Homeoffice würde wohl weniger Schaden anrichten

Im Rahmen der überraschenden Nintendo Direct Mini-Ausgabe im März, kündigte Nintendo den Titel Good Job! an. Von dem niederländischen Studio Paladin Games entwickelt, konnte Nintendo als Publisher gewonnen werden. In dem Spiel erklimmt ihr die Karriereleiter durch das Erfüllen unterschiedlicher Aufträge. Wie ihr die Aufträge erfüllt, ist allerdings irrelevant, es geht nur darum, dass ihr die Aufträge erfüllt. Somit öffnet sich ein Sandkastenprinzip, welches euch die Vorgehensweise erlaubt, die euch am liebsten ist. Deshalb gibt es mindestens zwei Lösungsmöglichkeiten einer Aufgabe.


Die faulen Mitarbeiter wollen nicht freiwillig zur Arbeit gehen, dann schieben wir sie halt dahin. © Nintendo

Die Karrierestufen werden in diesem Spiel in Form von Etagen symbolisiert, auf jeder Etage sind vier Räume platziert und in jedem davon wartet eine Aufgabe auf euch. So schlagt ihr euch zu Beginn durch die Buchhaltung, folgt später in die Logistik und steigt dann weiter und weiter aufwärts bis ihr nach Bewältigen der Chefetage im Penthouse landet. Die Aufgaben sind hier wirklich vielfältig und auch wenn sich Aufgaben im Wortlaut ähneln sollten, die Umsetzung der Aufträge ist sehr unterschiedlich. Jede Aufgabe kann wie schon erwähnt auf mindestens zwei Arten erledigt werden, dazu zwei Beispiele:


In einer Mission haben die Mitarbeiter viel zu viel Zeit in der Mittagspause verbracht, sie sollten schnellstmöglich wieder in den Konferenzsaal zurückgebracht werden. Am einfachsten ist es dabei den Stuhl zu nehmen, auf dem der Mitarbeiter sitzt und diesen bis hin in den Konferenzsaal zu schieben. Doch die viel kreativere Methode ist es, ein Kabel in die Steckdose zu stecken und durch das Kabel eine Art Katapult aufbauen. Den Stuhl schiebt man auf das Katapult und katapultiert den armen Mitarbeiter auf seinem Bürostuhl durch die Wand in den Konferenzsaal. (Siehe auch erstes Bild des Testberichts)


In einer anderen Aufgabe müsst ihr den gesamten Boden aufwischen, da die unfähigen Mitarbeiter des Unternehmens nicht mit Chemikalien umgehen können und eine große Menge des pinken Glibbers verschüttet haben. Entweder ihr schnappt euch einen Wischmopp und reinigt nach und nach den gesamten Boden oder ihr nehmt die Reinigungsmaschine, die aber so viel Energie hat, dass sie euch durch den gesamten Raum schleudert und ihr die gesamten Wände einreißt (zu sehen auf dem letzten Bild des Testberichts).


Kreative Köpfe werden hier viel Freude haben


Nahezu jede Mission kann auf mindestens zwei Arten erledigt werden. Die chaotische Methode sorgt zumeist dafür, dass der Sachschaden besonders hoch ist. Doch keine Sorge, da euer Vater das Unternehmen leitet, werdet ihr trotzdem befördert, nur die Abschlussbewertung der Arbeit ist dann nicht so gut. Doch diese ist eher weniger relevant für das Gameplay, sondern für die spielinterne Punktzahl. Drei der vier Level pro Karrierestufe können in beliebiger Reihenfolge gespielt werden, nur das vierte Level kann erst gespielt werden, wenn die ersten drei abgeschlossen sind. Dies ist auch gut so, denn die Durchführung der Aufgabe im vierten Level baut meist auf der Erfahrung der ersten drei Aufgaben auf und verknüpft so die Denkweise bei der Lösung der Probleme.


Mit zwei Spielern macht das Spiel umso mehr Spaß! © Nintendo

Grafisch ist das Spiel recht detailliert und das auch, wenn alle Mitarbeiter nur kleine Strichmännchen sind. Die 2,5D-Perspektive mit nicht-rotierbarer Kamera passt zu diesem Spielprinzip besonders gut. Das Missionsdesign muss ich besonders loben, es ist die große Stärke des Spiels. Durch das Sandkastenprinzip würde ich das Spiel nicht unbedingt als Rätselspiel bezeichnen, sondern als ein Spiel für kreative Köpfe. Wer besonders kreativ ist, wird mit Chaos und Zerstörung belohnt. Manchmal interagieren auch die nicht spielbaren Charaktere auf die eigene Vorgehensweise. Nehmen wir wieder das Beispiel-Level, in welchem ihr den Glibber entfernen müsst. Hier laufen Mitarbeiter zur Glibberquelle, befüllen ihre Reagenzgläser und kippen diese über dem Boden aus. Um das zu Verhindern müsst ihr die Glibberquelle durch einen Schalter ausstellen.


Ob alleine oder zu zweit, das Gameplay erlaubt beides


Die gesamte Kampagne kann nicht nur alleine, sondern auch zu zweit gespielt werden. Dies wurde durch einen dynamischen Splitscreen gelöst. Sind die Spieler in der Nähe, werden diese auf dem großen Bildschirm abgebildet, entfernen sie sich voneinander wird der Bildschirm zweigeteilt. Manchmal geht da etwas die Übersicht verloren, da die gesamten Objekte relativ klein sind, doch ist mir diese Methode wesentlich lieber als unsichtbare Wände, die die Spieler zusammenhalten. Ich bin aber nicht besonders traurig darüber, dass es keine exklusiven Koop-Level gibt, denn so ist man immer flexibel und kann die Kampagne alleine oder zu zweit spielen. Genug Werkzeuge sind für beide Spieler in den einzelnen Levels vorhanden.


Eine dynamische Kamera kommt euch im Mehrspieler-Modus zugute. © Nintendo

Das Spiel ist nicht perfekt, denn mir sind in meiner Testsession einige technische Probleme aufgefallen. Zum einen ist die Steuerung relativ unpräzise. Es ist schön, dass neben jedem Objekt die jeweilige Tastenbelegung durch ein kleines Pop-up-Symbol angezeigt wird, doch leider stockt die Steuerung etwas. Muss man beispielsweise eine Kugel rollen, rollt diese viel zu oft in die falsche Richtung und geht somit verloren. Abgesehen davon sind in diesem Spiel einige auffällige Bugs vorhanden, diese sind oftmals nicht schlimm, doch manchmal stockt der spielbare Charakter an einer Stelle für wenige Sekunden. Es sind wirklich nur Kleinigkeiten, die nur wenig den Spielspaß mildern. Denn nicht nur der Umfang ist mit etwas mehr als 5 Stunden Spielzeit ausreichend, die Physik des großen Sandkastens klappt – sofern die Fehler nicht auftreten – richtig gut.


In jedem Level sind außerdem Kostüme versteckt, mal sehr gut und mal ziemlich offensichtlich, doch an diese dranzukommen ist nicht immer so einfach. Mich persönlich haben die Kostüme nicht besonders interessiert, denn durch die kleinen Charaktermodelle sieht man wenig davon. Abgesehen davon werdet ihr nach Beendigung des Levels nach amerikanischen Schulnoten bewertet. Bessere Bewertungen erreicht ihr, wenn ihr die Levels so schnell wie möglich abschließt und auf dem Weg so wenig Schaden wie möglich verursacht. Beim erneuten Spielen könnte es sogar dazu kommen, dass ihr neue Lösungswege kennenlernt und somit sich die Levels komplett anders spielen.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Ilja Rodstein

Good Job! ist ein Nintendo Switch-Geheimtipp für die, die ihre Arbeit mehr als vermissen. Durch das Sandkastenprinzip machen die Aufträge, die ihr in der Firma eures Vaters erfüllen müsst, einen großen Spaß. Es ist weniger das Spiel für die Denker, sondern für die kreativen Köpfe, denn jeder Auftrag kann in mindestens zwei Varianten erfüllt werden. Das Spiel kann alleine oder auch im Koop-Modus gespielt werden, es gibt dabei keine Vor- oder Nachteile wenn ihr alleine oder als Team spielt. Die etwas unpräzise Steuerung und die auftretenden Bugs sind allerdings nur kleine Kritikpunkte, die dem abwechslungsreichen Spiel kaum den Spielspaß verwehren.
Mein persönliches Highlight: Wenn du eine falsche Bewegung machst und sich die Bürowand verabschieden muss.

Awards

Spiele-Hit Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

3 User haben bereits bewertet

Kommentare 5

  • Raveth

    Meister des Turms

    Das Spiel ist unglaublich lustig. Hab meiner Freundin beim spielen zu geschaut. :D

  • heart_of_chrome

    Turmritter

    Ich möchte dieses Spiel unbedingt ausprobieren, aber 20 Euro für fünf Stunden ist einfach zu viel, v.a. weil dieses Spiel graphisch auch nicht der aufwendige AAA-Blockbuster ist. Im Sale werde ich es definitiv mitnehmen, solange kann ich warten.

  • Pogopuschel

    Turmritter

    Im Sale werd ich auch definitiv zuschlagen. Kann auch noch solange warten, weil ich mehr als genug Zeug zum Spielen hab.
    Obwohl mich das Video in der Direct sofort so arg angemacht hat, dass ich es am liebsten direkt gespielt hätte. Aber aktuell geb ich ungern einfach so mal eben 20€ aus.

  • Qiqi

    Turmknappe

    Hi Ilja,
    danke für den Test. :) Ich werde es mir wahrscheinlich holen, wenn es günstiger wird.


    Hinweis: Den Absatz nach der Unterüberschrift: Kreative Köpfe werden hier viel Freude haben
    hast du bereits im dritten Absatz verpackt.

  • Dennis Gröschke

    Rabbit Season

    @Qiqi
    Vielen Dank für den Hinweis, ist uns doch durchgerutscht. Ich hab es gefixt.