Im Weltraum hört dich niemand würfeln…

Eine tödliche Mission zum Mars, eine verzweifelte Besatzung und eine Katastrophe nach der anderen. Tharsis, das am 11. April für die Nintendo Switch erschienen ist, weist viele Bestandteile auf, die eine gelungene Scifi-Handlung ausmachen. Im Kern wollen die Entwickler von Choice Provisions aber keine spannende Geschichte erzählen, sondern bieten euch mit ihrem neuen Werk eine etwas eigenwillige Kombination aus Strategie- und Würfelspiel, für die ihr vor allem zwei Dinge mitbringen müsst: Glück und Geduld.


In dieser Übersicht entscheidet ihr, welche Aufgaben ihr zuerst bewältigen wollt. © QubicGames

Die Handlung rund um eine Mars-Mission ist dabei letztendlich, trotz der interessanten Grundidee, nur schmuckes Beiwerk. Ihr begleitet die Besatzung eines Forschungsschiffs, das auf der Reise zum Mars einen Funkspruch aus der Vulkan-Region Tharsis empfängt. Die Frage, wer oder was das Signal gesendet hat, treibt die Truppe immer weiter in Richtung des roten Planeten. Auf dieser Reise geht so viel schief, wie nur schief gehen kann: Das Schiff wird von Asteroiden geschrammt, wichtige Elektronik fällt aus, die Lebensmittelversorgung wird knapp. Tharsis wirbt damit, den Spieler mit schwerwiegenden Entscheidungen zu konfrontieren, aber im Grunde sind alle Optionen auf der Ebene der Spielmechanik angesiedelt. Die Charaktere selbst bleiben allesamt stumme Protagonisten, die sich nur durch ihre Namen und bestimmte Zusatzfähigkeiten voneinander unterscheiden.


Eure Hauptaufgabe besteht darin, das Schiff funktionsfähig und die Crew-Mitglieder am Leben zu halten. Die Reise zum Mars dauert insgesamt zehn Wochen, was bedeutet, dass ihr zehn Runden lang überleben müsst. In jeder Runde gibt es zufällig zusammengestellte Ereignisse, die entweder dem Schiff Schaden zufügen oder die Gesundheit eurer Mannschaft gefährden. Um ein Ereignis zu lösen, müsst ihr einen eurer Charaktere zum entsprechenden Raumschiff-Abteil schicken und eine Reparatur durchführen. Ob diese erfolgreich ist, wird – ähnlich wie in vielen Pen & Paper-Spielsystemen – durch einen Würfelwurf entschieden. Zur Verfügung stehen euch dabei sechsseitige Standardwürfel, die euch aus den meisten Brettspielen bekannt sein sollten und deren Ergebnisse zusammengezählt werden. Mit drei Würfeln und den Werten drei, vier und sechs könnt ihr beispielsweise einen Schaden vom Wert 13 oder niedriger reparieren.


Alternativ könnt ihr die einzelnen Würfel auch in Forschungsprojekte investieren oder bei hohen Würfen (fünf oder sechs) die Spezialfähigkeiten eurer Charaktere nutzen. Zu letzteren gehört beispielsweise die Fähigkeit der Bordärztin, Spielfiguren zu heilen. Der Kategorie Forschungsprojekte könnt ihr pro Augenzahl einen Würfel zuordnen und so insgesamt sechs Punkte sammeln. Je nachdem, wie viele eurer Punkte ihr einsetzt, könnt ihr unterschiedlich gewichtige Extras freischalten, von denen euch pro Runde immer drei zur Verfügung stehen. Dazu gehören beispielsweise ein Gesundheitsschub für den gerade ausgewählten Charakter oder ein Schutz vor negativen Statuseffekten. Letztere können euch in den Einsätzen zugefügt werden, indem ihr eine bestimmte Zahl würfelt. Der negative Effekt „Stasis“ führt in solchen Situation zum Beispiel dazu, dass ihr den betroffenen Würfel nicht noch einmal werfen dürft. Das ist sonst – je nach Fähigkeit eurer Spielfigur – zwei oder dreimal möglich. Zu Beginn seid ihr auf vier Charaktere festgelegt. Durch die Erfüllung bestimmter Anforderungen könnt ihr für weitere Anläufe Zusatzcharaktere freischalten.


Bei den Einsätzen entscheidet vor allem das Würfelglück. © QubicGames

„Weitere Anläufe“ ist dabei das wichtige Stichwort. Die einzelnen Anläufe im Spiel dauern im schlimmsten Fall nur wenige Minuten. Selbst wenn ihr es bis in die letzten Runden schafft und viel abwägt, werdet ihr für das Durchspielen weniger als eine Stunde brauchen. Das heißt natürlich nur, wenn ihr es soweit schaffen solltet. Tharsis ist ein extrem schwieriges Spiel, in dem alles mit eurem Würfelglück steht und fällt. Wenn ihr Pech habt und einfach niedrig würfelt oder negative Statuseffekte bekommt, wird das Spiel schnell zu Ende sein, selbst wenn ihr durch kluges Taktieren alles aus euren Würfen rausholt. Umgekehrt müsst ihr aber auch bei großem Würfelglück noch darauf achten, eure Chancen sinnvoll zu nutzen, da eure Truppe sonst trotzdem das Zeitliche segnen wird. Eure Erfolgschancen hängen zu 80 % von Glück und zu 20 % von eurer Strategie ab.


In technischer Hinsicht hinterlässt Tharsis einen durchwachsenen Eindruck. Das Spiel sieht nicht besonders schön aus, läuft aber flüssig und lädt relativ zügig. Die Gesichtsanimationen eurer Charaktere sehen gestellt aus, man lernt aber schnell, diese zu ignorieren. Im Handheld-Modus ist die Schrift etwas zu klein, dafür wird aber der Touchscreen unterstützt, was beim Navigieren durch die verschiedenen Menüs nützlich sein kann. Doch auch die Steuerung mit einem Nintendo Switch Pro Controller oder den Joy-Cons geht gut von der Hand, wenn man sich die wesentlichen Tasten eingeprägt hat. Ebenfalls durchwachsen ist die Vertonung des Spiels: In den kurzen Sequenzen zwischen den Einsätzen leisten die englischen Sprecher gute Arbeit. Der Soundtrack ist dafür repetitiv und trägt nicht dazu bei, dem Spiel etwas mehr Atmosphäre zu verleihen. Im besten Fall würde ich die Soundkulisse als nicht störend bezeichnen.

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Adis Selimi

Tharsis gibt sich mit seiner Handlung wenig Mühe. Im Kern handelt es sich um ein Würfelspiel mit ein paar zusätzlichen Strategie-Elementen, das auch in jedem anderen Szenario angesiedelt sein könnte. Das häufige Scheitern führt auf Dauer zwar zu Spielfrust, aber zumindest in den ersten Runden war ich motiviert genug, immer nochmal einen weiteren Anlauf zu wagen. Wer sich den Titel holt, sollte sich aber darüber bewusst sein, dass mit eurem Würfelglück alles steht und fällt. Tharsis wird euch nicht lange unterhalten, ein paar kurzweilige Würfelrunden bekommt ihr für den Preis von 11,99 € aber geboten.
Mein persönliches Highlight: DIe Freude über einen guten Würfelwurf.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Pascal Hartmann

    Ta da da daaaaaaa

    Schade, dass das Spiel beim Tester nicht so gut ankam. Ich hatte auf der PS4 meinen Spaß mit Tharsis. Was aber auch daran lag, dass es durch die Trophäen mehr Ziele gibt als das simple Durchspielen und Freischalten der weiteren Charaktere. Dadurch scheint auf der Switch ein guter Grad an Motivation zu fehlen. Etwas ähnliches ist mir jetzt auch gerade erst bei Songbird Symphony aufgefallen. In diesem Spiel kann man Räume finden und eine Nebenquest machen, die scheinbar keinen Verwendungszweck haben. Aber das nur auf der Switch, denn auf den anderen Konsolen gibts dafür ne Trophäe/Achievement...


    Nochmal kurz zurück zu Tharsis: Ja, der Glücksfaktor ist hoch, aber man sollte die Wichtigkeit von Taktik und klugem Einsatz der Würfel und Figuren nicht zu gering einschätzen. Wer sich keinen Plan zurechtlegt und nicht zumindest ein paar Züge im Voraus denkt, hat es auch mit den besten Würfelwürfen schwer. Das habe ich beim Probespielen anderer zu Genüge gesehen.