Einmal ein Held sein

Könnt ihr abschätzen, mit wie vielen Helden ihr bereits in virtuelle Abenteuer gestartet seid, um die Welt vor der drohenden Vernichtung zu retten? Nein? Ich auch nicht! Umso erfrischender empfand ich den Grundgedanken von UnderHero, in welchem man ausnahmsweise mal einen der Bösewichte steuert, welcher jedoch zum neuen Helden auserkoren wurde. Wie sich die Mischung aus Jump 'n' Run und Rollenspiel in unserem Test geschlagen hat und ob wir auch zukünftig auf die strahlenden Helden verzichten können, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.


Der Sieg über den Helden wird groß gefeiert. © Digerati

Noch zu Beginn von UnderHero war ich sichtlich verwirrt. Als strahlender Held wage ich meine ersten Schritte durch das Schloss des Oberbösewichts Mr. Stitches. Diese Verwirrung sollte auch kurze Zeit später anhalten, als ich dabei zusehe, wie die Heldenfigur des Titels unter unglücklichen Umständen sein Leben verliert und ich plötzlich die Rolle eines der Helfer von Mr. Stitches übernehmen darf. Ein paar leise Rufe führen mich zum Ort des Unglücks, wo ich meinen zukünftigen Begleiter Elizabeth treffe, bei welchem es sich um ein sprechendes Schwert des ehemaligen Helden handelt und das mich nun in das Heldenleben einführt. Dank dieser Tipps und Erfahrungen lerne ich so die Grundlagen des Spiels kennen und wage mich Schritt für Schritt voran.


Gemeinsam mit eurem neuen Begleiter wagt ihr euch so durch das gesamte Königreich, welches durch Teleporter mit dem Schloss von Mr. Stitches verbunden ist. So gelangt ihr beispielsweise in einen großen Wald, an einen sonnigen Strand oder in eine unheimliche Villa, welche abwechslungsreich und zugleich grandios dargestellt sind. Eure Aufgabe ist es hierbei, in jedem Bereich einen Boss des Gebiets ausfindig zu machen, um diesen die Edelsteine, welche der Held ihnen im Vorfeld abnahm, wieder zurückzubringen. Dabei erwarten euch zwei grundlegende Spielelemente, welche UnderHero zu einem sehr interessanten Titel machen. Zum einen sind dies die Jump 'n' Run-Passagen. In einer 2D-Sidescroller-Ansicht hüpft ihr durch die Gebiete, um jeden Winkel zu entdecken. Zur Verfügung steht euch dabei auch euer Umhang, welchen ihr per Knopfdruck in der Luft aktivieren könnt, um zu gleiten. So lassen sich auch größere Abgründe mühelos überwinden, fordern euch jedoch nichtsdestotrotz im Laufe der Geschichte immer mehr heraus, da ein hohes Maß ein Präzision von euch abverlangt wird. Dies spielt sich insgesamt sehr gut und macht auch Spaß, manchmal steht einem die Steuerung jedoch ein klein wenig dabei im Weg.


Die Bosse haben im Vergleich zu uns eine beachtliche Größe. © Digerati

Zum anderen trefft ihr, während ihr durch die Welten zieht, eine große Anzahl an Widersachern, welche euch das Voranschreiten erschweren möchten. Sobald ihr mit diesen in Kontakt tretet, öffnet sich ein Kampfbildschirm. Es liegt dann an euch zu entscheiden, ob ihr mit eurem Schwert eine schnelle Attacke ausführt oder euren Hammer zückt, welcher zwar mehr Zeit zum Einsatz benötigt, dafür ordentlich Durchschlagskraft hat. Um eure Attacken auszuführen, verfügt ihr über eine gewisse Menge an Ausdauer, die bei einer Attacke verbraucht wird. Sollte diese gegen null sinken, seid ihr zeitweilig leicht angreifbar, weshalb der Blick auf den Balken immer wichtig ist. Sobald eure Feinde am Zug sind, kommt jedoch erst die Tragweite des Kampfgeschehens zum Ausmaß. Deren Angriffen könnt ihr nämlich durch Sprünge, durch Ducken und durch den Einsatz eures Schildes ausweichen bzw. sie sogar parieren. Gelingt euch das im richtigen Augenblick, füllt sich nicht nur eure Ausdauer rapide, sondern sie werden für euch zum leichten Ziel und erhalten deutlich mehr Schaden. Spannend hierbei ist, dass ihr die Aktionen eurer Feinde anhand kleinerer Nuancen in ihrem Verhalten erkennen könnt. Erst wenn ihr diese erkennt und verinnerlicht, werden die Kämpfe zu euren Gunsten enden. Sollte euch das alles einmal zu viel sein, könnt ihr Kämpfe mit einer ausreichenden Menge an Gold auch direkt zu eurem Sieg erklären.


Für jeden erfolgreichen Kampf erhaltet ihr, wie aus Rollenspielen bekannt, einige Erfahrungspunkte, welche sich stetig aufsummieren. Sobald ihr genug gesammelt habt, steigt ihr in eurem Level und habt anschließend drei Möglichkeiten zur Auswahl, euch zu stärken. So könnt ihr wählen, ob eure Energie, eure Angriffskraft oder eure Ausdauer eine Erhöhung benötigt. Toll ist, dass die gesamte Inszenierung des Levelaufstiegs sehr an die Rollenspiele der Mario-&-Luigi-Reihe erinnert. Hier hat man sich am großen Vorbild orientiert und seine eigene Version geschaffen. Das rundet das Gesamtpaket an Rollenspielelementen wunderbar ab und fügt sich nicht nur passend, sondern zugleich auch abwechslungsreich in das Spielgeschehen ein.


Verrücktheiten wie diese Party finden sich überall im Spiel. © Digerati

Neben all den Kämpfen und zu erledigenden Aufgaben lädt die gesamte Spielwelt zum Erkunden ein. Hierzu tragen vor allem die unzähligen Charaktere bei, welche allesamt auf ihre Art und Weise überspitzt dargestellt sind, ohne sie dabei ad absurdum zu führen. Sie wirken in ihren Rollen überzeugend und es macht viel Spaß, den Gesprächen zu folgen. Darüber hinaus werdet ihr auf eurer Reise eine große Menge an Schatztruhen finden. Diese sind entweder prall gefüllt mit Münzen oder haben auch mal die ein oder andere Verbesserung eurer Attribute zur Folge. Doch auch Musik-Tapes findet man an ganz unterschiedlichen Stellen, welche ihr euch in ruhigen Momenten anhören könnt. Zuletzt sind auch im gesamten Spiel Wohnungsschlüssel versteckt, welche im Schloss von Mr. Stitches so einige Türen öffnen. Was sich dahinter verbirgt, wird an dieser Stelle jedoch nicht verraten...


Neben den beschriebenen Spielementen weiß UnderHero auch immer wieder zu überraschen. Hat man Bedenken, den nächsten unzähligen Kampf im nächsten Bildschirm zu absolvieren, wird man plötzlich von kleineren Rhythmusspielen überrascht, welche das gesamte Abenteuer nochmals auflockern. Weitere überraschende Passagen finden sich im gesamten Spiel wieder, was nicht nur für eine angenehme Abwechslung sorgt, sondern auch spielerisch unheimlich viel Spaß macht. Da die Ideen eben nicht willkürlich integriert wurden, sondern an das komplette Abenteuer angepasst wurden, habt ihr nicht das Gefühl, dass etwas erzwungen wirkt. Es greift schön ineinander und dadurch kommt nie das Gefühl auf, etwas wurde, ohne intensiv darüber nachgedacht zu haben, in das Spiel integriert.


Technisch macht UnderHero insgesamt eine gute Figur. In die gesamte Optik wurde sehr viel Zeit investiert, sodass ein stimmiges Bild entstehen konnte. Grundsätzlich lauft auch alles wunderbar flüssig, lediglich in den Bereichen mit vielen NPCs kommt es hin und wieder zu Einbrüchen der Framerate. Darüber hinaus sind die vielen Titel des Soundtracks sehr eindrucksvoll, sodass die Möglichkeit, diese freizuschalten, ein wirklicher Mehrwert ist, welchen man gerne nutzt. Daher kann ich jedem Fan von Klassikern wie der Mario-&-Luigi-Reihe den Titel bedenkenlos empfehlen. Alle anderen können und sollten ebenfalls zumindest einen kurzen Blick riskieren, da zwei doch sehr unterschiedliche Genres sehr gut miteinander verbunden werden.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Maik Styppa-Braun

UnderHero macht seinem Namen alle Ehre. Hier haben wir ausnahmsweise wirklich mal einen Helden, welcher gar nicht danach aussieht und eigentlich auch keiner sein wollte. Dies sorgt im gesamten Spiel für eine angenehme Frische, da die Unterhaltungen und Ereignisse einfach nicht dem eines typischen Abenteuers entsprechen. Dazu kommt, dass für mich sehr stimmige Kampfsystem, welches eine angenehme Lernkurve hat, da man die Feinde analysieren muss, um ihnen zu trotzen. Dass es hin und wieder zu kleineren Einbrüchen der Framerate kommt, ist etwas schade, da das gesamte Bild ansonsten ein durchweg positives ist. Vielleicht haben wir ja Glück und erhalten in Zukunft ein kleines Update, welches sich diesen Schönheitsfehlern annimmt.
Mein persönliches Highlight: Die abwechslungsreichen Gegner und die Kämpfe mit diesen

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 0

  • Noch keine Kommentare verfasst :(