Test zu Totally Reliable Delivery Service - Nintendo Switch

  • Deutschland Deutschland: Totally Reliable Delivery Service
  • USA USA: Totally Reliable Delivery Service
Plattform
Nintendo Switch
Erscheinungsdatum
01.04.2020
Vertrieb
tinyBuild Games
Entwickler
We're Five Games
Genre
Action, 3D
Spieleranzahl
Lokal: 4 - Online: 4
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Der etwas andere Lieferservice ...

Von Erik Radtke () In Totally Reliable Delivery Service besteht eure Aufgabe in dem Zustellen von Frachten. Auf den ersten Blick klingt das vielleicht langweilig, doch das ist Totally Reliable Delivery Service auf keinen Fall. Dafür ist vor allem die sehr spezielle Ragdoll-Physikengine ausschlaggebend. Diese ist ähnlich wie bei Human: Fall Flat: Alles ist etwas träge und nicht sehr realistisch. So wird euch das Transportieren der Ware sichtlich erschwert. Große Abwechslung bietet das Spiel vor allem durch die verschiedenen Transportmittel und Schauplätze. Leider wird der Spielspaß trotzdem durch die technische Umsetzung der Nintendo Switch-Version geschmälert, denn nicht nur die dürftige Grafik, auch die Performance lässt zu wünschen übrig.

Der Start in eine neue Karriere!

Das Tutorial im Ladebildschirm erklärt euch kurz die wichtigsten Tasten und Funktionen – und davon gibt es einige. So gut wie jeder Knopf auf eurem Controller wird für die außergewöhnliche Steuerung verwendet. Das heißt wiederum, dass eine gewisse Fingerakrobatik vonnöten ist. Daraus ergibt sich ein weiteres Problem: Die Joy-Cons können nicht einzeln verwendet werden, was wohl für viele die Spontanität der Nintendo Switch ausmacht. Ebenfalls wird dies für einige den lokalen Mehrspielermodus unmöglich machen, denn nicht jeder hat zwei weitere Joy-Cons oder einen Pro-Controller im Besitz, um mit mehreren Personen an einer Konsole zu spielen. Das ist vor allem deshalb bitter, weil der Mehrspieler in diesem Spiel wirklich wichtig ist, aber dazu später mehr. Die Steuerung ist gerade am Anfang sehr schwierig, was jedoch nicht unbedingt etwas Schlechtes ist, denn diese ist ein großer Teil des Spielspaßes in Totally Reliable Delivery Service. Allein ist das Ausliefern der Ware aber wirklich sehr schwierig, weshalb Teamwork empfehlenswert ist.

Hier bekommt ihr eure Frachten. Auf dem Automaten wird euer bester Versuch angezeigt. © tinyBuild

Totally Reliable Delivery Service besitzt keine wirkliche Story. Ihr startet auf einem Firmengelände (sollte man es denn so nennen können) und seid dort auf euch alleine gestellt. Eure Frachten bekommt ihr an den dafür vorgesehenen Automaten. Hier müsst ihr an einem gelben Hebel ziehen, und schon geht es los: Ein Paket wird aus dem Automaten ausgespuckt und eure Aufgabe erscheint am linken oberen Bildschirmrand. Dabei bekommt ihr eine von zwei möglichen Missionen zugeteilt: Entweder liefert ihr euer Paket in einer bestimmten Zeit ab, oder ihr müsst darauf aufpassen, dass eure Fracht während der Zustellung nicht kaputt geht. Ob ihr erfolgreich seid oder nicht, erfahrt ihr links oben in eurer Aufgabenzusammenfassung. Dort seht ihr entweder einen goldenen, silbernen oder bronzenen Pokal. Diese hängen davon ab, ob ihr das entsprechende Zeitlimit einhaltet bzw. wenig Schaden anrichtet. Wenn ihr euer Paket abgebt, seht ihr ebenfalls noch mal, welchen Pokal ihr erhalten und wie viel Geld ihr damit verdient habt – abhängig natürlich von eurer Leistung.

Das verdiente Geld kann man für den Kauf weiterer Fahrzeuge nutzen, die man seinem Fuhrpark hinzufügen kann. Abwechslung an Transportmitteln ist auf jeden Fall gegeben, was ein sehr großer Pluspunkt dieses Spiels ist. Ihr könnt auch in der Luft, zum Beispiel mit einem Helikopter, Hängegleiter oder Flugzeug, unterwegs sein. Auch im Wasser habt ihr die Wahl zwischen verschiedenen Booten oder einer nicht von euch steuerbaren Fähre. Und an Land gibt es wohl die größte Auswahl: Gabelstapler, Lkw, Auto, Buggy, Boxauto oder Schlitten. Dabei steuert sich jedes Fahrzeug komplett unterschiedlich. Für mich ist die Transportmittel-Auswahl mit Abstand der beste Punkt des Spiels. Die einzelnen Schauplätze sind ebenfalls abwechslungsreich: Gerade fuhr man noch auf einen großen schneebedeckten Berg, da ist man schon wieder im Tal in einer sommerlichen Stadt, in welcher man am liebsten baden gehen würde – was allerdings nicht geht, da man im Wasser zurückgesetzt wird.

Euer Charakter lässt sich vielseitig anpassen. © tinyBuild


Ebenfalls schaltet ihr mit der Zeit weitere Anpassungsmöglichkeiten für euren Charakter frei. Diese sehen teilweise recht verrückt aus und verleihen dem Spieler viele Freiräume, seinen Charakter so anzupassen, wie es ihm gefällt. Am Anfang wirkt die Auswahl sehr gering, da es zum Beispiel nur wenige Frisuren gibt. Man sieht zwar viele weitere, aber für diese benötigt man das Dresscode-DLC. Das schreckt zuerst sehr ab, da man erst im Laufe des Spieles erkennt, dass man mit fast jeder Lieferung einen neuen Kosmetik-Gegenstand freischaltet. Daher finde ich nicht gut, dass einem das DLC quasi aufgedrängt wird. Auch das Menü zum Verändern des Charakters ist nicht ideal und unübersichtlich, die Auswahl der einzelnen Klamotten oft anstrengend. Zudem kann man seinen Charakter leider nicht drehen. Hier hätten sich die Entwickler etwas mehr Mühe geben können.

Besonders nervig: Nach dem Abgeben der Fracht steckt man oftmals fest und kann nur durch ein Zurücksetzen im Menü wieder herauskommen. © tinyBuild

Technisch ist das Spiel fast schon eine Katastrophe. An vielen Stellen ist es ohne Probleme spielbar, dann macht es auch wirklich Spaß. Auch die Bugs und Glitches sorgen am Anfang für den ein oder anderen Lacher. Doch nach einigen Stunden nerven diese einfach nur, wenn man zum zehnten Mal auf „Wiedereinsteigen“ gedrückt hat, da man in irgendeiner Wand feststeckt. Die Performance ist vor allem im Splitscreen-Modus problematisch. Die Framerate stürzt an einigen Stellen, zumindest gefühlt, unter die 30-FPS ab. Von den Vögeln möchte ich gar nicht erst anfangen. Klar ist es schön, dass es überhaupt welche gibt, aber sie ähneln manchmal einer Diashow. Objekte ploppen oft spät auf und die Grafik ist teilweise sehr schlecht. Sie hat zwar ihren Charme, da sie zum allgemeinen Stil des Spiels passt, aber schön ist etwas anderes.

Die Musik ist nicht sehr abwechslungsreich und besteht aus zwei verschiedenen Songs, die in Dauerschleife abgespielt werden. Die Titel passen aber gut zum Spiel und man kann sie sich auch öfter anhören, ohne genug davon zu haben. Der restliche Sound ist eher weniger professionell. Egal ob Frau oder Mann, die Figuren haben nur eine Sprachausgabe und klingen also alle gleich, nämlich männlich. Die Lautstärke der Explosionen und Aufprallgeräusche ist im Vergleich zum übrigen Sound viel zu hoch, was manchmal ohrenbetäubend werden kann. Teilweise hatte ich auch das Gefühl, dass das Spiel auf der Nintendo Switch nicht ausreichend getestet wurde, da z. B. bei einem Booster-Auto, mit welchem man durch die Luft fliegen kann, steht: „Drücke B für einen Boost.“ Drücke ich die B-Taste, passiert aber nichts, denn der Boost wurde auf die A-Taste des Controllers gelegt. Solche Fehler dürfen in meinen Augen nicht passieren. Wahrscheinlich wurde nicht bedacht, dass die Tasten des Switch-Controllers anders sind als die des Xbox-Controllers.

Nach einer Explosion könnt ihr die Insel von oben bestaunen. Gerade im Mehrspielermodus sorgt dies für viele Lacher. © tinyBuild

Wie bereits erwähnt, ist für mich der Mehrspielermodus ausschlaggebend. Teamwork ist der Schlüssel zum Erfolg und macht bei diesem Spiel wirklich den Spaßfaktor aus. Glücklicherweise gibt es einen lokalen und einen Online-Mehrspielermodus für bis zu vier Spieler, sodass ihr nicht immer Freunde parat haben müsst. In meinem Test habe ich das Spiel mit verschiedenen Altersgruppen getestet, wobei auffiel, dass vor allem jüngere Spieler viel Spaß hatten, weil es oft etwas zu lachen gibt.

Neben den über 100 Liefer-Missionen gibt es auch die Möglichkeit, weitere über DLCs freizuschalten. So gibt es neben dem Hauptspiel drei Erweiterungen. Das „Cyberfunk“ und „Stunt Sets“-DLC erweitert euer Spiel um jeweils eine weitere Insel mit jeweils 15 neuen Lieferungen und neuen Transportmitteln. Diese kosten jeweils 4,99 €. Das oben genannte „Dress Code“-DLC erweitert lediglich eure Anpassungsmöglichkeiten und hat einen Preis von 2,99 €. Solltet ihr alle drei DLCs wollen, könnt ihr euch auch das „Totally Reliable Delivery Service Express Package“ für 9,99 € kaufen. Wenn ihr euch von Anfang an sicher seid, kauft euch am besten für 9 € Aufpreis die Deluxe-Edition des Spiels.

Redaktionswertung

5

Für Genre-Fans

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Unser Fazit zu Totally Reliable Delivery Service

Meinung von Erik Radtke
Totally Reliable Delivery Service ist etwas besonders. Einerseits hatte ich beim Spielen mit anderen sehr viel Spaß, allerdings vor allem durch die zufällig auftretenden Bugs. Ich habe teilweise wirklich Tränen gelacht. Andererseits machen die technischen Mängel das Spiel wiederum auf Dauer echt anstrengend. Seien es die Bugs, die Perfomance oder das Sounddesign: Wer Spiele wie Human: Fall Flat oder den Goat Simulator liebt, der wird auch in diesem Spiel auf seine Kosten kommen. Mit Kindern oder bei einem geselligen Abend mit Freunden erfüllt das Spiel seinen Zweck und unterhält wirklich sehr. Für einige lustige Abende werde ich das Spiel auch zukünftig immer mal wieder einschalten. Für Hardcore-Gamer, die wirklich nur auf Bestzeiten der einzelnen Lieferungen aus sind, ist dieses Spiel aufgrund der angesprochenen Probleme leider nichts.
Mein persönliches Highlight: Die wirklich sehr abwechslungsreichen Transportmittel.

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