleplayerspiel kann man gerne zugreifen, wenn man nur sich nur ein wenig für Star Wars oder Sciene Fiction begeistern kann.
    Wer einen PC hat, sollte aber wegen der Steuerungsoptionen doch eher an die Version denken (dürfte wohl auch günstiger sein).